Ein Muslim als Spitzenkandidat – Israels Kritiker setzt sich durch: Warum Mamdanis Vorwahlsieg in New York schockiert

Ein Muslim als Spitzenkandidat – Israels Kritiker setzt sich durch: Warum Mamdanis Vorwahlsieg in New York schockiert


Er verharmlost Intifada-Rhetorik, schweigt zu Hamas-Terror – und wird nun demokratischer Spitzenkandidat in New York. Der Aufstieg Zohran Mamdanis ist ein Weckruf für Amerikas jüdische Gemeinden.

Ein Muslim als Spitzenkandidat – Israels Kritiker setzt sich durch: Warum Mamdanis Vorwahlsieg in New York schockiert
By Bingjiefu He - Own work, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=166035777

Mit rund 43 Prozent der Stimmen setzte sich der umstrittene Abgeordnete Zohran Mamdani am Dienstag gegen den ehemaligen Gouverneur Andrew Cuomo in der demokratischen Vorwahl zur Bürgermeisterwahl von New York City durch. Noch ist Mamdani nicht im Amt. Doch in einer Stadt, in der Demokraten traditionell gewinnen, rückt sein Einzug ins Rathaus gefährlich nah. Gefährlich deshalb, weil Mamdani nicht einfach nur links ist – sondern seit Jahren zu den lautesten Stimmen gehört, die IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen dämonisieren und zugleich mit antisemitischen Sprachbildern flirten.

Zohran Mamdani, Sohn des ugandisch-indischen Politikwissenschaftlers Mahmood Mamdani, nennt sich selbst Sozialist. Doch seine Agenda hat eine klare Schlagseite – und die richtet sich auffallend häufig gegen Israel. Er unterstützt die BDS-BewegungBDS: Boykottkampagne gegen IsraelBDS ist eine gegen Israel gerichtete Boykottkampagne. Der Deutsche Bundestag verurteilte die Bewegung 2019 als antisemitisch.Mehr lesen, die israelische Künstler, Wissenschaftler und Produkte boykottieren will. Er verharmloste die Parole „Globalize the IntifadaIntifada: Ein Wort für Terror gegen IsraelIntifada bedeutet wörtlich etwa „Abschütteln“. Politisch bezeichnet der Begriff vor allem zwei palästinensische Gewaltwellen gegen Israel. Besonders die Zweite Intifada wurde durch Selbstmordanschläge, Schussangriffe und Terror gegen israelische Zivilisten geprägt. Heute wird der Begriff oft leichtfertig als Parole benutzt.Mehr lesen“, ein Ausdruck, den viele Juden als verschleierten Aufruf zu Gewalt gegen Israelis verstehen. Und er sprach öffentlich mit dem Twitch-Streamer Hasan Piker, der wiederholt mit antisemitischen Aussagen auffiel – ohne sich jemals davon zu distanzieren.

Nach dem HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen-Massaker vom 7. Oktober7. Oktober 2023: Das Hamas-Massaker, das Israel veränderteDer 7. Oktober 2023 war der Tag des Hamas-Massakers in Israel. Terroristen aus Gaza ermordeten etwa 1.200 Menschen, vor allem Zivilisten, und verschleppten mehr als 240 Geiseln in den Gazastreifen.Mehr lesen 2023, bei dem über 1.200 Israelis ermordet und mehr als 240 verschleppt wurden, schwieg Mamdani zunächst – und schob später die Schuld einseitig auf Israel. Kein Wort der Empathie für die Opfer. Kein klares Bekenntnis gegen islamistischen Terror. Stattdessen: scharfe Israel-Kritik, die nicht unterscheidet zwischen Regierung und Gesellschaft, zwischen Militärschlägen und Massakern.

Das ist kein „legitimer Diskurs“. Das ist moralische Entkernung. Und sie wirkt – besonders auf eine junge, progressive Wählerschaft, die sich oft von identitätspolitischen Parolen blenden lässt und dabei den historischen KontextKontextualisierung: Fakten verständlich einordnenKontextualisierung bedeutet, Informationen in einen Zusammenhang zu stellen. Sie hilft, Ereignisse nicht isoliert zu betrachten, sondern mit Vorgeschichte, Ursachen, Folgen und beteiligten Akteuren zu verstehen.Mehr lesen ausblendet.

Cuomo gescheitert – weil er Antisemitismus zum Thema machte?

Andrew Cuomo, trotz aller Skandale als ehemaliger Gouverneur politisch versiert, hatte den Wahlkampf zu einer klaren Entscheidung gemacht: Für ihn war AntisemitismusAntisemitismus: Judenhass in alten und neuen FormenAntisemitismus bezeichnet Judenhass und Feindschaft gegen Juden. Er reicht von Vorurteilen und Verschwörungserzählungen bis zu Ausgrenzung, Bedrohung und Gewalt.Mehr lesen „die größte Herausforderung für New York“. Er stellte sich demonstrativ an die Seite jüdischer Gemeinden, warnte vor dem importierten Hass auf IsraelIsraelbezogener Antisemitismus: Wenn Israelhass Judenhass wirdIsraelbezogener Antisemitismus liegt vor, wenn Feindschaft gegen Juden auf Israel übertragen wird. Kritik an israelischer Politik ist nicht automatisch antisemitisch. Antisemitisch wird sie, wenn Israel dämonisiert, delegitimiert, mit doppelten Maßstäben behandelt oder Juden weltweit für Israel verantwortlich gemacht werden.Mehr lesen, der längst in Schulhöfen, U-Bahnstationen und Universitäten angekommen ist. Und doch verlor er – gegen einen Kandidaten, der den Hass zwar rhetorisch ablehnt, aber dessen politische Allianzen genau diesen Hass salonfähig gemacht haben.

Ein trauriger Befund: Wer Antisemitismus klar benennt, verliert Stimmen. Wer ihn relativiert, bekommt Applaus.

Lippenbekenntnisse statt Verantwortung

Zwar sagte Mamdani kürzlich in einer Late-Night-Show, Antisemitismus müsse bekämpft werden. Doch solche Sätze wirken hohl, solange er sich nicht von jenen lossagt, mit denen er sich bisher umgibt. Es genügt nicht, Antisemitismus zu „verurteilen“, wenn man gleichzeitig Begriffe wie „Apartheid“ übernimmt, Terror relativiert und Israels ExistenzrechtExistenzrecht Israels: Das Recht des jüdischen Staates auf SicherheitDas Existenzrecht Israels bezeichnet das Recht des jüdischen Staates, als souveräner Staat sicher und anerkannt zu bestehen. Wer Israel dieses Recht abspricht, kritisiert nicht nur eine Regierung, sondern stellt jüdische Selbstbestimmung grundsätzlich infrage.Mehr lesen in Frage stellt. Wer jüdische Sicherheit ernst meint, muss auch den Hass erkennen, der sich hinter vermeintlich emanzipatorischer Rhetorik versteckt.

Auch seine Ankündigung, ein „Department of Community Safety“ zu gründen, das Antisemitismus bekämpfen soll, bleibt bislang ohne Konzept – und wirkt wie der Versuch, Kritik im Wahlkampf zu entschärfen, ohne echte Konsequenzen zu ziehen.

Der Ernst der Lage – auch über New York hinaus

In New York leben mehr Juden als in jeder anderen Stadt der Welt außerhalb Israels. Die Stadt war immer ein Zufluchtsort – auch für jüdische Einwanderer, für HolocaustShoah: Der nationalsozialistische Mord an sechs Millionen JudenShoah ist der hebräische Begriff für die Katastrophe der Vernichtung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland und seine Helfer. Rund sechs Millionen Juden wurden ermordet.Mehr lesen-Überlebende, für jene, die in anderen Teilen der Welt verfolgt wurden. Dass ausgerechnet hier ein Politiker wie Mamdani zum demokratischen Spitzenkandidaten wird, ist ein Bruch. Ein Bruch mit der politischen Mitte, mit historischer Verantwortung – und mit jüdischer Sicherheit.

Der Vorwahlsieg ist noch keine Wahl. Im November entscheidet sich, ob Mamdani wirklich Bürgermeister wird. Doch allein seine Nominierung zeigt, wie stark sich der Diskurs in Amerika verschoben hat. Israelkritik ist längst zum Code geworden, hinter dem sich antisemitische Narrative verstecken. Und viele erkennen es nicht – oder wollen es nicht erkennen.

Jüdische Gemeinden in den USA, aber auch in Israel, sollten diesen Wahlausgang ernst nehmen. Nicht panisch, nicht überhastet – aber wachsam. Denn Mamdanis Aufstieg steht nicht nur für den Wandel einer Stadt. Er steht für eine neue politische Realität, in der alte Gewissheiten nicht mehr gelten. Und in der Israel zunehmend allein dasteht – selbst dort, wo es früher selbstverständlich Rückhalt gab.




Autor: Redaktion
Mittwoch, 25 Juni 2025

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