Israel nach der Wahl ohne Mehrheit: Präsident Herzog warnt vor erneuter Abstimmung

Israel nach der Wahl ohne Mehrheit: Präsident Herzog warnt vor erneuter Abstimmung


Die Stimmen der regulären Wahllokale sind ausgezählt, doch weder Netanjahu noch seine Gegner verfügen über eine Mehrheit. Präsident Isaac Herzog fordert die Parteien auf, ihre Blockadehaltung zu überwinden und eine weitere Wahl zu verhindern.

Israel nach der Wahl ohne Mehrheit: Präsident Herzog warnt vor erneuter Abstimmung
Bildnachweis: Amos Ben Gershom / Quelle / CC BY-SA 3.0

Israels Staatspräsident Isaac Herzog hat sich am Mittwoch erstmals zu den Ergebnissen der Knessetwahl vom 27. Oktober geäußert. Angesichts der schwierigen Mehrheitsverhältnisse forderte er die Parteien eindringlich auf, eine erneute Parlamentswahl zu verhindern. Die politischen Lager müssten bereit sein, miteinander zu sprechen und bisherige Positionen zu überdenken.

Nach Auszählung der regulären Wahllokale verfügt das Lager von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu rechnerisch über 53 der 120 Knessetmandate. Die Parteien des oppositionellen Veränderungslagers kommen auf 48 Sitze, während die arabischen Parteien zusammen 19 Mandate erreichen.

Für eine parlamentarische Mehrheit werden mindestens 61 Sitze benötigt. Keines der beiden großen politischen Lager erreicht diese Schwelle aus eigener Kraft.

Der Likud bleibt nach dem vorläufigen Ergebnis mit 26 Mandaten stärkste Partei. Dahinter folgt die Partei Yashar von Gadi Eisenkot mit 21 Sitzen. Damit ist auch die Frage offen, wer den Auftrag zur Bildung der nächsten Regierung erhalten wird.

Herzog appellierte an die politischen Verantwortlichen, alles zu unternehmen, um den Israelis einen weiteren Wahlgang zu ersparen. Er erwarte von sämtlichen Parteien, die zu den Gesprächen in die Präsidentenresidenz nach JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen kommen, eine offene Haltung.

Die außergewöhnlich hohe Wahlbeteiligung würdigte Herzog ausdrücklich. Sie sei ein Zeichen dafür, wie wichtig den israelischen Bürgern ihre Demokratie sei. Nach Jahren von Krieg, politischen Auseinandersetzungen und gesellschaftlichen Spannungen hätten die Wähler damit ein deutliches Interesse an der politischen Zukunft ihres Landes gezeigt.

Erst die endgültigen Stimmen entscheiden über den Auftrag

Die bisherige Mandatsverteilung ist noch nicht endgültig. Die Stimmen aus den sogenannten doppelten Umschlägen müssen noch ausgezählt werden. Dazu gehören unter anderem Stimmen von Soldaten, Diplomaten und anderen Wahlberechtigten, die nicht in ihrem regulären Wahllokal abstimmen konnten.

Diese Stimmen können die Verteilung einzelner Mandate noch verändern. Deshalb wäre es verfrüht, bereits jetzt von einem endgültigen Wahlergebnis zu sprechen.

Herzog kündigte an, nach Eingang der offiziellen Ergebnisse die Vertreter sämtlicher Knessetfraktionen zu Gesprächen einzuladen. Dabei wird er klären, welcher Abgeordnete die besten Voraussetzungen besitzt, eine Regierung mit parlamentarischer Unterstützung zu bilden.

Die Schwierigkeiten liegen nicht allein in den Zahlen. Netanjahu und führende Oppositionspolitiker haben im Wahlkampf weitreichende politische Bedingungen formuliert. Gleichzeitig verfügen die arabischen Parteien rechnerisch über genügend Mandate, um bei bestimmten Regierungsmodellen eine wichtige Rolle zu spielen.

Ob sich diese theoretischen Möglichkeiten politisch umsetzen lassen, ist eine andere Frage. Mehrere führende Politiker haben eine Zusammenarbeit mit bestimmten Parteien ausdrücklich ausgeschlossen.

Eine Regierung der nationalen Einheit wäre ebenfalls nur möglich, wenn bisherige politische Gegensätze überwunden würden. Die Initiative zu einer solchen Verständigung müsste von den Parteien selbst ausgehen.

Der Präsident kann keine Regierungskoalition erzwingen. Seine Aufgabe besteht darin, nach den Konsultationen einen Kandidaten mit der Regierungsbildung zu beauftragen.

Für IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen beginnt damit nach der Wahl eine schwierige Phase politischer Verhandlungen. Netanjahu bleibt bis zur Bildung einer neuen Regierung geschäftsführend im Amt.

Die Wähler haben ihre Stimmen abgegeben, aber noch keine eindeutige Regierungsmehrheit geschaffen. Herzog verlangt nun von den Parteien, eine politische Lösung zu finden, bevor Israel erneut an die Wahlurnen gerufen werden muss.

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Autor: Redaktion
Mittwoch, 28 Oktober 2026

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