Netanyahu nimmt Teherans Regime offen ins Visier: „Sein Ende ist nah“

Netanyahu nimmt Teherans Regime offen ins Visier: „Sein Ende ist nah“


Bei einem Empfang der Regierung im Vorfeld von Rosch Haschana spricht Benjamin Netanyahu nicht mehr nur über Abschreckung und Irans Atomprogramm. Der Sturz der Führung in Teheran wird immer deutlicher selbst zum israelischen Ziel.

Netanyahu nimmt Teherans Regime offen ins Visier: „Sein Ende ist nah“
Bildnachweis: Symbolbild / KI

Benjamin Netanyahu hat die iranische Führung so offen wie selten zuvor ins Visier genommen. Beim traditionellen Empfang der Regierung vor Rosh Hashanah erklärte der israelische Ministerpräsident am Sonntag, das Ende des Regimes in Teheran sei nahe. Iran sei geschwächt, kämpfe um sein Überleben und gerate ins Wanken. IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen sei zugleich stärker als je zuvor. Netanyahu verband diese Einschätzung mit einer unmissverständlichen Botschaft: Israel wolle nicht lediglich verhindern, dass Iran erneut angreift. Es gebe noch eine Aufgabe zu vollenden, die das Gesicht des Nahen Ostens und die Geschichte des jüdischen Volkes dauerhaft verändern könne. Israel sei entschlossen, diese Aufgabe zu Ende zu bringen.

Die Worte sind deshalb bemerkenswert, weil Netanyahu damit über die klassische israelische Linie der Abschreckung hinausgeht. In der Vergangenheit sprach JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen vor allem davon, Irans Atomwaffenfähigkeit zu verhindern, das ballistische Raketenprogramm zu schwächen und die von Teheran aufgebaute Terrorachse aus HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen, HisbollahHisbollah: Irans Terrorarmee im LibanonDie Hisbollah ist eine schiitisch islamistische Organisation im Libanon. Sie wurde in den frühen 1980er Jahren mit Unterstützung des Iran aufgebaut, verfügt über eine politische und militärische Struktur und wird von den USA, Israel und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen, HuthiHuthi: Terrororganisation des Iran-Netzwerks im JemenDie Huthi, auch Ansar Allah genannt, sind eine schiitisch-islamistische Terrororganisation aus dem Jemen. Sie kontrollieren große Teile des Nordwestens, werden vom Iran unterstützt und bedrohen Israel sowie die internationale Schifffahrt im Roten Meer.Mehr lesen und weiteren Milizen zu zerschlagen. Bereits am Donnerstag hatte Netanyahu vor dem Generalstabsforum der IDF jedoch den Sturz des iranischen Regimes als noch ausstehende zentrale Mission bezeichnet und erklärt, dieses Ziel sei inzwischen in Reichweite. Die Rede vom Sonntag war damit kein Versprecher. Sie bestätigt eine politische Verschiebung.

Aus Abschreckung wird ein Ziel

Netanyahu führte die Entwicklung auf die gemeinsamen israelischen und amerikanischen Schläge gegen Iran zurück. Israel und die USA hätten eine existenzielle Gefahr erheblich zurückgedrängt, die iranische Raketenfähigkeit getroffen und die vom Regime aufgebaute Achse schwer beschädigt. Seine Beschreibung der nuklearen Bedrohung war ausgesprochen weitreichend. Netanyahu erklärte, Israel habe gemeinsam mit den Vereinigten Staaten die Gefahr iranischer Atombomben und ballistischer Raketen beseitigt. Damit formulierte er seine eigene Bewertung der militärischen Erfolge. Dass die iranische Nuklearfrage vollständig erledigt wäre, lässt sich daraus nicht ableiten. Noch im Sommer hatte Netanyahu selbst deutlich gemacht, dass Israel für jedes weitere Szenario vorbereitet bleibe.

Neu ist vielmehr, was aus diesen militärischen Erfolgen politisch folgen soll. Schon 2025 hatte Netanyahu erklärt, ein Regimewechsel könne eine Folge israelischer Angriffe sein. Damals stellte er ihn noch nicht als eigentlichen Zweck der Operation dar. Jetzt spricht er vom Sturz der Führung als Aufgabe, die Israel noch vollenden müsse. Ein öffentlich bekannter Zeitplan existiert nicht. Doch die Richtung ist kaum noch misszuverstehen.

haOlam berichtete erst vor wenigen Tagen, dass inzwischen auch Washington offen auf wachsenden inneren Druck in Iran setzt und selbst einen Aufstand oder Risse innerhalb der Revolutionsgarden nicht mehr ausschließt.

Netanyahus Zuversicht kommt nicht aus dem Nichts. Irans Wirtschaft steht unter massivem Druck. Reuters berichtete Anfang September, dass die verschärften amerikanischen Sanktionen und die Blockade iranischer Ölexporte die Deviseneinnahmen drastisch reduziert haben. Der Rial verlor weiter an Wert, die Inflation stieg und der wirtschaftliche Druck auf die Bevölkerung nahm zu. Teheran versucht gleichzeitig, den Eindruck von Kontrolle zu vermitteln. Am Sonntag kündigte die iranische Führung neue Maßnahmen gegen die wirtschaftliche Krise an und drohte den USA und Israel erneut mit einer noch härteren Reaktion auf weitere Angriffe.

„Macht nicht den Fehler, uns anzugreifen“

Netanyahu verband die Aussicht auf ein Ende des Regimes deshalb mit einer unmittelbaren militärischen Warnung. Iran greife Israel derzeit nicht direkt an und wisse nach seinen Worten sehr genau, warum. Sollte Teheran jedoch einen Fehler machen, werde es einen Schlag erleiden, dessen Ausmaß es sich nicht vorstellen könne. „Legt euch nicht mit uns an“, lautete seine Botschaft. Israel wisse sich in schwierigen Momenten zu vereinen und sei heute die stärkste Macht des Nahen Ostens.

Verteidigungsminister Israel Katz hatte wenige Tage zuvor ähnlich gedroht. Ein neuer iranischer Angriff würde Israel nach seinen Worten von bisherigen Beschränkungen befreien. Katz kündigte für einen solchen Fall Angriffe auf militärische, staatliche und wirtschaftliche Infrastruktur in Iran an. Die israelische Führung versucht damit erkennbar, Teheran vor einer erneuten direkten Konfrontation abzuschrecken und gleichzeitig den inneren Druck auf das Regime weiter zu erhöhen.

Das passt auch zu den größeren regionalen Plänen, die derzeit in Washington entstehen. haOlam berichtete am Sonntag über die amerikanischen Überlegungen für eine neue Ordnung nach dem Iran Krieg, in der Teheran dauerhaft eingedämmt, die Abraham Abkommen erweitert und Israel enger mit amerikanischen Partnern in der Region verbunden werden soll.

Ein Sturz der Islamischen Republik würde diese Rechnung fundamental verändern. Seit Jahrzehnten finanziert und bewaffnet Teheran Terrororganisationen, die Israel angreifen, investiert enorme Summen in Raketen und Atomprogramme und erklärt die Vernichtung des jüdischen Staates zum politischen Ziel. Ein Iran ohne dieses Regime könnte deshalb die strategische Landkarte des gesamten Nahen Ostens neu zeichnen.

Das bedeutet nicht, dass der Zusammenbruch unmittelbar bevorsteht. Die RevolutionsgardenIslamische Revolutionsgarden: Machtzentrum des iranischen RegimesDie Islamischen Revolutionsgarden sind eine mächtige militärische, politische und wirtschaftliche Organisation der Islamischen Republik Iran. Sie wurden nach der Revolution von 1979 gegründet, unterstehen dem Obersten Führer und steuern über die Quds-Einheit Irans regionales Terrornetzwerk.Mehr lesen, Sicherheitsdienste und staatlichen Machtstrukturen existieren weiterhin. Das Regime hat frühere Protestbewegungen mit brutaler Gewalt niedergeschlagen und wiederholt bewiesen, dass wirtschaftliches Elend allein seinen Sturz nicht garantiert. Netanyahu setzt aber offenbar darauf, dass militärischer Druck von außen und wachsender Druck im Inneren diesmal zusammentreffen.

Seine Botschaft zum jüdischen Neujahr war deshalb weit mehr als eine weitere Drohung gegen Iran.

Israel will nicht mehr nur verhindern, dass Teheran seine alten Fähigkeiten zurückbekommt.

Netanyahu spricht inzwischen offen von einer Zukunft, in der das Regime selbst nicht mehr existiert.




Autor: Redaktion
Sonntag, 06 September 2026

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