Schwerer Schlag gegen den IS: Chefsprecher im Jemen getötetSchwerer Schlag gegen den IS: Chefsprecher im Jemen getötet
Jemenitische Anti-Terror-Kräfte und die saudisch geführte Koalition haben den IS-Chefsprecher Abu Hudhayfa al-Ansari in Seiyun getötet. Frauen und Kinder im Haus blieben nach Behördenangaben unverletzt.

Bildnachweis: Symbolbild / KI
Jemenitische Sicherheitskräfte haben gemeinsam mit Spezialkräften der von Saudi-Arabien geführten Koalition einen der wichtigsten Funktionäre der Terrororganisation Islamischer Staat getötet. Abu Hudhayfa al-Ansari, seit August 2023 offizieller Chefsprecher des IS, starb am frühen Dienstagmorgen bei einer Operation in der Stadt Seiyun in der Provinz Hadramaut. Die international anerkannte Regierung des Jemen bestätigte den Einsatz und bezeichnete ihn als Ergebnis gemeinsamer nachrichtendienstlicher Arbeit.
Nach Angaben des Zentralen Staatssicherheitsdienstes sollte al-Ansari ursprünglich lebend festgenommen werden. Die Operation wurde von Spezialkräften der saudisch geführten Koalition gemeinsam mit der jemenitischen Anti-Terror-Einheit "Task Force 22" durchgeführt. Al-Ansari hielt sich demnach in einem Wohnhaus in Seiyun versteckt.
Lokale Berichte hatten zunächst von zwei Explosionen gegen 1 Uhr nachts gesprochen. Bewohner berichteten von einer Razzia in einem älteren Lehmhaus im Viertel al-Hawta. Einer dieser Berichte zufolge wurde al-Ansari während des Zugriffs verletzt und zunächst festgenommen. Später sei er seinen Verletzungen erlegen. Diese Einzelheiten wurden von den Behörden zunächst nicht vollständig bestätigt. Fest steht jedoch, dass die Operation nach offizieller Darstellung mit dem Tod des IS-Sprechers endete.
Inzwischen veröffentlichte der jemenitische Staatssicherheitsdienst weitere Einzelheiten. Danach befanden sich gemeinsam mit dem Terroristen acht Zivilisten im Gebäude, darunter ein Mann, zwei Frauen und fünf Kinder. Die Sicherheitskräfte hätten die Frauen und Kinder aus dem Haus gebracht und an einen sicheren Ort gebracht. Nach Behördenangaben wurde keiner von ihnen verletzt.
Ein weiterer Mann im Gebäude leistete nach der offiziellen Darstellung Widerstand und wurde verletzt festgenommen. Er erhielt medizinische Versorgung und wurde anschließend an einen sicheren Ort gebracht.
Bei der Durchsuchung des Hauses fanden die Einsatzkräfte außerdem einen Sprengstoffgürtel, der entschärft wurde. Darüber hinaus wurden zwei Laptops, fünf Mobiltelefone und zwei Tabletcomputer sichergestellt. Gerade die elektronischen Geräte könnten für die Sicherheitsbehörden von erheblichem Wert sein, wenn darauf Kommunikationsdaten, Kontakte oder Informationen über Strukturen des IS im Jemen und darüber hinaus gespeichert sind.
Stimme der Terrororganisation seit 2023
Abu Hudhayfa al-Ansari war innerhalb des Islamischen Staates kein gewöhnlicher Kämpfer. Die Terrororganisation stellte ihn am 3. August 2023 über ihr Propagandamedium al-Furqan als neuen offiziellen Sprecher vor. Er folgte Abu Omar al-Muhajir, der zuvor gefangen genommen worden war. Das Combating Terrorism Center der US-Militärakademie West Point dokumentierte bereits damals al-Ansaris Ernennung.
Seine tatsächliche Identität blieb über Jahre weitgehend verborgen. "Abu Hudhayfa al-Ansari" ist ein Kampfname. Ein jemenitischer Medienbericht identifizierte ihn zuletzt als Mithaq Thabit Haitham al-Radfani. Eine offizielle Bestätigung dieser Identität liegt bislang jedoch nicht vor. Deshalb sollte dieser Name nicht als gesicherte Identität des Getöteten behandelt werden.
Als Sprecher war al-Ansari ein wichtiges Bindeglied zwischen der weitgehend im Verborgenen arbeitenden Führung des IS und den Anhängern der Terrororganisation. Bereits in seiner ersten bekannten Erklärung verkündete er den Tod des damaligen IS-Anführers Abu al-Husayn al-Husayni al-Qurashi und die Ernennung von Abu Hafs al-Hashimi al-Qurashi zu dessen Nachfolger.
Noch im Februar 2026 veröffentlichte der IS eine al-Ansari zugeschriebene Audiobotschaft. Darin griff er die syrische Führung unter Ahmed al-Sharaa an und rief Anhänger der Terrororganisation zum weiteren Kampf gegen die Regierung in Damaskus auf. Der IS versuchte damit, seine verbliebenen Zellen in Syrien erneut zu mobilisieren.
Sein Tod trifft die Terrororganisation deshalb nicht allein auf lokaler Ebene im Jemen. Der IS verliert einen Funktionär, der seit drei Jahren öffentlich für die gesamte Organisation sprach und zentrale Botschaften ihrer Führung verbreitete.
Die jemenitischen Behörden betrachten den Einsatz zugleich als Erfolg im Kampf gegen die weiterhin aktiven islamistischen TerrorzellenTerrorinfrastruktur: Wie Terrorgruppen Krieg in zivile Räume verlagernTerrorinfrastruktur bezeichnet Einrichtungen, Netzwerke und Strukturen, die Terrororganisationen für Angriffe, Waffenlagerung, Kommandoführung, Ausbildung, Raketenbeschuss, Tunnelbau oder Logistik nutzen. Besonders gefährlich wird sie, wenn sie in Wohngebieten, Schulen, Moscheen oder Krankenhäusern versteckt wird.Mehr lesen des Landes. Der Jemen ist seit Jahren zwischen verschiedenen Machtzentren geteilt. Die vom Iran unterstützten HouthiHuthi: Terrororganisation des Iran-Netzwerks im JemenDie Huthi, auch Ansar Allah genannt, sind eine schiitisch-islamistische Terrororganisation aus dem Jemen. Sie kontrollieren große Teile des Nordwestens, werden vom Iran unterstützt und bedrohen Israel sowie die internationale Schifffahrt im Roten Meer.Mehr lesen kontrollieren große Teile des Nordens und die Hauptstadt Sanaa. Die international anerkannte Regierung und mit ihr verbündete Kräfte kontrollieren andere Regionen des Landes. In diesem zersplitterten Umfeld konnten sowohl der IS als auch Al-Qaida auf der Arabischen Halbinsel immer wieder Rückzugsräume nutzen.
Gerade Hadramaut besitzt wegen seiner Größe, seiner dünn besiedelten Gebiete und seiner langen Geschichte jihadistischer Aktivitäten besondere Bedeutung für die Terrorbekämpfung. Dass ein international bedeutender IS-Funktionär ausgerechnet in einem Wohnhaus in Seiyun gefunden wurde, zeigt, dass die Terrororganisation weiterhin versucht, ihre Führungspersonen fernab ihrer früheren Machtzentren zu verbergen.
Die Sicherheitskräfte erklärten nach der Operation, die Fahndung nach Mitgliedern terroristischer Organisationen werde fortgesetzt. Die Zusammenarbeit zwischen dem jemenitischen Staatssicherheitsdienst und der saudisch geführten Koalition habe die Identifizierung und Lokalisierung al-Ansaris ermöglicht.
Eine Bestätigung seines Todes durch die offiziellen Propagandakanäle des Islamischen Staates lag zunächst nicht vor. Das ändert nichts daran, dass die jemenitische Regierung seinen Tod ausdrücklich bestätigt hat. Eine unabhängige Bestätigung durch den IS steht jedoch noch aus.
Sollten die bei der Operation beschlagnahmten Geräte verwertbare Informationen enthalten, könnte der Tod al-Ansaris zudem nur der erste sichtbare Erfolg des Einsatzes sein. Kontakte, Kommunikationswege und gespeicherte Daten können Sicherheitsbehörden zu weiteren Mitgliedern und Unterstützern der Terrororganisation führen.
Für den Islamischen Staat ist der Verlust seines offiziellen Sprechers jedenfalls ein empfindlicher Schlag. Eine Organisation, die einen erheblichen Teil ihrer Wirkung durch PropagandaDesinformation: Gezielte Täuschung der ÖffentlichkeitDesinformation bezeichnet bewusst verbreitete falsche oder irreführende Informationen. Ziel ist häufig, Menschen zu täuschen, Vertrauen zu zerstören, Konflikte zu verschärfen oder politische Entscheidungen zu beeinflussen.Mehr lesen, Einschüchterung und die Inszenierung einer weltweit handlungsfähigen Führung erzielt, hat eine ihrer wichtigsten Stimmen verloren.
Autor: Redaktion
Mittwoch, 02 September 2026