KatarGate 2.0? Enthüllungen über Milliarden-Deals der Familie Witkoff werfen Fragen aufKatarGate 2.0? Enthüllungen über Milliarden-Deals der Familie Witkoff werfen Fragen auf
Ein NYT-Bericht sorgt in Washington für Wirbel: Während Steve Witkoff als Sondergesandter von Präsident Trump zwischen Israel und Hamas vermittelt, bemühen sich seine Söhne um Milliardeninvestitionen aus Katar und den Golfstaaten. Offiziell alles legal – politisch jedoch ein Pulverfass.

By U.S. Embassy Jerusalem - https://www.flickr.com/photos/46886434@N04/54518336831/, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=165723334
Ein neuer Investigativbericht der New York Times hat am Wochenende die Debatte über Nähe, Macht und Geld im Umfeld des Weißen Hauses neu entfacht. Im Zentrum steht Steve Witkoff, Trumps Sondergesandter im NahostkonfliktPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen. Während er in heiklen Verhandlungen zwischen JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen, Doha und HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen vermittelte, waren seine Söhne geschäftlich aktiv – ausgerechnet mit denselben GolfstaatenStraße von Hormus: Die gefährlichste Engstelle der WeltwirtschaftDie Straße von Hormus ist eine Meerenge zwischen Iran und Oman. Sie verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und ist eine der wichtigsten Routen für Öl und Flüssigerdgas weltweit.Mehr lesen, die in der Region eine Schlüsselrolle spielen.
Nach den Unterlagen, die der NYT vorliegen, plante Sohn Alex Witkoff einen vier Milliarden Dollar schweren Immobilienfonds in den USA. Ein erheblicher Teil der Gewinne wäre an die familieneigene „Witkoff Group“ geflossen, an der auch der Vater bis vor kurzem beteiligt war. Parallel war Sohn Zachary mit katarischen und emiratischen Investoren im Kryptobereich aktiv – und das in einem Joint Venture mit Geschäftspartnern aus der Familie Trump.
Alte Netzwerke, neue Fragen
Die Spur führt zurück in Trumps erste Amtszeit. Schon 2017 hatte Katar Lobbyisten engagiert, um sich Zugang ins engste Umfeld des Präsidenten zu verschaffen. Einer dieser Mittelsmänner war der jüdisch-syrische Lobbyist Joey Allaham, der Steve Witkoff damals als „inoffiziellen Berater“ beschrieb. In den Folgejahren flossen Milliarden aus Doha in den New Yorker Immobilienmarkt, darunter auch Projekte des Witkoff-Konzerns. 2023 kaufte der katarische Staatsfonds den „Park Lane Hotel“-Komplex – eine Transaktion, die dem hochverschuldeten Unternehmen von Steve Witkoff Luft verschaffte.
Zwischen Diplomatie und Business
Juristisch gilt: Es gibt keine Beweise, dass die Geschäfte der Söhne die Vermittlungsarbeit des Vaters beeinflussten. Das Weiße Haus betonte, Witkoff ziehe sich schrittweise aus seinen Geschäftsbeteiligungen zurück und halte sich an die Ethikregeln. Doch die zeitliche Koinzidenz wirft Fragen auf: Kann ein Gesandter für Frieden in Gaza wirklich unabhängig auftreten, wenn seine Familie parallel Millionen aus Katar und den Emiraten einwirbt?
Kritiker sprechen von einem „klassischen Interessenkonflikt“, auch wenn er formal nicht justiziabel ist. Befürworter halten dagegen, dass private Geschäftstätigkeit in Amerika üblich sei und sich von politischem Mandat trennen lasse. Doch das Problem liegt tiefer: In einer Region, in der Geldströme, Politik und TerrorfinanzierungPay for Slay: Wie Terror gegen Israelis weiter belohnt wird„Pay for Slay“ ist ein kritischer Begriff für palästinensische Zahlungen an in Israel inhaftierte Täter, freigelassene Gefangene und Familien getöteter Angreifer. Kritiker sehen darin eine Belohnung für Terror gegen Israelis.Mehr lesen eng verflochten sind, genügt schon der Anschein von Abhängigkeit, um Vertrauen zu beschädigen.
Was auf dem Spiel steht
Gerade für IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen ist der Vorgang brisant. Katar gilt als wichtigster Schutzpatron der Hamas, finanziert ihre Strukturen in Gaza seit Jahren und hält zugleich die Fäden vieler Vermittlungsprozesse in der Hand. Dass nun ausgerechnet der Sohn des US-Gesandten Milliarden von demselben Land einzusammeln versucht, wirft ein Schlaglicht auf die Ambivalenz westlicher Diplomatie: Man verhandelt mit Staaten, die zugleich als Retter und als Brandstifter auftreten.
Die Enthüllungen passen damit in ein größeres Muster, das man „KatarGate 2.0“ nennen könnte – nach dem Skandal im EU-Parlament um katarische Einflussnahmen. Sie zeigen, wie die Golfmonarchien nicht nur auf Sport und Infrastruktur setzen, sondern auch systematisch auf politische Netzwerke im Westen.
Ein Fall mit Sprengkraft
Ob dieser Fall tatsächlich Konsequenzen für die US-Politik haben wird, ist offen. Doch die Debatte kommt zu einem sensiblen Zeitpunkt: In Washington bereitet man sich auf das nächste Treffen zwischen Präsident Trump und Premier Netanjahu vor. Dort wird es um nichts Geringeres gehen als die Zukunft des Gazakrieges und die Rolle Katars als Vermittler. Dass parallel nun Schlagzeilen über Milliardenprojekte der Witkoff-Söhne kursieren, schwächt das Bild der Unabhängigkeit – und gibt Kritikern reichlich Munition.
Autor: Redaktion
Sonntag, 28 September 2025