Zamir zieht die Lehre aus dem 7. Oktober: Israel duldet keine neuen BedrohungenZamir zieht die Lehre aus dem 7. Oktober: Israel duldet keine neuen Bedrohungen
Israels Generalstabschef Eyal Zamir macht im Gazastreifen deutlich, dass die Zeit des Hinnehmens kleiner Grenzverletzungen vorbei ist. Hamas soll entwaffnet, Gaza demilitarisiert und jeder Täter des 7. Oktober weiter verfolgt werden.

Bildnachweis: Eytan2009 /
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Fast drei Jahre nach dem Massaker vom 7. Oktober7. Oktober 2023: Das Hamas-Massaker, das Israel veränderteDer 7. Oktober 2023 war der Tag des Hamas-Massakers in Israel. Terroristen aus Gaza ermordeten etwa 1.200 Menschen, vor allem Zivilisten, und verschleppten mehr als 240 Geiseln in den Gazastreifen.Mehr lesen 2023 zieht die israelische Armeeführung eine Grenze, die weit über die aktuellen Drachenstarts aus dem GazastreifenPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen hinausgeht. Bei einem Besuch israelischer Truppen in GazaPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen erklärte Generalstabschef Eyal Zamir am Dienstag, die IDF werde nicht zu den Denkweisen des 6. Oktober zurückkehren. Gemeint ist eine Sicherheitsdoktrin, die über Jahre davon ausging, begrenzte Provokationen der HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen eindämmen und den Konflikt kontrollieren zu können. Für Zamir ist diese Zeit vorbei.
Der Generalstabschef besuchte die israelischen Kräfte gemeinsam mit dem Kommandeur des Südkommandos, Generalmajor Yaniv Asor, dem Kommandeur der Gaza-Division, Brigadegeneral Liron Batito, sowie Kommandeuren der eingesetzten Brigaden und Bataillone. Dabei ließ er sich über die operative Lage und die laufenden Einsätze informieren.
Seine Botschaft an die Soldaten war unmissverständlich: Der Krieg und die daraus entstandene Sicherheitsauseinandersetzung sind für IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen noch nicht beendet. Die IDF müsse in allen Arenen wachsam bleiben. Gaza steht dabei weiterhin im Zentrum, denn Israel hält am entscheidenden Ziel fest, das nach dem 7. Oktober nicht mehr verhandelbar sein kann: Der Gazastreifen soll demilitarisiert und Hamas entwaffnet werden.
Das ist keine Nebensache eines späteren politischen Prozesses. Für Israel entscheidet sich daran, ob aus einer Waffenruhe tatsächlich Sicherheit entstehen kann oder lediglich eine weitere Pause, in der Hamas ihre Strukturen wiederaufbaut.
Keine Rückkehr zur Politik des Hinnehmens
Zamir brachte die neue israelische Linie auf einen entscheidenden Punkt: Bedrohungen sollen nicht mehr hingenommen werden, bis aus ihnen eine akute Gefahr geworden ist. Israel werde nicht zulassen, dass der Gegner sich erneut aufbaut, terroristische InfrastrukturTerrorinfrastruktur: Wie Terrorgruppen Krieg in zivile Räume verlagernTerrorinfrastruktur bezeichnet Einrichtungen, Netzwerke und Strukturen, die Terrororganisationen für Angriffe, Waffenlagerung, Kommandoführung, Ausbildung, Raketenbeschuss, Tunnelbau oder Logistik nutzen. Besonders gefährlich wird sie, wenn sie in Wohngebieten, Schulen, Moscheen oder Krankenhäusern versteckt wird.Mehr lesen wieder Fuß fasst oder erkennbare Gefahren ungestört heranwachsen.
Diese Aussage erhält durch die erneuten Drachenstarts aus Gaza besonderes Gewicht. Das Board of Peace erklärte gegenüber N12, sämtliche Aktivitäten terroristischer Organisationen im Gazastreifen müssten eingestellt werden, ausdrücklich einschließlich des Steigenlassens von Drachen. Gleichzeitig verlangt das Gremium von Israel, die Bedingungen der Waffenruhe einzuhalten und militärisch nur auf tatsächliche und unmittelbar bevorstehende Gefahren zu reagieren.
Für Israel ist gerade diese Abgrenzung schwierig. Ein Drachen am Himmel mag aus großer Entfernung belanglos erscheinen. Für die Bewohner der israelischen Grenzregion ist das anders. Sie erinnern sich an die Jahre, in denen Branddrachen und Ballons aus Gaza Felder und Naturschutzgebiete in Brand setzten und zu einem beinahe alltäglichen Mittel des Terrors wurden. Vor allem erinnern sie sich daran, wohin die Vorstellung führte, einzelne Provokationen könnten dauerhaft kontrolliert werden.
Der 7. Oktober zerstörte diese Vorstellung.
Über Jahre hatte sich eine politische und militärische Denkweise entwickelt, nach der Hamas zwar ein gefährlicher Feind war, aber durch Abschreckung, begrenzte militärische Antworten und wirtschaftliche Maßnahmen eingehegt werden könne. Der Terrororganisation wurde zugetraut, ihre eigenen Interessen so weit rational zu verfolgen, dass sie keinen umfassenden Krieg beginnen würde.
Am Morgen des 7. Oktober 2023 erwies sich diese Annahme als verheerender Irrtum.
Wenn Zamir heute erklärt, die IDF werde nicht zum 6. Oktober zurückkehren, spricht er deshalb nicht nur über eine militärische Einsatzregel. Es geht um eine grundsätzliche Veränderung israelischer Sicherheitspolitik. Ein Gegner soll nicht erneut jahrelang Gelegenheit erhalten, Kräfte aufzubauen, Infrastruktur anzulegen, Angriffsmuster zu erproben und gleichzeitig darauf vertrauen können, dass Israel aus Angst vor einer größeren Konfrontation immer wieder wegschaut.
Daraus folgt nicht, dass jeder Drachen automatisch ein bewaffneter Angriff ist. Für die derzeitigen Vorfälle ist nicht belegt, dass jeder gestartete Drachen Brand- oder Sprengmaterial trägt. Entscheidend ist vielmehr, dass Israel nach den Erfahrungen der Vergangenheit nicht bereit ist, die schrittweise Rückkehr solcher Methoden als normalen Zustand an seiner Grenze zu akzeptieren.
Zamir machte zugleich deutlich, dass die Streitkräfte die Sorgen der Bewohner im Süden ernst nehmen. Israelische Kräfte stünden vor den Gemeinden und gingen weiterhin gegen Terroristen und terroristische Infrastruktur vor. Diese Aussage richtet sich gerade an jene Menschen, die am 7. Oktober erleben mussten, wie die staatliche Schutzfunktion innerhalb weniger Stunden zusammenbrach.
Hamas soll keine zweite Chance bekommen
Noch grundsätzlicher ist Zamirs Aussage zur Zukunft des Gazastreifens. Israel werde das zentrale Ziel der Demilitarisierung Gazas und der Entwaffnung der Hamas nicht aufgeben. Die IDF werde weiterhin systematisch gegen die Terrororganisation, ihre Führung und ihren Versuch vorgehen, verlorene Fähigkeiten wiederherzustellen.
Damit widerspricht die Armeeführung jeder Vorstellung, nach der ein Ende größerer Kampfhandlungen automatisch bedeuten könnte, Hamas dürfe als bewaffnete Macht bestehen bleiben. Für Israel wäre das keine dauerhafte Friedensordnung. Es würde bedeuten, dass dieselbe Terrororganisation, die den 7. Oktober plante und ausführte, Zeit erhält, ihre militärischen Möglichkeiten erneut aufzubauen.
Auch die Jagd auf die Täter des Massakers ist nach Zamirs Worten nicht beendet. Jeder, der am 7. Oktober beteiligt war, soll weiter verfolgt werden. Die IDF betrachtet dies als langfristige Aufgabe, unabhängig davon, wie viel Zeit seit dem Angriff vergeht.
Diese Konsequenz ist verständlich. Der 7. Oktober war für Israel kein gewöhnlicher militärischer Angriff. Hamas-Terroristen und ihre Verbündeten drangen in israelische Gemeinden ein, ermordeten Zivilisten, verschleppten Menschen nach Gaza und hinterließen ein Trauma, das das Sicherheitsdenken des Landes bis heute bestimmt.
Rund anderthalb Monate vor dem dritten Jahrestag des Massakers erinnerte Zamir daran, dass Israel seither nicht nur in Gaza kämpfen musste. Die IDF war und ist in einer vielschichtigen Auseinandersetzung in Gaza, Judäa und SamariaJudäa und Samaria: Israels historisches Kernland im politischen StreitJudäa und Samaria bezeichnen historische Landschaften zwischen Jerusalem, dem Jordantal und den zentralen Höhenzügen des Landes Israel. In Israel ist der Begriff gebräuchlich. International wird das Gebiet oft anders bezeichnet und politisch als umstritten eingeordnet.Mehr lesen, im Libanon, in Syrien, gegen den Iran und an weiteren Fronten gebunden. Nach Einschätzung des Generalstabschefs wurden Israels Gegner dabei erheblich geschwächt und zahlreiche Fähigkeiten und Infrastrukturen zerstört.
Doch militärische Erfolge verlieren ihren Wert, wenn ein geschlagener Gegner anschließend unbehelligt wieder aufrüsten kann. Genau deshalb ist die Verhinderung eines erneuten Hamas-Aufbaus für Israel keine zusätzliche Forderung, die irgendwann erfüllt werden kann. Sie gehört zum Kern der Sicherheitsstrategie nach dem 7. Oktober.
Das Board of Peace will die Waffenruhe stabilisieren und den Weg zur Entwaffnung der Hamas öffnen. Israel hat ein offensichtliches Interesse daran, dass dieser Prozess gelingt. Entscheidend wird jedoch sein, ob aus diplomatischen Forderungen überprüfbare Tatsachen entstehen.
Eine entwaffnete Hamas kann keine neue Armee aufbauen. Eine tatsächlich demilitarisierte Zone kann keine Raketenlager, Tunnel und Angriffseinheiten beherbergen. Solange diese Bedingungen nicht erreicht sind, bleibt Israels Vorsicht keine politische Starrköpfigkeit, sondern eine Folge dessen, was das Land bereits einmal erlebt hat.
Der Satz vom 6. Oktober beschreibt deshalb vielleicht deutlicher als jede militärische Einsatzmeldung, was sich in Israel verändert hat. Die Zeit, in der Bedrohungen kleingeredet wurden, damit der Alltag weitergehen konnte, soll vorbei sein.
Israel kann es sich nicht leisten, ein zweites Mal zu entdecken, dass vermeintliche Ruhe nur die Ruhe vor einem vorbereiteten Angriff war.
Autor: Redaktion
Mittwoch, 26 August 2026