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New Yorks Bürgermeister macht aus Erinnerungspolitik ein einseitiges Narrativ und blendet jüdische Vertreibung fast vollständig aus

New Yorks Bürgermeister macht aus Erinnerungspolitik ein einseitiges Narrativ und blendet jüdische Vertreibung fast vollständig aus


New Yorks Bürgermeister Zohran Mamdani erinnert an die Nakba und gerät in Kritik. Gegner werfen ihm vor, jüdische Vertreibungsgeschichte auszublenden und historische Zusammenhänge zu verkürzen.

New Yorks Bürgermeister macht aus Erinnerungspolitik ein einseitiges Narrativ  und blendet jüdische Vertreibung fast vollständig aus
Bildnachweis: Symbolbild / KI

New Yorks Bürgermeister Zohran Mamdani hat mit einem Beitrag zum sogenannten NakbaNakba: Der Kampfbegriff gegen Israels GründungNakba bedeutet auf Arabisch „Katastrophe“. Der Begriff bezeichnet die Flucht und Vertreibung vieler Araber während des Krieges von 1948. Zugleich wird er politisch oft genutzt, um Israels Gründung nicht als legitime Staatswerdung, sondern als Unrecht darzustellen.Mehr lesen-Gedenktag erneut eine Debatte ausgelöst, die weit über Symbolpolitik hinausgeht. In einem veröffentlichten Video schildert eine palästinensischstämmige Frau ihre Fluchtgeschichte, begleitet von der Behauptung, mehr als 700.000 Palästinenser seien zwischen 1947 und 1949 im Zusammenhang mit der Entstehung Israels vertrieben worden. Genau diese Formulierung löst Kritik aus, weil sie einen entscheidenden historischen KontextKontextualisierung: Fakten verständlich einordnenKontextualisierung bedeutet, Informationen in einen Zusammenhang zu stellen. Sie hilft, Ereignisse nicht isoliert zu betrachten, sondern mit Vorgeschichte, Ursachen, Folgen und beteiligten Akteuren zu verstehen.Mehr lesen kaum erwähnt: den Krieg arabischer Staaten gegen den neu gegründeten Staat IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen und die Tatsache, dass die Ereignisse von 1948 nicht losgelöst von militärischen Auseinandersetzungen betrachtet werden können.

Die Nakba gehört zur palästinensischen Erinnerungskultur. Für viele Palästinenser steht sie für Verlust von Heimat und Flucht. Gleichzeitig existiert eine andere historische Realität, die in westlichen politischen Beiträgen häufig deutlich weniger Beachtung findet: Hunderttausende Juden wurden in den folgenden Jahrzehnten aus arabischen Ländern vertrieben oder flohen unter massivem Druck aus Staaten wie Irak, Jemen, Libyen oder Ägypten. Viele verloren Eigentum, gesellschaftliche Stellung und jahrhundertealte Gemeinschaften. Diese Geschichte taucht in Mamdanis Beitrag nicht sichtbar auf.

Genau hier beginnt der Vorwurf der Einseitigkeit. Erinnerung wird problematisch, wenn ein Trauma öffentlich anerkannt wird, während ein anderes nahezu unsichtbar bleibt. Kritiker werfen Mamdani deshalb vor, nicht auf Ausgleich oder historische Vollständigkeit abzuzielen, sondern ein politisches Narrativ zu verstärken.

Besonders bemerkenswert erscheint die Wahl eines im Video sichtbaren Kunstwerks. Zu sehen ist ein „Visit PalestinePalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen“-Poster von Frank Krausz aus dem Jahr 1936. Krausz war HolocaustShoah: Der nationalsozialistische Mord an sechs Millionen JudenShoah ist der hebräische Begriff für die Katastrophe der Vernichtung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland und seine Helfer. Rund sechs Millionen Juden wurden ermordet.Mehr lesen-Überlebender und ZionistZionismus: Das Recht der Juden auf SelbstbestimmungZionismus bezeichnet die jüdische Nationalbewegung, die für die Rückkehr des jüdischen Volkes in seine historische Heimat und für jüdische Selbstbestimmung im Land Israel eintrat. Der moderne Zionismus entstand im 19. Jahrhundert als Antwort auf Antisemitismus, Verfolgung und Entrechtung.Mehr lesen. Das Poster entstand innerhalb zionistischer Strukturen des britischen Mandatsgebiets und war Teil jüdischer Werbung für Reisen und Ansiedlung in Palästina. Dass ein Beitrag, der implizit Kritik an der israelischen Staatsgründung transportiert, ausgerechnet ein Werk eines zionistischen jüdischen Künstlers verwendet, wirkt auf Kritiker widersprüchlich.

Der israelische Aktivist Hen Mazzig reagierte entsprechend scharf. Er erinnerte öffentlich daran, dass seine eigene Familie Vertreibung aus arabischen Staaten erlebt habe und stellte die Frage, weshalb manche politische Akteure palästinensische Geschichte hervorheben, während jüdische Fluchterfahrungen kaum vorkommen. Diese Kritik berührt einen größeren Punkt: Wer Erinnerungspolitik betreibt, trägt Verantwortung für historische Einordnung.

Mamdani steht seit Jahren wegen seiner Positionen zu Israel im Fokus. Bereits vor seiner Wahl galt er als Unterstützer palästinensischer Anliegen und stand Bewegungen nahe, die Israel deutlich kritisieren. Unterstützer sehen darin konsequente Solidarität. Gegner werfen ihm vor, den Konflikt häufig in moralisch eindeutige Rollen zu ordnen und komplexe historische Zusammenhänge zu verkürzen.

Die eigentliche Kritik richtet sich deshalb weniger gegen das Gedenken an palästinensisches Leid. Über Flucht, Vertreibung und Verlust zu sprechen, ist legitim. Problematisch wird es, wenn Politiker einer Millionenstadt historische Ereignisse selektiv darstellen und dabei den Eindruck entsteht, eine Erfahrung verdiene öffentliche Anerkennung, eine andere jedoch nicht.

Gerade in einer Stadt wie New York mit großen jüdischen und arabischen Gemeinschaften erwarten viele von einem Bürgermeister mehr als Aktivismus. Erwartet wird Ausgewogenheit. Oder zumindest die Bereitschaft anzuerkennen, dass die Geschichte von 1948 nicht nur aus einer Perspektive erzählt werden kann.




Autor: Redaktion
Samstag, 16 Mai 2026

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