Juden sind weniger als ein Prozent der Weltbevölkerung und werden trotzdem in fast 100 Ländern bedrängt.Juden sind weniger als ein Prozent der Weltbevölkerung und werden trotzdem in fast 100 Ländern bedrängt.
Juden stellen weniger als ein Prozent der Weltbevölkerung, doch laut Pew wurden sie 2023 in 98 Ländern bedrängt, bedroht oder angefeindet. Nach dem Hamas Massaker vom 7. Oktober wurde der Hass auf Juden weltweit sichtbarer, lauter und gefährlicher.

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Juden sind eine winzige Minderheit. Weltweit stellen sie weniger als ein Prozent der Bevölkerung. Doch wenn es um Hass, Bedrohung und religiös begründete Feindseligkeit geht, tauchen sie in der neuen Untersuchung des Pew Research Center in einer erschreckenden Häufigkeit auf. Nach den Daten für das Jahr 2023 wurden Juden in 98 Ländern belästigt, bedroht, angegriffen oder anderweitig ins Visier genommen. Im Jahr zuvor waren es 90 Länder. Die Zahl ist nicht nur Statistik. Sie ist ein Warnsignal.
Das Pew Research Center untersucht seit Jahren, wie stark Religionen weltweit durch Regierungen eingeschränkt und wie häufig religiöse Gruppen durch private Personen, Organisationen oder gesellschaftliche Gruppen angefeindet werden. Für 2023 zeigt die Studie eine deutliche Verschärfung. 55 von 198 untersuchten Ländern und Gebieten wiesen hohe oder sehr hohe soziale Feindseligkeiten mit religiösem Bezug auf. Ein Jahr zuvor waren es 45. Religiöse Gruppen wurden insgesamt in 192 Ländern in irgendeiner Form bedrängt. Damit ist religiös motivierte Feindseligkeit fast ein weltweites Grundrauschen geworden.
Doch bei Juden ist das Muster besonders auffällig. Andere große Religionsgemeinschaften werden wegen ihrer Größe und weltweiten Verbreitung in vielen Ländern erfasst. Juden dagegen sind zahlenmäßig klein und dennoch in fast jedem zweiten untersuchten Land betroffen. Nach Pew waren Juden 2023 in 69 Ländern staatlicher Belästigung ausgesetzt. In 92 Ländern ging die Feindseligkeit von privaten Personen, Gruppen oder Organisationen aus. Das ist besonders bemerkenswert, weil bei fast allen anderen untersuchten Religionsgruppen staatliche Repression häufiger gezählt wurde als gesellschaftliche Anfeindung. Bei Juden ist es umgekehrt. Der Hass kommt besonders oft von der Straße, aus Gruppen, aus Milieus, aus sozialen Netzwerken, aus gesellschaftlichen Räumen, in denen Juden wieder als Ziel markiert werden.
Pew zählt dabei nicht jede Kritik an IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen als religiös motivierte Belästigung von Juden. Die Forscher unterscheiden ausdrücklich zwischen politischer Kritik an Israel und feindseligen Aussagen oder Handlungen gegen Juden als religiöse Gruppe. Genau deshalb sind die Zahlen so schwer wegzuschieben. Sie lassen sich nicht mit dem bekannten Satz abräumen, man dürfe Israel doch wohl noch kritisieren. Hier geht es um etwas anderes. Es geht um Juden als Juden. Um Menschen, die bedroht werden, weil sie jüdisch sind. Um Synagogen, Friedhöfe, Reisende, Gemeinden, Schulen, sichtbare jüdische Kleidung und das alte Muster, aus politischen Krisen neue Vorwände für JudenhassAntisemitismus: Judenhass in alten und neuen FormenAntisemitismus bezeichnet Judenhass und Feindschaft gegen Juden. Er reicht von Vorurteilen und Verschwörungserzählungen bis zu Ausgrenzung, Bedrohung und Gewalt.Mehr lesen zu machen.
Der 7. Oktober 20237. Oktober 2023: Das Hamas-Massaker, das Israel veränderteDer 7. Oktober 2023 war der Tag des Hamas-Massakers in Israel. Terroristen aus Gaza ermordeten etwa 1.200 Menschen, vor allem Zivilisten, und verschleppten mehr als 240 Geiseln in den Gazastreifen.Mehr lesen spielt in der Untersuchung eine zentrale Rolle. Das Massaker der HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen in Israel, der Mord an Familien, Kindern, Jugendlichen, alten Menschen und die Verschleppung von Geiseln lösten nicht nur Entsetzen aus. In vielen Ländern folgte fast sofort eine Welle antisemitischer HetzeVolksverhetzung: Wenn Hass strafbar wirdVolksverhetzung ist eine Straftat nach § 130 StGB. Gemeint sind unter anderem Hassaufrufe, Gewaltforderungen oder menschenwürdeverletzende Hetze gegen nationale, religiöse, ethnische oder andere geschützte Gruppen.Mehr lesen. Statt Mitgefühl mit den jüdischen Opfern brach an vielen Orten ein alter Reflex hervor: Israel wurde zum Vorwand, Juden weltweit zur Projektionsfläche zu machen. Jüdische Gemeinden mussten erleben, dass nach dem größten Massenmord an Juden seit der ShoahShoah: Der nationalsozialistische Mord an sechs Millionen JudenShoah ist der hebräische Begriff für die Katastrophe der Vernichtung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland und seine Helfer. Rund sechs Millionen Juden wurden ermordet.Mehr lesen nicht zuerst Schutz, Anteilnahme und Klarheit kamen, sondern Parolen, Drohungen, Relativierungen und offene Feindseligkeit.
Pew nennt Beispiele, die zeigen, wie unterschiedlich dieser Hass auftreten kann. In Jordanien wurden jüdische Reisende an Grenzübergängen behindert, wenn ihre Kleidung ihre Religion sichtbar machte. In Tunesien wurde die historische Synagoge von El Hamma von Randalierern in Brand gesetzt. In europäischen Ländern nahmen Hassrede und Belästigungen nach dem 7. Oktober zu. Spanien und Norwegen verzeichneten laut Pew einen Anstieg ihrer Werte für soziale religiöse Feindseligkeit, zumindest teilweise wegen Übergriffen und Hass gegen Juden und Muslime nach dem Hamas Angriff.
Auch Israel selbst erscheint in der Pew Studie unter den Ländern mit sehr hohen sozialen Feindseligkeiten mit religiösem Bezug. Diese Einordnung darf nicht verdreht werden. Der Grund ist nicht, dass Israel jüdisches Leben gefährdet. Der Grund ist unter anderem, dass das Hamas Massaker auf israelischem Territorium in die Bewertung einfloss. Pew wertete den Angriff als terroristische Tat einer Organisation, deren Charta religiöse Ziele und Begründungen enthält. Wer diese Zahl benutzt, um Israel anzuklagen, verschweigt also den entscheidenden Hintergrund: Israel taucht auch deshalb hoch in der Liste auf, weil Israelis Opfer eines religiös aufgeladenen Terrorangriffs wurden.
Genau hier zeigt sich, wie wichtig saubere Einordnung ist. Antisemitismus tarnt sich heute oft als politische Erregung, als Menschenrechtsrhetorik oder als angebliche Empörung über Nahost. Doch seine Mechanik ist alt. Juden werden nicht als Einzelne gesehen, sondern als Kollektiv. Sie sollen sich rechtfertigen für Entscheidungen, die sie nicht getroffen haben. Sie werden verantwortlich gemacht für einen Staat, dessen Politik sie nicht bestimmen. Sie werden auf Straßen, an Universitäten, in Schulen und im Netz angegriffen, weil andere den jüdischen Staat hassen oder seine Existenz nicht ertragen.
Die Pew Zahlen zeigen damit nicht nur eine religiöse Entwicklung, sondern eine gesellschaftliche Krise. Wenn Juden in 98 Ländern Ziel von Belästigung werden, ist das kein Randproblem jüdischer Gemeinden. Es ist ein Test für die Staaten, in denen sie leben. Wer jüdische Bürger nicht schützt, schützt am Ende auch die offene Gesellschaft nicht. Denn Judenhass bleibt selten allein. Er vergiftet Sprache, Medien, Schulen, Nachbarschaften und politische Debatten. Er schafft Räume, in denen Gewalt irgendwann nicht mehr als Bruch erscheint, sondern als angebliche Antwort.
David Michaels von Bnai Brith International brachte es gegenüber JNS auf den Punkt: Juden seien nicht einfach nur eine weitere Zielgruppe. Die jüdische Gemeinschaft erlebe ein überproportionales Wachstum von Belästigung, Diskriminierung, Drohungen und Gewalt, online und im wirklichen Leben. Oft gehe die Feindseligkeit von privaten Personen aus, werde aber durch Regierungen geduldet oder begünstigt. Genau darin liegt die Gefahr. Antisemitismus braucht nicht immer staatliche Anordnung. Es reicht, wenn Staaten wegsehen, wenn Behörden verharmlosen, wenn Universitäten zögern, wenn Politiker Ausreden suchen und wenn Medien den Hass in weichere Begriffe verpacken.
Für Israel ist diese Entwicklung existenziell. Der jüdische Staat entstand nicht aus einer Laune der Geschichte, sondern aus der bitteren Erfahrung, dass jüdisches Leben ohne Schutzraum immer wieder zum Spielball anderer Mächte, Ideologien und Mehrheiten wurde. Wer heute auf die Pew Zahlen blickt, versteht, warum Israel für viele Juden nicht nur ein Land ist, sondern eine Lebensversicherung. Während jüdische Gemeinden in fast 100 Ländern angefeindet werden, wird Israel zugleich dafür angegriffen, dass es Juden schützt und sich gegen Feinde verteidigt, die seine Vernichtung offen oder verschleiert anstreben.
Die Zahlen des Pew Research Center sind deshalb mehr als ein Datensatz. Sie sind ein Weckruf. Judenhass ist nicht verschwunden. Er hat neue Kanäle, neue Schlagworte, neue Bündnisse und neue Vorwände gefunden. Nach dem 7. Oktober wurde sichtbar, wie schnell aus Anteilnahme Anklage wird, wie schnell jüdische Opfer aus dem Blick verschwinden und wie rasch alte Muster wieder greifen.
98 Länder. Weniger als ein Prozent der Weltbevölkerung. Und doch ein Hass, der fast überall auftaucht. Wer das liest und noch immer von Einzelfällen spricht, will das Problem nicht erkennen.
Autor: Redaktion
Mittwoch, 08 Juli 2026