Waffenlager der Mafia entdeckt: Israelische Polizei findet militärischen Sprengstoff und KokainWaffenlager der Mafia entdeckt: Israelische Polizei findet militärischen Sprengstoff und Kokain
Bei einer Razzia in Nordisrael entdecken Sicherheitskräfte ein umfangreiches Waffenarsenal der berüchtigten Abu-Latif-Organisation. Der Fund zeigt, wie gefährlich die organisierte Kriminalität für Israels innere Sicherheit geworden ist.

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Ein verstecktes WaffenlagerTerrorinfrastruktur: Wie Terrorgruppen Krieg in zivile Räume verlagernTerrorinfrastruktur bezeichnet Einrichtungen, Netzwerke und Strukturen, die Terrororganisationen für Angriffe, Waffenlagerung, Kommandoführung, Ausbildung, Raketenbeschuss, Tunnelbau oder Logistik nutzen. Besonders gefährlich wird sie, wenn sie in Wohngebieten, Schulen, Moscheen oder Krankenhäusern versteckt wird.Mehr lesen in den Bergen Galiläas hat das Ausmaß der Bewaffnung krimineller Organisationen in IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen erneut sichtbar gemacht. Bei einem groß angelegten Polizeieinsatz nahe der Ortschaft Rama im Norden des Landes entdeckten israelische Sicherheitskräfte am Montag, dem 19. Oktober, ein umfangreiches Arsenal aus Schusswaffen, Sprengstoff, militärischer Ausrüstung und mutmaßlichem Kokain. Nach Einschätzung der Polizei wird das Versteck der einflussreichen Abu-Latif-Organisation zugerechnet, die seit Jahren zu den bedeutenden Akteuren der organisierten Kriminalität in Israel zählt.
An dem Einsatz beteiligten sich Dutzende Beamte der zentralen Ermittlungsabteilung des nördlichen Polizeibezirks, Angehörige der Grenzpolizei und Kräfte der Nationalgarde. Vorausgegangen waren nach Polizeiangaben Hinweise darauf, dass ein abgelegenes Gelände oberhalb von Rama zur Lagerung illegaler Waffen und weiterer Gegenstände genutzt wurde, die mit den kriminellen Aktivitäten der Organisation in Verbindung stehen sollen.
Was die Ermittler schließlich fanden, ging deutlich über ein gewöhnliches Versteck für illegale Handfeuerwaffen hinaus. Sichergestellt wurden acht Gewehre, darunter Waffen der Typen M16, Kalaschnikow und Schrotflinten, sowie vier Pistolen. Hinzu kamen Sprengstoffblöcke, ein standardisierter militärischer Sprengsatz der israelischen Streitkräfte, Dutzende Zünd- und Auslösesysteme, zahlreiche Magazine und mehrere Hundert Schuss Munition verschiedener Kaliber. Außerdem fanden die Beamten Ersatzteile für Waffen, ballistische Schutzwesten mit Keramikeinlagen und ein Fahrzeug mit gefälschten Kennzeichen.
Neben der militärisch anmutenden Ausrüstung entdeckten die Ermittler mehr als drei Kilogramm einer Substanz, bei der es sich nach ersten Erkenntnissen um Kokain handeln soll. Der geschätzte Schwarzmarktwert der sichergestellten Waffen, Sprengmittel und Drogen liegt nach Angaben der Polizei bei mehreren Millionen Schekel. Eine unabhängige Bestätigung der Mengen und des geschätzten Wertes liegt bislang nicht vor.
Besonders bemerkenswert ist der Fund eines regulären militärischen Sprengsatzes. Woher dieser stammt und auf welchem Weg er in das Versteck gelangte, ist bislang nicht bekannt. Aus der Bauart allein lässt sich weder auf eine Herkunft unmittelbar aus Beständen der israelischen Armee noch auf die Beteiligung von Soldaten schließen. Die Frage nach den Beschaffungswegen solcher Waffen dürfte dennoch von erheblichem Interesse für die Ermittler sein.
Sämtliche Gegenstände wurden zur kriminaltechnischen Untersuchung in die zuständigen Labore der israelischen Polizei gebracht. Dort sollen unter anderem Spuren gesichert werden, die eine Identifizierung der Personen ermöglichen könnten, welche die Waffen und Drogen versteckt oder verwendet haben. Über Festnahmen unmittelbar im Zusammenhang mit dem Fund wurde zunächst nicht berichtet.
Abu Latif: Eine Organisation, die weit über Straßenkriminalität hinausreicht
Der Fund ist besonders brisant, weil sich die Ermittlungen gegen eine Organisation richten, deren mutmaßliche Aktivitäten längst nicht mehr auf lokale Schutzgelderpressung oder gewaltsame Auseinandersetzungen beschränkt sind.
Die Abu-Latif-Organisation, deren Wurzeln in der Region um Rama liegen, steht seit Jahren im Mittelpunkt umfangreicher Ermittlungen. Die israelische Polizei wirft ihrem Führungskreis vor, durch Drohungen, Gewalt und wirtschaftliche Einschüchterung Einfluss auf Unternehmen, öffentliche Ausschreibungen und große Infrastrukturprojekte genommen zu haben.
Im Februar 2025 führte die Polizei nach mehrjährigen verdeckten Ermittlungen eine umfassende Razzia gegen die Organisation durch. Dabei wurden führende Mitglieder und zahlreiche weitere Verdächtige festgenommen. Die Ermittler gingen unter anderem dem Verdacht nach, dass Bauunternehmen und Auftragnehmer mit Gewaltandrohungen dazu gebracht worden seien, auf öffentliche Ausschreibungen zu verzichten oder sich den wirtschaftlichen Interessen der Organisation unterzuordnen.
Im April 2025 folgten Anklagen gegen Latif Abu Latif und weitere Beschuldigte. Die Staatsanwaltschaft warf ihnen unter anderem organisierte Erpressung und wirtschaftskriminelle Aktivitäten vor. Nach Darstellung der Ermittler hatte sich die Organisation von klassischen Schutzgelderpressungen hin zu einem Netzwerk entwickelt, das auch auf staatlich finanzierte Aufträge Einfluss nehmen wollte. Die strafrechtliche Verantwortung der einzelnen Beschuldigten ist von diesen Vorwürfen zu unterscheiden.
Auch 2026 geriet das Umfeld der Organisation wiederholt in den Fokus der Justiz. Im Januar wurde gegen Nidal Abu Latif und zehn weitere Beschuldigte Anklage erhoben. Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft sollen Mitglieder und Unterstützer über Jahre hinweg Geschäftsleute bedroht, wirtschaftlich ausgebeutet und Vermögenswerte unter ihre Kontrolle gebracht haben. Die Ermittlungen umfassten auch Vorwürfe der Geldwäsche und besonders schwerer Erpressung.
Im Mai wurde zudem Shauki Abu Latif, der Vorsitzende des Gemeinderats von Rama, im Rahmen einer Verständigung mit der Staatsanwaltschaft wegen Beihilfe zur Erpressung sowie Betrugs und Untreue im Amt schuldig gesprochen. Der Vorgang verdeutlichte, dass die Ermittlungen nicht allein mutmaßliche Täter auf der Straße, sondern auch mögliche Verbindungen zwischen organisierter Kriminalität, Wirtschaft und kommunaler Verwaltung betreffen.
Für Israel hat die Bekämpfung dieser Strukturen eine erhebliche sicherheitspolitische Bedeutung. Schwer bewaffnete kriminelle Organisationen gefährden nicht nur ihre unmittelbaren Opfer. Sie können durch Erpressung, Einschüchterung und die Kontrolle wirtschaftlicher Abläufe auch das Vertrauen in staatliche Institutionen untergraben. Besonders betroffen sind Bürger, Unternehmer und Kommunen in Regionen, in denen solche Gruppen versuchen, ihren Einfluss dauerhaft zu etablieren.
Dabei darf nicht übersehen werden, dass die Bevölkerung in den betroffenen arabischen Ortschaften selbst zu den Menschen gehört, die unter organisierter Kriminalität und gewaltsamer Einschüchterung leiden. Wer Schutzgelder bezahlen muss, aus Angst auf einen öffentlichen Auftrag verzichtet oder wegen krimineller Drohungen seine wirtschaftliche Existenz gefährdet sieht, benötigt wirksamen Schutz durch Polizei und Justiz.
Die Entdeckung des Waffenlagers ist deshalb mehr als ein spektakulärer Fahndungserfolg. Sie entzieht dem kriminellen Umfeld möglicherweise erhebliche Mittel zur Gewaltausübung. Ob die beschlagnahmten Waffen tatsächlich der Abu-Latif-Organisation gehörten und für welche konkreten Straftaten sie vorgesehen waren, müssen die weiteren Ermittlungen zeigen.
Die Polizei bezeichnet die Aktion als Teil ihrer fortgesetzten Bemühungen, die Infrastruktur organisierter Kriminalität im Norden Israels zu zerschlagen. Polizeikommissar Danny Levy und der Kommandeur des nördlichen Bezirks, Meir Eliyahu, setzen dabei auf gezielte Einsätze gegen bewaffnete Netzwerke und deren wirtschaftliche Grundlagen.
Entscheidend wird jedoch sein, ob es den Behörden gelingt, nicht nur Waffen sicherzustellen, sondern auch ihre Lieferwege, die Finanzierung der Organisationen und ihre Verbindungen zu legalen Wirtschaftsstrukturen aufzudecken. Denn solange kriminelle Netzwerke über genügend Geld, Einfluss und neue Waffen verfügen, bleibt selbst die Entdeckung eines derart umfangreichen Arsenals nur ein Teil des Kampfes gegen die organisierte Kriminalität.
Autor: Redaktion
Mittwoch, 21 Oktober 2026