Stadien ziehen die Grenze: Macklemore fliegt nach Anti-Israel-Auftritt aus Sheeran-TourStadien ziehen die Grenze: Macklemore fliegt nach Anti-Israel-Auftritt aus Sheeran-Tour
Macklemore nutzte Ed Sheerans Stadionbühne für „Free Palestine“, Genozid-Vorwürfe gegen Israel und Gaza-Bilder. Nun verweigern mehrere US-Stadien offenbar seinen Auftritt. Der Veranstalter zieht die Konsequenz.

Bildnachweis: Symbolbild / KI
Für Macklemore hat sein politischer Auftritt im Vorprogramm von Ed Sheeran konkrete Folgen. Der US-Rapper wird bei den verbleibenden Konzerten der amerikanischen „Loop Tour“ nicht mehr auftreten. Er war ursprünglich für acht der letzten zehn Shows vorgesehen. Nach Angaben des Veranstalters Messina Touring Group teilten jedoch mehrere Stadien mit, dass sie keine Konzerte mit Macklemore im Programm zulassen würden. Ein Festhalten an ihm hätte nach Darstellung des Veranstalters die gesamte Tour und damit Veranstaltungen für Hunderttausende Fans gefährdet.
Auslöser waren Macklemores Auftritte am 4. und 5. September im MetLife Stadium in New Jersey. Der Rapper nutzte seine Rolle als Vorgruppe nicht nur für Musik. Mit einer Kufiya bekleidet erklärte er vor dem Publikum, ein wesentlicher Grund für seine Teilnahme an Sheerans Tour sei die Möglichkeit gewesen, in amerikanischen Stadien „Free PalestinePalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen“ zu rufen. Anschließend spielte er „Hind's Hall“, während auf den Großbildschirmen Bilder der Zerstörung im GazastreifenPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen und propalästinensischer Proteste gezeigt wurden.
Macklemore beließ es nicht bei einem Aufruf für palästinensische Rechte. Er wiederholte auch schwerwiegende und politisch umkämpfte Vorwürfe gegen IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen und bezeichnete dessen Politik als „Apartheid“ sowie das Vorgehen im Gazastreifen als „Genozid“.
Die entscheidende Frage war deshalb bald nicht mehr, ob ein Musiker politische Ansichten vertreten darf. Das darf er selbstverständlich. Die Frage lautete vielmehr, ob ein als Vorgruppe gebuchter Künstler die Infrastruktur, Leinwände und das Publikum einer fremden Stadiontour dafür benutzen kann, einen komplexen Krieg praktisch ausschließlich aus einer Perspektive zu präsentieren.
Der Israeli-American Council brachte diesen Unterschied in einer Petition auf den Punkt: Dies sei ein Konzert von Ed Sheeran gewesen, keine politische Kundgebung und keine Aktivistenveranstaltung. Gefordert wurde nicht nur Macklemores Entfernung, sondern auch Klarheit darüber, welche politischen Inhalte vorher mit Tourleitung und Veranstaltern abgestimmt worden waren.
Jüdische und israelische Fans kamen für Musik
Kritik kam anschließend auch von jüdischen und pro-israelischen Organisationen. StandWithUs warf Macklemore vor, jüdische und israelische Besucher mit einer sorgfältig inszenierten, einseitigen Darstellung konfrontiert zu haben, in der das Massaker vom 7. Oktober7. Oktober 2023: Das Hamas-Massaker, das Israel veränderteDer 7. Oktober 2023 war der Tag des Hamas-Massakers in Israel. Terroristen aus Gaza ermordeten etwa 1.200 Menschen, vor allem Zivilisten, und verschleppten mehr als 240 Geiseln in den Gazastreifen.Mehr lesen, die israelischen Geiseln und der Terror der HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen praktisch keine Rolle gespielt hätten. Die Organisation forderte seine Entfernung aus allen weiteren Konzerten.
Gerade dieser KontextKontextualisierung: Fakten verständlich einordnenKontextualisierung bedeutet, Informationen in einen Zusammenhang zu stellen. Sie hilft, Ereignisse nicht isoliert zu betrachten, sondern mit Vorgeschichte, Ursachen, Folgen und beteiligten Akteuren zu verstehen.Mehr lesen ist entscheidend. Der Krieg im Gazastreifen begann nicht mit israelischen Luftangriffen. Am 7. Oktober 2023 drangen Terroristen der Hamas und anderer palästinensischer Organisationen nach Israel ein, ermordeten rund 1.200 Menschen und verschleppten rund 250 weitere als Geiseln. Eine Bühnenshow, die anschließend nur zerstörte Gebäude in Gaza zeigt und Israel schwerster Verbrechen beschuldigt, erzählt deshalb keine vollständige Geschichte des Krieges.
Das bedeutet nicht, dass Bilder palästinensischen Leids ausgeblendet werden sollen. Ebenso wenig bedeutet Kritik an der israelischen Regierung automatisch AntisemitismusAntisemitismus: Judenhass in alten und neuen FormenAntisemitismus bezeichnet Judenhass und Feindschaft gegen Juden. Er reicht von Vorurteilen und Verschwörungserzählungen bis zu Ausgrenzung, Bedrohung und Gewalt.Mehr lesen. Macklemore erklärte bei seinem zweiten Auftritt ausdrücklich gegenüber jüdischen Zuhörern, seine Kritik an Israel richte sich nicht gegen sie. Er bezeichnete seine Botschaft als eine von Frieden, Würde und Gleichberechtigung.
Dieser Zusatz ändert jedoch nichts an der Kritik an der Inszenierung selbst. Wer Israel vor Zehntausenden Menschen des Völkermords und der Apartheid beschuldigt, Gaza-Bilder auf riesige Stadionleinwände projiziert und die Rolle der Hamas aus dieser Darstellung weitgehend verschwinden lässt, betreibt keine ausgewogene Aufklärung über den Nahostkonflikt.
Auch Sängerin P!nk schaltete sich in die Debatte ein. Dabei ist wichtig, ihre Position korrekt wiederzugeben: Sie forderte Macklemores Entlassung ausdrücklich nicht. Nach Kritik an einem von ihr geteilten Beitrag erklärte sie, sie wolle keinen anderen Künstler zum Schweigen bringen. Zugleich machte sie deutlich, dass jüdische Besucher neben ihr bei einem Konzert nicht das Gefühl haben sollten, sich wegen ihrer Identität fürchten zu müssen.
Keine staatliche Zensur, sondern eine Konsequenz der eigenen Bühnenentscheidung
Macklemores Ausschluss wird von seinen Unterstützern erwartbar als Angriff auf die Meinungsfreiheit beschrieben werden. Diese Darstellung greift jedoch zu kurz.
Nach den bislang veröffentlichten Informationen hat keine amerikanische Behörde dem Rapper seine politische Meinung verboten. Die Entscheidung fiel im Umfeld privater Veranstalter und Stadien. Messina Touring Group erklärte, die kommenden Spielstätten hätten die Durchführung der Konzerte mit Macklemore im Line-up abgelehnt. Der Veranstalter musste damit zwischen acht Auftritten des Rappers und dem Risiko wählen, dass die Tour für Hunderttausende zahlende Besucher nicht stattfinden kann.
Das ist keine staatliche Zensur. Es ist die Konsequenz daraus, dass auch Bühnen, Veranstalter und Stadien entscheiden dürfen, wem sie ihre Infrastruktur zur Verfügung stellen.
Macklemores politische Positionierung kommt zudem keineswegs überraschend. Bereits 2024 veröffentlichte er „Hind's Hall“ zur Unterstützung propalästinensischer Studentenproteste an der Columbia University. In Deutschland sorgte sein Auftritt beim Deichbrand-Festival 2025 für eine heftige Debatte. Der Zentralrat der Juden warnte damals vor antisemitischer PropagandaDesinformation: Gezielte Täuschung der ÖffentlichkeitDesinformation bezeichnet bewusst verbreitete falsche oder irreführende Informationen. Ziel ist häufig, Menschen zu täuschen, Vertrauen zu zerstören, Konflikte zu verschärfen oder politische Entscheidungen zu beeinflussen.Mehr lesen, während die Festivalveranstalter an seinem Auftritt festhielten. Macklemore erneuerte dort seine Genozid-Vorwürfe gegen Israel.
Die jetzige Entscheidung ist deshalb auch eine Grenze, die der amerikanische Konzertbetrieb selbst zieht. Macklemore darf weiterhin sagen, was er über Israel denkt. Er kann eigene Konzerte organisieren, Interviews geben, Songs veröffentlichen und politische Veranstaltungen besuchen.
Aber Meinungsfreiheit beinhaltet keinen Anspruch auf Ed Sheerans Stadionbühne.
Für die israelischen und jüdischen Zuschauer, die Eintrittskarten für ein Musikkonzert gekauft hatten und stattdessen mit einer einseitigen politischen Botschaft über einen Krieg konfrontiert wurden, dürfte diese Unterscheidung entscheidend sein.
Ed Sheeran selbst hat sich bislang nicht öffentlich ausführlich zu der Entscheidung geäußert. Sein US-Tournee-Veranstalter hat dagegen gehandelt: Die Konzerte sollen stattfinden.
Macklemore nicht.
Autor: Redaktion
Dienstag, 15 September 2026