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Hisbollah droht, doch Beirut redet weiter mit Jerusalem

Hisbollah droht, doch Beirut redet weiter mit Jerusalem


Die Hisbollah versucht mit Drohungen und Gewalt, den politischen Kurs des Libanon zu blockieren. Doch die Gespräche mit Israel gehen weiter, und erstmals zeichnet sich ein Verfahren ab, das die Entwaffnung der Terrororganisation überprüfen könnte.

Hisbollah droht, doch Beirut redet weiter mit Jerusalem
Bildnachweis: Symbolbild / KI

Die HisbollahHisbollah: Irans Terrorarmee im LibanonDie Hisbollah ist eine schiitisch islamistische Organisation im Libanon. Sie wurde in den frühen 1980er Jahren mit Unterstützung des Iran aufgebaut, verfügt über eine politische und militärische Struktur und wird von den USA, Israel und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen hat jahrzehntelang davon gelebt, dem Libanon ihre eigene Entscheidung über Krieg und Frieden aufzuzwingen. Genau dieses Machtmodell gerät nun unter Druck. Trotz Drohungen der Terrororganisation, trotz neuer Gewalt im Süden des Landes und trotz israelischer Angriffe auf militärische Einrichtungen der Hisbollah sind die Gespräche zwischen Beirut und JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen nicht abgebrochen worden. Im Gegenteil: Bei den jüngsten Verhandlungen in Rom wurde sogar ein weiterer Schritt für die mögliche Umsetzung des im Juni vereinbarten Rahmens erreicht. IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen und der Libanon verständigten sich auf eine Auswahl möglicher Staaten, die künftig überprüfen könnten, ob die Hisbollah tatsächlich entwaffnet wird.

Damit wird sichtbar, worum es bei diesen Gesprächen inzwischen wirklich geht. Es geht nicht nur um eine weitere Waffenruhe an Israels Nordgrenze. Es geht um die Frage, ob der libanesische Staat erstmals seit Jahrzehnten wieder selbst darüber bestimmen kann, wer auf seinem Gebiet Waffen trägt, wer militärische Entscheidungen trifft und wer über Krieg oder Frieden entscheidet.

Die Hisbollah lehnt genau diesen Weg ab. Sie ist an den Gesprächen nicht beteiligt und weigert sich weiterhin, ihr Waffenarsenal aufzugeben. Führende Vertreter der Terrororganisation haben die Verhandlungen scharf verurteilt und vor inneren Auseinandersetzungen gewarnt. Nach Darstellung der Jerusalem Post versucht die Hisbollah zugleich, den Libanon wieder stärker an Teheran und dessen regionales Bündnis zu binden.

Dass Beirut dennoch weiterverhandelt, ist deshalb politisch erheblich bedeutender, als es auf den ersten Blick erscheinen mag.

Die Macht der Hisbollah wird erstmals praktisch geprüft

Der amerikanisch vermittelte Rahmen vom 26. Juni verbindet zwei Vorgänge miteinander. Israel soll seine Truppen schrittweise aus Teilen des südlichen Libanon zurückziehen. Im Gegenzug soll die libanesische Armee dort die vollständige Sicherheitsverantwortung übernehmen und verhindern, dass die Hisbollah in diese Gebiete zurückkehrt. Bereits während früherer Gespräche in Rom wurde dafür ein Verfahren mit begrenzten Erprobungsgebieten vorbereitet. Dort soll sich zeigen, ob der libanesische Staat tatsächlich in der Lage und bereit ist, die Kontrolle zu übernehmen.

Für Israel ist diese Reihenfolge entscheidend. Ein bloßer Rückzug auf der Grundlage politischer Zusicherungen würde das Risiko schaffen, dass die Hisbollah nach kurzer Zeit wieder Stellungen, WaffenlagerTerrorinfrastruktur: Wie Terrorgruppen Krieg in zivile Räume verlagernTerrorinfrastruktur bezeichnet Einrichtungen, Netzwerke und Strukturen, die Terrororganisationen für Angriffe, Waffenlagerung, Kommandoführung, Ausbildung, Raketenbeschuss, Tunnelbau oder Logistik nutzen. Besonders gefährlich wird sie, wenn sie in Wohngebieten, Schulen, Moscheen oder Krankenhäusern versteckt wird.Mehr lesen und militärische Infrastruktur unmittelbar an der Grenze aufbaut. Genau diese Erfahrung hat Israel in der Vergangenheit bereits gemacht. Deshalb soll ein Rückzug nicht auf Hoffnung beruhen, sondern auf überprüfbaren Schritten.

Bei den jüngsten Gesprächen wurde nun darüber beraten, wer diese Überprüfung übernehmen könnte. Nach Reuters einigten sich Israel und der Libanon auf eine engere Auswahl möglicher Staaten. Die Vereinigten Staaten sollen anschließend entscheiden, welche dieser Länder tatsächlich beteiligt werden. Der Libanon lehnt private Sicherheitsunternehmen für diese Aufgabe ab und verlangt staatliche Beteiligung. Offen ist noch, ob eine solche Kontrollmission innerhalb eines bestehenden internationalen Rahmens oder durch eine neue Vereinbarung organisiert werden müsste.

Das klingt zunächst technisch. Tatsächlich berührt es den Kern des gesamten Konfliktes. Eine internationale Überprüfung hätte nur dann einen Sinn, wenn nicht erneut bloß festgestellt wird, dass die Hisbollah gegen Vereinbarungen verstößt, sondern wenn der libanesische Staat anschließend auch handelt.

Genau an diesem Punkt entscheidet sich, ob aus den Gesprächen eine politische Veränderung entsteht oder lediglich ein weiteres Papier.

Der frühere amerikanische Diplomat David Schenker beschreibt seit Monaten dieselbe Schwierigkeit. Israel verhandelt mit einer libanesischen Regierung, die grundsätzlich ein staatliches Gewaltmonopol anstrebt, gleichzeitig aber jahrzehntelang nicht in der Lage war, die Hisbollah tatsächlich zu entwaffnen. Washington erwartet deshalb sichtbare Fortschritte. Israel wiederum will verhindern, dass die Terrororganisation die Zeit für einen Wiederaufbau ihrer militärischen Fähigkeiten nutzt.

Die Hisbollah weiß, dass dieser Prozess ihre politische Grundlage bedroht. Solange sie eigene Raketen, eigene Kämpfer, eigene Nachrichtendienste und eigene militärische Strukturen besitzt, ist sie mehr als eine politische Partei. Sie verfügt über eine Macht, die parallel zum libanesischen Staat besteht und diesen im entscheidenden Augenblick überstimmen kann.

Eine erfolgreiche Entwaffnung würde genau dieses System beenden.

Israel darf militärischen Erfolg nicht gegen leere Versprechen eintauschen

Die Gespräche finden allerdings unter äußerst schwierigen Bedingungen statt. Zwei israelische Soldaten, Major der Reserve Harel Birenstock und Hauptfeldwebel der Reserve Tamir Vaknin, wurden in dieser Woche bei einer Explosion im südlichen Libanon getötet. Vier weitere Soldaten wurden schwer verletzt. Die israelische Armee untersuchte den Vorfall zunächst weiter. Israel reagierte anschließend mit Angriffen auf Einrichtungen der Hisbollah. Die Kämpfe belasteten auch die Gespräche in Rom, führten aber nicht zu deren endgültigem Abbruch.

Genau darin liegt das politische Dilemma Jerusalems. Israel muss der Hisbollah deutlich machen, dass Angriffe nicht folgenlos bleiben. Gleichzeitig darf militärischer Druck nicht dazu führen, dass eine möglicherweise historische Gelegenheit verloren geht, dem libanesischen Staat die Kontrolle über seinen Süden zurückzugeben.

Eran Lerman vom Jerusalem Institute for Strategy and Security beschreibt diese Situation als schwierige Abwägung. Ohne israelischen Druck könnte die Hisbollah zu dem Schluss kommen, dass sie ihre bewaffnete Sonderstellung behalten kann. Zu starker Druck wiederum kann es der libanesischen Regierung politisch erschweren, Verhandlungen mit Jerusalem gegenüber der eigenen Bevölkerung zu vertreten. Die schrittweise Übergabe einzelner Gebiete soll dieses Risiko begrenzen.

Für Israel darf daraus jedoch kein Rückfall in alte Fehler entstehen. Die militärische Lage im Süden des Libanon wurde nicht unter hohen Kosten verändert, damit anschließend dieselben Strukturen unter anderem Namen zurückkehren. Jeder israelische Rückzug muss deshalb daran gekoppelt bleiben, dass die libanesische Armee tatsächlich übernimmt, Waffenlager beseitigt und eine Rückkehr bewaffneter Hisbollah-Einheiten verhindert.

Frieden entsteht nicht dadurch, dass Israel die Augen schließt.

Gleichzeitig wäre es ein strategischer Fehler, dem Libanon jede Möglichkeit zu verwehren, sich aus der Abhängigkeit von der Hisbollah und damit vom Iran zu lösen. Das Land befindet sich seit Jahren in einer schweren wirtschaftlichen und staatlichen Krise. Die Hisbollah hat diese Schwäche genutzt und neben ihrem militärischen Apparat eigene soziale, medizinische, schulische und wirtschaftliche Strukturen aufgebaut. David Schenker weist darauf hin, dass eine dauerhafte Schwächung der Organisation deshalb nicht allein durch das Einsammeln von Waffen erreicht werden kann. Der libanesische Staat muss auch dort wieder sichtbar werden, wo die Hisbollah staatliche Aufgaben ersetzt hat.

Darin liegt die vielleicht größte Schwierigkeit. Ein schwacher Staat soll eine Organisation entwaffnen, die ihre Macht gerade aus der Schwäche dieses Staates gewonnen hat.

Dennoch gibt es einen Unterschied zu früheren Jahren. Die libanesische Regierung verhandelt heute unmittelbar über eine Ordnung, in der nicht die Hisbollah, sondern staatliche Kräfte die Sicherheitsverantwortung tragen sollen. Zudem wird über konkrete Überwachung, überprüfbare Schritte und einen schrittweisen israelischen Rückzug gesprochen. Schenker hatte bereits im Juli darauf hingewiesen, dass die politische Entwicklung sogar die Möglichkeit eines umfassenderen Friedens zwischen Israel und dem Libanon eröffnet, auch wenn die Hindernisse erheblich bleiben.

Die Hisbollah versucht diese Entwicklung zu verhindern, weil sie weiß, was sie für ihre eigene Zukunft bedeutet.

Eine libanesische Regierung, die mit Jerusalem spricht, eine Armee, die im Süden alleinige Sicherheitsverantwortung übernimmt, und internationale Kontrolleure, die eine Entwaffnung überprüfen, lassen immer weniger Platz für die Behauptung, nur eine iranisch finanzierte Terrororganisation könne den Libanon schützen.

Das Gegenteil ist über Jahrzehnte sichtbar geworden. Die Hisbollah hat den Libanon nicht aus seinen Konflikten herausgehalten. Sie hat das Land immer wieder in Kriege hineingezogen, deren Zeitpunkt und Umfang nicht von einer demokratisch legitimierten Regierung bestimmt wurden.

Für Israel kann deshalb ein belastbarer Frieden mit dem Libanon nur auf einer einfachen Grundlage entstehen: Auf der anderen Seite der Grenze muss ein Staat stehen und keine iranische Armee innerhalb eines Staates.

Die Gespräche von Rom beweisen noch nicht, dass dieses Ziel erreicht wird. Die Hisbollah ist weiterhin bewaffnet, ihre Strukturen bestehen weiter und ihr Widerstand gegen die eigene Entwaffnung ist ungebrochen. Doch ihre Drohungen haben die Gespräche bislang nicht beendet.

Allein das ist im Libanon keine Kleinigkeit.




Autor: Redaktion
Samstag, 08 August 2026

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