Öffentlich gegen Israel, hinter verschlossenen Türen wächst der RespektÖffentlich gegen Israel, hinter verschlossenen Türen wächst der Respekt
Israels UN-Botschafter Danny Danon beschreibt einen bemerkenswerten Wandel: Die automatischen Mehrheiten gegen Israel bestehen weiter. Doch nach den Schlägen gegen Iran und die Hisbollah wächst hinter verschlossenen Türen der Respekt vor israelischer Stärke, selbst bei Staaten, die Jerusalem öffentlich kritisieren.

Bildnachweis: U.S. Department of the Interior /
QuelleBei den Vereinten Nationen ist IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen noch lange nicht vom Angeklagten zum Liebling geworden. Resolutionen, öffentliche Verurteilungen und eingespielte Mehrheiten gegen den jüdischen Staat sind nicht verschwunden. Doch hinter den Türen der Botschaften in New York hat sich nach Darstellung des israelischen UN-Botschafters Danny Danon etwas verändert. Als er 2024 für seine zweite Amtszeit nach New York zurückkehrte, habe ihn das Ausmaß von Feindseligkeit, Hass und Isolation nach dem HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen-Massaker vom 7. Oktober7. Oktober 2023: Das Hamas-Massaker, das Israel veränderteDer 7. Oktober 2023 war der Tag des Hamas-Massakers in Israel. Terroristen aus Gaza ermordeten etwa 1.200 Menschen, vor allem Zivilisten, und verschleppten mehr als 240 Geiseln in den Gazastreifen.Mehr lesen regelrecht schockiert. Heute sei die Situation besser. Nicht unbedingt dort, wo Kameras laufen und abgestimmt wird, sondern dort, wo Diplomaten über militärische Fähigkeiten, Geheimdienste, Handel und gemeinsame Interessen sprechen.
Der Auslöser dafür ist ausgerechnet etwas, das Israel international massive Kritik eingebracht hat: seine militärischen Erfolge gegen die HisbollahHisbollah: Irans Terrorarmee im LibanonDie Hisbollah ist eine schiitisch islamistische Organisation im Libanon. Sie wurde in den frühen 1980er Jahren mit Unterstützung des Iran aufgebaut, verfügt über eine politische und militärische Struktur und wird von den USA, Israel und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen und Iran. Militärattachés und Diplomaten hätten genau beobachtet, wie Israel gegen die iranische Terrorachse vorging. Danon nennt unter anderem die Pager-Operation gegen die Hisbollah sowie Israels Fähigkeit, tief im iranischen Luftraum zu operieren und schnell Luftüberlegenheit herzustellen. Selbst Vertreter muslimischer Staaten, die Israel öffentlich kritisierten, hätten hinter verschlossenen Türen Anerkennung für diese Fähigkeiten gezeigt. „Wir haben einen hohen Preis bezahlt und zahlen ihn noch immer“, sagte Danon mit Blick auf internationale Kritik, Proteste und AntisemitismusAntisemitismus: Judenhass in alten und neuen FormenAntisemitismus bezeichnet Judenhass und Feindschaft gegen Juden. Er reicht von Vorurteilen und Verschwörungserzählungen bis zu Ausgrenzung, Bedrohung und Gewalt.Mehr lesen. Zugleich habe Israel den Respekt vieler Staaten zurückgewonnen.
Respekt ist dabei nicht mit Sympathie zu verwechseln. Danon behauptet weder, dass die automatischen Mehrheiten in UN-Gremien verschwunden seien, noch dass aus früheren Gegnern plötzlich Freunde geworden seien. Doch ein Staat, dessen militärische Fähigkeiten ernst genommen werden und dessen Technologie, Geheimdienstwissen und Verteidigungssysteme gefragt sind, lässt sich schwerer vollständig isolieren. Genau darin liegt einer der auffälligsten Widersprüche internationaler Israel-Politik: Regierungen können JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen öffentlich verurteilen und gleichzeitig mit israelischen Stellen über Nachrichtendienstinformationen, Cyberabwehr oder Verteidigungstechnologie sprechen. Danon zufolge entstehen aus diesem stillen Respekt bereits Geheimdienstkooperation, Handel und wachsendes Interesse an israelischer Militärtechnologie.
Alte Gegner, neue Partner
Besonders sichtbar wird die Verschiebung derzeit in Lateinamerika. Noch vor zwei Jahren zählte Danon Venezuela und Kolumbien zu den deutlich israelfeindlichen Kräften der Region. Inzwischen beschreibt er Venezuela sogar als Verbündeten Israels. Zu Kolumbien erwartet Jerusalem nach dem Regierungswechsel ebenfalls eine deutliche Veränderung. Für Danon zeigt sich daran, wie schnell vermeintlich festgefahrene Fronten bei den Vereinten Nationen kippen können, wenn Regierungen wechseln und nationale Interessen neu bewertet werden.
Auch die Beziehungen zu den Staaten der Abraham-AbkommenAbraham-Abkommen: Israels Durchbruch in der arabischen WeltDie Abraham-Abkommen sind Normalisierungsvereinbarungen zwischen Israel und mehreren arabischen beziehungsweise muslimisch geprägten Staaten. Sie begannen 2020 mit den Vereinigten Arabischen Emiraten und Bahrain.Mehr lesen hätten sich als belastbarer erwiesen, als viele nach dem 7. Oktober erwartet hatten. Mit den Vereinigten Arabischen Emiraten und Bahrain habe es während des Krieges eine Zusammenarbeit gegeben, die vor den Abkommen kaum vorstellbar gewesen wäre. Auch zu Marokko unterhalte Israel bei den UN weiterhin gute Kontakte. Andere westliche Staaten bewegen sich dagegen aus israelischer Sicht in die entgegengesetzte Richtung. Danon nennt Großbritannien ausdrücklich als Beispiel. Kanada und Australien bezeichnet er ebenfalls als problematisch. Der internationale Block gegen Israel wird damit nicht einfach kleiner, er verändert seine Zusammensetzung.
Besonders deutlich hat sich Israels Haltung gegenüber UNIFIL verändert. Noch 2024 wollte Danon die UN-Mission im Libanon nicht grundsätzlich abschaffen. Jerusalem verlangte vor allem, dass sie endlich ihren Auftrag erfüllt und verhindert, dass sich die Hisbollah im Süden des Landes bewaffnet und militärische Infrastruktur aufbaut. Diese Position ist Geschichte. Danon sagt heute klar: UNIFIL muss gehen. Israel lehne auch den Versuch ab, die Mission lediglich unter anderem Namen durch eine neue internationale Truppe zu ersetzen. Stattdessen bevorzuge Jerusalem direkte Koordination mit der libanesischen Armee.
haOlam berichtete bereits im Juli, dass eine Nachfolgelösung für Israel nur dann sinnvoll sein kann, wenn sie tatsächlich verhindert, dass die Hisbollah erneut bewaffnete Stellungen unmittelbar an Israels Grenze errichtet.
Danons Abrechnung mit Guterres
Noch härter fällt Danons Urteil über UN-Generalsekretär António Guterres aus. Auf die Frage nach einem möglichen Nachfolger sagte er, praktisch jeder sei besser als Guterres. Dessen Amtsführung bezeichnete er als beschämend. Besonders wirft er ihm vor, Israel nach dem 7. Oktober nicht besucht und weder die verwüsteten Grenzgemeinden noch die Angehörigen der Geiseln aufgesucht zu haben. Israel unterstützt bislang keinen Kandidaten offiziell, prüft aber nach Danons Angaben genau, wer stark genug wäre, Reformen durchzusetzen und die aus israelischer Sicht obsessive Beschäftigung der Organisation mit dem jüdischen Staat zu beenden.
haOlam berichtete Ende August, dass Guterres selbst Probleme mit mehreren UN-Sonderberichterstattern eingeräumt hatte. Danon stellte damals die Frage, wie diese Entwicklung unter der Verantwortung des Generalsekretärs überhaupt so weit kommen konnte.
Trotz seiner scharfen Kritik hält Danon nichts von einem israelischen Rückzug aus den Vereinten Nationen. Wer den Raum verlässt, überlässt ihn seinen Gegnern. Israel müsse deshalb auch dort präsent bleiben, wo es regelmäßig überstimmt werde, Verbündete unterstützen, Koalitionen aufbauen und Anschuldigungen beantworten. „Wenn wir nicht im Raum sind und unsere Verbündeten nicht im Raum sind, ist es viel einfacher, uns zu isolieren“, sagte Danon.
Diese Strategie wird während der kommenden UN-Generalversammlung besonders sichtbar. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu soll für einen ungewöhnlich kurzen Aufenthalt nach New York reisen und vor der Generalversammlung sprechen. Danon rechnet gleichzeitig mit größeren antiisraelischen Protesten. Damit entsteht ein Bild, das Israels derzeitige Stellung bei den Vereinten Nationen treffend beschreibt: Auf der Straße wird gegen Israel demonstriert, im Saal stimmen Regierungen gegen Jerusalem, während hinter geschlossenen Türen Vertreter derselben internationalen Gemeinschaft nach israelischer Technologie, israelischen Geheimdienstinformationen und danach fragen, wie Israel Hisbollah und Iran militärisch zurückdrängen konnte.
Die UN ist für Israel damit noch lange keine freundliche Umgebung. Aber sie könnte wieder ein Ort geworden sein, an dem Israels Gegner öffentlich laut bleiben, während hinter den Kulissen der Respekt vor israelischer Stärke wächst.
Autor: Redaktion
Freitag, 11 September 2026