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Hisbollah rekrutiert Kriminelle für Anschläge auf Juden

Hisbollah rekrutiert Kriminelle für Anschläge auf Juden


Eine neue Untersuchung aus Brasilien enthüllt, wie die vom Iran unterstützte Terrororganisation gewöhnliche Kriminelle anwirbt, im Libanon ausbildet und auf jüdische Einrichtungen ansetzt. Ein Gerichtsurteil zeigt, weshalb dieses Vorgehen auch die internationale Terrorbekämpfung vor neue Herausforderungen stellt.

Hisbollah rekrutiert Kriminelle für Anschläge auf Juden
Bildnachweis: Symbolbild / KI

Die HisbollahHisbollah: Irans Terrorarmee im LibanonDie Hisbollah ist eine schiitisch islamistische Organisation im Libanon. Sie wurde in den frühen 1980er Jahren mit Unterstützung des Iran aufgebaut, verfügt über eine politische und militärische Struktur und wird von den USA, Israel und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen baut ihre internationalen Terrornetzwerke mit einer Methode aus, die Sicherheitsbehörden vor erhebliche Probleme stellt. Statt ausschließlich auf ideologisch überzeugte Mitglieder zurückzugreifen, rekrutiert die vom Iran unterstützte Terrororganisation in Lateinamerika zunehmend vorbestrafte Männer, die Geld benötigen oder sich vom Staat ungerecht behandelt fühlen. Die angeworbenen Personen werden teilweise in den Libanon gebracht, dort ausgebildet und anschließend in ihre Heimatländer zurückgeschickt. Zu ihren Aufgaben gehört nach brasilianischen Ermittlungen die Auskundschaftung jüdischer und israelischer Einrichtungen.

Wie weit dieses System bereits entwickelt ist, zeigt eine neue Analyse des brasilianischen Bundesstaatsanwalts Lucas Gualtieri, die am 14. Oktober 2026 vom Washington Institute for Near East Policy veröffentlicht wurde. Gualtieri arbeitet seit 2013 für die brasilianische Bundesstaatsanwaltschaft, ist auf organisierte Kriminalität spezialisiert und war selbst an den Ermittlungen gegen das Netzwerk beteiligt.

Seine Erkenntnisse beruhen damit nicht allein auf geheimdienstlichen Einschätzungen oder Informationen aus zweiter Hand. Sie stützen sich auf Ermittlungsakten, abgefangene Kommunikation, Finanztransaktionen und die Ergebnisse eines brasilianischen Strafverfahrens.

Besonders beunruhigend ist die Auswahl der Zielpersonen. Die Hisbollah benötigt nach den Erkenntnissen der Ermittler offenbar keine überzeugten Islamisten, um Anschläge gegen Juden vorzubereiten. Es genügt, wenn Menschen bereit sind, für Geld an terroristischen Operationen mitzuwirken.

Damit wird antisemitischer Terror zu einer Dienstleistung, die von gewöhnlichen Kriminellen übernommen werden kann. Die Organisation liefert das Ziel und die notwendigen Kontakte, während die eigentliche Vorbereitung durch Personen erfolgt, die zunächst keinen erkennbaren ideologischen Bezug zur Hisbollah besitzen.

Der Fall zeigt zugleich, wie gefährlich es wäre, Anschlagsplanungen gegen jüdische Einrichtungen ausschließlich als Ausdruck lokaler Radikalisierung zu betrachten. Hinter einem vermeintlich isolierten Täter kann ein internationales Netzwerk stehen, das von einer Terrororganisation im Libanon gesteuert oder unterstützt wird.

Synagogen ausgekundschaftet, Terroristen im Libanon ausgebildet

Im Mittelpunkt der Untersuchung steht die brasilianische Operation Trapiche, die im November 2023 zu mehreren Festnahmen führte. Die Bundespolizei arbeitete dabei mit amerikanischen und israelischen Stellen zusammen. Ein entscheidender Hinweis kam vom FBI, das brasilianische Ermittler bereits Anfang November vor mutmaßlichen Anschlagsplanungen gegen jüdische Einrichtungen gewarnt hatte.

Die anschließenden Ermittlungen führten zu einem Netzwerk, das nach Erkenntnissen der Strafverfolgungsbehörden Personen für die Hisbollah anwarb und deren Reisen in den Libanon organisierte.

Eine zentrale Rolle spielte Lucas Passos Lima. Der Brasilianer wurde im November 2023 festgenommen, nachdem er aus dem Libanon zurückgekehrt war. Nach Darstellung der Ermittler hatte er zuvor unter anderem drei Synagogen, einen jüdischen Friedhof, die israelische Botschaft und einen Rabbiner im Großraum Brasília ausgekundschaftet.

Die Ermittlungen ergaben außerdem, dass Lima den Umgang mit Schusswaffen trainiert, Kommunikationsmittel beschafft und mögliche Fluchtwege untersucht hatte. Die Hinweise auf eine gezielte Vorbereitung gingen damit weit über gewöhnliche Beobachtungen öffentlicher Einrichtungen hinaus.

Besonders aufschlussreich waren seine Reisen nach Beirut. Lima wurde nach den Ermittlungen zweimal im Jahr 2023 in den Libanon gebracht. Seine Flugtickets und weitere Reisekosten wurden über Personen finanziert, die Verbindungen zu einem mutmaßlichen Hisbollah-Netzwerk unterhielten.

Nach seiner Rückkehr führte er mehr als 5.000 US-Dollar Bargeld mit sich. Die Herkunft dieses Geldes konnte nicht abschließend geklärt werden. Die Ermittler werteten jedoch die Verbindung zwischen den Reisen, den finanziellen Leistungen und seinen anschließenden Aktivitäten in Brasilien als wesentlichen Bestandteil der Beweislage.

Am 15. September 2026 traf Brasiliens Oberster Gerichtshof für einfachgesetzliche Fragen, der Superior Tribunal de Justiça, eine wichtige Entscheidung. Er stellte die zuvor aufgehobene Verurteilung Limas wegen terroristischer Vorbereitungshandlungen wieder her.

Eine Vorinstanz hatte argumentiert, dass Lima vor allem aus finanziellen Gründen gehandelt habe und nicht aus einer eigenen terroristischen Überzeugung. Deshalb könne seine Beteiligung nicht entsprechend bewertet werden.

Das höhere Gericht widersprach dieser Begründung. Wer wissentlich und freiwillig an einem terroristischen Vorhaben mitwirkt, kann sich nicht allein deshalb seiner Verantwortung entziehen, weil ihn Geld statt ideologischer Überzeugung motiviert.

Diese Entscheidung ist für die internationale Terrorbekämpfung von erheblicher Bedeutung. Denn gerade auf die Trennung zwischen Auftraggeber und ausführendem Täter setzt die Hisbollah nach Einschätzung des brasilianischen Staatsanwalts zunehmend.

Die Organisation muss ihre Mitglieder nicht mehr selbst nach Südamerika entsenden. Sie kann Menschen vor Ort rekrutieren, die mit der Region vertraut sind, über lokale Kontakte verfügen und bei Sicherheitsbehörden zunächst nicht als Anhänger einer ausländischen Terrororganisation auffallen.

Kommt es zu einem Anschlag, kann die Hisbollah ihre Beteiligung abstreiten. Die Tat erscheint möglicherweise als gewöhnliches antisemitisches Gewaltverbrechen oder als Angriff eines einzelnen Extremisten.

Genau diese Möglichkeit bezeichnet Gualtieri als einen zentralen Vorteil des neuen Vorgehens. Die Terrororganisation schafft operative Fähigkeiten außerhalb des Libanon, ohne dass ihre unmittelbare Beteiligung für Ermittler und Öffentlichkeit von Anfang an sichtbar sein muss.

Abgehörte Gespräche geben Einblick in die Auswahl der Rekruten. Gesucht wurden unter anderem Männer mit Vorstrafen, finanziellen Schwierigkeiten und ausgeprägter Feindseligkeit gegenüber den Justizbehörden. Personen, die bereits im Gefängnis gesessen hatten und sich ungerecht behandelt fühlten, galten offenbar als besonders geeignete Kandidaten.

Die Hisbollah nutzt damit vorhandene kriminelle Milieus, statt ihre gesamte Infrastruktur selbst aufbauen zu müssen. Ihre Helfer benötigen weder eine familiäre Herkunft aus dem Libanon noch eine religiöse Bindung an die schiitisch-islamistische Ideologie der Organisation.

Ein solcher Täter kann seine Aufgabe ausführen, ohne das politische Weltbild seiner Auftraggeber vollständig zu teilen. Entscheidend ist seine Bereitschaft, wissentlich an einem terroristischen Vorhaben mitzuwirken.

Darin liegt auch die Bedeutung des brasilianischen Gerichtsurteils. Die Beteiligung an Terroranschlägen verliert nicht dadurch ihren Charakter, dass ein Täter für seine Mitwirkung bezahlt wird.

Die Finanzierung läuft über Geschäfte und Kryptowährungen

Die Ermittlungen begannen ursprünglich nicht mit einer Untersuchung internationaler Terrornetzwerke. Bereits 2022 waren brasilianische Steuerbehörden auf ein Tabakgeschäft im Mercado Central der Stadt Belo Horizonte aufmerksam geworden. Dort wurden unter anderem verbotene elektronische Zigaretten verkauft.

Bei der Untersuchung der geschäftlichen Strukturen stellten die Behörden fest, dass mehrere Geschäfte offenbar über Strohmänner und Familienangehörige betrieben wurden.

Als formeller Eigentümer eines Geschäfts trat Hussain Abdulmajid auf. Die tatsächliche Kontrolle soll nach den Ermittlungen jedoch sein Bruder Mohamad Khir Abdulmajid ausgeübt haben, ein in Syrien geborener und später eingebürgerter Brasilianer.

Die Ermittler fanden Hinweise darauf, dass über dieses geschäftliche Umfeld Reisen mutmaßlicher Rekruten finanziert wurden. Mindestens fünf Brasilianer sollen angesprochen und für Aufenthalte im Libanon bezahlt worden sein.

Die Reisen waren nach Darstellung der Ermittler als gewöhnliche touristische Aufenthalte getarnt. Die Männer übernachteten teilweise in gehobenen Hotels und sollten Fotografien touristischer Sehenswürdigkeiten anfertigen, um bei möglichen Nachfragen eine unverfängliche Erklärung für ihre Aufenthalte vorweisen zu können.

Tatsächlich sollen sie während dieser Reisen in verdeckter Kommunikation und weiteren operativen Fähigkeiten unterwiesen worden sein.

Dazu gehörten Methoden, bei denen Nachrichten nicht unmittelbar verschickt, sondern in gemeinsam genutzten E-Mail-Postfächern als Entwürfe gespeichert wurden. Außerdem wurden Erkennungszeichen und weitere Verfahren vermittelt, die eine möglichst unauffällige Kommunikation ermöglichen sollten.

Die eigentliche Bedeutung liegt jedoch nicht in einzelnen technischen Methoden. Entscheidend ist, dass die Terrororganisation vorhandene kriminelle Netzwerke für mehrere Zwecke zugleich verwenden konnte: zur Finanzierung, zur Rekrutierung und zur Vorbereitung möglicher Anschläge.

Noch deutlicher wird die Verbindung zum iranischen Terrornetzwerk durch einen weiteren brasilianischen Ermittlungsfall.

Im Rahmen der Operation Colossus geriet der Kryptowährungshändler Dante Felipini aus São Paulo ins Visier der Behörden. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm unter anderem Geldwäsche, Devisenverstöße, TerrorfinanzierungPay for Slay: Wie Terror gegen Israelis weiter belohnt wird„Pay for Slay“ ist ein kritischer Begriff für palästinensische Zahlungen an in Israel inhaftierte Täter, freigelassene Gefangene und Familien getöteter Angreifer. Kritiker sehen darin eine Belohnung für Terror gegen Israelis.Mehr lesen und die Beteiligung an einer terroristischen Organisation vor.

Nach den von Gualtieri ausgewerteten Ermittlungen bewegte Felipinis Netzwerk Geld über Briefkastenfirmen und Kryptowährungen. Insgesamt wurden 658.269 US-Dollar an drei digitale Geldbörsen transferiert, die von IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen mit der Finanzierung der Hisbollah und der Quds-EinheitQuds-Einheit: Irans geheime Kommandozentrale gegen IsraelDie Quds-Einheit ist die für Auslandseinsätze zuständige Eliteeinheit der Islamischen Revolutionsgarden des Iran. Sie unterstützt Terrororganisationen und Milizen in der Region, darunter Hisbollah, Hamas, Islamischer Dschihad, Huthi und schiitische Milizen.Mehr lesen der iranischen RevolutionsgardenIslamische Revolutionsgarden: Machtzentrum des iranischen RegimesDie Islamischen Revolutionsgarden sind eine mächtige militärische, politische und wirtschaftliche Organisation der Islamischen Republik Iran. Sie wurden nach der Revolution von 1979 gegründet, unterstehen dem Obersten Führer und steuern über die Quds-Einheit Irans regionales Terrornetzwerk.Mehr lesen in Verbindung gebracht worden waren.

Die Quds-Einheit ist für internationale Operationen der iranischen Revolutionsgarden zuständig und spielt eine zentrale Rolle bei der Unterstützung bewaffneter Gruppen außerhalb Irans. Die Hisbollah ist einer ihrer wichtigsten Partner.

Bemerkenswert ist, dass die betreffenden Finanztransaktionen nach Gualtieris Darstellung keine entsprechenden Warnmeldungen des brasilianischen Systems zur Bekämpfung der Terrorfinanzierung auslösten.

Gerade darin sieht der Staatsanwalt eine erhebliche Sicherheitslücke. Finanzstrukturen können offenbar über längere Zeit für Geschäfte genutzt werden, ohne dass ihre möglichen Verbindungen zu terroristischen Organisationen rechtzeitig erkannt werden.

Felipini soll zudem im Januar 2023 in den Libanon gereist sein und dort in der Region Baalbek gemeinsam mit Hisbollah-Mitgliedern Schießübungen durchgeführt haben. Gegenüber einem Kontakt bezeichnete er die Reise später als seine Taufe innerhalb der Organisation.

Die unterschiedlichen Ermittlungsverfahren zeigen, wie sich organisierte Kriminalität und terroristische Netzwerke überschneiden können. Geschäftsleute, Geldwäscher, ehemalige Strafgefangene und internationale Terrororganisationen verfolgen nicht zwangsläufig dieselben politischen Ziele. Dennoch können sie zusammenarbeiten, wenn alle Beteiligten einen persönlichen oder wirtschaftlichen Vorteil erwarten.

Für die Hisbollah entsteht dadurch ein gefährlicher Vorteil. Sie kann auf bestehende illegale Finanzstrukturen zurückgreifen, ohne alle Geldflüsse selbst organisieren zu müssen. Gleichzeitig erschwert die Beteiligung verschiedener Personen und Unternehmen den Nachweis, welche Geldmittel letztlich für terroristische Aktivitäten verwendet werden.

Das bedeutet allerdings nicht, dass sämtliche genannten Beschuldigten bereits rechtskräftig wegen aller ihnen vorgeworfenen Straftaten verurteilt wurden. Während im Fall Lucas Passos Lima eine wichtige gerichtliche Entscheidung vorliegt, müssen die weiteren strafrechtlichen Vorwürfe gegen andere Beteiligte jeweils anhand des entsprechenden Verfahrensstandes beurteilt werden.

Der Terror gegen Juden endet nicht an Israels Grenzen

Die Vorgänge in Brasilien besitzen eine historische Dimension, die weit über die aktuellen Ermittlungen hinausgeht.

Lateinamerika ist seit Jahrzehnten ein Operationsgebiet iranischer und mit der Hisbollah verbundener Netzwerke. Besonders Argentinien wurde bereits in den 1990er-Jahren zum Schauplatz verheerender Anschläge gegen jüdische und israelische Einrichtungen.

1992 wurde die israelische Botschaft in Buenos Aires durch einen Bombenanschlag zerstört. 29 Menschen kamen ums Leben. Zwei Jahre später traf ein weiterer Anschlag das jüdische Gemeindezentrum AMIA in der argentinischen Hauptstadt. Dabei wurden 85 Menschen ermordet und Hunderte verletzt.

Argentinische Ermittler und Gerichte brachten diese Anschläge mit iranischen Funktionären und der Hisbollah in Verbindung. Das argentinische Kassationsgericht erklärte 2024, dass die Anschläge im Rahmen einer von Iran unterstützten terroristischen Strategie begangen worden seien.

Diese Vorgeschichte ist wichtig, weil sie zeigt, dass jüdische Einrichtungen außerhalb Israels seit Langem zum Zielspektrum der Hisbollah gehören.

Es geht nicht ausschließlich um israelische Soldaten oder militärische Einrichtungen. Synagogen, Gemeindezentren, Diplomaten und jüdische Zivilisten geraten ins Visier eines Terrornetzwerks, dessen Ursprung im Nahen Osten liegt, dessen Aktivitäten aber weit darüber hinausreichen.

Die brasilianischen Ermittlungen zeigen, wie sich die dafür eingesetzten Methoden verändert haben. Während früher häufig bestehende Auslandsnetzwerke und ideologisch eng verbundene Mitglieder im Mittelpunkt standen, beschreibt Gualtieri nun eine stärkere Nutzung bezahlter lokaler Helfer.

Für die Sicherheitsbehörden entsteht daraus eine zusätzliche Herausforderung. Ein Mann, der in Brasilien wegen gewöhnlicher Straftaten bekannt ist, kann plötzlich Teil einer internationalen terroristischen Operation werden, ohne zuvor als religiöser Extremist aufgefallen zu sein.

Das Risiko besteht nicht nur in Südamerika. Der Staatsanwalt berichtet von Hinweisen, wonach einzelne Rekruten darüber informiert wurden, dass die Terrororganisation langfristig auch Strukturen in Europa und Australien aufbauen wolle.

Ob diese Pläne tatsächlich in der beschriebenen Form umgesetzt wurden, ist damit noch nicht bewiesen. Die Aussagen zeigen jedoch, dass die Ermittler die brasilianischen Aktivitäten nicht als isoliertes regionales Phänomen betrachten.

haOlam.de hat erst Anfang Oktober über die zunehmenden internationalen Maßnahmen gegen iranische Terrornetzwerke berichtet. Dabei wurde insbesondere deutlich, dass mehrere lateinamerikanische Staaten ihre Haltung gegenüber der Hisbollah verschärfen und finanzielle oder organisatorische Unterstützungsstrukturen stärker bekämpfen.

Die neuen Erkenntnisse aus Brasilien unterstreichen die Bedeutung dieser Entwicklung. Terrororganisationen lassen sich nicht allein durch militärische Maßnahmen im Nahen Osten bekämpfen. Ihre Finanzierung, Rekrutierung und verdeckten Operationen müssen auch in jenen Ländern verfolgt werden, in denen sie ihre internationalen Strukturen aufbauen.

Bemerkenswert ist zudem die Rolle Israels bei der Aufdeckung der Netzwerke. Die Operation Trapiche wurde von brasilianischen Behörden geführt, doch Informationen amerikanischer und israelischer Stellen waren für die Ermittlungen wesentlich.

Das FBI lieferte Hinweise auf mögliche terroristische Verbindungen. Israelische Erkenntnisse halfen bei der Zuordnung bestimmter Kryptowährungsadressen zu Strukturen der Hisbollah und der iranischen Revolutionsgarden.

Damit zeigt der Fall auch, weshalb internationale Sicherheitszusammenarbeit mit Israel für andere Staaten von unmittelbarem Nutzen sein kann. Die Bedrohung richtet sich nicht nur gegen israelisches Staatsgebiet. Sie betrifft jüdische GemeindenGlobale Intifada: Die Parole, die Gewalt gegen Israel exportiert„Globale Intifada“ oder „Globalize the Intifada“ ist eine antiisraelische Parole, die den Kampf gegen Israel weltweit ausweiten soll. Aktuelle Kampagnen nutzen Karten, Zielorte und Lieferkettenlisten gegen Firmen, Häfen und Schiffe.Mehr lesen und andere mögliche Ziele in Staaten, die geografisch weit vom Nahen Osten entfernt liegen.

Eine weitere Schwachstelle sieht Gualtieri in der unterschiedlichen rechtlichen Behandlung der Hisbollah innerhalb Lateinamerikas. Nicht alle Staaten haben die Organisation in ihrer Gesamtheit als terroristisch eingestuft. Nach seiner Untersuchung verfügten im Oktober 2025 lediglich fünf lateinamerikanische Staaten über entsprechende nationale Einstufungen.

Brasilien selbst hat trotz der aufgedeckten Netzwerke bislang keine entsprechende nationale Terrorlistung der Hisbollah vorgenommen. Dies schließt Strafverfahren wegen terroristischer Straftaten nicht aus, kann nach Einschätzung des Staatsanwalts jedoch die frühzeitige Erkennung und Unterbindung finanzieller Unterstützungsstrukturen erschweren.

Das brasilianische Gerichtsurteil vom 15. September 2026 markiert deshalb einen wichtigen rechtlichen Schritt. Es stellt klar, dass persönliche Bereicherung und terroristische Beteiligung einander nicht ausschließen.

Wer für Geld bewusst Synagogen auskundschaftet, Anschläge vorbereitet oder terroristische Netzwerke unterstützt, kann sich nicht darauf berufen, selbst keinen ideologischen Hass gegen Juden zu empfinden.

Für die Betroffenen wäre eine solche Unterscheidung ohnehin bedeutungslos. Ein Anschlag auf eine Synagoge wird nicht weniger terroristisch, weil sein Ausführender zuvor bezahlt wurde. Die Gefahr für die Menschen im Gebäude bleibt dieselbe.

Die Erkenntnisse aus Brasilien werfen deshalb auch eine grundsätzliche Frage zum internationalen AntisemitismusAntisemitismus: Judenhass in alten und neuen FormenAntisemitismus bezeichnet Judenhass und Feindschaft gegen Juden. Er reicht von Vorurteilen und Verschwörungserzählungen bis zu Ausgrenzung, Bedrohung und Gewalt.Mehr lesen auf. Nicht jede Gewalttat gegen Juden wird von einem Täter begangen, der selbst tief in einer antisemitischen Ideologie verwurzelt ist. Manchmal genügen Geld, kriminelle Kontakte und die Bereitschaft, für eine Terrororganisation zu arbeiten.

Das macht die Bedrohung nicht weniger politisch. Es zeigt vielmehr, wie professionelle Terrornetzwerke vorhandene gesellschaftliche und kriminelle Strukturen für ihre eigenen Zwecke ausnutzen können.

Für Israel bestätigt der Fall die internationale Dimension der iranischen Bedrohung. Teherans Einfluss beschränkt sich nicht auf die Hisbollah-Stellungen im Libanon oder die militärischen Auseinandersetzungen im Nahen Osten. Über Finanzstrukturen, Tarnunternehmen und angeworbene Helfer können mit Iran verbundene Organisationen auch weit entfernte Staaten erreichen.

Für Brasilien und andere lateinamerikanische Länder geht es zugleich um die eigene nationale Sicherheit. Wer zulässt, dass ausländische Terrororganisationen lokale Kriminelle anwerben und Anschläge gegen Einrichtungen auf dem eigenen Staatsgebiet vorbereiten, gefährdet nicht nur jüdische oder israelische Bürger, sondern die staatliche Kontrolle über die öffentliche Sicherheit insgesamt.

Die Operation Trapiche zeigt, dass solche Netzwerke aufgedeckt und ihre Beteiligten strafrechtlich verfolgt werden können. Sie zeigt aber auch, wie früh gewöhnliche Finanzermittlungen in den Bereich internationaler Terrorbekämpfung führen können.

Die entscheidende Erkenntnis ist deshalb nicht allein, dass die Hisbollah in Brasilien aktiv war. Neu und besonders gefährlich ist das dokumentierte Geschäftsmodell: Terroristische Fähigkeiten werden ausgelagert, lokale Kriminelle angeworben und finanzielle Strukturen genutzt, die zunächst nichts mit einer islamistischen Organisation zu tun zu haben scheinen.

Am Ende können jüdische Einrichtungen zum Ziel von Personen werden, die ihre Auftraggeber kaum kennen und deren Ideologie nicht einmal teilen müssen.

Genau darin liegt die Gefahr dieser Strategie. Die Hisbollah benötigt keinen überzeugten Terroristen mehr an jedem Einsatzort. Sie benötigt Menschen, die bereit sind, gegen Bezahlung die Arbeit einer Terrororganisation zu übernehmen.




Autor: Redaktion
Freitag, 23 Oktober 2026

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