New Yorks Bürgermeister macht aus Ausgrenzung ein AmtNew Yorks Bürgermeister macht aus Ausgrenzung ein Amt
Ein Bürgermeister, der Juden einen Gegner Israels als Ansprechpartner vorsetzt, sendet eine klare Botschaft. In New York geht es nicht mehr nur um Personal. Es geht um die politische Demütigung einer ganzen Gemeinschaft.

Bildnachweis: Symbolbild / KI
Zohran Mamdani ist nicht irgendein Lokalpolitiker. Er ist seit dem 1. Januar 2026 Bürgermeister von New York City und hat gleich zu Beginn seiner Amtszeit mit einer Exekutivanordnung das Office of Mass Engagement geschaffen, ein neues Machtzentrum innerhalb von City Hall, das öffentliche Beteiligung, Ethnic and Community Media, den Bereich Faith Based and Community Partnerships sowie weitere Schnittstellen zur Stadtgesellschaft bündelt. Damit geht es ausdrücklich nicht um eine bloße Nebenstelle, sondern um ein politisches Instrument, das direkte Zugänge zu Gemeinden, Religionsgemeinschaften und sozialen Netzwerken organisiert. Genau deshalb ist die jetzt bekannt gewordene Personalie so brisant. Wenn in einem solchen Apparat ausgerechnet Rabbi Miriam Grossman als jüdische Ansprechpartnerin eingebunden wird, dann ist das keine gewöhnliche Besetzung. Es ist ein ideologisches Signal.
Denn die Frage lautet nicht, ob Miriam Grossman Jüdin ist oder Rabbinerin. Das ist sie. Die Frage lautet, welche politische Linie sie verkörpert und was es bedeutet, wenn City Hall ausgerechnet diese Linie mit Steuergeld in eine offizielle Vermittlerrolle hebt. Grossman war nach aktuellen Berichten auf der Rabbinical Council Ebene von Jewish Voice for Peace verankert, sie ist Mitgliedsführerin bei Jews for Racial and Economic Justice, und sie hat öffentlich erklärt, dass sie sich selbst nicht mehr als Zionistin versteht. Auf ihrer eigenen Website beschreibt sie sich als Organisatorin und nennt JFREJ ausdrücklich als heutige politische Heimat. In einem Text vom Oktober 2023 warf sie Israel Apartheid, Besatzung und Kriegsverbrechen vor. Das ist keine Randnotiz. Das ist eine eindeutige politische Positionierung in einem Moment, in dem Juden in New York, in den USA und weit darüber hinaus unter massivem Druck stehen.
Noch schwerer wiegt, wofür Jewish Voice for Peace selbst steht. JVP erklärt auf der eigenen Website unmissverständlich, man lehne den Zionismus eindeutig ab. In weiteren Grundsatztexten beschreibt die Organisation den jüdischen Staat als Projekt von Vorherrschaft, spricht von Genozid und Apartheid und erklärt Anti Zionismus ausdrücklich nicht als Form von Antisemitismus. Das ist keine bloße Kritik an einer Regierung, keinem Minister und keiner einzelnen Militäroperation. Das ist eine Grundsatzposition gegen die ideelle Basis des jüdischen Staates. Wer also so tut, als handele es sich bei der Ernennung Grossmans nur um eine innerjüdische Personalentscheidung oder um pluralistische Vielfalt, verschleiert den Kern des Problems. Hier wird nicht irgendeine religiöse Stimme eingebunden. Hier wird ausgerechnet eine politische Strömung aufgewertet, die das Fundament des jüdischen Selbstbestimmungsrechts bekämpft.
Genau deshalb ist die Personalie so explosiv. New York ist nicht irgendeine Stadt. New York ist eines der wichtigsten Zentren jüdischen Lebens außerhalb Israels. Wer dort eine offizielle Schnittstelle zwischen Rathaus und jüdischer Gemeinschaft schafft, trifft eine Aussage darüber, wen er für repräsentativ hält und wen nicht. Und Mamdani hat sich entschieden. Er hat nicht eine Persönlichkeit berufen, die die Breite jüdischen Lebens in New York abbildet. Er hat nicht eine Gestalt gewählt, die in den großen jüdischen Hauptorganisationen, in Synagogenlandschaften quer durch die Denominationen oder in sicherheitspolitisch wachsamen Kreisen Vertrauen genießt. Er hat sich nach aktuellen Berichten für eine Rabbinerin entschieden, die aus einem Milieu stammt, das Israel nicht als legitimen jüdischen Staat verteidigt, sondern seine politische und moralische Demontage betreibt.
Das ist der eigentliche Skandal. Denn selbstverständlich kann es in einer offenen Gesellschaft antizionistische Juden geben. Selbstverständlich gibt es jüdische Stimmen links, radikal links, pazifistisch, postzionistisch, antizionistisch oder irgendwo dazwischen. Niemand bestreitet das. Aber ein Bürgermeister, der für die Sicherheit und Einbindung aller New Yorker zuständig ist, darf diese Minderheitslinie nicht zur offiziellen Brücke in die jüdische Gemeinschaft machen, als wäre sie deren natürlicher Ausdruck. Wer das tut, betreibt keine Inklusion, sondern politische Umdeutung. Er sagt faktisch: Die Juden, mit denen meine Stadtspitze sich identifizieren will, sind nicht jene, die Israels Existenzrecht und die Sicherheit jüdischer Gemeinden als untrennbar begreifen, sondern jene, die Zionismus delegitimieren und das moralische Vokabular der Israelgegner übernehmen.
Gerade in dieser symbolischen Verdrehung liegt die Härte des Vorgangs. Seit dem 7. Oktober erleben Juden im Westen, dass von ihnen immer häufiger ein Loyalitätstest verlangt wird. Nicht ihre Religion allein wird betrachtet, sondern ihre Haltung zu Israel. Wer den jüdischen Staat nicht öffentlich anklagt, gilt schnell als verdächtig. Wer nicht das passende Vokabular benutzt, wird moralisch unter Druck gesetzt. Wer sich zur jüdischen Selbstverteidigung bekennt, wird aus Kreisen der akademischen, kulturellen oder linken Milieus ausgeschlossen. Und nun setzt ein Bürgermeister einer Stadt mit einer riesigen jüdischen Bevölkerung noch einen drauf, indem er ausgerechnet eine antizionistisch profilierte Rabbinerin in eine offizielle Liaison Rolle hebt. Das ist mehr als schlechter Stil. Es ist ein Machtakt.
Mamdani kann sich dabei auf eine bekannte politische Technik verlassen. Sie funktioniert so: Man nimmt eine kleine, medial laute, ideologisch nützliche jüdische Gruppe und präsentiert sie als authentischere, moralisch überlegene jüdische Stimme. Der Effekt ist enorm. Plötzlich kann jede harte antiisraelische Linie mit dem Satz abgeschirmt werden, dass auch Juden oder sogar Rabbiner das so sähen. Diese Konstruktion ist politisch Gold wert, weil sie jede Kritik am antizionistischen Kurs sofort abfangen soll. Sie schafft die Illusion, hier spreche nicht ein Lager gegen den jüdischen Staat, sondern eine glaubwürdige jüdische Gewissensinstanz. Doch genau darin liegt die Manipulation. Denn nicht jede jüdische Stimme repräsentiert jüdische Institutionen, jüdische Mehrheiten oder jüdische Sicherheitsinteressen. Und schon gar nicht repräsentiert eine Rabbinerin mit JVP Nähe automatisch die jüdische Gemeinschaft New Yorks.
Noch fataler wird es, wenn man sich Mamdanis institutionellen Rahmen ansieht. Das Office of Mass Engagement soll laut Stadtverwaltung nicht nur Bürgerbeteiligung stärken, sondern ganz ausdrücklich die Verbindung zwischen City Hall, community organizations, faith based groups und dem politischen Apparat vertiefen. Es ist also ein Verstärker. Es geht um Zugang, Mobilisierung, Kommunikation und Einfluss. Wenn dort ausgerechnet diese Personalie gesetzt wird, dann wird nicht bloß ein Terminplan koordiniert oder ein Grußwort verschickt. Dann bekommt eine politische Linie ein Rathausmikrofon, Verwaltungsnähe und symbolische Staatsnähe.
Die Verteidiger solcher Schritte reden dann gern von Vielfalt. Doch Vielfalt ist nicht der Punkt. Der Punkt ist Verantwortung. Ein Bürgermeister darf sich seine Ansprechpartner nicht so aussuchen, dass sie ihm politisch nützen und gleichzeitig den größten Teil der Betroffenen vor den Kopf stoßen. JVP ist nicht einfach eine weitere jüdische Organisation in einem bunten Spektrum. JVP erklärt offen, dass sie Zionismus ablehnt. Sie wirbt für die Blockade amerikanischer Waffenhilfe an Israel. Sie stellt zentrale Begriffe der antiisraelischen Bewegung nicht nur nach, sondern produziert sie selbst. Wer so eine Linie in City Hall adelt, der verschiebt den Maßstab. Aus einer einstigen Randposition wird plötzlich ein salonfähiger Verwaltungspartner.
Man muss an dieser Stelle sehr klar sein: Das Problem ist nicht, dass Grossman Mitleid mit palästinensischem Leid äußert. Das tun viele. Das Problem ist auch nicht, dass sie eine Waffenruhe unterstützt oder harte Kritik an israelischer Politik formuliert. All das fällt in den Bereich legitimer Debatte. Das Problem ist, dass ihre politische Einbettung und ihre Wortwahl an einen Diskurs anschließen, der nicht bei Kritik stehenbleibt, sondern das moralische Fundament Israels selbst angreift. Wenn jemand in der unmittelbaren Zeit nach dem Hamas Massaker die zentralen Kampfbegriffe des antiisraelischen Milieus aufgreift und diese Person dann von City Hall zur jüdischen Ansprechpartnerin erhoben wird, dann sendet das ein verheerendes Signal an alle Juden, die gerade nicht ihren Staat, ihre Gemeinschaft und ihr historisches Schutzbedürfnis zur Disposition stellen wollen.
Und genau hier trifft der Vorgang einen Nerv, der weit über New York hinausreicht. Seit Monaten zeigt sich in westlichen Metropolen, dass antizionistische Politik nicht mehr an den Rändern stehen will. Sie will Institutionen. Sie will Posten. Sie will Etats. Sie will offizielle Legitimierung. Sie will nicht nur auf der Straße schreien, sondern im Rathaus sitzen. Genau das macht diese Nachricht so bedeutsam. Es geht nicht um einen persönlichen Tweet, nicht um eine Demo, nicht um ein Flugblatt. Es geht um den Übergang vom Aktivismus in die öffentliche Verwaltung. Und dieser Übergang ist gefährlich, weil er aus politischer Feindseligkeit institutionelle Normalität macht.
Gerade jüdische Bürger in New York haben jedes Recht, darin eine Form der politischen Entfremdung zu sehen. Denn was sollen sie aus dieser Ernennung lesen? Dass City Hall sie ernst nimmt? Oder dass City Hall lieber mit jenen Juden spricht, die Israel anklagen, statt mit jenen, die verstehen, dass jüdisches Leben nach 1945 nie wieder vom Recht auf Selbstverteidigung getrennt werden darf? Dass der Bürgermeister Brücken bauen will? Oder dass er eine ideologische Minderheit als Feigenblatt benutzt, um einen Kurs zu legitimieren, der weite Teile der jüdischen Gemeinschaft abschreckt?
Die Pointe dieser Geschichte ist bitter. Offiziell soll eine Faith Liaison Vertrauen schaffen. Tatsächlich könnte diese Personalie genau das Gegenteil bewirken. Sie dürfte Misstrauen vertiefen, weil sie den Eindruck nährt, dass das Rathaus nicht zuhört, sondern auswählt. Nicht abbildet, sondern umformt. Nicht verbindet, sondern sortiert: gute Juden hier, unbequeme Juden dort. Wer Israel in Frage stellt, wird anschlussfähig. Wer darauf besteht, dass Zionismus keine Schande, sondern die politische Antwort auf jüdische Verwundbarkeit ist, wird an den Rand gedrängt.
Für Mamdani ist diese Entscheidung deshalb mehr als eine Personalfrage. Sie ist ein politischer Offenbarungseid. Ein Bürgermeister, der New Yorks Juden ernst nähme, würde in einem solchen Amt eine Figur suchen, die Vertrauen stiftet, breite Anerkennung genießt und nicht schon durch ihre eigene ideologische Verortung als Provokation gelesen werden muss. Mamdani aber scheint genau die Provokation zu wollen. Er setzt auf Konfrontation und nennt es Engagement. Er schafft ein Amt, das Massen einbinden soll, und benutzt es für ein Signal, das in großen Teilen der jüdischen Gemeinschaft als Ausgrenzung verstanden werden muss.
Wer jetzt noch behauptet, das sei bloß ein inneramerikanisches Detail, verkennt die Richtung. Diese Personalie steht für eine größere Entwicklung im Westen: Antizionismus sucht nicht mehr nur Straßenbühnen und Campus Räume, sondern staatliche und kommunale Legitimation. Er will Ansprechpartner, Etats, Titel und Verwaltungsnähe. Er will als moralische Normalität gelten. Und genau deshalb ist Widerstand gegen solche Entscheidungen keine Hysterie, sondern politische Wachsamkeit.
Autor: Samuel Benning
Donnerstag, 21 Mai 2026