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Yair Golan nennt Tötung Khameneis einen Fehler: Der Streit über Israels Iran-Strategie erreicht den Wahlkampf

Yair Golan nennt Tötung Khameneis einen Fehler: Der Streit über Israels Iran-Strategie erreicht den Wahlkampf


Der Chef der israelischen Demokraten hält die Ausschaltung Ali Khameneis für strategisch falsch. Nicht weil der iranische Revolutionsführer Schonung verdient habe, sondern weil nach ihm noch radikalere Kräfte an Einfluss gewonnen hätten.

Yair Golan nennt Tötung Khameneis einen Fehler: Der Streit über Israels Iran-Strategie erreicht den Wahlkampf
Bildnachweis: Symbolbild / KI

Yair Golan hat mitten im israelischen Wahlkampf eine grundsätzliche Debatte über den Krieg gegen Iran eröffnet. Der Vorsitzende der Partei Die Demokraten bezeichnete die Tötung des langjährigen iranischen Revolutionsführers Ali Khamenei durch IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen und die USA als „Fehler“ und stellte damit eine der symbolträchtigsten Entscheidungen des Iran-Krieges infrage.

Golan sagte am Freitag bei einer Veranstaltung in Rischon LeZion, er halte die Ausschaltung Khameneis „eindeutig“ für falsch. Seine Begründung ist dabei entscheidend. Er argumentierte ausdrücklich nicht, Khamenei habe den israelischen Angriff nicht verdient. Vielmehr habe dessen Tod aus seiner Sicht den Interessen Israels nicht gedient.

Bei einem alten, seit Jahrzehnten herrschenden Führer gebe es eine gewisse Berechenbarkeit, erklärte Golan. Khamenei sei bereits 86 Jahre alt gewesen. Nach dessen Tod seien dagegen Kräfte innerhalb des iranischen Machtapparates stärker geworden, die nach Golans Einschätzung noch radikaler und gewaltbereiter seien.

Damit kritisiert Golan nicht die moralische Legitimität, einen Mann auszuschalten, unter dessen Führung Iran Israel jahrzehntelang bedrohte, Terrororganisationen finanzierte und bewaffnete sowie sein Raketen- und Atomprogramm vorantrieb. Er stellt vielmehr die strategische Frage, ob Israel durch die Beseitigung Khameneis tatsächlich sicherer geworden ist.

Genau darüber lässt sich ernsthaft streiten.

Khamenei war kein gewöhnlicher Staatschef

Bei der Bewertung von Golans Aussagen darf allerdings nicht ausgeblendet werden, wer Ali Khamenei war.

Als Oberster Führer der Islamischen Republik stand er an der Spitze eines Regimes, das die Vernichtung Israels über Jahrzehnte zu einem Bestandteil seiner Ideologie und Außenpolitik gemacht hatte. Unter seiner Herrschaft wurden die RevolutionsgardenIslamische Revolutionsgarden: Machtzentrum des iranischen RegimesDie Islamischen Revolutionsgarden sind eine mächtige militärische, politische und wirtschaftliche Organisation der Islamischen Republik Iran. Sie wurden nach der Revolution von 1979 gegründet, unterstehen dem Obersten Führer und steuern über die Quds-Einheit Irans regionales Terrornetzwerk.Mehr lesen zu einem militärischen, wirtschaftlichen und politischen Machtzentrum ausgebaut. Iran finanzierte, bewaffnete und trainierte Terrororganisationen und Milizen im gesamten Nahen Osten, darunter HisbollahHisbollah: Irans Terrorarmee im LibanonDie Hisbollah ist eine schiitisch islamistische Organisation im Libanon. Sie wurde in den frühen 1980er Jahren mit Unterstützung des Iran aufgebaut, verfügt über eine politische und militärische Struktur und wird von den USA, Israel und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen und Palästinensischen Islamischen Dschihad, und unterstützte auch die HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen.

Khamenei war zugleich Oberbefehlshaber der iranischen Streitkräfte und damit nicht lediglich eine religiöse Symbolfigur. Die israelischen Streitkräfte bezeichneten ihn nach seiner Tötung ausdrücklich als oberste militärische Autorität des Regimes und als letzten Entscheidungsträger in militärischen Fragen.

Am 28. Februar 2026 begann die gemeinsame amerikanisch israelische Operation „Roaring Lion“. Khamenei wurde bei einem gezielten Angriff auf seinen Komplex in Teheran getötet. Gleichzeitig trafen Israel und die Vereinigten Staaten zentrale Teile der iranischen Militärführung, der Revolutionsgarden und anderer Sicherheitsstrukturen.

Die Operation war die Antwort auf eine Bedrohung, die Israel nach eigenen Angaben nicht länger hinnehmen konnte. Teheran hatte nach den schweren israelischen Angriffen des Vorjahres erneut an seiner Raketenproduktion gearbeitet, sein Atomprogramm weitergeführt und seine regionalen Stellvertreter unterstützt. Iran reagierte auf den Beginn des Krieges mit massiven Raketenangriffen auf Israel. Dabei wurden israelische Städte getroffen und Zivilisten getötet oder verletzt.

Dass Khameneis Tod für Israel deshalb weit mehr bedeutete als die Ausschaltung eines politischen Gegners, liegt auf der Hand. Er verkörperte über Jahrzehnte das System, das den Konflikt mit Israel nicht nur verwaltete, sondern ideologisch vorantrieb.

Golans Einwand richtet sich dennoch gegen die Folgen dieser Entscheidung.

Nach Khameneis Tod wurde sein Sohn Mojtaba zum neuen Obersten Führer bestimmt. Gleichzeitig wuchs nach Einschätzung zahlreicher Beobachter der Einfluss der Revolutionsgarden auf die tatsächlichen Entscheidungen in Teheran. Mojtaba selbst trat über Monate kaum öffentlich in Erscheinung. Auch haOlam berichtete mehrfach über Zweifel an seinem Gesundheitszustand, über Machtkämpfe und über die Frage, wer Iran tatsächlich führt.

Die Entwicklung liefert Golan zumindest einen Ansatzpunkt für seine Argumentation. Auch amerikanische Geheimdienstanalysen hatten bereits vor Khameneis Tod davor gewarnt, dass eine Ausschaltung des Revolutionsführers nicht automatisch zu einem moderateren Iran führen müsse und Hardliner aus den Revolutionsgarden anschließend noch größeren Einfluss gewinnen könnten.

Das bedeutet allerdings nicht automatisch, dass die Operation deshalb ein Fehler war.

Die gegenteilige Rechnung lautet: Ein Regime wird nicht ungefährlicher, indem seine oberste Führung aus Angst vor einem möglicherweise noch radikaleren Nachfolger unangetastet bleibt. Gerade ein System, das seine eigene Stabilität daraus bezieht, dass führende Verantwortliche sich sicher fühlen können, verliert durch gezielte Schläge gegen seine Spitze einen wesentlichen Teil seiner Abschreckungswirkung.

Golan stellt auch Netanyahus Kriegsziel infrage

Der Vorsitzende der Demokraten ging deshalb noch weiter. Nach seiner Darstellung befand sich Israel nach den früheren Erfolgen gegen Iran in einer strategisch günstigeren Lage. Die spätere Operation „Roaring Lion“ habe diese Position verschlechtert.

Seine schärfste Kritik richtet sich dabei an Benjamin Netanyahu. Golan wirft dem Ministerpräsidenten vor, den Vereinigten Staaten die Illusion verkauft zu haben, das iranische Regime könne durch militärischen Druck gestürzt werden. Ein solcher Regimewechsel sei kein realistisches strategisches Ziel gewesen und letztlich nicht erreicht worden.

Stattdessen hätte Israel nach Golans Auffassung eine regionale diplomatische Initiative vorantreiben müssen, um seine langfristige Sicherheit zu gewährleisten.

Diese Argumentation trifft einen tatsächlichen strategischen Streitpunkt. Auch in den Vereinigten Staaten war während des Iran-Krieges umstritten, ob die militärischen Operationen lediglich das iranische Atom- und Raketenprogramm zerstören beziehungsweise dauerhaft schwächen oder letztlich einen Zusammenbruch des Regimes herbeiführen sollten.

Sie lässt aber einen zweiten Teil der Realität offen.

Das iranische Regime führte seinen Krieg gegen Israel nicht erst seit Februar 2026. Über Jahrzehnte hatte Teheran einen Ring bewaffneter Stellvertreter aufgebaut, die Israel von mehreren Fronten bedrohten. Hisbollah verfügte im Libanon über ein riesiges Raketenarsenal, die Hamas erhielt iranische Unterstützung, der Islamische Dschihad wurde wesentlich von Teheran finanziert und die Revolutionsgarden organisierten militärische Strukturen über Syrien, Irak und Jemen hinweg.

Israel stand deshalb nicht vor der Wahl zwischen Krieg und einem ungefährlichen Status quo. Die Frage war, wie weit der militärische Angriff auf das Zentrum dieses Systems gehen sollte.

Golan beantwortet diese Frage heute anders als die israelische Regierung.

Bemerkenswert ist dabei, dass auch er die grundsätzliche Notwendigkeit des militärischen Vorgehens gegen Iran nicht bestreitet. Zu Beginn der Operation hatte die israelische Opposition die Angriffe weitgehend unterstützt. Golan selbst stellte sich damals öffentlich hinter die israelische Gesellschaft und ihre Widerstandskraft während der iranischen Raketenangriffe.

Seine heutige Aussage ist daher keine Verteidigung Ali Khameneis. Sie ist eine strategische Anklage gegen die Entscheidung, die Führung des iranischen Regimes bis an ihre Spitze zu treffen.

Knapp drei Wochen vor der israelischen Wahl bekommt diese Debatte zwangsläufig eine zusätzliche politische Dimension.

Die Wähler entscheiden am 27. Oktober auch darüber, welcher sicherheitspolitischen Grundidee sie nach drei Jahren Krieg vertrauen. Netanyahu argumentiert seit Jahren, dass Israel seine existenziellen Bedrohungen notfalls direkt und militärisch beseitigen müsse. Golan hält dagegen, dass militärische Erfolge ohne ein politisches Konzept langfristig sogar neue Gefahren erzeugen können.

Der Iran liefert für beide Argumentationen Material.

Ali Khamenei ist tot. Sein Regime ist schwer getroffen. Tausende Angehörige der Revolutionsgarden wurden nach israelischen Angaben getötet oder verwundet, militärische Infrastruktur wurde zerstört und die iranische Führung verlor zahlreiche Spitzenfunktionäre.

Doch Iran ist nicht verschwunden.

Das Regime schießt weiterhin Raketen, droht Israel und den USA und wird heute von einer Führung geprägt, deren tatsächliche Machtverhältnisse teilweise schwerer einzuschätzen sind als vor dem Krieg.

Ob daraus folgt, dass Khamenei hätte am Leben bleiben sollen, ist eine andere Frage.

Golan hat sie beantwortet.

Jetzt muss er den israelischen Wählern erklären, warum es für die Sicherheit ihres Landes besser gewesen wäre, ausgerechnet den Mann an der Spitze des iranischen Machtapparates weiterregieren zu lassen.




Autor: Redaktion
Samstag, 10 Oktober 2026

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