Sicherheitsalarm bei Herzog unterbricht Israels RegierungsbildungSicherheitsalarm bei Herzog unterbricht Israels Regierungsbildung
Ausgerechnet zum Beginn der entscheidenden Koalitionsgespräche schlägt eine Sicherheitskontrolle am Amtssitz des israelischen Staatspräsidenten Alarm. Der Zugang wird gesperrt, Sprengstoffexperten werden angefordert. Ob tatsächlich eine Gefahr bestand, ist zunächst unklar.

Ein Sicherheitsalarm am Amtssitz des israelischen Staatspräsidenten Isaac Herzog in JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen hat am Mittwochnachmittag, dem 4. November, den Beginn der Gespräche über die Bildung der nächsten Regierung verzögert. Während sich die ersten Parteivertreter auf die Konsultationen vorbereiteten, löste eine Sicherheitskontrolle beim Überprüfen von Besuchern einen Alarm aus. Der Zugang zum Präsidialamt wurde daraufhin vorübergehend gesperrt.
Das Präsidialamt bestätigte den Vorfall. Nach seiner Erklärung wurden Sprengstoffexperten der israelischen Polizei angefordert, um die Ursache des Alarms zu überprüfen. Die Untersuchung erfolge in Abstimmung mit den zuständigen Sicherheitsbehörden.
Welche Gegenstände den Alarm ausgelöst haben könnten, wurde zunächst nicht mitgeteilt. Ebenso gab es keine Bestätigung dafür, dass tatsächlich Sprengstoff entdeckt wurde oder ein Anschlagsversuch vorlag.
Der Vorfall ereignete sich an einem politisch besonders wichtigen Tag. Erst wenige Stunden zuvor hatte Herzog die offiziellen Ergebnisse der israelischen Parlamentswahl vom 27. Oktober entgegengenommen. Anschließend sollte er mit den gewählten Parteien beraten, wem der Auftrag zur Bildung einer neuen Regierung erteilt werden soll.
Die ersten Gespräche waren für 17 Uhr Ortszeit vorgesehen. Den Auftakt sollte das Bündnis Religiöser ZionismusZionismus: Das Recht der Juden auf SelbstbestimmungZionismus bezeichnet die jüdische Nationalbewegung, die für die Rückkehr des jüdischen Volkes in seine historische Heimat und für jüdische Selbstbestimmung im Land Israel eintrat. Der moderne Zionismus entstand im 19. Jahrhundert als Antwort auf Antisemitismus, Verfolgung und Entrechtung.Mehr lesen–Zehut unter Führung von Finanzminister Bezalel Smotrich machen.
Durch den Sicherheitsalarm verzögerte sich der Beginn dieses Verfahrens.
Ein ungewöhnlicher Auftakt für schwierige Gespräche
Die Konsultationen mit dem Staatspräsidenten sind ein entscheidender Bestandteil des israelischen Regierungsbildungsprozesses.
Nach einer Knessetwahl hört Herzog die Vertreter sämtlicher gewählter Fraktionen an. Diese können ihm mitteilen, welchem Abgeordneten sie die Bildung einer Regierung zutrauen beziehungsweise wen sie dafür empfehlen.
Der Präsident muss anschließend entscheiden, welcher Kandidat die besten Voraussetzungen besitzt, eine Regierung mit parlamentarischer Unterstützung zusammenzustellen.
In diesem Jahr ist die Ausgangslage besonders schwierig.
Das bisherige Regierungslager von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu verfügt nach dem bestätigten Wahlergebnis über 53 der 120 Knessetmandate. Die Parteien des oppositionellen Veränderungslagers kommen auf 48 Sitze. Weitere 19 Mandate entfallen auf die beiden arabischen Listen.
Damit besitzt keines der beiden großen politischen Lager allein die erforderliche Mehrheit von mindestens 61 Sitzen.
Herzog hatte deshalb bereits vor Beginn der Gespräche eine ungewöhnliche Entscheidung getroffen: Anders als bei früheren Regierungsbildungen wollte er zunächst die kleineren Parteien empfangen und sich anschließend schrittweise den größeren Fraktionen zuwenden.
Der Präsident begründete dies mit dem Ziel, möglichst viele politische Möglichkeiten zu prüfen, bevor die führenden Parteien ihre Positionen darlegen.
Die Konsultationen sollten am Mittwoch mit Religiöser Zionismus–Zehut, Schas und IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen Beitenu beginnen. Am Donnerstag waren weitere Gespräche vorgesehen, darunter mit den Demokraten, den arabischen Parteien, Gadi Eisenkots Yashar und Netanjahus Likud.
Das Präsidialamt hatte angekündigt, die Begegnungen öffentlich zu übertragen. Herzog wollte damit größtmögliche Transparenz schaffen und den Bürgern die Möglichkeit geben, den Regierungsbildungsprozess unmittelbar zu verfolgen.
Der Sicherheitsalarm unterbrach nun ausgerechnet den Auftakt dieser Gespräche.
Sicherheitsvorfall ohne bestätigten Anschlagsverdacht
Der Vorfall verdeutlicht die umfangreichen Sicherheitsvorkehrungen rund um die israelische Staatsspitze. Das Präsidialamt gehört zu den besonders geschützten staatlichen Einrichtungen des Landes. Besucher müssen sich entsprechenden Kontrollen unterziehen.
Dass ein Sicherheitsgerät Alarm auslöst, bedeutet allerdings nicht automatisch, dass eine konkrete terroristische Bedrohung vorliegt. Solche Warnungen können unterschiedliche Ursachen haben. Welche davon am Mittwoch zutraf, war zunächst nicht bekannt.
Die Entscheidung, den Zugang vorübergehend zu stoppen und Sprengstoffexperten hinzuzuziehen, entspricht einem vorsorglichen Vorgehen bei einem ungeklärten Sicherheitsalarm.
Auch über mögliche Auswirkungen auf den weiteren Zeitplan der Konsultationen lagen zunächst keine abschließenden Angaben vor.
Der politische Hintergrund verleiht dem Ereignis dennoch besondere Aufmerksamkeit. Israel steht wenige Tage nach der Wahl vor schwierigen Koalitionsverhandlungen. Gleichzeitig untersucht der Inlandsgeheimdienst Schin Bet Hinweise auf eine mögliche ausländische Einflussnahme auf die Abstimmung.
Die Zentrale Wahlkommission bestätigte am Mittwoch das Ergebnis, nachdem sie Unterlagen aus mehr als 9.000 Wahllokalen überprüft hatte. Hinweise auf eine Verfälschung des Gesamtergebnisses wurden dabei nach Angaben der Behörde nicht festgestellt.
Damit ist die Wahl offiziell abgeschlossen, während die politische Entscheidung über die nächste Regierung noch bevorsteht.
Für Herzog ist dabei insbesondere die Frage entscheidend, ob Netanjahu seine bisherigen Koalitionspartner um zusätzliche Unterstützung erweitern kann oder Eisenkot eine alternative parlamentarische Mehrheit zustande bringt.
Bereits vor dem Sicherheitsalarm hatten mehrere Parteien ihre Empfehlungen angekündigt. Schas und Religiöser Zionismus–Zehut wollen Netanjahu unterstützen. Avigdor Lieberman, Naftali Bennett und Yair Golan haben sich dagegen für Eisenkot ausgesprochen.
Der Präsident hatte die Parteien wiederholt aufgefordert, ihre politischen Gegensätze nicht zum Anlass für eine weitere Neuwahl werden zu lassen.
Mit dem Sicherheitsalarm am Mittwoch kam nun eine unerwartete Verzögerung hinzu.
Ob der Vorfall über eine vorsorgliche Sicherheitsmaßnahme hinausging, müssen die Untersuchungen der Polizei klären.Bis entsprechende Ergebnisse vorliegen, gibt es keinen belastbaren Grund, von einem Anschlagsversuch zu sprechen.
Für Israels Regierungsbildung bleibt entscheidend, dass die Konsultationen nach Abschluss der Sicherheitsüberprüfung fortgesetzt und die verfassungsrechtlich vorgesehenen Verfahren eingehalten werden.
Autor: Redaktion
Mittwoch, 04 November 2026