Westliche Medien schauen weg während die Menschen im Iran um Freiheit kämpfenWestliche Medien schauen weg während die Menschen im Iran um Freiheit kämpfen
Während Menschen im Iran ihr Leben riskieren, herrscht in vielen westlichen Redaktionen auffällige Stille. Wer Demokratie predigt, darf ihr Sterben nicht ignorieren.
Es gibt Momente, in denen Schweigen lauter spricht als jedes Wort. Der Iran erlebt seit Wochen neue Proteste gegen ein Regime, das seine Macht auf Angst, Gewalt und religiösem Zwang errichtet hat. Menschen gehen auf die Straße, obwohl sie wissen, dass Gefängnis, Folter oder Tod die Antwort des Staates sein können. Und doch bleibt ein großer Teil der westlichen Medien auffallend zurückhaltend.
Nicht, weil es keine Bilder gäbe. Nicht, weil es keine Stimmen gäbe. Sondern weil viele Redaktionen offenbar entschieden haben, dass diese Realität nicht in ihr gewohntes Narrativ passt.
Dabei ist der Kampf der Iranerinnen und Iraner nichts weniger als ein Kampf um Würde. Um das Recht, frei zu sprechen, frei zu leben, frei zu wählen. Werte, auf die sich westliche Demokratien gern berufen, solange sie keine Unannehmlichkeiten verursachen.
Gerade deshalb ist die mediale Zurückhaltung so verstörend.
Wer sich erinnert, weiß: Schon 2009, während der Grünen Bewegung, sah die Welt zu. Natan Scharansky sprach später von einem der größten moralischen Versäumnisse des Westens. Damals wie heute fehlte es nicht an Mut auf den Straßen Teherans, sondern an Rückgrat in den Nachrichtenzentralen Europas und Nordamerikas.
Heute wiederholt sich dieses Muster.
Proteste werden zu „wirtschaftlicher Unzufriedenheit“ umetikettiert, obwohl Menschen offen den Sturz der religiösen Führung fordern. Parolen gegen die Herrschaft der Mullahs verschwinden aus Berichten. Demonstranten werden anonymisiert, entpolitisiert, entmenschlicht.
Wenn überhaupt berichtet wird, dann mit Vorsichtshinweisen, Relativierungen und Zweifeln an der Glaubwürdigkeit der Opfer. Die gleiche journalistische Skepsis, die bei Angaben aus dem Gazastreifen über Jahre hinweg kaum existierte, wird plötzlich zur redaktionellen Pflicht, sobald es um ein islamistisches Regime geht.
Das ist kein Zufall.
Viele westliche Medien haben sich in ein System begeben, in dem Zugang wichtiger ist als Wahrheit. Wer in autoritären Staaten berichten will, braucht Visa, staatlich genehmigte Fixer und Wohlverhalten. Wer widerspricht, verliert seine Akkreditierung. Also bleibt man angepasst. Man berichtet, was gezeigt werden darf. Man übernimmt Begriffe, Deutungen und Schuldzuweisungen der Machthaber.
So wird aus Journalismus Verwaltung von Propaganda.
Iranische Staatsmedien sprechen von ausländischen Provokateuren, von Israel, von den USA. Und westliche Schlagzeilen greifen diese Erzählungen auf. Nicht als Zitat, nicht als Einordnung, sondern als Rahmen. Das ist kein Versagen aus Unwissenheit. Das ist strukturelle Bequemlichkeit.
Noch bedrückender ist der Kontrast zur moralischen Selbstgewissheit vieler dieser Medien. Dieselben Redaktionen, die sich als Hüter von Menschenrechten verstehen, wirken plötzlich erstaunlich nüchtern, wenn reale Menschen für genau diese Rechte sterben.
Die iranischen Demonstranten brauchen keine Heldenromantik. Sie brauchen Sichtbarkeit. Öffentlichkeit ist ihr einziger Schutz. Wenn Kameras wegsehen, kann das Regime ungestört töten.
Israel kennt dieses Muster nur zu gut. Auch dort werden demokratische Strukturen oft ignoriert, während autoritäre Akteure mit erstaunlicher Nachsicht betrachtet werden. Die westliche Presse hat sich daran gewöhnt, Demokratien strenger zu messen als Diktaturen. Freiheit wird hinterfragt, Tyrannei erklärt.
Doch wer Demokratie ernst nimmt, darf sie nicht nur verteidigen, wenn sie politisch bequem ist.
Der Iran ist kein Randthema. Er ist ein Prüfstein. Nicht für die Region, sondern für den Westen selbst. Für seine Glaubwürdigkeit. Für seine Werte. Für seinen Anspruch, mehr zu sein als ein Zuschauer moralischer Katastrophen.
Wenn dieses Regime eines Tages fällt, wird man sich an den Mut der Iraner erinnern. An Frauen, die ihre Schleier abwarfen. An Männer, die trotz Schüssen weiterliefen. An Familien, die ihre Kinder verloren und dennoch nicht schwiegen.
Man wird sich aber auch erinnern, wer geschwiegen hat.
Und wer wegsah, während Demokratie um ihr Überleben kämpfte.
Autor: Redaktion
Bild Quelle: By OrbitalVoid49 - Own work, CC0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=181554527
Samstag, 24 Januar 2026