Cori Bush scheitert, El-Sayed liegt vorn: Israelfrage zerreißt die DemokratenCori Bush scheitert, El-Sayed liegt vorn: Israelfrage zerreißt die Demokraten
In Missouri stoppen demokratische Wähler die israelfeindliche Cori Bush erneut. Gleichzeitig steht in Michigan mit Abdul El-Sayed ein scharfer Gegner amerikanischer Israelhilfen vor einem möglichen Sieg.

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Zwei Vorwahlen, zwei gegensätzliche Ergebnisse und eine Partei, die in der Frage IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen immer weiter auseinanderdriftet. Im Bundesstaat Missouri hat der demokratische Abgeordnete Wesley Bell den Versuch von Cori Bush abgewehrt, in den Kongress zurückzukehren. In Michigan lag Abdul El-Sayed am frühen Mittwochmorgen knapp vor der als israelfreundlich geltenden Kongressabgeordneten Haley Stevens. Während NBC El-Sayed bereits zum Sieger erklärte, bezeichneten die Associated Press und mehrere regionale Medien das Rennen weiterhin als zu knapp für eine endgültige Entscheidung.
Damit zeigte ein einziger Wahlabend, wie tief der Konflikt innerhalb der Demokratischen Partei inzwischen reicht. In St. Louis scheiterte eine Politikerin, die nach dem Massaker der HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen vom 7. Oktober 20237. Oktober 2023: Das Hamas-Massaker, das Israel veränderteDer 7. Oktober 2023 war der Tag des Hamas-Massakers in Israel. Terroristen aus Gaza ermordeten etwa 1.200 Menschen, vor allem Zivilisten, und verschleppten mehr als 240 Geiseln in den Gazastreifen.Mehr lesen zu den lautesten Gegnern Israels im Kongress gehörte. Wenige Hundert Kilometer weiter nördlich konnte zugleich ein Kandidat triumphieren, der Israel einen Völkermord vorwirft, amerikanische Militärhilfe beenden will und seinen Wahlkampf offen gegen AIPAC führte.
Wesley Bell besiegte Cori Bush bereits im Jahr 2024. Bush hatte damals ihren Sitz im Repräsentantenhaus verloren, nachdem sie Israel fortwährend angegriffen und die enge Partnerschaft zwischen JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen und Washington zum Wahlkampfthema gemacht hatte. Zwei Jahre später wollte sie zurückkehren und präsentierte ihre Kandidatur ausdrücklich als Kampf gegen AIPAC und den israelfreundlichen Teil der Demokratischen Partei.
Die Wähler verweigerten ihr erneut die Rückkehr. Bell gewann die demokratische Vorwahl im ersten Wahlbezirk von Missouri klar. Er unterstützt die strategische Partnerschaft mit Israel, betont zugleich die Notwendigkeit humanitärer Hilfe für die Bevölkerung im GazastreifenPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen und tritt innerhalb seiner Partei als gemäßigter Politiker auf. Bell erklärte bereits zuvor, ein atomar bewaffneter Iran wäre eine Katastrophe für Israel, die Vereinigten Staaten und deren Verbündete.
Cori Bush konnte dagegen auch mit einer verschärften Kampagne gegen Israel nicht genügend frühere Anhänger zurückgewinnen. Ihr Ergebnis zeigt, dass israelfeindliche Parolen allein selbst in einem stark demokratischen Wahlbezirk keinen politischen Erfolg garantieren. Die Niederlage ist zugleich eine erneute Zurückweisung des linken Flügels, der jeden israelfreundlichen Kandidaten als angeblich gekauften Vertreter fremder Interessen darstellt.
Michigan sendet die gegenteilige Botschaft
Wesentlich beunruhigender für Israel ist das Ergebnis in Michigan. Abdul El-Sayed lag nach Auszählung eines großen Teils der Stimmen knapp vor Haley Stevens. Die Jerusalem Post meldete unter Berufung auf NBC einen Sieg El-Sayeds mit ungefähr 49 Prozent. Die Associated Press hatte das Rennen am Mittwochmorgen noch nicht entschieden, da aus mehreren bevölkerungsreichen Regionen weiterhin Stimmen fehlten. Der Vorsprung El-Sayeds war gering und zeitweise geschrumpft.
Diese Vorsicht ist notwendig. Trotzdem ist bereits das knappe Ergebnis ein politisches Warnsignal. Michigan ist kein sicherer linker Wahlbezirk, sondern ein entscheidender Bundesstaat, den Donald Trump bei der Präsidentenwahl 2024 gewann. Der demokratische Kandidat trifft im November auf den Republikaner Mike Rogers. Ein möglicher Sieg El-Sayeds in der Vorwahl würde bedeuten, dass ein entschiedener Gegner der bisherigen amerikanischen Israelpolitik um einen Sitz im Senat eines umkämpften Bundesstaates kämpft.
El-Sayed macht aus seiner Haltung keinen Hehl. Seine Kampagne bezeichnet Israels Krieg gegen die Hamas als Völkermord. Er wirft Haley Stevens vor, amerikanisches Geld für Israel statt für amerikanische Gesundheitsversorgung und Infrastruktur auszugeben. Unterstützer seiner Kandidatur fordern ein Ende der US-Militärhilfe, solange Israel angeblich internationales Recht verletze. El-Sayed wurde unter anderem von Bernie Sanders, Alexandria Ocasio-Cortez, Rashida Tlaib und Ilhan Omar unterstützt. Auch Jewish Voice for Peace Action stellte sich hinter ihn.
Besonders auffällig war die gewaltige Summe, die in Michigan ausgegeben wurde. Nach Angaben von Bridge Michigan erreichten die Werbeausgaben und Reservierungen bis Ende Juli ungefähr 98,2 Millionen Dollar. Externe Gruppen stellten auf demokratischer Seite etwa 88 Prozent der Ausgaben. Zu den größten Unterstützern von Stevens gehörte United Democracy Project, das mit AIPAC verbunden ist. El-Sayed nutzte diese Unterstützung, um Stevens als Kandidatin finanzstarker Interessen darzustellen und seinen Wahlkampf als Aufstand gegen das demokratische Establishment zu inszenieren.
Der Erfolg dieser Erzählung darf nicht unterschätzt werden. In der politischen Linken wird Unterstützung für Israel zunehmend nicht mehr als normale außenpolitische Position behandelt. Sie wird als Beweis angeblicher Abhängigkeit, Korruption oder Einflussnahme dargestellt. Damit wird nicht nur über Waffenlieferungen oder einzelne Entscheidungen der israelischen Regierung gestritten. Die Beziehung zu Israel selbst wird zum moralischen Makel erklärt.
Ein Machtkampf ohne klaren Sieger
Die Ergebnisse aus Missouri und Michigan widersprechen deshalb nur auf den ersten Blick einander. Gemeinsam zeigen sie, dass sich die Demokratische Partei in einer offenen Auseinandersetzung um ihre Haltung zu Israel befindet. Der israelfeindliche Flügel kann gewinnen, aber er ist nicht unaufhaltsam. Israelfreundliche Demokraten können Kandidaten wie Cori Bush besiegen, müssen dafür jedoch enorme finanzielle und politische Kräfte mobilisieren.
In Missouri war Cori Bush für viele Wähler offenbar zu radikal, zu wenig auf die Anliegen ihres Wahlbezirks konzentriert und zu stark mit nationalen ideologischen Kämpfen verbunden. Wesley Bell konnte sich als arbeitsfähiger und gemäßigter Amtsinhaber darstellen. In Michigan trat El-Sayed dagegen nicht nur als Gegner Israels an. Er verband seine außenpolitische Haltung mit Forderungen nach besserer Gesundheitsversorgung, niedrigeren Lebenshaltungskosten und einem Kampf gegen Großspender. Genau diese Verbindung machte seine Kampagne auch für Wähler attraktiv, deren wichtigste Sorge nicht der Nahe Osten ist.
Das macht El-Sayed politisch gefährlicher als reine Protestfiguren. Er präsentiert die Abkehr von Israel nicht als isolierte Forderung, sondern als Bestandteil einer umfassenden Erzählung: Geld für Israel bedeute weniger Geld für amerikanische Bürger, AIPAC bedrohe die Demokratie und das politische Establishment schütze ausländische Interessen. Diese Darstellung ist falsch und vergiftet die Debatte, kann aber in wirtschaftlich belasteten Regionen erhebliche Wirkung entfalten.
Für Israel ist der Wahlabend deshalb weder ein klarer Sieg noch eine vollständige Niederlage. Cori Bush wurde erneut zurückgewiesen. Doch in einem für die Kontrolle des Senats entscheidenden Bundesstaat steht ein Politiker vor dem möglichen Einzug in die Hauptwahl, der die amerikanische Militärhilfe für Israel beenden will.
Die Demokratische Partei hat ihre Entscheidung über Israel noch nicht getroffen. Missouri zeigt, dass offener Israelfeindlichkeit Grenzen gesetzt werden können. Michigan zeigt, wie weit sie bereits in die Mitte wichtiger Wahlkämpfe vorgedrungen ist.
Der eigentliche Kampf beginnt deshalb nicht erst im November. Er findet längst innerhalb einer Partei statt, die sich entscheiden muss, ob Israel weiterhin als strategischer Verbündeter behandelt wird oder als Belastung, von der sich Amerikas Linke lösen will.
Autor: Redaktion
Mittwoch, 05 August 2026