„Jetzt wirst du sterben“: Jüdischer Besucher in Florida angegriffen„Jetzt wirst du sterben“: Jüdischer Besucher in Florida angegriffen
Ein jüdisches Ehepaar aus New York wird auf offener Straße beschimpft, der Mann am Kopf geschlagen und mit dem Tod bedroht. Die Polizei in Surfside behandelt den Angriff als antisemitisch motivierte Tat und hat einen 35-Jährigen festgenommen.
Ein Spaziergang am Sonntagabend endete für ein jüdisches Ehepaar aus New York mit Hass, Gewalt und einer Todesdrohung. Die beiden waren zu Besuch in Surfside nördlich von Miami Beach, als ihnen nach Angaben der Polizei ein Mann auf einem Elektroroller begegnete. Was zunächst als verbale Auseinandersetzung begann, wurde innerhalb kurzer Zeit körperlich. Der 35-jährige Jorden Stephen Perozo soll den jüdischen Mann seitlich gegen den Kopf geschlagen und ihm anschließend gedroht haben: „Jetzt wirst du sterben.“ Danach soll er hinzugefügt haben, der Mann solle weggehen, bevor er ihn töte. Die Vorwürfe stammen aus dem Polizeibericht. Perozo wurde festgenommen, eine Verurteilung liegt nicht vor.
Der Vorfall ereignete sich gegen 21.15 Uhr im Bereich des 9500er-Blocks der Harding Avenue. Surfside ist eine kleine Küstengemeinde mit einer großen jüdischen Bevölkerung. Nach Darstellung des betroffenen Ehepaares und der Ermittler blieb es nicht bei persönlichen Beschimpfungen. Der Verdächtige soll sich abfällig gegenüber dem Paar sowie weiteren Angehörigen der jüdischen Gemeinschaft geäußert und seine Tiraden mit Aussagen über IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen und die PalästinenserPalästinenser: Herkunft, Begriffswandel und politische IdentitätPalästinenser bezeichnet heute meist palästinensische Araber mit eigener nationaler Identität. In der Mandatszeit konnte der Begriff jedoch allgemein Bewohner des britischen Mandatsgebiets Palästina meinen, auch Juden.Mehr lesen verbunden haben. Laut Polizeibericht beschimpfte er die Betroffenen unter anderem als „böse Dämonen“ und erklärte ihnen seinen Hass. Die Ehefrau des Angegriffenen, die in amerikanischen Medien lediglich mit ihrem Vornamen Sophia genannt wird, nahm einen Teil der Auseinandersetzung mit ihrem Mobiltelefon auf.
Ihr Mann Abraham schilderte gegenüber CBS Miami, der Angreifer sei auf ihn losgegangen und habe begonnen, ihn zu schlagen. Auf dem veröffentlichten Video ist nach Angaben des Senders zu sehen, wie ein Schlag den Kopf des Mannes trifft. Sophia berichtete, der Verdächtige habe sich anschließend auch ihr genähert. Erst ein älterer Passant, der ihn auf Spanisch lautstark zum Aufhören aufgefordert habe, habe die Situation offenbar beendet. „Er sagte einfach so viel Hass“, beschrieb die Frau die Minuten auf der Straße. Das Ehepaar möchte seinen Familiennamen nicht veröffentlicht sehen.
Gerade die Verbindung zwischen körperlicher Gewalt, Todesdrohungen und Äußerungen gegen Juden macht den Fall zu mehr als einer gewöhnlichen Auseinandersetzung auf der Straße. Die Ermittler behandeln den religiösen beziehungsweise ethnischen Hintergrund ausdrücklich als Teil des Tatvorwurfs. Perozo wurde wegen „battery with prejudice“, also eines tätlichen Angriffs unter einem vorurteilsbezogenen Tatvorwurf, sowie wegen Belästigung beziehungsweise Einschüchterung einer Person aufgrund ihrer religiösen oder ethnischen Zugehörigkeit festgenommen. Nach Angaben des Lokalsenders WPLG Local 10 befand er sich am Donnerstag bei einer festgesetzten Kaution von 6.000 Dollar im Turner Guilford Knight Correctional Center.
Polizei findet Verdächtigen an seinem Arbeitsplatz
Die Polizei benötigte offenbar nur wenige Tage, um den Verdächtigen zu identifizieren. Der Angriff ereignete sich am Sonntag, am Mittwoch wurde Perozo an seinem Arbeitsplatz festgenommen, einem Restaurant an derselben Harding Avenue und damit nicht weit vom Tatort entfernt. Die Festnahme verlief nach Angaben der Ermittler ohne weitere Zwischenfälle. Surfside Police machte anschließend ungewöhnlich deutlich, wie die Behörde den Vorgang bewertet. Interims-Polizeichef Jay Matelis erklärte, solche Vorfälle würden in der Gemeinde nicht geduldet. Wer derartige Taten begehe, müsse mit seiner Festnahme rechnen.
Für eine Gemeinde wie Surfside hat diese Botschaft besonderes Gewicht. Sichtbares jüdisches Leben gehört dort zum Alltag. Dass ausgerechnet ein Ehepaar, das nur zu Besuch aus New York gekommen war und nach eigener Darstellung gerade ein Restaurant verlassen hatte, auf offener Straße wegen seiner jüdischen Identität zum Ziel geworden sein soll, trifft deshalb einen empfindlichen Punkt. AntisemitismusAntisemitismus: Judenhass in alten und neuen FormenAntisemitismus bezeichnet Judenhass und Feindschaft gegen Juden. Er reicht von Vorurteilen und Verschwörungserzählungen bis zu Ausgrenzung, Bedrohung und Gewalt.Mehr lesen bleibt nicht auf Demonstrationsplakaten, in Kommentarspalten oder anonymen Internetkonten. In diesem Fall lautet der Vorwurf, dass aus Hass ein Schlag gegen den Kopf und aus Beschimpfungen eine konkrete Todesdrohung wurde.
Bemerkenswert ist zugleich die Reaktion des Paares. Abraham und Sophia bedankten sich ausdrücklich bei der Polizei für das schnelle Vorgehen. Sie erklärten, der Angriff werde sie nicht davon abhalten, wieder nach Südflorida zu kommen. Nach ihrer Darstellung ging der Polizeichef sogar noch weiter und ermutigte sie scherzhaft, über einen Umzug in die Gegend nachzudenken.
Für Perozo ist es nicht die erste Festnahme dieses Sommers. Bereits am 15. Juni war er in Miami Beach wegen des Verdachts der Sachbeschädigung festgenommen worden. Damals soll er einen großen aufblasbaren Fußball beschädigt haben, der anlässlich der Fußball-Weltmeisterschaft in der Stadt aufgestellt worden war. Die Polizei warf ihm vor, das Objekt aufgeschlitzt und sich anschließend ebenfalls mit einem Elektroroller entfernt zu haben. Auch dieser frühere Vorgang ist zunächst ein Tatvorwurf und sagt für sich nichts über die Schuld im aktuellen Verfahren aus.
Der neue Fall ist dennoch in seiner eigenen Klarheit erschütternd genug. Ein jüdisches Paar geht am Abend durch eine amerikanische Küstenstadt. Ein Mann beschimpft es nach Angaben der Polizei wegen seiner Herkunft und Religion, verbindet seinen Hass mit Israel und den Palästinensern, schlägt den Ehemann und droht ihm mit dem Tod.
Es braucht keine komplizierte Debatte darüber, wann Hass gegen Israel in Antisemitismus übergeht, wenn sich der Hass schließlich gegen Juden richtet, die auf einer Straße in Florida unterwegs sind.
Die strafrechtliche Bewertung muss nun ein Gericht vornehmen. Bis dahin gilt für den Beschuldigten die Unschuldsvermutung.
Für das Ehepaar bleiben jedoch ein Schlag, eine Videoaufnahme und zwei Sätze, die niemand bei einem Spaziergang hören sollte:
„Jetzt wirst du sterben.“
„Geh weg, bevor ich dich töte.“
Autor: Redaktion
Sonntag, 23 August 2026