Selbst Halloween-Süßigkeiten geraten ins Visier von Israels GegnernSelbst Halloween-Süßigkeiten geraten ins Visier von Israels Gegnern
Snickers, KitKat, M&M’s und andere beliebte Süßigkeiten sollen wegen wirtschaftlicher Verbindungen ihrer Hersteller zu Israel boykottiert werden. Das mit der Terrororganisation PFLP verbundene Netzwerk Samidoun verbreitet die Kampagne. Dahinter steht eine weit größere Auseinandersetzung um Israels wirtschaftliche und gesellschaftliche Isolation.

Bildnachweis: Symbolbild / KI
Nicht einmal die Süßigkeiten zu Halloween bleiben von antiisraelischen Boykottkampagnen verschont. Das international aktive Netzwerk Samidoun, das in Deutschland verboten ist und von Kanada als terroristische Organisation eingestuft wird, wirbt nach einem Bericht des Middle East Media Research Institute (MEMRI) für den Boykott zahlreicher bekannter Süßwarenmarken. Betroffen sind unter anderem Produkte großer internationaler Hersteller wie Mars, Nestlé, Mondelez und PepsiCo. Der Vorwurf der Aktivisten: Die Unternehmen unterhalten Geschäftsbeziehungen zu IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen, investieren dort oder unterstützen israelische Einrichtungen.
Unter dem englischen Motto, Halloween-Süßigkeiten dürften keine Tricks im Zusammenhang mit einem angeblichen Völkermord sein, wird dazu aufgerufen, bestimmte Produkte nicht zu kaufen oder zu verschenken. Die Kampagne greift damit eine Tradition auf, die für Millionen Kinder und Familien vor allem mit Verkleidungen, Kürbissen und Süßigkeiten verbunden ist.
Bemerkenswert ist weniger der einzelne Boykottaufruf als dessen Verbreitung durch Samidoun. Das Netzwerk tritt nach außen als Unterstützer palästinensischer Gefangener auf. Amerikanische und kanadische Sicherheitsbehörden betrachten es jedoch als Unterstützungs- und Finanzierungsstruktur der Volksfront zur Befreiung PalästinasPFLP: Marxistische Terrororganisation gegen IsraelDie PFLP ist eine 1967 gegründete marxistisch leninistische palästinensische Organisation. Sie lehnt Israel ab, setzt auf bewaffneten Kampf und wird von den USA und der EU als Terrororganisation geführt.Mehr lesen (PFLPPFLP: Marxistische Terrororganisation gegen IsraelDie PFLP ist eine 1967 gegründete marxistisch leninistische palästinensische Organisation. Sie lehnt Israel ab, setzt auf bewaffneten Kampf und wird von den USA und der EU als Terrororganisation geführt.Mehr lesen), einer marxistisch geprägten palästinensischen Terrororganisation.
Die Vereinigten Staaten verhängten am 15. Oktober 2024 entsprechende Sanktionen gegen Samidoun und einen seiner führenden Vertreter, Khaled Barakat. Das amerikanische Finanzministerium erklärte damals, Samidoun diene als internationale Finanzierungsorganisation der PFLP. Kanada nahm die Vereinigung gleichzeitig in seine Terrorliste auf.
Die Halloween-Kampagne ist damit nicht einfach nur eine weitere Verbraucherinitiative. Sie wird auch von einem Netzwerk verbreitet, dessen Verbindungen zu einer terroristischen Organisation Gegenstand offizieller staatlicher Maßnahmen sind.
Warum jetzt selbst Schokoriegel zum politischen Ziel werden
Die eigentliche Liste stammt aus dem Umfeld der kanadischen BDS-BewegungBDS: Boykottkampagne gegen IsraelBDS ist eine gegen Israel gerichtete Boykottkampagne. Der Deutsche Bundestag verurteilte die Bewegung 2019 als antisemitisch.Mehr lesen. Bereits am 30. Oktober 2025 veröffentlichte die Canadian BDS Coalition eine ausführliche Übersicht über Süßigkeiten, Geschäfte und Lebensmittelhersteller, die nach ihrer Auffassung wegen wirtschaftlicher Beziehungen zu Israel gemieden werden sollten.
Darunter befinden sich zahlreiche international bekannte Produkte. Bei Mars werden etwa Snickers, Twix, M&M’s, Skittles und Milky Way genannt. Nestlé steht unter anderem wegen seiner Beteiligung am israelischen Lebensmittelunternehmen Osem im Mittelpunkt der Kritik. Auch KitKat, Smarties und weitere Süßwaren des Konzerns erscheinen auf der Boykottliste.
Mondelez wird wegen Investitionen in israelische Unternehmen kritisiert. Bei PepsiCo verweisen die Aktivisten unter anderem auf die Übernahme des israelischen Unternehmens SodaStream.
Die genannten Geschäftsbeziehungen sind nicht mit einer Beteiligung an militärischen Operationen gleichzusetzen. Eine Investition in israelische Lebensmitteltechnologie oder der Vertrieb von Produkten auf dem israelischen Markt beweist weder Unterstützung für bestimmte Entscheidungen der israelischen Regierung noch eine Beteiligung an Kriegsverbrechen.
Die Boykottkampagne behandelt solche wirtschaftlichen Beziehungen jedoch als ausreichenden Anlass, Unternehmen öffentlich anzuprangern und zum Kaufverzicht aufzurufen.
Ein wirtschaftlicher Boykott ist als politische Ausdrucksform grundsätzlich etwas anderes als terroristische Gewalt. Verbraucher dürfen selbst entscheiden, welche Produkte sie kaufen und welche Unternehmen sie aus politischen Gründen meiden. Problematisch wird die Kampagne dort, wo gewöhnliche wirtschaftliche Beziehungen zu Israel pauschal als Unterstützung schwerster Verbrechen dargestellt werden.
Gerade diese Gleichsetzung ist ein zentrales Element der vorliegenden Boykottaufrufe. Nicht konkrete Produkteigenschaften oder nachgewiesenes rechtswidriges Verhalten einzelner Unternehmen stehen im Vordergrund, sondern ihre Verbindung zum jüdischen Staat.
Samidouns Beteiligung an der Verbreitung der Kampagne verleiht ihr eine zusätzliche politische Dimension.
Ein Netzwerk mit dokumentierten Verbindungen zur PFLP
Samidoun ist in Deutschland bereits seit November 2023 verboten. Die Bundesregierung begründete das Betätigungsverbot unter anderem mit der Unterstützung terroristischer Organisationen und der Verherrlichung des HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen-Massakers vom 7. Oktober 20237. Oktober 2023: Das Hamas-Massaker, das Israel veränderteDer 7. Oktober 2023 war der Tag des Hamas-Massakers in Israel. Terroristen aus Gaza ermordeten etwa 1.200 Menschen, vor allem Zivilisten, und verschleppten mehr als 240 Geiseln in den Gazastreifen.Mehr lesen.
Nach den Terrorangriffen auf Israel hatte Samidoun in Berlin eine Veranstaltung organisiert, bei der die Gewalt gefeiert wurde. Die Bilder von verteilten Süßigkeiten im Zusammenhang mit dem Massaker sorgten damals bundesweit für Empörung.
Dieser Vorgang verleiht der aktuellen Halloween-Kampagne eine besonders beklemmende historische Parallele. Während Samidoun nach dem 7. Oktober 2023 mit einer Süßigkeitenaktion im Zusammenhang mit der Feier terroristischer Gewalt auffiel, verbreitet das Netzwerk nun Aufrufe, ausgerechnet Süßigkeiten mit wirtschaftlichen Verbindungen zu Israel zu boykottieren.
Aus beiden Vorgängen lässt sich keine identische Absicht ableiten. Sie zeigen jedoch, wie alltägliche Konsumgüter für die politische Kommunikation des Netzwerks eingesetzt werden.
Die deutschen Behörden gehen seit dem Verbot auch gegen die Internetpräsenz der Organisation vor. Im Januar 2026 ordnete die Kommission für Jugendmedienschutz die Sperrung von samidoun.net an. Die zuständige Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen begründete dies damit, dass über die Seite antisemitische PropagandaDesinformation: Gezielte Täuschung der ÖffentlichkeitDesinformation bezeichnet bewusst verbreitete falsche oder irreführende Informationen. Ziel ist häufig, Menschen zu täuschen, Vertrauen zu zerstören, Konflikte zu verschärfen oder politische Entscheidungen zu beeinflussen.Mehr lesen verbreitet, zu Gewalt aufgerufen und Israels ExistenzrechtExistenzrecht Israels: Das Recht des jüdischen Staates auf SicherheitDas Existenzrecht Israels bezeichnet das Recht des jüdischen Staates, als souveräner Staat sicher und anerkannt zu bestehen. Wer Israel dieses Recht abspricht, kritisiert nicht nur eine Regierung, sondern stellt jüdische Selbstbestimmung grundsätzlich infrage.Mehr lesen infrage gestellt werde.
Im Juli berichtete die ARD darüber, dass die technischen Sperren erst nach erheblicher Verzögerung schrittweise wirksam wurden.
Auch andere Staaten sind gegen führende Vertreter des Netzwerks vorgegangen. haOlam.de berichtete bereits im August 2025 darüber, dass die belgischen Behörden dem europäischen Samidoun-Funktionär Mohammed Khatib seinen Flüchtlingsstatus entzogen hatten.
Die Vereinigten Staaten gingen im September 2026 außerdem gegen Masar Badil vor. Das amerikanische Finanzministerium bezeichnete die Organisation als eng mit Samidoun verbundenes Netzwerk und verwies auf gemeinsame Führungspersonen, Mitglieder und Finanzierungsstrukturen.
Besonders aufschlussreich ist die offene politische Kommunikation Samidouns. Noch am 16. Oktober 2026 veröffentlichte das Netzwerk einen Beitrag, in dem der frühere Hamas-Anführer Yahya Sinwar ausdrücklich gewürdigt wurde. Sinwar gehörte zu den maßgeblichen Verantwortlichen des Terrorangriffs vom 7. Oktober 2023.
Die Verbindung zwischen der Unterstützung terroristischer Akteure und öffentlichkeitswirksamen Boykottkampagnen ist deshalb nicht bloß eine Behauptung politischer Gegner. Sie lässt sich anhand amtlicher Einstufungen und eigener Veröffentlichungen des Netzwerks nachvollziehen.
Das bedeutet allerdings nicht, dass die Canadian BDS Coalition selbst mit Samidoun gleichgesetzt werden darf. Der veröffentlichte Halloween-Boykott stammt aus ihrem Umfeld. Die Weiterverbreitung durch ein sanktioniertes Netzwerk begründet nicht automatisch eine organisatorische Verbindung zwischen allen beteiligten Aktivisten.
Israels Isolation soll im Alltag beginnen
Die politische Bedeutung der Kampagne liegt in der Ausweitung antiisraelischer Mobilisierung auf immer neue gesellschaftliche Bereiche.
Wer Israel wirtschaftlich isolieren möchte, beschränkt sich längst nicht mehr auf den Handel mit militärischer Ausrüstung oder Unternehmen, die unmittelbar in umstrittenen Gebieten tätig sind. Auch internationale Lebensmittelkonzerne, Sportveranstaltungen, kulturelle Einrichtungen und gewöhnliche Verbraucherprodukte geraten ins Visier.
Die kanadische Boykottbewegung unterhält inzwischen umfangreiche Listen von Unternehmen, deren Produkte gemieden werden sollen. Schon 2024 stellte sie eine Datenbank mit Tausenden Einträgen vor. Dabei reicht die Bandbreite der Vorwürfe von unmittelbaren Geschäftsbeziehungen zu israelischen Unternehmen bis zu Spenden und öffentlicher Solidarität mit Israel.
Die Halloween-Kampagne macht diese Strategie besonders anschaulich. Selbst der Kauf einer Packung Schokoriegel soll zu einer politischen Entscheidung über Israel werden.
Daran zeigt sich eine grundsätzliche Verschiebung. Die Aktivisten wollen nicht lediglich bestimmte Entscheidungen einer Regierung kritisieren, sondern wirtschaftliche Beziehungen zum israelischen Staat insgesamt unter Druck setzen.
Ein solcher Boykott ist nicht allein aufgrund seines Ziels antisemitischAntisemitismus: Judenhass in alten und neuen FormenAntisemitismus bezeichnet Judenhass und Feindschaft gegen Juden. Er reicht von Vorurteilen und Verschwörungserzählungen bis zu Ausgrenzung, Bedrohung und Gewalt.Mehr lesen. Entscheidend sind die jeweiligen Begründungen, verwendeten Feindbilder und konkreten Handlungen. Wenn jedoch bereits die Unterstützung israelischer Opfer des Terrorangriffs vom 7. Oktober als Grund für wirtschaftliche Ächtung herangezogen wird, wirft das erhebliche Fragen nach dem zugrunde liegenden politischen Maßstab auf.
Für Samidoun kommt hinzu, dass das Netzwerk selbst keineswegs nur eine kritische Haltung gegenüber einzelnen israelischen Regierungsentscheidungen vertritt. Seine dokumentierte Unterstützung terroristischer Akteure und die staatlich festgestellten Beziehungen zur PFLP geben seinen Boykottaufrufen einen deutlich anderen Hintergrund als gewöhnlichen Verbraucherprotesten.
Die aktuelle Kampagne ist deshalb vor allem ein weiteres Beispiel dafür, wie antiisraelische Netzwerke versuchen, politische Mobilisierung dauerhaft in den Alltag westlicher Gesellschaften zu tragen.
Halloween ist in diesem Zusammenhang lediglich der nächste Anlass.
Die Frage, welche wirtschaftlichen Beziehungen Unternehmen zu Israel unterhalten und welche Konsequenzen Verbraucher daraus ziehen möchten, kann öffentlich diskutiert werden. Dabei müssen aber die Vorwürfe gegen einzelne Hersteller ebenso sorgfältig überprüft werden wie die Herkunft der Kampagnen.
Gerade wenn ein wegen Terrorunterstützung sanktioniertes Netzwerk solche Aufrufe verbreitet, sollte deutlich bleiben, wer hinter den Botschaften steht und welche politischen Ziele damit verfolgt werden.
Dass ausgerechnet Schokolade und Halloween-Süßigkeiten zum Gegenstand dieser Auseinandersetzung werden, mag zunächst skurril erscheinen. Hinter dem ungewöhnlichen Thema steht jedoch eine ernsthafte politische Strategie: Israel soll nicht nur diplomatisch oder militärisch unter Druck geraten, sondern auch durch die systematische Ablehnung gewöhnlicher wirtschaftlicher Beziehungen international isoliert werden.
Autor: Redaktion
Montag, 02 November 2026