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Muslimbruderschaft, Terrorliste und Synagogenanschlag: Neue Kontroverse um Abdul El-Sayed

Muslimbruderschaft, Terrorliste und Synagogenanschlag: Neue Kontroverse um Abdul El-Sayed


Kurz vor einem Wahlkampfauftritt mit Barack Obama gerät der demokratische Senatskandidat aus Michigan erneut unter Druck. Die Vorwürfe betreffen seine Familie, doch besonders seine früheren Aussagen über einen antisemitischen Angriff beschäftigen jüdische Wähler.

Muslimbruderschaft, Terrorliste und Synagogenanschlag: Neue Kontroverse um Abdul El-Sayed
Bildnachweis: Conlan Houston / Quelle / CC BY-SA 4.0

Neun Tage vor den amerikanischen Zwischenwahlen steht der demokratische Senatskandidat Abdul El-Sayed aus Michigan erneut im Mittelpunkt einer Auseinandersetzung über die Muslimbruderschaft, Terrorismus und den Umgang mit AntisemitismusAntisemitismus: Judenhass in alten und neuen FormenAntisemitismus bezeichnet Judenhass und Feindschaft gegen Juden. Er reicht von Vorurteilen und Verschwörungserzählungen bis zu Ausgrenzung, Bedrohung und Gewalt.Mehr lesen. Der 41-jährige Politiker bestätigte gegenüber Fox News, dass seine Schwägerin Mariam Jukaku an einer Klage gegen ihre mutmaßliche Aufnahme in eine amerikanische Terrorbeobachtungsliste beteiligt war. Gleichzeitig werden frühere Äußerungen seiner Halbschwester über die Muslimbruderschaft in Ägypten erneut diskutiert.

Die Kontroverse gewinnt zusätzliche Aufmerksamkeit, weil der frühere US-Präsident Barack Obama wenige Tage vor der Wahl gemeinsam mit El-Sayed auftreten soll. Der Demokrat bewirbt sich um einen Sitz im amerikanischen Senat und tritt gegen den Republikaner Mike Rogers an.

Im Gespräch mit Fox News verteidigte El-Sayed seine Schwägerin. Sie habe nichts Unrechtes getan und sich gegen eine ungerechtfertigte staatliche Maßnahme gewehrt, erklärte er.

Tatsächlich geht aus Gerichtsunterlagen hervor, dass Jukaku 2016 zu den Klägern eines Verfahrens gehörte, das sich gegen die amerikanische Terrorbeobachtungsdatenbank richtete. Ihren Angaben zufolge war sie 2012 bei einer Flugreise einer verschärften Sicherheitskontrolle unterzogen worden. Die Klage stellte die Rechtmäßigkeit der damaligen Einstufung infrage.

Eine Beteiligung an einer solchen Klage belegt keine terroristische Tätigkeit. Auch die Aufnahme in eine Beobachtungsliste stellt keine strafrechtliche Verurteilung dar. Die Berichte enthalten keinen Nachweis, dass Jukaku oder El-Sayed an einer Terrororganisation beteiligt waren.

Der politische Streit reicht jedoch erheblich weiter als dieser einzelne Vorgang.

Die Aussagen der Halbschwester über die Muslimbruderschaft

Bereits zuvor war El-Sayed mit Äußerungen seiner Halbschwester Eman Abdelhadi konfrontiert worden. Die heutige Hochschullehrerin an der Universität Chicago hatte 2012 in sozialen Netzwerken über die politische Vergangenheit ihrer Mutter berichtet.

In einem damaligen Beitrag schilderte Abdelhadi ein Gespräch über deren Aktivismus innerhalb der Muslimbruderschaft während ihrer Studienzeit in Ägypten in den frühen 1970er-Jahren. Weitere Äußerungen beschrieben die Organisation in einem positiven Zusammenhang.

Die Muslimbruderschaft wurde 1928 in Ägypten gegründet und entwickelte sich zu einer einflussreichen islamistischen Bewegung. Aus ihrem ideologischen Umfeld gingen unterschiedliche Organisationen hervor, darunter auch die palästinensische HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen. Die verschiedenen nationalen Zweige der Muslimbruderschaft unterscheiden sich jedoch in ihrer politischen Tätigkeit und im Verhältnis zur Gewalt.

Für El-Sayed sind die Aussagen seiner Halbschwester politisch unangenehm. Er weist daraus abgeleitete Vorwürfe gegen seine eigene Person allerdings zurück. Seine Eltern trennten sich während seiner frühen Kindheit. Er sei bei seinem Vater und seiner Stiefmutter aufgewachsen und habe über Jahre keinen engen Kontakt zu seiner leiblichen Mutter gehabt.

Über deren damalige Aktivitäten könne er deshalb keine verlässlichen Angaben machen.

Sein republikanischer Gegenkandidat Mike Rogers und weitere Kritiker verlangen dennoch Aufklärung über die familiären Verbindungen. El-Sayed sieht darin den Versuch, seine muslimische Herkunft zum Wahlkampfthema zu machen.

Die Vergangenheit seiner Angehörigen ersetzt keine Untersuchung seiner eigenen politischen Positionen. Genau diese Positionen haben in der jüdischen Gemeinschaft Michigans allerdings bereits erhebliche Kritik ausgelöst.

Nach dem Angriff auf Temple Israel folgte eine umstrittene Erklärung

Im März 2026 wurde die Synagoge Temple IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen in West Bloomfield bei Detroit Ziel eines terroristischen Angriffs. Der Täter fuhr mit einem Fahrzeug in das Gebäude, in dem sich auch eine Vorschule befindet. Amerikanische Ermittler stuften die Tat als von der HisbollahHisbollah: Irans Terrorarmee im LibanonDie Hisbollah ist eine schiitisch islamistische Organisation im Libanon. Sie wurde in den frühen 1980er Jahren mit Unterstützung des Iran aufgebaut, verfügt über eine politische und militärische Struktur und wird von den USA, Israel und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen inspiriert ein.

El-Sayed verurteilte den Anschlag zunächst ausdrücklich. Wenig später veröffentlichte er jedoch eine weitere Erklärung, in der er auf die Erfahrungen des Täters und den Krieg im Libanon verwies. Dabei verwendete er die Formulierung, verletzte Menschen verletzten andere Menschen.

Gerade dieser Versuch der Einordnung löste Empörung aus. Die Rabbinerin Jen Lader von Temple Israel kritisierte, dass der Anschlag auf eine jüdische Gemeinde mit israelischer Militärpolitik in Verbindung gebracht werde.

Hinter der Kritik stand eine grundsätzliche Frage: Weshalb soll die Gewalt gegen amerikanische Juden ausgerechnet durch Ereignisse im Nahen Osten erklärt werden, obwohl die angegriffenen Gemeindemitglieder keine Verantwortung für Entscheidungen der israelischen Regierung tragen?

Die Menschen in Temple Israel waren nicht als Vertreter einer fremden Regierung zusammengekommen. Sie befanden sich in einer Synagoge, um zu beten, zu lernen und ihre Kinder betreuen zu lassen.

Die Verknüpfung eines antisemitischen Anschlags mit israelischen Militärmaßnahmen kann deshalb den Eindruck erwecken, jüdische Amerikaner müssten für politische Entscheidungen Israels einstehen.

El-Sayed entschuldigte sich Ende August vor jüdischen Demokraten in Michigan ausdrücklich für seine Äußerungen. Er räumte ein, einen Fehler gemacht zu haben, und erklärte, er habe den Angriff keinesfalls rechtfertigen wollen. Seine ursprüngliche Verurteilung der Tat hätte für sich stehen bleiben sollen.

Diese Entschuldigung gehört zur vollständigen Darstellung. Sie beendet allerdings nicht automatisch die Auseinandersetzung über seine politische Haltung.

Auch gegenüber der seit Jahren von den Demokraten unterstützten Zweistaatenlösung für Israel und die PalästinenserPalästinenser: Herkunft, Begriffswandel und politische IdentitätPalästinenser bezeichnet heute meist palästinensische Araber mit eigener nationaler Identität. In der Mandatszeit konnte der Begriff jedoch allgemein Bewohner des britischen Mandatsgebiets Palästina meinen, auch Juden.Mehr lesen zeigte El-Sayed Vorbehalte. Er erklärte, entscheidend sei zunächst ein Prozess, der beiden Bevölkerungen gleiche Rechte und Selbstbestimmung sichere. Eine Zweistaatenlösung schloss er nicht grundsätzlich aus, wollte sie aber nicht als einzig möglichen Ausgangspunkt festlegen.

Innerhalb der jüdischen Gemeinschaft Michigans werden diese Aussagen unterschiedlich bewertet. Einige jüdische Demokraten begrüßten seine Entschuldigung und seine Gesprächsbereitschaft. Andere bezweifeln weiterhin, dass er die besonderen Sicherheitsbedürfnisse jüdischer Gemeinden ausreichend berücksichtigt.

Die neue Debatte über seine Angehörigen findet damit vor dem Hintergrund eines bereits belasteten Verhältnisses zu Teilen der jüdischen Wählerschaft statt.

Für die öffentliche Beurteilung El-Sayeds sind zwei Fragen auseinanderzuhalten. Seine Familie darf nicht stellvertretend für ihn verantwortlich gemacht werden. Die Aussagen und Entscheidungen eines Politikers selbst müssen dagegen einer kritischen Prüfung standhalten.

Gerade seine Reaktion auf den Anschlag gegen Temple Israel bleibt deshalb politisch relevant. Sie berührt die Frage, ob antisemitische Gewalt gegen amerikanische Juden ohne Rückgriff auf vermeintlich erklärende Handlungen Israels verurteilt werden kann.

Barack Obamas bevorstehender Wahlkampfauftritt verleiht dieser Debatte zusätzliche nationale Aufmerksamkeit. Eine Unterstützung durch den ehemaligen Präsidenten bedeutet jedoch keine Bestätigung der gegen El-Sayed erhobenen Vorwürfe.

Was bislang dokumentiert ist, sind familiäre Verbindungen, öffentliche Äußerungen und ein politischer Streit über den Umgang mit Israel und Antisemitismus. Nicht dokumentiert ist eine eigene Beteiligung El-Sayeds an terroristischen Aktivitäten.

Der entscheidende Maßstab bleibt deshalb sein eigenes Handeln. Besonders beim Schutz jüdischer Gemeinden muss jeder Politiker deutlich machen, dass amerikanische Juden weder für israelische Politik verantwortlich sind noch zur Zielscheibe eines internationalen Konflikts werden dürfen.

Nach dem Anschlag auf Temple Israel ist das keine abstrakte Forderung. Es betrifft die Sicherheit jüdischer Familien in Michigan unmittelbar.




Autor: Redaktion
Dienstag, 20 Oktober 2026

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