Abbas wirbt für zwei Staaten, doch 46 Prozent bestreiten Israels ExistenzrechtAbbas wirbt für zwei Staaten, doch 46 Prozent bestreiten Israels Existenzrecht
Verhandlungen gewinnen unter Palästinensern in Judäa und Samaria an Zustimmung. Doch die entscheidende Voraussetzung für friedliche Koexistenz fehlt weiterhin: Nur 41 Prozent erkennen Israels Existenzrecht an.

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Mahmoud Abbas wirbt gegenüber Europa, den USA und arabischen Staaten weiterhin für eine Zwei-Staaten-Lösung. Noch am 10. September erklärte der Präsident der Palästinensischen Autonomiebehörde, seine Führung werde daran arbeiten, diese politische Option zu erhalten. Am Mittwoch bekräftigte er bei Gesprächen in Kairo erneut das Ziel eines unabhängigen palästinensischen Staates.
Eine neue Umfrage unter Palästinensern in Judäa und SamariaJudäa und Samaria: Israels historisches Kernland im politischen StreitJudäa und Samaria bezeichnen historische Landschaften zwischen Jerusalem, dem Jordantal und den zentralen Höhenzügen des Landes Israel. In Israel ist der Begriff gebräuchlich. International wird das Gebiet oft anders bezeichnet und politisch als umstritten eingeordnet.Mehr lesen zeigt jedoch, wie groß die Lücke zwischen dieser diplomatischen Formel und den Einstellungen innerhalb der Bevölkerung weiterhin ist.
46 Prozent der Befragten erklären, IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen habe kein Recht zu existieren. Nur 41 Prozent erkennen dieses Recht an. Weitere 13 Prozent legen sich nicht fest.
Noch schwerer wiegt ein zweiter Wert: 42 Prozent halten es für möglich, Israels Existenz künftig zu beenden. Nur 32 Prozent erklären, dies sei nicht möglich. 26 Prozent äußern dazu keine Meinung.
Damit betrifft die Umfrage eine Frage, die für Israel grundlegender ist als Grenzverläufe, Siedlungen oder die zukünftige Verwaltung Jerusalems: Kann ein Friedensmodell funktionieren, wenn ein erheblicher Teil der Bevölkerung den Staat, mit dem Frieden geschlossen werden soll, nicht als dauerhaft legitim anerkennt?
Verhandlungen ja – aber welches Ziel sollen sie erreichen?
Auf den ersten Blick enthält die Untersuchung des Institute for National Security Studies, INSS, durchaus Veränderungen, die auf eine Abkehr von bewaffneter Gewalt hindeuten.
52 Prozent nennen Verhandlungen als bevorzugten Weg zur Beendigung des Konflikts. Nur zwölf Prozent bevorzugen bewaffneten Widerstand. 57 Prozent stimmen der Aussage zu, der gewaltsame Kampf sei gescheitert und internationale diplomatische Bemühungen seien erfolgversprechender.
Das ist eine relevante Verschiebung.
Aber sie beantwortet nicht die entscheidende Frage: Was soll nach erfolgreichen Verhandlungen entstehen?
Nur 27 Prozent nennen zwei nebeneinander bestehende Staaten als ihr bevorzugtes politisches Endmodell.
Fast genauso viele, 26 Prozent, wollen einen palästinensischen Staat über das gesamte Gebiet vom Jordan bis zum MittelmeerFrom the river to the sea: Die Parole gegen Israels Existenz„From the river to the sea“ bezeichnet das Gebiet vom Jordan bis zum Mittelmeer. In antiisraelischen Kontexten wird die Parole häufig als Forderung nach einem Palästina anstelle Israels verstanden.Mehr lesen und ausdrücklich ohne dauerhafte jüdische Präsenz. Weitere 17 Prozent wollen ebenfalls einen palästinensischen Staat im gesamten Gebiet, würden Juden dort allerdings als Einwohner oder Bürger zulassen. 22 Prozent bevorzugen einen binationalen Staat mit gleichen Rechten.
Damit bevorzugen 65 Prozent eines von drei Modellen, in denen Israel als eigenständiger jüdischer Staat nicht fortbestehen würde.
Diese Zahl ist für die politische EinordnungKontextualisierung: Fakten verständlich einordnenKontextualisierung bedeutet, Informationen in einen Zusammenhang zu stellen. Sie hilft, Ereignisse nicht isoliert zu betrachten, sondern mit Vorgeschichte, Ursachen, Folgen und beteiligten Akteuren zu verstehen.Mehr lesen mindestens ebenso wichtig wie die 52 Prozent, die Verhandlungen befürworten.
Denn Verhandlungen sind ein Instrument. Sie sagen zunächst nichts darüber aus, welches endgültige politische Ziel derjenige verfolgt, der sie befürwortet.
Die Umfrage erlaubt nicht zu behaupten, sämtliche Befürworter von Verhandlungen betrachteten Diplomatie lediglich als taktischen Zwischenschritt. Dafür fehlen die Daten. Umgekehrt lässt sich aus dem Wunsch nach Verhandlungen aber ebenso wenig ableiten, dass eine Mehrheit einen dauerhaften Frieden zwischen einem jüdischen Staat Israel und einem palästinensischen Nachbarstaat akzeptiert.
Genau dieser Unterschied ist für Israel entscheidend.
Eine Zwei-Staaten-Lösung bedeutet ihrem Kern nach nicht einfach die Errichtung eines palästinensischen Staates. Sie setzt voraus, dass beide Staaten anschließend dauerhaft bestehen bleiben.
Wer Israel dieses Recht abspricht, unterstützt deshalb nicht dasselbe politische Endmodell, das westliche Regierungen gewöhnlich meinen, wenn sie von „zwei Staaten für zwei Völker“ sprechen.
Der Widerspruch bestand schon 2025
Noch deutlicher wird das Problem im Vergleich mit der vorherigen INSS-Erhebung.
Im September 2025 bezeichneten 52 Prozent der befragten PalästinenserPalästinenser: Herkunft, Begriffswandel und politische IdentitätPalästinenser bezeichnet heute meist palästinensische Araber mit eigener nationaler Identität. In der Mandatszeit konnte der Begriff jedoch allgemein Bewohner des britischen Mandatsgebiets Palästina meinen, auch Juden.Mehr lesen in Judäa und Samaria eine Zwei-Staaten-Lösung als bevorzugte Alternative. Gleichzeitig erklärten 56 Prozent, Israel habe kein Existenzrecht. 70 Prozent glaubten damals, Israel werde langfristig nicht bestehen, und 50 Prozent hielten seine Zerstörung nach dem 7. Oktober grundsätzlich für möglich.
Das war kein nebensächlicher statistischer Widerspruch.
Es bedeutete, dass ein Teil der Befragten gleichzeitig eine Zwei-Staaten-Regelung unterstützte und dennoch Israels dauerhaftes Existenzrecht bestritt.
Die aktuellen Zahlen sind in dieser Hinsicht weniger extrem als 2025: Der Anteil, der Israel das Existenzrecht abspricht, ist von 56 auf 46 Prozent gefallen. Gleichzeitig ist aber auch die Zwei-Staaten-Lösung als bevorzugtes Endmodell von 52 auf lediglich 27 Prozent zurückgegangen.
Von einer gesellschaftlich verankerten Akzeptanz Israels kann deshalb weiterhin keine Rede sein.
Das ist gerade aus israelischer Sicht keine theoretische Frage.
Israel hat erlebt, dass territoriale Räumung allein keinen Frieden garantiert. Nach dem vollständigen Rückzug aus GazaPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen 2005 übernahm HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen schließlich die Kontrolle des Gebietes; es folgten jahrelanger Raketenbeschuss, mehrere Kriege und schließlich das Massaker vom 7. Oktober7. Oktober 2023: Das Hamas-Massaker, das Israel veränderteDer 7. Oktober 2023 war der Tag des Hamas-Massakers in Israel. Terroristen aus Gaza ermordeten etwa 1.200 Menschen, vor allem Zivilisten, und verschleppten mehr als 240 Geiseln in den Gazastreifen.Mehr lesen 2023. Auch israelische Sicherheitsexperten führen diese Erfahrung als einen wesentlichen Grund dafür an, weshalb das Vertrauen in einseitige territoriale Trennung massiv beschädigt wurde.
Ein zukünftiger palästinensischer Staat in unmittelbarer Nähe Jerusalems, Tel Avivs und des internationalen Flughafens Ben Gurion wäre deshalb für Israel nicht allein eine diplomatische Konstruktion. Seine politische Ausrichtung, Entwaffnung terroristischer Organisationen, Sicherheitsstrukturen und vor allem die Anerkennung des dauerhaften Existenzrechts Israels wären zentrale Sicherheitsfragen.
Die jüngste INSS-Umfrage zeigt, dass gerade bei diesem letzten Punkt weiterhin ein fundamentales Problem besteht.
Auch eine andere aktuelle Untersuchung unterstreicht das gegenseitige Misstrauen. Pew stellte im Frühjahr fest, dass lediglich 21 Prozent der befragten Palästinenser in Judäa, Samaria und OstjerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen glauben, Israel und ein unabhängiger palästinensischer Staat könnten friedlich nebeneinander bestehen. 68 Prozent halten dies nicht für möglich. Unter jüdischen Israelis glauben nur 16 Prozent an eine solche friedliche Koexistenz, während 64 Prozent sie für nicht möglich halten.
Die Skepsis existiert damit auf beiden Seiten. Doch die neue INSS-Erhebung beleuchtet einen spezifischen Punkt, der für Israels SicherheitStaatsräson: Bedeutung und Israels SicherheitStaatsräson meint ein grundlegendes Staatsinteresse, das als besonders wichtig für Bestand, Sicherheit oder Verantwortung eines Staates gilt. In Deutschland wird der Begriff häufig mit der Sicherheit Israels verbunden.Mehr lesen von unmittelbarer Bedeutung ist: Ein erheblicher Anteil der palästinensischen Bevölkerung bezweifelt nicht lediglich die Erfolgsaussichten eines Friedensprozesses, sondern die Legitimität der Existenz Israels selbst.
Abbas' Friedensformel und die gesellschaftliche Realität
Mahmoud Abbas vertritt international eine deutlich andere Linie.
Er bekennt sich öffentlich zur Zwei-Staaten-Lösung und erklärte zuletzt erneut, man wolle den politischen und diplomatischen Weg fortsetzen.
Diese Position der PA-Führung ist als solche festzuhalten.
Die Umfrage zeigt jedoch ebenso deutlich, dass Abbas dafür in entscheidenden Punkten keine gesellschaftliche Mehrheit hinter sich hat.
Wenn nur 41 Prozent Israels ExistenzrechtExistenzrecht Israels: Das Recht des jüdischen Staates auf SicherheitDas Existenzrecht Israels bezeichnet das Recht des jüdischen Staates, als souveräner Staat sicher und anerkannt zu bestehen. Wer Israel dieses Recht abspricht, kritisiert nicht nur eine Regierung, sondern stellt jüdische Selbstbestimmung grundsätzlich infrage.Mehr lesen anerkennen, kann eine Regierungserklärung aus Ramallah allein das grundlegende Problem nicht lösen.
Hinzu kommt ein weiterer aktueller Befund. Das Palestinian Center for Policy and Survey Research stellte im August ebenfalls einen starken Anstieg der Unterstützung für Verhandlungen fest. Doch gleichzeitig lehnten 72 Prozent der Palästinenser eine Entwaffnung der Hamas vor einem vollständigen israelischen Rückzug aus Gaza ab.
haOlam hatte bereits darauf hingewiesen, dass deshalb zwischen einer Abkehr von einem derzeit als erfolglos wahrgenommenen bewaffneten Kampf und einer grundsätzlichen Akzeptanz israelischer Sicherheitsforderungen unterschieden werden muss.
Genau das bestätigt die neue INSS-Erhebung noch deutlicher.
Die gute Nachricht lautet: Der bewaffnete Kampf verliert an Attraktivität und Verhandlungen gewinnen.
Die schwierigere Nachricht für Israel lautet: Das politische Ziel vieler Befragter hat sich damit noch lange nicht in Richtung dauerhafter Koexistenz zweier Nationalstaaten verschoben.
46 Prozent bestreiten Israels Existenzrecht.
42 Prozent halten sein Ende weiterhin für möglich.
Nur 27 Prozent nennen zwei Staaten als bevorzugten endgültigen Zustand.
26 Prozent wollen einen palästinensischen Staat über das gesamte Gebiet ohne dauerhafte jüdische Präsenz.
Diese Zahlen erklären, warum Israel Sicherheitsgarantien, Entwaffnung terroristischer Organisationen und die tatsächliche Anerkennung des jüdischen Staates nicht als nebensächliche Details eines Friedensprozesses behandeln kann.
Ein palästinensischer Staat kann Teil eines Friedensmodells sein. Ein dauerhafter Frieden zwischen zwei Staaten setzt aber voraus, dass beide Seiten akzeptieren, dass auch der andere Staat am Tag danach noch existiert.
Genau diese Voraussetzung ist nach der jüngsten Umfrage in Judäa und Samaria weiterhin nicht mehrheitsfähig.
Autor: Redaktion
Donnerstag, 17 September 2026