2005: Viele Italiener marschierten gegen Ahmadinedschad

2005: Viele Italiener marschierten gegen Ahmadinedschad




Dr. Manfred Gerstenfeld interviewt Giuliano Ferrara (direkt vom Autor)

Am 26. Oktober 2005 rief Mahmud Ahmadinedschad, der Präsident des Iran, auf der Konferenz „Eine Welt ohne Zionismus“ in Teheran zum Völkermord zur Beseitigung Israels auf. Andere Redner waren die Terroristenführer Hassan Nasrallah von der Hisbollah und Khaled Meschaal von der Hamas.

Ahmadinedschads mörderische Äußerung veranlasste viele Verurteilungen, unter anderem durch den UNO-Sicherheitsrat und die Europäische Union. Eine der stärksten Reaktionen gab es in Rom, wo am 3. November ein Fackelmarsch nahe der iranischen Botschaft abgehalten wurde.

Giuliano Ferrara, ein ehemaliger Kommunist, ist der Herausgeber der konservativen Tageszeitung Il Foglio, die er 1996 gründete. Er initiierte diesen Marsch, der in der Welt einzigartig war.

Ferrara erinnert sich: Es war ein Gefühl der politischen, kulturellen und Bürgerpflicht einen Protest gegen Ahmadinedschads Aufruf zum Völkermord zu organisieren. Ich wollte, dass diese Demonstration ein einfaches Ziel verfolgte: zu verkünden, dass wir Israels Existenzrecht hoch halten und ein Staatsoberhaupt ablehnen, das dieses bestreitet. Geschätzte 15.000 bis 20.000 Menschen nahmen an der Demonstration teil, darunter Roberto Calderoni aus dem italienischen Kabinett, der sagte, er repräsentiere sowohl die Regierung als auch seine Partei Lega Nord.

Die Demonstration war ein großer politischer Erfolg: Sie ging über eine Zusammenkunft von vielen Menschen hinaus, die entschlossen waren ihre Prinzipien zu bekräftigen. Unter denen, die auf der Demonstration mit marschierten oder sie unterstützten, befand sich fast das gesamte politische Spektrum Italiens, von Mitte Rechts bis Mitte Links. Die kommunistische Partei Rifondazione war die einzige im Parlament vertretene, die nicht teilnahm. Wie andere Kräfte der extremen Linken hat sie das Vorurteil den nationalen Kampf der Palästinenser zu unterstützen und ihre Ideologie tendiert zum Antizionismus.

Wir hatten Erfolg damit die Demonstration eine Woche nach Ahmadinedschads ersten antisemitischen und antizionistischen Aussagen abzuhalten. Unsere Unterstützung ging weit über die politischen Parteien hinaus. Der Corriere della Sera, Italiens größte Tageszeitung, sprach sich mit vielen anderen Zeitungen für die Demonstration aus. Repubblica, die zweitgrößte Tageszeitung, berichtete wohlwollend von der Kundgebung, die das Maximale dessen war, das man von ihr erwarten durfte. Die kommunistische Il Manifesto sprach zwar gegen die Demonstration, aber einige ihrer Journalisten marschierten trotzdem mit. Zahlreiche Verbände sprachen sich ebenfalls unterstützend aus; genauso machten es verschiedene andere Körperschaften der italienischen Zivilgesellschaft, aus dem katholischen und weiteren Sektoren. Viele Intellektuelle und Personen des öffentlichen Interesses gaben ebenfalls Ihrer Befürwortung Ausdruck.

Wichtig ist zusätzlich, dass dies die erste große Demonstration von Europäern bei der Botschaft eines muslimischen Landes war. Wir marschierten so nahe heran, wie es uns durch die Behörden gestattet wurde. Ich nannte das einen „gemischten Fackelmarsch“, weil Menschen und Gruppen mit sehr unterschiedlichen Ansichten vertreten waren. Doch sie zeigten Einheit darin das Existenzrecht Israels hochzuhalten.

Die starke zugrundeliegende Botschaft des Marsches gegen Ahmadinedschad bestand darin, dass Israel seine Existenz mit seinen eigenen Kräften verteidigt hatte. Selbst die italienische Linke ist von dem Land enorm fasziniert, was nach all den Jahren unbestreitbar ist.

Die Demonstration für Israel war nur möglich, weil es bei zwei früheren Gelegenheiten ähnliche Initiativen gegeben hatte. Das erste Mal organisierten wir am 10. November 2001 eine öffentliche Demonstration, weniger als zwei Monate nach den Angriffen der Anhänger bin Ladens. Wir entschieden eine Demonstration namens „USA-Tag“ zu organisieren, um nach dem 9/11 Solidarität mit den Vereinigten Staaten zu zeigen. Italiens damals frisch gewählter Premierminister Silvio Berlusconi sprach auf Roms Piazza del Popolo. Der ehemalige US-Präsident Bill Clinton schickte eine Botschaft, die er auf CNN sprach.

Am 15. April 2002 organisierten wir eine zweite, noch wichtigere Demonstration namens „Israeltag“. Ein Jahr vor dem Angriff auf die Twin Towers hatten die Palästinenser die zweite Intifada mit ihren mörderischen Selbstmord-Bombenanschlägen begonnen. Die israelische Regierung reagierte mit der Niederschlagung des Terrorismus in der Westbank und dem Gazastreifen.

In diesen Tagen war es nicht leicht eine Pro-Israel-Demonstration zu organisieren, doch wir fanden, dass wir das tun mussten. Diese Veranstaltung war wieder ein großer Erfolg und gewann die Unterstützung von Persönlichkeiten sowohl der Rechten wie der Linken. Der Premierminister der späteren, linken italienischen Regierung, Romano Prodi – damals Präsident der Europäischen Kommission – gab seinem Mitgefühl Ausdruck. Zu den Unterstützern der Rechten zählte der stellvertretende Premierminister Gianfranco Fini, Chef der Partei Alleanza Nazionale.

Am Israeltag wurden massiv israelische Flaggen gezeigt. Die Menschen versammelten sich auf dem Platz des Kapitols und gingen die Stufen hinab. Es war eine riesige, wunderschöne Prozession. Wir marschierten zu den Synagogen am Tiber, wo die Teilnehmer kleine Steine ablegten. Es gab eine kurze Rede. Ich muss betonen, dass all diese Demonstrationen mit wenig Geld von einer kleinen Zeitung organisiert worden waren.

Der Erfolg dieser beiden ersten Demonstrationen halfen mir bei dem Entschluss, dass eine ähnliche gegen Ahmadinedschads antiisraelische und antisemitische Kampagne notwendig war. Wir mussten unserer Empörung gegenüber dem iranischen Präsidenten und seines politischen Wahns intelligent Ausdruck geben. Neben den israelischen Flaggen gab es auch italienische und iranische. Eine Gruppe Exil-Iraner nahm ebenfalls an dem Protest teil. Eine ihrer Parolen war: „Zendebab Israel“ – wir wünschen Israel, dass es lebt.

 

Dr. Manfred Gerstenfeld ist Mitglied des Aufsichtsrats des Jerusalem Center of Public Affairs, dessen Vorsitzender er 12 Jahre lang war. - Erstveröffentlicht bei unserem Partnerblog Heplev

 

Lesen Sie hierzu auch:

haOlam.de - Interaktiv und zum mitgestalten

haOlam.de - die `Gefällt mir´-Seite bei Facebook - immer ich Echtzeit informiert werden, wenn neue Artikel und Meldungen bei haOlam.de online erscheinen

haOlam.de - Dein Magazin - die Facebook-Gruppe zum diskutieren der Artikel und zum vorschlagen von Themen und Artikeln für haOlam.de - und zum diskutieren rund um haOlam.de und die Themengebiete des Magazins.


Autor: fischerde
Bild Quelle:


Donnerstag, 13 Februar 2014