Trump verliert den Kongress: Demokraten erobern beide KammernTrump verliert den Kongress: Demokraten erobern beide Kammern
Die US-Kongresswahlen enden mit einem schweren Rückschlag für Präsident Donald Trump. Selbst republikanische Hochburgen kippen. Für Israel und die amerikanische Iran-Politik entstehen damit neue Machtverhältnisse in Washington.

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Die amerikanischen Wähler haben Präsident Donald Trump bei den Kongresswahlen vom 3. November 2026 eine empfindliche politische Niederlage zugefügt. Die Demokratische Partei hat sowohl die Mehrheit im Repräsentantenhaus als auch im Senat zurückgewonnen. Damit verliert Trump für die verbleibenden zwei Jahre seiner Amtszeit die bisherige Unterstützung durch republikanische Mehrheiten in beiden Kammern des Kongresses.
Das Ergebnis ist bemerkenswert, weil die Demokraten nicht nur in traditionell umkämpften Wahlkreisen erfolgreich waren. Sie gewannen auch Senatssitze in Bundesstaaten, die bei früheren Wahlen als verlässliche Hochburgen der Republikaner galten. Besonders die Niederlagen in Texas und South Carolina verdeutlichen das Ausmaß der politischen Verschiebung.
Nach den am Mittwochmorgen vorliegenden Hochrechnungen haben die Demokraten die notwendige Senatsmehrheit von mindestens 51 Sitzen erreicht. Auch im Repräsentantenhaus ist ihnen die Mehrheit sicher. Die vollständige Auszählung sämtlicher Wahlkreise dauert jedoch noch an, weshalb die endgültige Sitzverteilung nicht mit frühen Prognosen gleichgesetzt werden darf.
Für Trump bedeutet das Ergebnis einen grundlegenden Einschnitt. Seit seinem erneuten Amtsantritt im Januar 2025 konnte er auf republikanische Mehrheiten im Kongress bauen. Künftig muss er sich auf eine Opposition einstellen, die eigene Gesetzesvorhaben blockieren, Haushaltsentscheidungen beeinflussen und parlamentarische Untersuchungen gegen seine Regierung einleiten kann.
Republikanische Hochburgen fallen an die Demokraten
Besonders deutlich wurde der Umschwung in Texas. Dort setzte sich der Demokrat James Talarico gegen den republikanischen Generalstaatsanwalt Ken Paxton durch. Es ist der erste Sieg eines Demokraten bei einer Senatswahl in diesem Bundesstaat seit 1988.
Der Erfolg besitzt erhebliches politisches Gewicht. Trump hatte Texas bei der Präsidentschaftswahl 2024 noch mit deutlichem Vorsprung gewonnen. Dass die Republikaner nun ausgerechnet dort einen Senatssitz verlieren, gehört zu den auffälligsten Ergebnissen der Wahl.
Auch in South Carolina gelang den Demokraten ein außergewöhnlicher Erfolg. Die Kinderärztin Annie Andrews besiegte die republikanische Senatorin Darline Graham. Diese hatte nach dem Tod ihres Bruders Lindsey Graham dessen Senatssitz übernommen und wollte sich nun erstmals durch eine reguläre Wahl bestätigen lassen.
South Carolina hatte seit 1998 keinen demokratischen US-Senator mehr gewählt. Trumps deutlicher Wahlsieg in dem Bundesstaat vor zwei Jahren ließ ein solches Ergebnis lange unwahrscheinlich erscheinen.
Hinzu kommen demokratische Erfolge in North Carolina, Ohio, Kansas und Iowa. In mehreren dieser Bundesstaaten konnten die Demokraten republikanisch gehaltene Senatssitze gewinnen.
Der Verlust dieser Mandate ist entscheidend für die neue Mehrheit. Anders als bei einzelnen umkämpften Wahlkreisen des Repräsentantenhauses sind Senatssitze besonders bedeutsam, weil der Senat über die Bestätigung zahlreicher Regierungsmitglieder, Bundesrichter und anderer wichtiger Personalentscheidungen abstimmt.
Auch bei den Gouverneurswahlen mussten die Republikaner Rückschläge hinnehmen. In Ohio gewann die Demokratin Amy Acton gegen Vivek Ramaswamy. In Texas setzte sich Gina Hinojosa gegen den bisherigen Gouverneur Greg Abbott durch.
Die Ergebnisse zeigen, dass die republikanischen Verluste nicht auf einen einzelnen Bundesstaat oder eine bestimmte politische Region begrenzt bleiben.
Wirtschaft, Iran-Krieg und Unzufriedenheit mit Washington
Die Ursachen des demokratischen Wahlerfolgs sind vielfältig. Nach Analysen amerikanischer Medien und ersten Wählerbefragungen spielten insbesondere die hohen Lebenshaltungskosten, die wirtschaftliche Entwicklung und die Politik der Bundesregierung eine wichtige Rolle.
Viele Amerikaner sehen sich weiterhin mit hohen Preisen und wirtschaftlicher Unsicherheit konfrontiert. Hinzu kommen die Folgen der Handels- und Zollpolitik der Trump-Regierung sowie die Kosten des Krieges gegen den Iran.
Die militärischen Auseinandersetzungen im Nahen Osten haben die Energieversorgung und den internationalen Handel erheblich belastet. Besonders die wiederholten Störungen in der Straße von HormusStraße von Hormus: Die gefährlichste Engstelle der WeltwirtschaftDie Straße von Hormus ist eine Meerenge zwischen Iran und Oman. Sie verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und ist eine der wichtigsten Routen für Öl und Flüssigerdgas weltweit.Mehr lesen führten zu Unsicherheit auf den Rohstoffmärkten.
Die politische Verantwortung für den Krieg wird in den Vereinigten Staaten unterschiedlich beurteilt. Während die Regierung auf die Bedrohung durch das iranische Atom- und Raketenprogramm verweist, kritisieren ihre Gegner die wirtschaftlichen Folgen und die Gefahr einer langwierigen militärischen Verwicklung.
Die Wahlergebnisse zeigen, dass diese Auseinandersetzung inzwischen auch die innenpolitischen Machtverhältnisse in Washington beeinflusst.
Allerdings wäre es verkürzt, die demokratischen Siege ausschließlich als Abstimmung über den Iran-Krieg zu verstehen. Auch wirtschaftliche Fragen, die Bewertung des Präsidenten und die jeweiligen Kandidaten spielten eine wichtige Rolle.
Trump selbst wies die Darstellung zurück, die Niederlage sei allein als persönliches Urteil über ihn zu verstehen. Innerhalb der Republikanischen Partei dürfte die Frage nach den Ursachen der Verluste dennoch erhebliche Bedeutung erhalten.
Israels Kritiker gewinnen im Senat an Einfluss
Aus israelischer Sicht verdient ein weiteres Wahlergebnis besondere Aufmerksamkeit.
Im Bundesstaat Michigan gewann der Demokrat Abdul El-Sayed gegen den Republikaner Mike Rogers. Der frühere Gesundheitsbeamte wird damit der erste Muslim im amerikanischen Senat.
Seine Wahl ist nicht wegen seiner Religion politisch bedeutsam, sondern wegen seiner Positionen gegenüber IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen.
El-Sayed gehört zum progressiven Flügel der Demokratischen Partei. Während des Wahlkampfs sprach er sich gegen amerikanische Militärhilfe für Israel aus und bezeichnete das israelische Vorgehen im GazastreifenPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen als Völkermord.
Damit vertritt er eine Position, die deutlich von der traditionellen amerikanischen Unterstützung für den jüdischen Staat abweicht.
Die US-israelischen Beziehungen beruhen seit Jahrzehnten auf einer breiten Zusammenarbeit in Sicherheitsfragen. Sowohl demokratische als auch republikanische Regierungen haben Israel militärisch und diplomatisch unterstützt. Innerhalb der Demokratischen Partei bestehen jedoch zunehmend unterschiedliche Auffassungen über den Umfang und die Bedingungen dieser Unterstützung.
El-Sayeds Wahlsieg verdeutlicht, dass diese Auseinandersetzung künftig auch im Senat stärker geführt werden könnte.
Dabei darf nicht übersehen werden, dass die Demokratische Partei keineswegs eine einheitliche Position gegenüber Israel vertritt. Zu ihr gehören weiterhin Politiker, die die militärische Zusammenarbeit mit JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen unterstützen und Irans regionale Bedrohungspolitik entschieden kritisieren.
Aus dem Wahlsieg eines einzelnen Kandidaten lässt sich deshalb keine vollständige Neuausrichtung der amerikanischen Israel-Politik ableiten.
Für Jerusalem ist dennoch entscheidend, wie sich die neuen Mehrheiten bei künftigen Haushaltsentscheidungen, Waffenlieferungen und möglichen Beschränkungen der Militärhilfe verhalten.
Teheran begrüßt den Machtwechsel
Auch das iranische Regime reagierte unmittelbar auf die amerikanischen Wahlergebnisse.
Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf erklärte, die amerikanische Bevölkerung habe sich gegen einen Krieg mit dem Iran ausgesprochen. Teheran unterstütze diese Botschaft.
Ghalibaf verband seine Reaktion allerdings erneut mit Drohungen. Sollte die amerikanische Regierung weiterhin den Forderungen bestimmter internationaler Akteure folgen, müsse sie nach seinen Worten mit erheblichen Konsequenzen rechnen.
Die Aussage verdeutlicht, wie das iranische Regime versucht, die amerikanische Innenpolitik für seine eigenen Interessen zu nutzen.
Ob die Demokraten im Kongress tatsächlich einen grundsätzlich anderen Umgang mit Teheran verlangen werden, ist jedoch offen. Auch innerhalb dieser Partei bestehen erhebliche Unterschiede zwischen einer auf diplomatische Vereinbarungen ausgerichteten Politik und der Unterstützung militärischer Abschreckung.
Für Israel bleibt die Bedrohung durch das iranische Atom- und Raketenprogramm unabhängig davon bestehen, welche Partei in Washington die Mehrheit hält.
Die veränderten politischen Verhältnisse könnten allerdings die Handlungsmöglichkeiten der amerikanischen Regierung beeinflussen. Vor allem bei der Finanzierung längerfristiger Operationen, neuen gesetzlichen Maßnahmen und der parlamentarischen Kontrolle des Krieges dürfte die demokratische Mehrheit eine größere Rolle spielen.
Die bereits bestehenden Befugnisse des Präsidenten als Oberbefehlshaber der amerikanischen Streitkräfte verschwinden durch die Wahl nicht. Trump bleibt Präsident und behält erhebliche außen- und sicherheitspolitische Handlungsmöglichkeiten.
Doch der Kongress kann künftig deutlich mehr politischen Druck ausüben.
Die neu gewählten Abgeordneten und Senatoren werden ihre Mandate im Januar 2027 antreten. Bis dahin bleibt die bisherige Zusammensetzung des Kongresses formal bestehen.
Für die nächsten beiden Jahre zeichnet sich damit eine Phase geteilter politischer Macht in Washington ab. Trump wird sich bei seiner Innenpolitik, bei Haushaltsfragen und möglicherweise auch bei der weiteren Iran-Strategie mit einer demokratischen Mehrheit auseinandersetzen müssen.
Die Wahl hat nicht nur die amerikanischen Mehrheitsverhältnisse verändert. Sie könnte auch Auswirkungen auf die Beziehungen zu Israel und den Umgang mit dem iranischen Regime haben. Wie weit diese reichen, wird sich erst an den konkreten Entscheidungen des neuen Kongresses zeigen.
Autor: Redaktion
Mittwoch, 04 November 2026