Milei lässt israelische Ölfirma strafrechtlich verfolgen: Falkland Streit trifft plötzlich einen engen Israel VerbündetenMilei lässt israelische Ölfirma strafrechtlich verfolgen: Falkland Streit trifft plötzlich einen engen Israel Verbündeten
Argentinien geht gegen die israelische Navitas Petroleum vor. Gleichzeitig stellt sich Ben Gvir im Falkland Streit demonstrativ auf Mileis Seite gegen Großbritannien.

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Javier Milei gehört zu den entschiedensten Unterstützern Israels weltweit. Doch Freundschaft mit JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen bedeutet für Argentiniens Präsident offenbar nicht, dass israelische Unternehmen von seinem Kampf um die Falklandinseln ausgenommen werden. Seine Regierung hat angekündigt, strafrechtlich gegen mehrere Gesellschaften des israelischen Energiekonzerns Navitas Petroleum sowie gegen Verantwortliche des Projekts vorzugehen.
Das Büro des Präsidenten bestätigte den Schritt am Montag offiziell. Außenminister Pablo Quirno soll gemeinsam mit dem staatlichen Chefjuristen Sebastián Amerio Strafanzeige gegen Navitas Petroleum Development & Production Ltd., Navitas Petroleum Atlantic United, Navitas Petroleum LP sowie JHI Associates und Eco Atlantic Oil & Gas einreichen. Buenos Aires wirft mehreren der Unternehmen vor, über britische Lizenzen in der nördlichen Malvinas Region nach Öl und Gas zu suchen beziehungsweise deren Förderung vorzubereiten. Nach argentinischer Auffassung verstößt dies gegen das nationale Gesetz 26.659.
Der Fall trifft ein Projekt von gewaltiger wirtschaftlicher Bedeutung. Navitas hält 65 Prozent am Ölfeld Sea Lion und ist dessen Betreiber. Die britische Rockhopper Exploration besitzt die übrigen 35 Prozent. Navitas selbst gibt an, dass das Feld rund 220 Kilometer nördlich der Falklandinseln liegt. Die endgültige Investitionsentscheidung ist gefallen, der Produktionsbeginn ist für März 2028 vorgesehen.
Die argentinische Regierung bezeichnet das Projekt dagegen als Eingriff in Ressourcen, die nach ihrer Auffassung Argentinien gehören. In einer weiteren offiziellen Erklärung vom 4. September kündigte Mileis Regierung bereits Sanktionsverfahren gegen 45 Personen und Unternehmen an. Dabei sollen ausdrücklich nicht nur die unmittelbar beteiligten Firmen, sondern möglicherweise auch Anteilseigner und Dienstleister erfasst werden. Buenos Aires formulierte seine Position unmissverständlich: Die Falklandinseln, Südgeorgien und die Südlichen Sandwichinseln seien argentinisch und würden es bleiben.
Milliardenprojekt zwischen zwei völlig gegensätzlichen Rechtsauffassungen
Die Gegenseite sieht die Sache ebenso eindeutig.
Navitas und Rockhopper erklären, ihre Erdöllizenzen seien rechtmäßig von der Regierung der Falklandinseln erteilt worden. Die Unternehmen verweisen ausdrücklich auf die Unterstützung Großbritanniens und erklären, die argentinischen Schritte dürften weder die Entwicklung noch den Zeitplan von Sea Lion wesentlich beeinträchtigen.
Auch die Regierung der Falklandinseln hat das Entwicklungsprogramm genehmigt. Bereits im Dezember 2025 bestätigte sie offiziell, dass Navitas und Rockhopper ihre endgültige Investitionsentscheidung getroffen hätten und die notwendigen Genehmigungen für die ersten beiden Entwicklungsphasen vorlägen.
Damit prallen zwei Rechtswelten frontal aufeinander.
Argentinien betrachtet die britische Verwaltung der Inseln als illegitim und folglich auch die von dort erteilten Förderlizenzen. Großbritannien und die Regierung der Falklandinseln betrachten dagegen die Entscheidung der Inselbewohner selbst als maßgeblich.
Beim Referendum von 2013 stimmten 99,8 Prozent der Teilnehmer dafür, den Status als britisches Überseegebiet beizubehalten. Die Wahlbeteiligung lag bei 92 Prozent. London verweist bis heute auf dieses Ergebnis und erklärt, über die Souveränität könne ohne Zustimmung der Inselbewohner nicht verhandelt werden. Argentinien erkennt diese Abstimmung als Grundlage für eine Souveränitätsentscheidung nicht an.
Für Milei geht es inzwischen jedoch nicht mehr um historische Erklärungen. Sea Lion könnte zu einem wirtschaftlichen Wendepunkt für die Inseln werden. Reuters berichtet von geschätzten Ressourcen von rund 1,7 Milliarden Barrel Öl. Allein die erste Entwicklungsphase erfordert Investitionen in Milliardenhöhe. Buenos Aires sieht darin nicht nur ein wirtschaftliches Projekt, sondern die dauerhafte Nutzung von Rohstoffen in einem Gebiet, auf das Argentinien Anspruch erhebt.
Bemerkenswert ist dabei, wen Mileis Offensive trifft.
Navitas hat seinen Hauptsitz in Herzliya und wird in Tel Aviv gehandelt. Der Konzern gehört damit zu jenem Land, mit dem Milei seine wohl demonstrativste außenpolitische Freundschaft aufgebaut hat.
haOlam berichtete bereits ausführlich über Mileis außergewöhnlich enge Beziehung zu Israel, seine Besuche in Jerusalem und seine demonstrative Unterstützung für den jüdischen Staat.
Doch Buenos Aires trennt beide Themen. Reuters berichtet unter Berufung auf das argentinische Außenministerium, die Maßnahmen gegen Navitas sollten die Beziehungen zu IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen nicht beschädigen.
Das ist außenpolitisch ungewöhnlich, aber konsequent: Milei stellt seine Nähe zu Israel nicht über Argentiniens jahrzehntelangen Anspruch auf die Falklandinseln.
Ben Gvir gibt Milei ausgerechnet gegen London Rückendeckung
Noch ungewöhnlicher wird die Geschichte durch die israelische Reaktion.
Israels Minister für nationale Sicherheit, Itamar Ben Gvir, fordert Netanyahu auf, die Falklandinseln öffentlich als argentinisches Gebiet unter britischer Besetzung anzuerkennen. Großbritannien habe die Inseln dem argentinischen Volk gewaltsam genommen und nutze nun deren Rohstoffe, erklärte er.
Der Zeitpunkt ist kaum zufällig.
Großbritannien verschärft gerade seine Maßnahmen gegen Israel und will Waren aus israelischen Ortschaften in Judäa und SamariaJudäa und Samaria: Israels historisches Kernland im politischen StreitJudäa und Samaria bezeichnen historische Landschaften zwischen Jerusalem, dem Jordantal und den zentralen Höhenzügen des Landes Israel. In Israel ist der Begriff gebräuchlich. International wird das Gebiet oft anders bezeichnet und politisch als umstritten eingeordnet.Mehr lesen vom britischen Markt ausschließen. Finanzminister Bezalel Smotrich verlangte deshalb sogar die Ausweisung des britischen Botschafters. haOlam hat bereits ausführlich dokumentiert, wie weit sich London politisch von Israel entfernt hat.
Ben Gvir dreht Londons Argumentation nun demonstrativ um. Wenn Großbritannien wirtschaftliche Maßnahmen gegen Israel wegen eines umstrittenen Gebietes verhängt, solle Israel seiner Auffassung nach seinerseits Argentiniens Anspruch auf die Falklandinseln unterstützen und Sanktionen gegen Großbritannien verhängen.
Milei gefiel diese Wendung offenbar.
N12 berichtet, dass der argentinische Präsident einen Beitrag weiterverbreitete, in dem Ben Gvirs Forderung aufgegriffen und zugleich Argentiniens Freundschaft mit Israel hervorgehoben wurde. Am folgenden Morgen verbreitete Milei auch Smotrichs Forderung nach der Ausweisung des britischen Botschafters weiter.
Damit entsteht eine außenpolitisch geradezu bizarre Konstellation.
Argentinien verfolgt eine israelische Firma wegen eines britisch genehmigten Ölprojekts.
Ein israelischer Minister stellt sich trotzdem auf Argentiniens Seite.
Und der argentinische Präsident verbreitet dessen Angriff auf Großbritannien weiter.
Das zeigt vor allem, wie stark sich die Beziehungen zwischen Jerusalem und London inzwischen verändert haben. haOlam berichtete bereits über Sanktionen, Handelsbeschränkungen und den wachsenden politischen Konflikt zwischen beiden Regierungen.
Für Navitas dürfte diese politische Freundschaft allerdings wenig Trost bieten.
Das Unternehmen erklärt weiterhin, seine Lizenzen seien gültig und das Milliardenprojekt werde planmäßig weitergeführt. Mileis Regierung erklärt gleichzeitig, genau diese Tätigkeit verstoße gegen argentinisches Recht und müsse strafrechtlich verfolgt werden.
Ein enger Verbündeter Israels geht damit gegen ein israelisches Unternehmen vor, während israelische Minister denselben Verbündeten in seinem Konflikt mit Großbritannien unterstützen.
Außenpolitik wird selten übersichtlicher als an diesem Beispiel.
Aber sehr viel interessanter.
Autor: Redaktion
Dienstag, 08 September 2026