Trump beansprucht Israels Wahlerfolg für sich: „Meine Unterstützung hat Netanjahu geholfen“Trump beansprucht Israels Wahlerfolg für sich: „Meine Unterstützung hat Netanjahu geholfen“
Während in Israel noch die Stimmen ausgezählt werden, erklärt US-Präsident Donald Trump seine Wahlempfehlung zum entscheidenden Faktor. Tatsächlich schneidet Netanjahu bislang besser ab als erwartet. Ob Trumps Unterstützung dafür verantwortlich ist, bleibt unbelegt.

Bildnachweis: The White House /
QuelleUS-Präsident Donald Trump hat sich nach der israelischen Parlamentswahl persönlich für das überraschend starke Abschneiden von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu gelobt. Am Mittwochmorgen verbreitete er auf seiner Plattform Truth Social die Behauptung, seine öffentliche Unterstützung habe die politische Stimmung in IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen entscheidend verändert. Später wiederholte er diese Einschätzung gegenüber Journalisten am Präsidentenflugzeug Air Force One.
Trump verwies darauf, dass Netanjahu vor der Wahl von einer deutlichen Niederlage bedroht gewesen sei. Nach seiner Unterstützung sehe es nun dagegen nach einem politischen Patt oder sogar einem Erfolg des amtierenden Ministerpräsidenten aus.
Als Beleg verbreitete Trump einen Beitrag von Irving C. Schwartz. Dieser schrieb sinngemäß, Trumps Wahlempfehlung habe die gesamte Dynamik verändert. Statt einer klaren Niederlage für Netanjahu zeichne sich nun ein überraschendes Comeback ab.
Trump machte sich diese Darstellung zu eigen.
Später erklärte er vor Journalisten, er habe erfahren, dass die ersten Nachwahlbefragungen die tatsächlichen Stimmenverhältnisse nicht richtig wiedergegeben hätten. Netanjahu habe wesentlich besser abgeschnitten als erwartet.
Seine Wahlempfehlung habe dem israelischen Ministerpräsidenten erheblich geholfen, behauptete Trump.
Ob das tatsächlich der Fall ist, lässt sich aus den bisher vorliegenden Wahlergebnissen nicht feststellen.
Netanjahu holt bei der Auszählung auf
Dass der Likud und seine politischen Verbündeten stärker abschneiden als zunächst angenommen, ist allerdings durch die laufende Stimmenauszählung belegt.
Die ersten Nachwahlbefragungen vom Dienstagabend zeigten für beide großen politischen Lager keine eigene parlamentarische Mehrheit.
Im Verlauf der Nacht verschoben sich die Zahlen zugunsten Netanjahus.
Nach vorläufigen Angaben der israelischen Zentralen Wahlkommission wurden seinem politischen Lager am Mittwochmorgen bei 55,4 Prozent ausgezählten Wahlurnen 56 Sitze zugerechnet. Die oppositionellen jüdisch geführten Parteien kamen auf 49 Mandate, die arabischen Parteien auf 15.
Die Zahlen sind weiterhin vorläufig. Besonders die noch ausstehenden Stimmen von Soldaten und anderen Wählern, die außerhalb ihres regulären Wahllokals abstimmten, können die Mandatsverteilung verändern.
Die Mehrheit in der Knesset liegt bei 61 Sitzen. Netanjahus Lager verfügte nach diesem Zwischenstand also noch nicht über die notwendige Mehrheit, um allein eine Regierung zu bilden.
Die hohe Wahlbeteiligung von 77,7 Prozent zeigt zudem, dass die Wahl zahlreiche Israelis mobilisiert hat.
Welche Rolle dabei die Aussagen des amerikanischen Präsidenten spielten, ist bislang nicht bekannt.
Die Verbesserung des Likud-Ergebnisses gegenüber den Umfragen lässt sich nicht automatisch auf eine einzelne Wahlempfehlung zurückführen. Dafür wären belastbare Untersuchungen zum Wahlverhalten erforderlich.
Ein amerikanischer Präsident als Wahlkampfhelfer
Trumps Unterstützung für Netanjahu ist politisch bemerkenswert, weil sich der amerikanische Präsident damit ungewöhnlich deutlich auf die Seite eines Kandidaten in einer demokratischen Wahl eines engen Verbündeten stellt.
Die Vereinigten Staaten sind Israels wichtigster sicherheitspolitischer Partner. Amerikanische Militärhilfe, diplomatische Unterstützung und die Zusammenarbeit gegen die iranische Bedrohung haben für das Land erhebliche Bedeutung.
Die Beziehungen zwischen Trump und Netanjahu sind entsprechend eng. Beide Politiker betonen regelmäßig ihre gemeinsamen Ziele gegenüber Iran und bei der regionalen Sicherheitspolitik.
Gleichzeitig gehört die Zusammensetzung der israelischen Regierung allein zur Entscheidung der israelischen Wähler und ihrer gewählten Abgeordneten.
Trump versucht nun, das Wahlergebnis auch als persönlichen politischen Erfolg darzustellen.
Das ist nicht nur eine Aussage über Netanjahu. Es ist zugleich die Behauptung, die Unterstützung des amerikanischen Präsidenten könne maßgeblich über politische Mehrheiten in Israel entscheiden.
Eine solche Wirkung ist möglich, aber derzeit nicht nachgewiesen.
Die israelischen Wähler hatten zahlreiche Gründe für ihre Entscheidung. Dazu gehören die Sicherheitslage nach den Kriegen gegen HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen, HisbollahHisbollah: Irans Terrorarmee im LibanonDie Hisbollah ist eine schiitisch islamistische Organisation im Libanon. Sie wurde in den frühen 1980er Jahren mit Unterstützung des Iran aufgebaut, verfügt über eine politische und militärische Struktur und wird von den USA, Israel und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen und Iran, der Streit über den Militärdienst ultraorthodoxer Männer, wirtschaftliche Belastungen und die politische Auseinandersetzung über Netanjahus Regierungsführung.
Die Wahl lässt sich deshalb nicht allein auf die persönliche Beziehung zwischen zwei Regierungschefs reduzieren.
Trumps Unterstützung ersetzt keine Regierungsmehrheit
Netanjahu beansprucht nach dem verbesserten Zwischenergebnis die politische Führung. Gleichzeitig versuchen die Oppositionsparteien um Gadi Eisenkot, Möglichkeiten für eine andere Regierung auszuloten.
Die arabischen Parteien verfügen nach den bisherigen Zahlen über einen erheblichen Anteil der Mandate. Ihre mögliche Beteiligung oder Unterstützung einer Regierung ist jedoch zwischen den Oppositionsparteien umstritten.
Netanjahu hat eine Regierungsbildung unter Beteiligung arabischer Parteien ausdrücklich zurückgewiesen.
Damit bleiben die Koalitionsverhandlungen schwierig, unabhängig davon, welchen persönlichen Anteil Trump am Wahlausgang für sich beansprucht.
Der amerikanische Präsident kann Netanjahu öffentlich unterstützen und dessen Ergebnis begrüßen. Die erforderlichen 61 Stimmen im israelischen Parlament kann ihm diese Unterstützung nicht ersetzen.
Erst nach Abschluss der Auszählung wird feststehen, wie viele Abgeordnete die einzelnen Parteien tatsächlich erhalten haben. Anschließend muss Staatspräsident Jitzchak Herzog einen geeigneten Kandidaten mit der Regierungsbildung beauftragen.
Die bisherigen Zahlen zeigen eine deutliche Verbesserung der Ausgangslage für Netanjahu gegenüber manchen Vorwahlumfragen. Sie beweisen jedoch weder einen Wahlsieg seines gesamten Lagers noch die von Trump behauptete entscheidende Wirkung seiner Unterstützung.
Trump reklamiert den politischen Erfolg bereits für sich. Ob seine Wahlempfehlung tatsächlich Stimmen verändert hat, bleibt offen. Über Israels nächste Regierung entscheiden letztlich die gewählten Abgeordneten der Knesset, nicht der amerikanische Präsident.
Autor: Redaktion
Mittwoch, 28 Oktober 2026