Türkei gratuliert neuem Hamas-TerrorchefTürkei gratuliert neuem Hamas-Terrorchef
Hakan Fidan empfängt Khalil al-Hayya nur neun Tage nach dessen Wahl und lobt die Hamas für ihren angeblichen Beitrag zum Frieden. Ankara macht die Führung der Terrororganisation erneut politisch salonfähig.

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Der neue Anführer der HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen musste nicht lange auf internationale Anerkennung warten. Nur neun Tage nach seiner Wahl zum Vorsitzenden des Politbüros wurde Khalil al-Hayya in Ankara vom türkischen Außenminister Hakan Fidan empfangen. Fidan beglückwünschte ihn ausdrücklich zu seinem neuen Amt, versicherte ihm die weitere Unterstützung der Türkei und würdigte auch noch die angebliche Rolle der Hamas bei den Bemühungen um Frieden im GazastreifenPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen.
Das ist kein gewöhnliches diplomatisches Gespräch und keine neutrale Vermittlung. Ein Außenminister des NATO-Staates Türkei gratuliert dem neuen Anführer einer Terrororganisation, die das Massaker vom 7. Oktober7. Oktober 2023: Das Hamas-Massaker, das Israel veränderteDer 7. Oktober 2023 war der Tag des Hamas-Massakers in Israel. Terroristen aus Gaza ermordeten etwa 1.200 Menschen, vor allem Zivilisten, und verschleppten mehr als 240 Geiseln in den Gazastreifen.Mehr lesen 2023 zu verantworten hat. Mehr als 1.200 Menschen wurden damals in IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen ermordet, Tausende verletzt und Hunderte als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt. Dennoch präsentierte Ankara al-Hayya nicht als Verantwortlichen einer mörderischen Organisation, sondern als politischen Partner, dessen Aufstieg Anerkennung verdient.
In der veröffentlichten türkischen Darstellung findet sich kein Hinweis darauf, dass Fidan die Freilassung aller verbliebenen Geiseln verlangt hätte. Ebenso wenig wird eine Forderung nach der vollständigen Entwaffnung der Hamas erwähnt. Kein Wort ist von der Auflösung ihrer TerrorstrukturenTerrorinfrastruktur: Wie Terrorgruppen Krieg in zivile Räume verlagernTerrorinfrastruktur bezeichnet Einrichtungen, Netzwerke und Strukturen, die Terrororganisationen für Angriffe, Waffenlagerung, Kommandoführung, Ausbildung, Raketenbeschuss, Tunnelbau oder Logistik nutzen. Besonders gefährlich wird sie, wenn sie in Wohngebieten, Schulen, Moscheen oder Krankenhäusern versteckt wird.Mehr lesen, der Anerkennung IsraelsExistenzrecht Israels: Das Recht des jüdischen Staates auf SicherheitDas Existenzrecht Israels bezeichnet das Recht des jüdischen Staates, als souveräner Staat sicher und anerkannt zu bestehen. Wer Israel dieses Recht abspricht, kritisiert nicht nur eine Regierung, sondern stellt jüdische Selbstbestimmung grundsätzlich infrage.Mehr lesen oder einer Verurteilung des 7. Oktober zu lesen. Stattdessen durfte al-Hayya seine Vorwürfe gegen Israel vortragen und die Hamas als Teilnehmerin angeblicher Friedensbemühungen darstellen.
Fidan übernahm dieses Bild nicht nur, er verstärkte es. Nach Angaben der staatlichen türkischen Nachrichtenagentur Anadolu bekräftigte der Außenminister die Unterstützung Ankaras für die palästinensische Sache auf allen internationalen Ebenen. Zugleich dankte er der Hamas für ihre Rolle im sogenannten Friedensprozess. Damit verwischt die türkische Regierung bewusst den Unterschied zwischen der palästinensischen Bevölkerung und jener Terrororganisation, die Gaza über Jahre beherrschte, ihre Gegner unterdrückte und den Krieg mit Israel durch das Massaker vom 7. Oktober auslöste.
Ankara macht aus einem Terrorchef einen Staatsmann
Khalil al-Hayya wurde am 20. Juli zum neuen politischen Anführer der Hamas gewählt. Er trat die Nachfolge Yahya Sinwars an, des Architekten des Massakers vom 7. Oktober, der im Oktober 2024 von israelischen Soldaten getötet wurde. Al-Hayya gehörte bereits zuvor zur engsten Führung der Organisation und leitete ihre Verhandlungsdelegationen. Er lebt wie zahlreiche andere Hamas-Funktionäre außerhalb des Gazastreifens, überwiegend in Katar.
Seine Wahl steht nicht für einen gemäßigten Kurs. Al-Hayya gilt als besonders eng mit Iran und dessen Terrornetz verbunden. Er setzte sich innerhalb der Hamas gegen Khaled Maschal durch, der gegenüber einigen sunnitisch-arabischen Staaten als leichter vermittelbar galt. Beobachter werteten al-Hayyas Aufstieg deshalb als Zeichen dafür, dass die Hamas an ihrem bewaffneten Kampf festhalten und eine vollständige Entwaffnung weiterhin ablehnen will.
Gerade diesen Mann empfängt Ankara wenige Tage später mit Glückwünschen. Die Bilder und Berichte aus der türkischen Hauptstadt sind für die Hamas von erheblichem Wert. Eine militärisch geschwächte Terrororganisation erhält damit politische Anerkennung. Ihr neuer Anführer kann sich als internationaler Gesprächspartner zeigen, obwohl seine Organisation weder ihre Waffen abgegeben noch ihr Ziel aufgegeben hat, Israel zu bekämpfen.
Die Hamas versucht seit Langem, ihre militärische und politische Führung sprachlich voneinander zu trennen. Ihre Vertreter treten im Ausland in Anzügen auf, sprechen von Verhandlungen, Versöhnung und humanitärer Hilfe. Doch dieselbe Führung entscheidet über den Einsatz der bewaffneten Verbände, verteidigt Terrorangriffe und verhindert die Entwaffnung der Organisation. Ein Politbüro macht aus der Hamas keine zivile Partei. Es ist die politische Führung einer Terrororganisation.
Die Europäische Union führt die Hamas weiterhin als terroristische Vereinigung. Im Mai 2026 verschärfte der Rat der Europäischen Union sogar den Sanktionsrahmen gegen Mitglieder des Hamas-Politbüros, die Gewalttaten fördern, verteidigen oder rechtfertigen. Während Europa die politische Führung der Hamas stärker ins Visier nimmt, empfängt die Türkei deren neuen Vorsitzenden mit Glückwünschen.
Die Türkei gehört seit 1952 der NATO an. Das Bündnis beruht nach seinem eigenen Verständnis auf gemeinsamer Sicherheit und der Abwehr von Bedrohungen. Ankara nutzt die politische Bedeutung dieser Mitgliedschaft, unterstützt gleichzeitig jedoch eine Organisation, die von der Europäischen Union und den Vereinigten Staaten als terroristisch eingestuft wird.
Dieser Widerspruch wird nicht dadurch kleiner, dass die türkische Regierung ihre Kontakte als Friedenspolitik bezeichnet. Vermittlung kann Gespräche mit Feinden erforderlich machen. Doch ein Vermittler gratuliert einem Terrorführer nicht zu dessen Beförderung. Er lobt dessen Organisation nicht für einen Friedensbeitrag, solange sie ihre Waffen behält. Und er verschweigt nicht die Opfer, während er die Forderungen der Täter öffentlich verbreitet.
Keine Vermittlung, sondern politische Rückendeckung
Ankara pflegt seit Jahren enge Beziehungen zur Hamas. Führende Funktionäre werden regelmäßig in der Türkei oder von türkischen Regierungsvertretern in Katar empfangen. Fidan traf bereits im März 2026 eine von al-Hayya geleitete Hamas-Delegation in Ankara. Im Mai besuchte er den Funktionär in Doha zu einem persönlichen Beileidstermin. Das Treffen vom 29. Juli ist daher keine Ausnahme, sondern die Fortsetzung einer bewusst gepflegten Partnerschaft.
Präsident Recep Tayyip Erdogan weigert sich seit Jahren, die Hamas als Terrororganisation zu bezeichnen. Er stellt sie stattdessen als Widerstandsbewegung dar. Diese Haltung ermöglicht es der Hamas, die Türkei als politischen Rückzugsraum, internationale Bühne und Verbindung zu anderen Staaten zu nutzen.
Für Israel ist das nicht hinnehmbar. Die Hamas kann nicht gleichzeitig Terrororganisation und anerkannter Friedenspartner sein. Sie kann nicht den 7. Oktober verantworten, Geiseln verschleppen, ihre Entwaffnung verweigern und anschließend von einem NATO-Staat für ihre angebliche Friedensarbeit gelobt werden.
Humanitäre Hilfe für die Menschen im Gazastreifen ist notwendig. Unterstützung für die Hamas ist es nicht. Wer beides vermischt, hilft nicht der Bevölkerung, sondern stärkt jene Organisation, die Gaza für ihren Krieg missbraucht hat. Ankara verschafft der Hamas genau jene politische Überlebensmöglichkeit, die sie nach ihrer militärischen Niederlage sucht.
Al-Hayya behauptete bei dem Treffen, seine Organisation bemühe sich um eine Verständigung mit anderen palästinensischen Gruppen und um Fortschritte bei den Verhandlungen. Doch jede solche Behauptung bleibt wertlos, solange die Hamas ihre Waffen nicht abgibt, die Geiseln nicht vollständig freilässt und Israel weiterhin als Feind betrachtet, der beseitigt werden soll.
Fidan hätte al-Hayya eine unmissverständliche Botschaft übermitteln müssen: Ohne Entwaffnung, ohne Ende der Terrorherrschaft und ohne Anerkennung des Existenzrechts Israels gibt es keine politische Zukunft für die Hamas. Stattdessen gratulierte er ihm.
Damit hat die Türkei nicht zum Frieden beigetragen. Sie hat dem neuen Anführer der Hamas gezeigt, dass Terror, Geiselnahme und jahrelange Gewalt der politischen Anerkennung in Ankara nicht im Wege stehen.
Autor: Redaktion
Donnerstag, 30 Juli 2026