Somerville – die neue Hauptstadt des Antizionismus in den USASomerville – die neue Hauptstadt des Antizionismus in den USA
Während New York mit der Wahl von Zohran Mamdani Schlagzeilen machte, hat sich die kleine Stadt Somerville bei Boston zum eigentlichen Zentrum der israel-feindlichen Bewegung entwickelt.

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Dort stimmten 55 % der Bürger für eine kommunale Resolution, die alle städtischen Geschäfte mit Unternehmen verbieten will, die angeblich Israels „Apartheid, Völkermord und Besatzung“ unterstützen. Der Beschluss ist zwar rechtlich nicht bindend, aber politisch symbolisch – und offen antisemitischAntisemitismus: Judenhass in alten und neuen FormenAntisemitismus bezeichnet Judenhass und Feindschaft gegen Juden. Er reicht von Vorurteilen und Verschwörungserzählungen bis zu Ausgrenzung, Bedrohung und Gewalt.Mehr lesen.
Vom Idealismus der 1980er zum Hass unserer Tage
Für viele amerikanische Juden, die in den 1980er Jahren mit ZionismusZionismus: Das Recht der Juden auf SelbstbestimmungZionismus bezeichnet die jüdische Nationalbewegung, die für die Rückkehr des jüdischen Volkes in seine historische Heimat und für jüdische Selbstbestimmung im Land Israel eintrat. Der moderne Zionismus entstand im 19. Jahrhundert als Antwort auf Antisemitismus, Verfolgung und Entrechtung.Mehr lesen aufgewachsen sind, war Liebe zu IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen eine Selbstverständlichkeit. Damals galt der jüdische Staat als demokratisches Wunder, das aus der Asche der ShoahShoah: Der nationalsozialistische Mord an sechs Millionen JudenShoah ist der hebräische Begriff für die Katastrophe der Vernichtung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland und seine Helfer. Rund sechs Millionen Juden wurden ermordet.Mehr lesen geboren wurde. Heute, nur eine Generation später, ist Zionismus in Teilen der US-Linken zu einem Schimpfwort geworden.
Der Autor des Essays, ein ehemaliger Aktivist der zionistischen Jugendbewegung Young Judaea, beschreibt, wie er nach dem 7. Oktober 20237. Oktober 2023: Das Hamas-Massaker, das Israel veränderteDer 7. Oktober 2023 war der Tag des Hamas-Massakers in Israel. Terroristen aus Gaza ermordeten etwa 1.200 Menschen, vor allem Zivilisten, und verschleppten mehr als 240 Geiseln in den Gazastreifen.Mehr lesen – nach dem Massaker der HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen – wieder begriffen hat, dass jüdisches Leben ohne eigene Verteidigung niemals sicher sein kann. Doch in Somerville, wo er lebt, gilt dieser Gedanke inzwischen als Provokation.
Eine Stadt gegen Israel
Somerville, eine linksliberale Universitätsstadt, wurde in den letzten Jahren zu einem Experimentierfeld radikaler Anti-Israel-Politik. Demonstrationen, Boykottaufrufe, Resolutionen – und immer dieselbe Botschaft: Israel ist der alleinige Aggressor.
Als das Stadtparlament im Januar 2024 über eine Feuerpause abstimmte, fehlte im ursprünglichen Text jede Verurteilung des Hamas-Angriffs. Erst nach Protesten wurde der Text leicht geändert – die Resolution wurde trotzdem mit 9 zu 2 Stimmen angenommen.
Seitdem gibt es kaum ein lokales Ereignis ohne politische Störung: palästinensische Aktivisten tauchen bei Schulveranstaltungen, Pride-Paraden und Kulturfesten auf, um Israel öffentlich zu brandmarken. Graffiti mit antisemitischen Parolen gehören zum Alltag. Selbst ein Schild mit der Aufschrift Stand with Israel wurde wiederholt gestohlen oder beschmiert – einmal mit einem Zettel, der mit „Heil Hitler“ endete.
Die jüdische Antwort: „Shalom Somerville“
Als Reaktion gründete sich die Initiative Shalom Somerville. Ihr Ziel: den immer aggressiver werdenden antizionistischen Narrativen entgegenzutreten und die jüdische Gemeinschaft wieder zusammenzuführen. Die Bewegung umfasst säkulare, reformierte und orthodoxe Mitglieder – Menschen, die sich nicht auf eine politische Linie zur israelischen Regierung einigen müssen, wohl aber auf ein gemeinsames Prinzip: Israel hat das Recht zu existieren und sich zu verteidigen.
Doch der Preis für diese Haltung ist hoch. Aktivisten von Shalom Somerville wurden diffamiert, angeschrien, und bei einer Stadtratssitzung sogar bespuckt. Die Leiterin der Anti-Defamation League Neuenglands musste nach Drohungen von der Polizei eskortiert werden.
Wenn Demokratie zur Farce wird
Der Höhepunkt war das berüchtigte Referendum im November 2025. Der Antrag war ursprünglich im März eingereicht worden und enthielt den aggressivsten antiisraelischen Wortlaut, der je auf einem amerikanischen Stimmzettel stand. Gegner des Boykotts wiesen darauf hin, dass die Abstimmungsunterlagen manipulativ formuliert waren – es fehlte die vorgeschriebene Gegenposition, sodass viele Wähler glaubten, sie stimmten gegen „Völkermord“, nicht gegen Israel.
Am Ende sprach sich zwar eine knappe Mehrheit der Wähler für die Resolution aus, doch der Bürgermeisterkandidat, der deren Umsetzung ablehnte, gewann die Wahl. Eine symbolische Niederlage für die Aktivisten – aber ein Warnsignal: Der Antizionismus ist längst kein Randphänomen mehr, sondern Teil des politischen Mainstreams geworden.
Eine neue jüdische Minderheitserfahrung
Was Somerville heute erlebt, ist ein Spiegelbild einer größeren Entwicklung: Jüdische Amerikaner müssen sich plötzlich wieder daran gewöhnen, in der Minderheit zu sein – und ihre Würde zu verteidigen. Nach Jahrzehnten des Sicherheitsgefühls erleben sie eine Wiederkehr uralter Feindbilder, diesmal getarnt als „soziale Gerechtigkeit“.
Doch der Widerstand formiert sich. Shalom Somerville steht nicht allein. Überall in den USA entstehen jüdische Bürgerbewegungen, die nicht länger schweigen wollen, wenn Israel dämonisiert wird. Sie stellen sich der Lüge entgegen, dass Zionismus Rassismus sei, und sie tun es mit derselben Entschlossenheit, mit der frühere Generationen für das Überleben des jüdischen Volkes gekämpft haben.
Zionismus – das war einst der Traum von Sicherheit. Heute ist er wieder ein Akt des Widerstands.
Autor: Redaktion
Donnerstag, 13 November 2025