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Mamdani verspricht Schutz für Juden und nutzt den 7. Oktober für Angriffe auf Israel

Mamdani verspricht Schutz für Juden und nutzt den 7. Oktober für Angriffe auf Israel


Erst präsentiert New Yorks Bürgermeister ein Millionenprogramm gegen Antisemitismus. Acht Tage später verbindet er das Gedenken an die Opfer der Hamas mit schweren Anschuldigungen gegen Israel. Der Widerspruch sorgt für Empörung.

Mamdani verspricht Schutz für Juden und nutzt den 7. Oktober für Angriffe auf Israel
Bildnachweis: Karamccurdy / Quelle / CC BY-SA 4.0

New Yorks Bürgermeister Zohran Mamdani hat innerhalb weniger Tage zwei Botschaften veröffentlicht, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Am 29. September 2026 stellte er eine umfassende Strategie zum Schutz jüdischer Bürger vor. Er versprach zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen, mehr Geld für die Bekämpfung antisemitischer Hassverbrechen und eine Stadt, in der Juden nicht nur sicher leben, sondern auch Wertschätzung erfahren sollen. Am 7. Oktober, dem dritten Jahrestag des HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen-Massakers in IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen, nutzte derselbe Bürgermeister seine offizielle Gedenkerklärung für weitreichende Anschuldigungen gegen den jüdischen Staat.

Mamdani verurteilte zwar ausdrücklich die Verbrechen der Hamas und erinnerte an die Ermordeten und Verschleppten. Doch bereits im folgenden Absatz erklärte er, das Leiden habe weder am 7. Oktober begonnen noch geendet, sondern sich durch einen angeblich fortdauernden israelischen Völkermord im GazastreifenPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen fortgesetzt. Anschließend warf er Israel Kriegsverbrechen, Besatzung und Apartheid vor und beschuldigte die amerikanische Bundesregierung, diese Verbrechen durch Waffenlieferungen mitzufinanzieren.

Das ist keine Interpretation seiner politischen Gegner. Die Aussagen stehen in einer offiziellen Erklärung des New Yorker Bürgermeisteramtes vom 7. Oktober 2026. Mamdani verband damit das Gedenken an die Opfer eines islamistischen Terrorangriffs unmittelbar mit seiner grundsätzlichen Anklage gegen Israel.

Genau dieser Zusammenhang löste erhebliche Kritik aus. Denn für viele jüdische New Yorker ist der 7. Oktober kein gewöhnlicher politischer Jahrestag. An diesem Tag ermordeten Hamas-Terroristen und weitere Angreifer 2023 rund 1.200 Menschen in Israel, darunter auch ausländische Staatsangehörige, und verschleppten 251 Menschen als Geiseln in den Gazastreifen. Familien wurden auseinandergerissen, Menschen in ihren Häusern ermordet und Besucher des Nova-Musikfestivals massakriert.

Mamdani bezeichnete die Taten der Hamas in seiner Erklärung ausdrücklich als schwere Kriegsverbrechen. Dennoch widmete er den überwiegenden Teil seines Textes den Vorwürfen gegen Israel. Die Opfer des Massakers wurden so zum Ausgangspunkt einer politischen Stellungnahme, deren Schwerpunkt nicht auf den Tätern des 7. Oktober, sondern auf der israelischen Kriegsführung lag.

Millionen gegen Antisemitismus, aber kein gemeinsamer Maßstab

Besonders widersprüchlich wirkt die Erklärung vor dem Hintergrund von Mamdanis eigener Antisemitismusstrategie. Nur acht Tage zuvor hatte seine Verwaltung ein umfangreiches Maßnahmenpaket vorgestellt. Vorgesehen sind unter anderem 6,4 Millionen Dollar für Programme zur Verhinderung von Hassverbrechen und zur Unterstützung Betroffener. Weitere eine Million Dollar soll den Schutz von Synagogen und anderen religiösen Einrichtungen verbessern. Hinzu kommen Bildungsprojekte, Maßnahmen zur Vermittlung jüdischer Geschichte und Investitionen in jüdische Kulturinstitutionen.

Diese Programme sind konkrete politische Maßnahmen und dürfen bei aller Kritik an Mamdani nicht unterschlagen werden. Sie können zur Sicherheit jüdischer Einrichtungen beitragen. Zugleich lösen sie jedoch nicht den grundsätzlichen Streit darüber, wie seine Verwaltung israelbezogenen AntisemitismusAntisemitismus: Judenhass in alten und neuen FormenAntisemitismus bezeichnet Judenhass und Feindschaft gegen Juden. Er reicht von Vorurteilen und Verschwörungserzählungen bis zu Ausgrenzung, Bedrohung und Gewalt.Mehr lesen bewertet.

haOlam.de berichtete bereits am 30. September über eine entscheidende Schwäche des neuen Programms. Mamdani hatte zu Beginn seiner Amtszeit den von seinem Vorgänger Eric Adams eingeführten Bezug auf die Arbeitsdefinition der International HolocaustShoah: Der nationalsozialistische Mord an sechs Millionen JudenShoah ist der hebräische Begriff für die Katastrophe der Vernichtung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland und seine Helfer. Rund sechs Millionen Juden wurden ermordet.Mehr lesen Remembrance Alliance, kurz IHRA, aufgehoben. Seine Verwaltung erklärte anschließend, sie benötige keine verbindliche Antisemitismusdefinition für ihre Arbeit.

Die IHRA-Arbeitsdefinition unterscheidet ausdrücklich zwischen legitimer Kritik an israelischer Regierungspolitik und bestimmten Formen israelbezogenen Antisemitismus. Zu ihren Beispielen gehört unter anderem die Anwendung antisemitischer Vorstellungen auf Israel oder die grundsätzliche Bestreitung des jüdischen Selbstbestimmungsrechts. Die Definition ist rechtlich nicht bindend und ihre Anwendung wird kontrovers diskutiert. Gerade für die Bewertung von Äußerungen, in denen sich Judenfeindschaft mit politischen Angriffen auf Israel verbindet, ist sie jedoch ein verbreiteter Orientierungsmaßstab.

Mamdani verzichtet bewusst auf diesen Rahmen. Seine Verwaltung begründet das damit, dass sich Antisemitismus auch ohne eine festgelegte Definition wirksam bekämpfen lasse. Kritiker sehen darin dagegen eine erhebliche Lücke, weil aus ihrer Sicht bestimmte Formen der Feindschaft gegen Israel dadurch nicht ausreichend erfasst werden.

Diese Debatte ist für New York von besonderer Bedeutung. Juden machen ungefähr zwölf Prozent der Stadtbevölkerung aus, waren in den ersten acht Monaten des Jahres 2026 jedoch Opfer von mehr als der Hälfte aller polizeilich bestätigten Hassverbrechen. Nach den bereits von haOlam ausgewerteten NYPD-Daten wurden in diesem Zeitraum 229 antisemitische Straftaten bestätigt, bei insgesamt 425 bestätigten Hassverbrechen.

Die Zahlen belegen ein erhebliches Sicherheitsproblem. Sie beweisen allerdings keinen ursächlichen Zusammenhang zwischen den Straftaten und bestimmten Äußerungen des Bürgermeisters. Eine solche Behauptung wäre durch die vorliegenden Daten nicht gedeckt.

Dennoch ist es legitim, die politische Kommunikation eines Bürgermeisters daran zu messen, wie sie sich mit seinen öffentlich erklärten Zielen vereinbaren lässt. Wer den Schutz jüdischen Lebens zu einer zentralen Aufgabe seiner Verwaltung erklärt, muss sich auch kritischen Fragen zu seiner eigenen Wortwahl stellen.

Der Streit um den 7. Oktober geht über Israelkritik hinaus

Die Erklärung vom 7. Oktober enthält mehrere schwerwiegende Vorwürfe. Mamdani behauptete, Israel habe mehr als 74.000 PalästinenserPalästinenser: Herkunft, Begriffswandel und politische IdentitätPalästinenser bezeichnet heute meist palästinensische Araber mit eigener nationaler Identität. In der Mandatszeit konnte der Begriff jedoch allgemein Bewohner des britischen Mandatsgebiets Palästina meinen, auch Juden.Mehr lesen getötet, darunter mehr als 21.000 Kinder. Diese Angaben beziehen sich auf Zahlen aus dem von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministerium im Gazastreifen. Sie sind nicht mit einer unabhängig bestätigten Zahl ausschließlich durch israelische Streitkräfte getöteter Zivilisten gleichzusetzen. Insbesondere unterscheiden die veröffentlichten Gesamtzahlen nicht durchgehend zwischen Kämpfern und Zivilisten.

Auch die Behauptung eines israelischen Völkermordes ist eine umstrittene rechtliche Bewertung und kein durch ein abschließendes Urteil des Internationalen Gerichtshofs festgestellter Sachverhalt. Israel bestreitet den Vorwurf und verweist auf seine militärischen Ziele, die Bekämpfung der Hamas und Maßnahmen zum Schutz von Zivilisten. Die schweren humanitären Folgen des Krieges und die rechtlichen Fragen zur israelischen Kriegsführung bleiben davon unabhängig Gegenstand internationaler Untersuchungen und Auseinandersetzungen.

Mamdani präsentierte diese Anschuldigungen jedoch nicht als umstrittene Vorwürfe, sondern als Tatsachen. Seine Erklärung ließ zugleich wesentliche Zusammenhänge des Krieges unerwähnt, darunter die Geiselnahmen, die militärischen Strukturen der Hamas in dicht besiedelten Gebieten und die Verantwortung der Terrororganisation für die Fortsetzung der Kämpfe.

Die Kritik daran bedeutet nicht, dass das Leid palästinensischer Zivilisten verschwiegen werden müsste. Ein Bürgermeister darf israelische Politik kritisieren, zivile Opfer beklagen und die amerikanische Unterstützung für Israel infrage stellen. Entscheidend ist vielmehr, weshalb er ausgerechnet den Jahrestag des Hamas-Massakers für eine Erklärung wählte, deren überwiegender Inhalt aus Vorwürfen gegen Israel bestand.

Diese Frage stellte auch der amerikanische Publizist Micha Danzig in einem am 10. Oktober veröffentlichten Meinungsbeitrag der JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen Post. Danzig argumentiert, Mamdanis Antisemitismusstrategie verliere an Glaubwürdigkeit, wenn derselbe Politiker am Jahrestag des Massakers die Verantwortung für das folgende Leid nahezu ausschließlich Israel zuschreibe. Seine Schlussfolgerungen sind eine politische Bewertung, keine gerichtliche Feststellung über Mamdanis persönliche Haltung.

Kritik kam ebenfalls von der Anti-Defamation League und weiteren jüdischen Vertretern. Sie beanstandeten insbesondere, dass Mamdani einen Tag des Gedenkens an die Opfer der Hamas mit einer weitreichenden Verurteilung Israels verband. Andere jüdische Organisationen hatten zuvor die angekündigten Schutz- und Bildungsmaßnahmen begrüßt. Die jüdische Gemeinschaft New Yorks vertritt in dieser Auseinandersetzung keine einheitliche politische Position.

Mamdani selbst blieb bei seiner Haltung. Auf die Kritik erklärte er am 8. Oktober sinngemäß, er sei Bürgermeister von New York und habe sich bewusst für diese Verantwortung entschieden. Er verteidigte seine Vorwürfe gegen die israelische Regierung und stellte sie weiterhin in den Zusammenhang mit den Ereignissen seit dem 7. Oktober 20237. Oktober 2023: Das Hamas-Massaker, das Israel veränderteDer 7. Oktober 2023 war der Tag des Hamas-Massakers in Israel. Terroristen aus Gaza ermordeten etwa 1.200 Menschen, vor allem Zivilisten, und verschleppten mehr als 240 Geiseln in den Gazastreifen.Mehr lesen.

Damit bleibt die grundlegende Auseinandersetzung bestehen: Mamdani verspricht, jüdisches Leben zu schützen, während er gleichzeitig eine politische Sprache verwendet, die bei erheblichen Teilen der jüdischen Gemeinschaft Misstrauen auslöst.

Der Konflikt betrifft nicht die Frage, ob ein amerikanischer Bürgermeister Israel kritisieren darf. Selbstverständlich darf er das. Auch jüdische Bürger vertreten unterschiedliche Positionen zur israelischen Regierung und zum Krieg im Gazastreifen. Problematisch wird es dort, wo die Erinnerung an ein antisemitisches Massaker in den Hintergrund tritt und der Gedenktag vor allem zur Plattform für eine politische Anklage gegen Israel wird.

Mamdani muss sich nicht mit jeder Entscheidung Jerusalems identifizieren, um glaubwürdig gegen Antisemitismus vorzugehen. Doch er muss erklären können, weshalb er die jüdischen Opfer des 7. Oktober ausgerechnet an ihrem Gedenktag nur vergleichsweise kurz würdigte, während er einen Großteil seiner Erklärung den Vorwürfen gegen Israel widmete.

Das ist keine unterstellte Gesinnung, sondern eine anhand seiner veröffentlichten Erklärung überprüfbare Gewichtung.

Die Schutzprogramme seiner Verwaltung werden an ihrer tatsächlichen Wirkung zu messen sein. Zusätzliche Sicherheitsmittel, bessere Bildungsangebote und Hilfe für Betroffene sind notwendig. Sie beantworten aber nicht die politische Frage, wie New York künftig mit israelbezogenem Antisemitismus umgehen will und welchen Maßstab die Stadt dabei anlegt.

Ein glaubwürdiger Kampf gegen Antisemitismus braucht beides: wirksamen Schutz jüdischer Bürger und eine klare Haltung gegenüber Judenfeindschaft, auch wenn sie sich hinter politischen Parolen gegen Israel verbirgt. Mamdanis Antisemitismusstrategie und seine Erklärung vom 7. Oktober stehen deshalb weiterhin in einem Spannungsverhältnis, das sich nicht allein mit zusätzlichen Millionen für Sicherheitsprogramme auflösen lässt.




Autor: Redaktion
Montag, 12 Oktober 2026

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