Intifada-Rufe vor New Yorker Synagoge: Wenn jüdisches Leben erneut zum Ziel wirdIntifada-Rufe vor New Yorker Synagoge: Wenn jüdisches Leben erneut zum Ziel wird
Vor der Park East Synagogue in Manhattan skandierten pro-palästinensische Aktivisten offen für eine neue Intifada. Zwischen Drohparolen, Beschimpfungen und bewusstem Einschüchtern jüdischer Besucher wurde sichtbar, wie verletzlich jüdisches Leben selbst im Herzen von New York geworden ist.

Was sich am späten Mittwochabend in der East 67th Street von Manhattan abspielte, war kein gewöhnlicher Protest und auch keine hitzige politische Auseinandersetzung. Es war ein gezieltes Aufmarschieren vor einer Synagoge – einem Ort, der für Jüdinnen und Juden Zuflucht und Gemeinschaft bedeutet. Rund 200 pro-palästinensische Demonstranten drängten sich vor dem Eingang der Park East Synagogue, riefen lautstark nach IntifadaIntifada: Ein Wort für Terror gegen IsraelIntifada bedeutet wörtlich etwa „Abschütteln“. Politisch bezeichnet der Begriff vor allem zwei palästinensische Gewaltwellen gegen Israel. Besonders die Zweite Intifada wurde durch Selbstmordanschläge, Schussangriffe und Terror gegen israelische Zivilisten geprägt. Heute wird der Begriff oft leichtfertig als Parole benutzt.Mehr lesen und konfrontierten Besucher, die zu einer Veranstaltung von Nefesh B’Nefesh kamen. Die Botschaft war unüberhörbar: jüdische Präsenz sollte eingeschüchtert, jüdische Identität herabgewürdigt und IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen delegitimiert werden.
Die Menge skandierte Slogans, deren Bedeutung unmissverständlich ist: „There is only one solution, intifada revolution“, „No peace on stolen land“ und „We don’t want no two states, we want ’48“. Letzterer ist eine Chiffre für die Auslöschung Israels in den Grenzen von 1948. Aktivisten aus Gruppen wie „Within Our Lifetime“ und „Jewish Voice for Peace“ führten den Protest an – Organisationen, deren Rhetorik häufig darauf abzielt, Juden als politische Zielscheibe darzustellen und die Grenze zwischen legitimer Kritik und offener Feindseligkeit bewusst zu verwischen.
Obwohl die New Yorker Polizei Barrieren errichtete und die Demonstration genehmigt war, konnte sie nicht verhindern, dass Besucher der Synagoge beleidigt und bedrängt wurden. Augenzeugen berichteten von gezielten Beschimpfungen und aggressiver Stimmung, die besonders Kinder und ältere Gemeindemitglieder traf. Die Park East Synagogue teilt ihren Eingang mit einer jüdischen Schule – ein symbolischer Ort, an dem Sicherheit eigentlich selbstverständlich sein sollte. Doch an diesem Abend war sie brüchig.
Das macht den Vorfall besonders bitter. Die Gemeinde wird seit Jahrzehnten von Rabbiner Arthur Schneier geführt, einem Überlebenden der ShoahShoah: Der nationalsozialistische Mord an sechs Millionen JudenShoah ist der hebräische Begriff für die Katastrophe der Vernichtung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland und seine Helfer. Rund sechs Millionen Juden wurden ermordet.Mehr lesen, der KristallnachtPogrom: Wenn Hass zur Jagd auf Juden wirdEin Pogrom ist eine kollektive Gewalttat gegen eine Minderheit, besonders gegen Juden. Der Begriff wurde durch antijüdische Gewalt im Russischen Reich bekannt, die Form der Gewalt ist jedoch viel älter.Mehr lesen mit eigenen Augen sah. Dass ausgerechnet vor seiner Synagoge erneut Parolen laut wurden, die an die gewaltvollen Pogromrufe vergangener Generationen erinnern, ist eine Mahnung, wie schnell sich AntisemitismusAntisemitismus: Judenhass in alten und neuen FormenAntisemitismus bezeichnet Judenhass und Feindschaft gegen Juden. Er reicht von Vorurteilen und Verschwörungserzählungen bis zu Ausgrenzung, Bedrohung und Gewalt.Mehr lesen in der Öffentlichkeit wieder entfalten kann.
Nicht nur jüdische Organisationen reagierten alarmiert. Die Anti-Defamation League sprach von einer klaren Grenzüberschreitung und einer offenen Einschüchterung jüdischer New Yorker. Die Rhetorik, so die ADL, erinnere an die Sprache früherer Aufwiegelungen, die in Gewalt mündeten. Auch Politiker warnten vor dem wachsenden Hass in der Stadt. Seit den Ereignissen nach Oktober 2023 ist die Zahl antisemitischer Zwischenfälle in New York dramatisch gestiegen. Viele Jüdinnen und Juden berichten inzwischen, dass sie Synagogen oder Gemeindezentren nur noch mit wachsender Vorsicht betreten.
Dass solche Aufmärsche heute vor Synagogen stattfinden können, ist ein Warnsignal weit über die Stadtgrenzen hinaus. Es zeigt, wie Normalisierung von aggressiver antiisraelischer Rhetorik in kurzer Zeit in offenen Hass gegen jüdische Menschen umschlagen kann. Wer Parolen ruft, die Gewalt verherrlichen, sendet keine politische Botschaft – er zielt auf das Sicherheitsgefühl einer Minderheit, die historisch immer wieder erlebt hat, wohin solche Aufrufe führen.
Die Park East Synagogue war an diesem Abend nicht nur der Hintergrund eines politischen Konflikts, sondern ein Fenster in eine Realität, die viele verdrängen möchten: Antisemitismus braucht keinen Vorwand, nur eine Gelegenheit. Und genau darum wird es für die jüdischen Gemeinden weltweit immer dringlicher, dass Politik, Gesellschaft und Sicherheitsbehörden klare Linien ziehen. Eine Demokratie, die zulässt, dass Juden vor ihren Synagogen eingeschüchtert werden, verspielt eines ihrer grundlegendsten Versprechen – den Schutz ihrer Bürger vor Hass.
Autor: Redaktion
Freitag, 21 November 2025