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Israels neues Gaza-Dilemma: Was wird aus den Anti-Hamas-Clans?

Israels neues Gaza-Dilemma: Was wird aus den Anti-Hamas-Clans?


Bewaffnete Beduinenclans helfen Israel gegen Hamas, sichern Gebiete an der Gelben Linie und finden Waffen und Tunnel. Doch für den Tag danach droht ein neues Problem: Wer entwaffnet sie, und wer schützt sie anschließend vor der Rache der Terrororganisation?

Israels neues Gaza-Dilemma: Was wird aus den Anti-Hamas-Clans?
Bildnachweis: Pixabay

Sie kämpfen gegen HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen, liefern Informationen über WaffenlagerTerrorinfrastruktur: Wie Terrorgruppen Krieg in zivile Räume verlagernTerrorinfrastruktur bezeichnet Einrichtungen, Netzwerke und Strukturen, die Terrororganisationen für Angriffe, Waffenlagerung, Kommandoführung, Ausbildung, Raketenbeschuss, Tunnelbau oder Logistik nutzen. Besonders gefährlich wird sie, wenn sie in Wohngebieten, Schulen, Moscheen oder Krankenhäusern versteckt wird.Mehr lesen und Tunnel und helfen dabei, Gebiete entlang der Gelben Linie zu sichern. Bewaffnete Beduinenclans im GazastreifenPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen haben sich für IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen zu einem ungewöhnlichen, aber offenbar wirkungsvollen Partner entwickelt. Jetzt wächst innerhalb des israelischen Sicherheitsapparates jedoch der Streit darüber, was mit diesen Gruppen geschehen soll, wenn die gegenwärtige Übergangsphase endet.

Nach Informationen israelischer Sicherheitskreise haben bewaffnete Clans während der intensivsten Kämpfe unmittelbar gegen den militärischen Arm der Hamas gekämpft und der Terrororganisation erhebliche Verluste zugefügt. Seit Inkrafttreten der Waffenruhe unterstützen sie zudem die Sicherung der Gelben Linie und der angrenzenden Gebiete. Sie helfen nach Angaben von Sicherheitsvertretern bei der Suche nach Waffen und terroristischer Infrastruktur sowohl oberhalb als auch unterhalb der Erde.

Ein israelischer Sicherheitsvertreter beschreibt diese Zusammenarbeit bewusst als diskret. Die Aktivitäten der Hamas Gegner würden weitgehend im Verborgenen stattfinden, genau das mache sie wirkungsvoll. Aus israelischer Sicht erfüllen die Gruppen damit eine Funktion, die weit über gewöhnliche lokale Selbstverteidigung hinausgeht.

Dass solche Milizen inzwischen eine erkennbare Rolle spielen, ist keine völlig neue Entwicklung. Bereits 2025 berichtete Walla, dass Israel mit bewaffneten Clans zusammenarbeitete, die sich der Herrschaft der Hamas widersetzten. Nach damaligen Angaben aus dem Sicherheitsapparat begann der Aufbau dieser Kontakte unter Beteiligung des Schin Bet. Mit zunehmender Dauer des Krieges seien die Gruppen für Israel immer wichtiger geworden, weil sie den Bewegungsraum der Hamas einschränkten und deren Anspruch auf uneingeschränkte Kontrolle über den Gazastreifen untergruben.

Inzwischen existieren mehrere solcher Gruppierungen. Walla berichtete im April 2026 von bewaffneten Milizen in unterschiedlichen Teilen des Gazastreifens, darunter Gruppen im Raum Rafah, Khan Yunis, Zentralgaza, Gaza Stadt und im Norden. Die Angaben über ihre Stärke schwankten. Nach einem damals zitierten Bericht wurden insgesamt zwischen 700 und 1.000 Bewaffnete den verschiedenen Gruppen zugerechnet. Zu den bekannten Formationen gehörte ursprünglich die Gruppe von Yasser Abu Shabab, deren Führung später Ghassan al Dahini übernahm. Weitere Milizen wurden unter anderem mit Hussam al Astal, Shawqi Abu Nasira, Rami Halas und Ashraf al Mansi in Verbindung gebracht.

Nützlich gegen Hamas, gefährlich für den Tag danach

Genau hier beginnt das israelische Dilemma.

Solange Hamas bewaffnet bleibt, erfüllen die Clans für Israel einen klaren Zweck. Sie schaffen lokale Gebiete, in denen die Terrororganisation nicht uneingeschränkt handeln kann. Sie stellen Kämpfer bereit, die das Gelände kennen. Sie können Informationen liefern und teilweise Aufgaben übernehmen, für die ansonsten israelische Soldaten eingesetzt werden müssten.

Die Gelbe Linie ist dabei von besonderer Bedeutung. Sie wurde im Rahmen der Waffenruhe als klar erkennbare militärische Grenze im Gazastreifen eingerichtet. Die israelische Armee markierte sie mit gelben Pfosten und Betonbarrieren, um taktische Klarheit für Soldaten und Bevölkerung zu schaffen. Israelische Truppen halten dort weiterhin Stellungen und beseitigen terroristische Infrastruktur.

Generalstabschef Eyal Zamir erklärte im Februar, dass die vollständige Entwaffnung der Hamas und die Entmilitarisierung des Gazastreifens weiterhin israelische Kriegsziele seien. Die Armee bleibe an der Gelben Linie präsent und zerstöre dort gezielt terroristische Infrastruktur.

In diesem Umfeld können lokale Gegner der Hamas für Israel einen erheblichen Wert besitzen.

Doch einige dieser Männer haben eine Vergangenheit, die das Problem kompliziert. Sicherheitsvertreter warnen, dass einzelne Kommandeure der Clans früher in kriminelle Aktivitäten und Schmuggel verwickelt gewesen seien. Genau deshalb gibt es im israelischen Sicherheitsapparat keine einheitliche Vorstellung davon, ob aus der taktischen Zusammenarbeit von heute eine dauerhafte Partnerschaft werden sollte.

Auch frühere Berichte über diese Gruppen zeichnen kein romantisches Bild einer demokratischen Widerstandsbewegung. Walla berichtete über Milizen, deren Mitglieder teilweise vor dem Krieg bereits mit den Sicherheitsorganen im Gazastreifen in Konflikt geraten waren. Hamas bezeichnet die Gruppen wiederum als Kollaborateure Israels. Diese Darstellung ist selbstverständlich Teil des eigenen Machtkampfes der Terrororganisation, zeigt aber, welchem Risiko die Clanmitglieder ausgesetzt wären, falls sie ohne Schutz in Gebiete unter Hamas Kontrolle zurückkehren müssten.

Genau darüber gibt es nun offenbar einen Konflikt mit Vertretern des amerikanisch gestützten Friedensrates.

Nach dem Bericht sollen hochrangige Vertreter dieses Gremiums darauf drängen, dass die bewaffneten Beduinenclans nach Abschluss der Übergangsphase ihre Waffen abgeben. Die israelische Seite erwägt dagegen, zumindest einige Gruppen innerhalb des von der Armee kontrollierten Bereichs an der Gelben Linie zu belassen. Dort könnten sie weiterhin unter israelischer operativer Verantwortung stehen und wären vor Vergeltungsaktionen der Hamas geschützt.

Vertreter des Friedensrates verfolgen offenbar ein anderes Modell. Im Zuge eines späteren israelischen Rückzuges sollen die Clans wieder in palästinensisch kontrollierte Gebiete zurückkehren.

Für ihre Mitglieder könnte genau das lebensgefährlich werden.

Hamas hat während ihrer Herrschaft im Gazastreifen immer wieder eigene Sicherheitskräfte eingesetzt, um tatsächliche oder vermeintliche Gegner zu verfolgen. Zu diesen Kräften gehört die sogenannte Arrow Unit, eine besonders aggressive Einheit, die mit Festnahmen, Misshandlungen und Tötungen von Menschen in Verbindung gebracht wird, denen Zusammenarbeit mit Israel vorgeworfen wird.

Wer heute gemeinsam mit Israel Hamas Tunnel sucht oder bewaffnet gegen die Terrororganisation kämpft, kann kaum darauf hoffen, morgen unbehelligt in ein von Hamas beeinflusstes Gebiet zurückzukehren.

Israel darf nicht das nächste Machtvakuum schaffen

Noch komplizierter wird die Lage durch die amerikanischen Pläne für Gaza.

Der von Präsident Donald Trump eingesetzte Friedensrat soll den Übergang zu einer neuen Ordnung begleiten. Nach dem amerikanischen Konzept soll eine palästinensische technokratische Verwaltung entstehen. Gleichzeitig ist eine umfassende Entmilitarisierung vorgesehen, die ausdrücklich die Übergabe von Waffen und die Zerstörung der Tunnel einschließt.

Aus Sicht eines solchen Modells ist nachvollziehbar, warum Washington nicht dauerhaft mehrere bewaffnete Clanmilizen neben einer neuen staatlichen Sicherheitsstruktur dulden möchte.

Doch die theoretisch saubere Lösung kann praktisch gefährlich werden.

Wenn Hamas tatsächlich vollständig entwaffnet und ihre Machtstrukturen zerschlagen werden, lässt sich über die Auflösung der Milizen sprechen. Wenn aber die Clans zuerst ihre Waffen abgeben und Hamas gleichzeitig über Kämpfer, versteckte Waffen, Tunnel und lokale Netzwerke verfügt, würde Israel seine eigenen bisherigen Partner schutzlos zurücklassen.

Ein Sicherheitsvertreter warnt zudem vor einem weiteren Problem: Entwaffnete Clanstrukturen könnten zu ihren früheren Einnahmequellen zurückkehren, insbesondere zum Schmuggel. Die Frage lautet deshalb nicht lediglich, wer ihnen die Waffen abnimmt. Es muss auch geklärt werden, welche wirtschaftliche und politische Ordnung an ihre Stelle tritt.

Genau darin besteht das eigentliche Minenfeld.

Israel hat im Gazastreifen einen Gegner geschwächt und gleichzeitig lokale Kräfte gefördert, die helfen, diesen Gegner weiter zurückzudrängen. Diese Kräfte sind jedoch keine israelische Armee, keine reguläre Polizei und keine demokratisch legitimierte Regierung. Sie verfolgen eigene Interessen, besitzen lokale Loyalitäten und teilweise eine problematische Vergangenheit.

Sie deshalb jetzt einfach fallen zu lassen wäre ebenso kurzsichtig, wie ihnen eine dauerhafte bewaffnete Sonderstellung zu garantieren.

Die politische Führung Israels muss deshalb eine Entscheidung treffen, die sie offenbar bislang aufschiebt.

Was geschieht mit einem Clan, der auf israelischer Seite gegen Hamas gekämpft hat, wenn morgen ein internationaler Verwalter seine Entwaffnung verlangt? Wer garantiert anschließend seine Sicherheit? Wer verhindert, dass aus einem ehemaligen Verbündeten ein Schmugglernetzwerk oder eine neue bewaffnete Macht wird? Und wie verhindert Israel gleichzeitig, dass Hamas genau das Machtvakuum zurückerobert, das diese Gruppen überhaupt erst geschaffen haben?

Diese Fragen sind nicht nebensächlich. Sie gehören zum Kern jedes glaubwürdigen Plans für Gaza nach Hamas.

Denn ein Fehler wäre besonders gefährlich: Israel darf die Hamas nicht militärisch zurückdrängen, nur um anschließend eine Ordnung zu schaffen, in der entweder die Terrororganisation zurückkehrt oder neue bewaffnete Gruppen um ihre Nachfolge kämpfen.

Die Beduinenclans haben Israel offenbar geholfen, Hamas zu schwächen. Das macht sie derzeit nützlich.

Es macht sie aber noch lange nicht automatisch zur Lösung für Gaza.




Autor: Redaktion
Sonntag, 09 August 2026

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