Gefangener Hamas-Sicherheitschef lieferte Israel offenbar den Schlüssel zu Terror-KommandeurenGefangener Hamas-Sicherheitschef lieferte Israel offenbar den Schlüssel zu Terror-Kommandeuren
Seit Mu’in al-Arabid Anfang September lebend gefasst wurde, hat Israel drei von fünf Hamas-Brigadechefs ausgeschaltet. Nach Recherchen der Jerusalem Post halfen die gewonnenen Geheimdienstinformationen zudem dabei, Waffen, Terrorgelder und weitere hochrangige Hamas-Mitglieder aufzuspüren.

Bildnachweis: Symbolbild / KI
Als israelische Sicherheitskräfte Anfang September einen hochrangigen Funktionär des internen Sicherheitsapparates der HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen lebend in ihre Gewalt brachten, war zunächst vor allem der spektakuläre Einsatz die Nachricht. Inzwischen zeigt sich, warum eine Festnahme für IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen erheblich wertvoller sein kann als ein weiterer getöteter Terrorist.
Nach Informationen der JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen Post lieferte die Festnahme von Mu’in al-Arabid einen erheblichen Geheimdienstgewinn. Die gewonnenen Erkenntnisse hätten Israel dabei geholfen, führende Hamas-Terroristen zu lokalisieren und auszuschalten sowie Waffen und finanzielle Mittel der Organisation aufzuspüren.
Seit dem 11. September wurden drei der fünf Brigadechefs des militärischen Arms der Hamas ausgeschaltet.
Zuletzt traf es in der Nacht zum Dienstag Izz al-Din al-Bik, den Kommandeur der Nord-GazaPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen-Brigade. Die IDF und der israelische Inlandsgeheimdienst Schin Bet bestätigten seinen Tod bei einem gezielten Angriff in Gaza-Stadt. Nach Angaben der Sicherheitsbehörden leitete al-Bik die Aktivitäten der Terroristen seiner Brigade, gab Anweisungen für Angriffe gegen israelische Soldaten und Zivilisten und arbeitete daran, die während des Krieges schwer beschädigten militärischen Fähigkeiten der Einheit wiederherzustellen.
Bemerkenswert ist, dass selbst die Hamas den Tod ihres Kommandeurs bestätigte und al-Bik nach seinem Tod ausdrücklich mit dem Massaker vom 7. Oktober7. Oktober 2023: Das Hamas-Massaker, das Israel veränderteDer 7. Oktober 2023 war der Tag des Hamas-Massakers in Israel. Terroristen aus Gaza ermordeten etwa 1.200 Menschen, vor allem Zivilisten, und verschleppten mehr als 240 Geiseln in den Gazastreifen.Mehr lesen 2023 in Verbindung brachte. Nach Angaben der Terrororganisation war er damals als Geheimdienstchef der Nord-Gaza-Brigade an dem Angriff beteiligt. Nach der Ausschaltung seines Vorgängers Ahmed Ghandour übernahm er anschließend die Führung der Brigade.
Drei Brigadechefs innerhalb weniger Wochen
Al-Bik ist nicht der einzige hochrangige Hamas-Kommandeur, den Israel seit der Festnahme al-Arabids aufspüren konnte.
Am 11. September bestätigten IDF und Schin Bet die Ausschaltung von Muhammad Yazouri, dem Kommandeur der Khan-Yunis-Brigade. Yazouri hatte zuvor unter anderem als stellvertretender Brigadechef und Leiter der Brigadeaufklärung gedient. Nach israelischen Angaben koordinierte er Dutzende geplante Angriffe gegen israelische Soldaten und arbeitete ebenfalls daran, die militärischen Strukturen der Hamas wiederherzustellen.
Bei demselben Angriff wurden ein Kompaniechef und ein weiterer Hamas-Terrorist getötet.
Wenige Tage später folgte Nael Abu Obeid, Kommandeur der Rafah-Brigade. Auch er gehörte zu jener neuen Führungsgeneration, mit der Hamas versuchte, die während des Krieges ausgeschalteten Kommandeure zu ersetzen. Abu Obeid hatte zuvor als stellvertretender Brigadechef sowie als Kommandeur der Bataillone Tel al-Sultan und Yibna gedient.
Damit verlor Hamas innerhalb von weniger als drei Wochen drei ihrer fünf Brigadechefs.
Die Jerusalem Post führt diese ungewöhnliche Häufung nun zumindest teilweise auf die Informationen zurück, die Israel nach der Festnahme al-Arabids gewinnen konnte. Wie genau diese Informationen gewonnen wurden und welche konkreten Zielpersonen unmittelbar auf seine Aussagen oder auf bei der Operation sichergestelltes Material zurückgehen, ist öffentlich nicht bekannt. Auch Israel hat bislang keine detaillierte operative Kette offengelegt.
Deshalb wäre es zu weitgehend, jede einzelne Ausschaltung direkt einer Aussage al-Arabids zuzuschreiben.
Dass seine Festnahme einen erheblichen nachrichtendienstlichen Durchbruch brachte, berichtet die Jerusalem Post jedoch ausdrücklich.
Was wir Anfang September noch als Möglichkeit beschrieben, ist offenbar eingetreten
haOlam hatte bereits unmittelbar nach dem ungewöhnlichen Einsatz in Gaza-Stadt auf genau diesen Punkt hingewiesen.
Damals war noch nicht einmal abschließend öffentlich geklärt, wen die mit israelischer Unterstützung operierenden Kräfte tatsächlich festgenommen hatten. Fest stand lediglich, dass ein hochrangiger Hamas-Terrorist lebend in die Hände seiner Gegner geraten war.
Wir schrieben am 1. September: Ein lebend gefasster hochrangiger Hamas-Angehöriger könne Informationen über Befehlsketten, Verstecke, Kommunikation, WaffenlagerTerrorinfrastruktur: Wie Terrorgruppen Krieg in zivile Räume verlagernTerrorinfrastruktur bezeichnet Einrichtungen, Netzwerke und Strukturen, die Terrororganisationen für Angriffe, Waffenlagerung, Kommandoführung, Ausbildung, Raketenbeschuss, Tunnelbau oder Logistik nutzen. Besonders gefährlich wird sie, wenn sie in Wohngebieten, Schulen, Moscheen oder Krankenhäusern versteckt wird.Mehr lesen, Tunnel, verbliebene Kommandeure und geplante Anschläge besitzen.
Vier Wochen später bekommt dieser Satz eine neue Bedeutung.
Mu’in al-Arabid war nicht irgendein bewaffneter Hamas-Kämpfer. Er gehörte zum internen Sicherheitsapparat einer Terrororganisation, deren Überleben wesentlich davon abhängt, eigene Geheimnisse zu schützen, Gegner aufzuspüren und israelische Informanten zu enttarnen. Gerade ein Mann aus diesem Bereich kann über personelle Netzwerke, geheime Treffpunkte, Kommunikationswege und Sicherheitsroutinen verfügen, die aus Satellitenbildern oder Luftaufklärung allein kaum zu gewinnen sind.
Die Festnahme selbst war bereits ungewöhnlich. Israelische Berichte beschrieben eine Operation tief in Gaza-Stadt, an der auch palästinensische Gegner der Hamas beteiligt gewesen sein sollen. IDF und Schin Bet unterstützten den Einsatz. Al-Arabid wurde nicht bei einem Luftangriff getötet, sondern lebend aus dem Gebiet gebracht.
Genau darin liegt der entscheidende Unterschied.
Ein getöteter Terror-Kommandeur kann keine Fragen mehr beantworten. Ein lebend gefasster Funktionär aus dem Sicherheitsapparat kann ein ganzes Netzwerk gefährden.
Für Hamas entsteht dadurch ein Problem, das sich nicht einfach durch die Ernennung eines Nachfolgers lösen lässt. Jeder ausgeschaltete Brigadechef kann ersetzt werden. Wenn Israel jedoch zugleich erfährt, wo sich Nachfolger verstecken, wie Einheiten miteinander kommunizieren, wo Waffen liegen und über welche Wege Geld bewegt wird, wird auch der Wiederaufbau dieser Strukturen angreifbar.
Das erklärt, warum die Festnahme al-Arabids strategisch möglicherweise bedeutender war als zunächst erkennbar.
Israel bekämpft derzeit nicht nur einzelne Hamas-Terroristen. Es versucht, den Wiederaufbau eines militärischen Systems zu verhindern, das trotz Waffenruhe weiter existiert und nach Erkenntnissen der IDF erneut Personal, Waffen und Strukturen organisiert.
Die vergangenen Wochen zeigen, wie verwundbar dieses System werden kann, wenn seine Geheimhaltung zusammenbricht.
Anfang September verlor Hamas einen Mann ihres eigenen Sicherheitsapparates.
Seitdem verlor sie drei von fünf Brigadechefs.
Autor: Redaktion
Mittwoch, 30 September 2026