Israel als Täter, Hamas im Schatten: Studie legt massive Schieflage der „New York Times“ offenIsrael als Täter, Hamas im Schatten: Studie legt massive Schieflage der „New York Times“ offen
1559 Artikel aus acht Monaten Gaza-Krieg wurden systematisch ausgewertet. Die inzwischen peer-reviewte Studie zeigt ein auffälliges Muster: palästinensisches Leid war ständig präsent, israelische Opfer und die fortgesetzte Rolle der Hamas dagegen weit seltener.

Bildnachweis: U.S. Department of State from United States /
QuelleEs ist ein Vorwurf, der der „New York Times“ seit Beginn des GazaPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen-Krieges immer wieder gemacht wurde. Nun liegt dazu eine wissenschaftliche Untersuchung vor, die weit über einzelne problematische Überschriften oder umstrittene Reportagen hinausgeht. Edieal Pinker von der Yale School of Management hat 1559 Nachrichtenartikel der Zeitung aus dem Zeitraum vom 7. Oktober 20237. Oktober 2023: Das Hamas-Massaker, das Israel veränderteDer 7. Oktober 2023 war der Tag des Hamas-Massakers in Israel. Terroristen aus Gaza ermordeten etwa 1.200 Menschen, vor allem Zivilisten, und verschleppten mehr als 240 Geiseln in den Gazastreifen.Mehr lesen bis zum 7. Juni 2024 systematisch analysiert. Seine Studie wurde nach einem Begutachtungsverfahren am 7. September 2026 in der Fachzeitschrift „Studies in Conflict & Terrorism“ veröffentlicht.
Das Ergebnis ist für eines der einflussreichsten Medien der Welt unangenehm: Pinker dokumentiert eine dominante Erzählstruktur, in der zwar das Massaker der HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen vom 7. Oktober als Beginn des Krieges erscheint, danach jedoch vor allem israelische Militärgewalt und die steigende Zahl palästinensischer Opfer das Bild bestimmen. IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen erscheint als handelnde Kraft des Krieges. Die Hamas, ihre Terroristen, ihre Verluste, ihre fortgesetzten Angriffe und die israelischen Opfer nach dem 7. Oktober treten dagegen deutlich stärker in den Hintergrund.
Genau darin liegt die Brisanz. Ein Krieg verändert sein Bild vollständig, wenn über Monate hauptsächlich sichtbar ist, was eine Seite tut und welches Leid dies verursacht, während die Handlungen des Gegners seltener vorkommen. Dann entsteht nicht zwingend durch eine einzelne falsche Meldung, sondern durch Auswahl und Gewichtung der Eindruck, Israel führe den Krieg praktisch allein gegen eine passive palästinensische Bevölkerung.
Zwei von drei Tagen palästinensisches Leid
Besonders deutlich wird die Schieflage bei persönlichen Schicksalen. Pinkers Untersuchung zufolge erschienen Geschichten über palästinensisches Leid durchschnittlich an zwei von drei Tagen. Vergleichbare Darstellungen darüber, wie Israelis den Krieg nach dem 7. Oktober erlebten, waren dagegen selten. Die endgültige Studie spricht von einem Muster, das Israel nahezu allein Handlungsmacht und Verantwortung zuschreibe und gleichzeitig die Rolle der Hamas bei der Fortsetzung des Krieges verkleinere.
Die umfangreichere Vorfassung der Untersuchung zeigt, wie dieses Muster entstand. Von damals 1561 ausgewerteten Artikeln erwähnten 93 Prozent Israel häufiger als die Hamas. Insgesamt kam „Israel“ 27.205-mal vor, „Hamas“ dagegen 8499-mal. 1423 Beiträge erwähnten weder israelische Opfer nach dem 7. Oktober noch getötete Hamas-Kämpfer. Nur zehn Prozent der unmittelbar auf die Kämpfe bezogenen Texte nannten Verluste der Hamas, lediglich 18 Prozent erwähnten palästinensische Gewalt nach dem Massaker vom 7. Oktober. Pinker erklärte nach Veröffentlichung der peer-reviewten Fassung, die endgültige Studie sei im Wesentlichen unverändert geblieben.
Auch die Geiseln verschwanden erstaunlich häufig aus dem Gesamtbild. In der Vorfassung ordnete Pinker 895 Texte, rund 70 Prozent der Artikel mit einer Beschreibung des Konfliktverlaufs, der dominierenden Erzählung zu. Nur etwa die Hälfte dieser Beiträge erwähnte die israelischen Geiseln. In 41 Prozent fehlten sogar die israelischen Opfer des 7. Oktober. 234 Texte erwähnten den Hamas-Angriff überhaupt nicht, während lediglich 28 ohne Bezug auf israelische Gewalt auskamen.
Diese Zahlen sind deshalb wichtig, weil der Krieg nach dem 7. Oktober keineswegs aus einem israelischen Angriff und einer passiven palästinensischen Bevölkerung bestand. Die Hamas hielt weiterhin israelische Geiseln fest, kämpfte gegen die IDF, feuerte Raketen und operierte aus einem gewaltigen unterirdischen Tunnelsystem. Gleichzeitig starben israelische Soldaten im Kampf und Zivilisten wurden weiterhin durch palästinensische Angriffe getötet oder verletzt.
Wer diese Elemente nur selten zeigt, verschiebt zwangsläufig die Perspektive.
Pinker formuliert es entsprechend scharf: Aus Sicht der untersuchten Berichterstattung hätten israelische Soldaten häufig gewirkt, als kämpften sie hauptsächlich gegen Zivilisten oder gegen „Schatten“. Die militärische Organisation, gegen die Israel tatsächlich Krieg führte, trat medial deutlich schwächer hervor.
Hinzu kommt ein weiteres Problem der Gaza-Berichterstattung. Die vom Hamas-Regime kontrollierte Gesundheitsbehörde veröffentlicht Opferzahlen, unterscheidet darin aber nicht systematisch zwischen Zivilisten und Terroristen. Werden palästinensische Tote fortlaufend genannt, während getötete Hamas-Kämpfer kaum vorkommen, entsteht beim Leser zwangsläufig der Eindruck, die Opfer seien nahezu ausschließlich Zivilisten. Genau vor diesem Effekt warnt Pinkers Analyse.
Nicht jeder Fehler beweist Absicht – das Muster bleibt trotzdem
Gerade weil das Ergebnis deutlich ist, lohnt sich eine saubere Einordnung. Pinker behauptet ausdrücklich nicht, mit seiner statistischen Untersuchung eine bewusste antiisraelische Absicht einzelner Journalisten bewiesen zu haben. Eine solche Behauptung ließe sich allein anhand von Textmengen und Begriffshäufigkeiten nicht seriös belegen.
Er nennt sogar Faktoren, die unbeabsichtigt zu einer Schieflage beitragen können. Israel ist eine offene Gesellschaft, in der Journalisten vergleichsweise frei recherchieren können. Im von der Hamas beherrschten Gazastreifen gelten völlig andere Bedingungen. Die Terrororganisation unterdrückt Kritik und kontrolliert das Umfeld, in dem lokale Journalisten arbeiten. Solche unterschiedlichen Zugänge können die Berichterstattung beeinflussen. Zudem untersuchte Pinker keine Fotos, Kommentare oder die Wirkung einzelner Überschriften.
Gerade diese Einschränkungen machen das Ergebnis jedoch nicht bedeutungslos. Die Studie untersucht nicht die politische Gesinnung der Redaktion, sondern das, was Millionen Leser tatsächlich zu sehen bekamen. Und dort zeigt sich ein wiederkehrendes Muster: Israel handelt, Israel bombardiert, Israel verursacht Opfer. Hamas verschwindet dagegen nach ihrem Massaker zunehmend aus der Erzählung.
Die „New York Times“ weist diese Kritik zurück. Bereits nach Veröffentlichung der ersten Studienfassung erklärte die Zeitung, sie habe über den Krieg gründlicher als nahezu jede andere amerikanische Nachrichtenorganisation berichtet und unterschiedliche Perspektiven abgebildet. Redaktionelle Entscheidungen über Sprache, Gewichtung und Ton würden sorgfältig getroffen. Man sei für Kritik in gutem Glauben offen, werde die Berichterstattung aber nicht verändern, um festgefahrene Sichtweisen zu bedienen.
Die Antwort trifft allerdings den Kern der Untersuchung nur teilweise. Pinkers Vorwurf lautet gerade nicht, dass die „New York Times“ niemals über Hamas-Terror, Geiseln oder israelische Opfer berichtet habe. Natürlich tat sie das. Seine Daten zeigen vielmehr, dass diese Aspekte gegenüber palästinensischem Leid und israelischem militärischem Handeln erheblich weniger sichtbar waren.
Das ist journalistisch entscheidend.
Eine Zeitung muss keine falsche Information veröffentlichen, um ein verzerrtes Gesamtbild zu erzeugen. Es reicht, bestimmte richtige Informationen sehr häufig und andere ebenso richtige Informationen sehr selten zu erzählen.
haOlam hat in den vergangenen Monaten wiederholt über konkrete Kontroversen bei der „New York Times“ berichtet. Im Januar ging es um einen Beitrag über Ärzte ohne Grenzen in Gaza, bei dem zentrale Hintergründe zur terroristischen Unterwanderung ziviler Strukturen nur am Rand erschienen. Im Mai folgte die Debatte über schwerste Anschuldigungen gegen Israel in einem Beitrag von Nicholas Kristof, während ein umfangreicher israelischer Bericht über sexualisierte Gewalt der Hamas kaum Aufmerksamkeit erhielt. Diese früheren Fälle sind kein Beweis für Pinkers statistische Ergebnisse. Sie zeigen jedoch, warum die grundsätzliche Frage nach Auswahl und Gewichtung der Gaza-Berichterstattung längst über einzelne Artikel hinausgeht.
Jetzt liegt erstmals eine peer-reviewte quantitative Untersuchung eines großen Textkorpus vor.
Ihr Befund trifft einen neuralgischen Punkt des internationalen Informationskrieges um Gaza: Hamas musste Israel am 7. Oktober überfallen, Menschen ermorden, vergewaltigen und verschleppen, um den Krieg auszulösen. Danach genügte es offenbar zunehmend, dass Israel sichtbar blieb.
Die Terrororganisation selbst rückte Stück für Stück aus dem Bild.
Und mit ihr ein entscheidender Teil der Verantwortung für den Krieg.
Autor: Redaktion
Dienstag, 15 September 2026