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Kurdische Proteste von Erbil bis Berlin: Solidarität mit Rojava wächst

Kurdische Proteste von Erbil bis Berlin: Solidarität mit Rojava wächst


Zusammenstöße in Nordsyrien mobilisieren Kurden weit über die Region hinaus. In Nordirak, Europa und der Diaspora wächst die Sorge vor Gewalt und Machtverschiebungen.

Kurdische Proteste von Erbil bis Berlin: Solidarität mit Rojava wächst

ausgebrochen. Auslöser sind die jüngsten Kämpfe in Nordsyrien zwischen Kräften der syrischen Übergangsregierung und den kurdisch geführten Syrian Democratic Forces. Die Demonstrierenden bekundeten ihre Unterstützung für das kurdisch geprägte Gebiet Rojava und warnten vor Übergriffen auf die Zivilbevölkerung.

Die Kurdenregion im Irak verfügt über eigene Institutionen und Sicherheitskräfte und gilt als Ort, an dem kurdische Identität öffentlich gelebt werden kann. Entsprechend offen fielen die Kundgebungen aus. In anderen Ländern der Region, etwa in Iran oder der Türkei, sind vergleichbare Demonstrationen mit erheblichen Risiken verbunden. Die Ereignisse in Syrien werden deshalb als Angelegenheit der gesamten kurdischen Gemeinschaft wahrgenommen.

Eskalation nach gescheiterter Integration

Hintergrund der aktuellen Spannungen ist das Scheitern eines Integrationsprozesses. Im März 2025 hatten Syriens Übergangspräsident Ahmed al Sharaa und SDF Oberbefehlshaber Mazlum Abdi einen Fahrplan vereinbart, der die Eingliederung der SDF in neue staatliche Sicherheitsstrukturen vorsah. Eine Einigung über Umfang und Kontrolle kam jedoch nicht zustande.

Seitdem hat die Regierung in Damaskus ihre Position gestärkt und internationale Unterstützung ausgebaut. Ende 2025 erklärte sie die Verhandlungen für gescheitert und begann militärisch vorzugehen. Zunächst wurden SDF nahe Sicherheitskräfte aus kurdischen Vierteln in Aleppo verdrängt. Später folgten Operationen im Raum Dayr Hafir nahe dem Euphrat. Nach weiteren Vorstößen zogen sich SDF Einheiten in Richtung kurdischer Kerngebiete wie Kobane, Hasakah und Qamishli zurück.

Berichte über Tote und Videos gefallener Kämpfer haben die Sorge vor Übergriffen verstärkt. Kurdische Medien warnten vor einer gefährlichen Eskalation und vor dem Vordringen bewaffneter Gruppen, die Damaskus nahestehen. Trotz eines unter US Vermittlung ausgehandelten Waffenstillstands dauern Gefechte in mehreren Gebieten an.

Erinnerung an frühere Übergriffe

Die Angst speist sich auch aus Erfahrungen der Vergangenheit. Während einer türkischen Offensive im Jahr 2019 wurde die kurdische Aktivistin Hevrin Khalaf von einer Ankara nahestehenden Miliz getötet. Der Fall gilt vielen Kurden als Mahnung, dass politische Machtwechsel schnell in Gewalt umschlagen können.

Entsprechend weit reicht die Mobilisierung. In Berlin demonstrierten Kurden vor dem Brandenburger Tor mit Fahnen und Transparenten. Die Syrian Democratic Council warnte vor einem unmittelbaren Risiko für Kobane. Zugleich riefen die SDF junge Kurden in Syrien und der Diaspora dazu auf, geschlossen aufzutreten und Solidarität zu zeigen.

Die Lage bleibt angespannt. Für viele Kurden ist der Konflikt nicht nur eine militärische Auseinandersetzung, sondern eine Frage von Sicherheit und politischer Zukunft. Die Proteste spiegeln diese Sorge wider und zeigen, wie eng die Ereignisse in Nordsyrien mit der kurdischen Gemeinschaft weltweit verbunden sind.


Autor: Redaktion
Bild Quelle: By Leonhard Lenz - Own work, CC0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=83136196


Dienstag, 20 Januar 2026

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