Vorsicht, Satire! Stell dir vor es ist Völkermord, und keinen kratzt es irgendwie…

Vorsicht, Satire!

Stell dir vor es ist Völkermord, und keinen kratzt es irgendwie…




von Dr. Nathan Warszawski

Den ermittelnden Behörden bot sich ein Bild des Schreckens. Der feige, heimtückische Anschlag übertraf alles, was man im ´Kampf gegen den Terror´ bislang schon gewohnt war. Die radikal-christlichen Luther-Milizen, deren militante, bis an die Zähne bewaffnete Ableger vor allem im nördlichen, hauptsächlich von Muslimen bewohnten Gebiet immer wieder für Angst und Schrecken sorgten, hatten erneut gnadenlos zugeschlagen. Ein Kommando ´Strafgericht des Herren´ setzte nach Mitternacht ein Internat der ´Freunde des Islam´ in Brand; wohl wissend, das sich die Schüler im Bettenlager des Internats befanden und bereits schliefen. Viele von ihnen brannten bis auf die letzten Aschereste ab. Nur wenige Kinder konnten sich vor den Flammen ins Freie flüchten. Den meisten schnitt man die Kehlen durch. Eine Handvoll Halbwüchsiger wurden von den Milizen verschleppt, um mit ihrer Hilfe Lösegeld einfordern zu können.

Die Luther-Milizen werden dem weltweit agierenden Netzwerk der ´Pugna Sacra´ zugerechnet. Die Angehörigen dieser Sekte lehnen den Koran-Unterricht als orientalisch-degeneriert ab und fordern einen Bildungskanon, der sich strikt auf das Auswendiglernen der Bibel beschränkt. Obschon dies nicht ihr erster Anschlag auf ein muslimisches Kinderheim war, überbot er an Grausamkeit und Heimtücke alle vorangegangenen. Die westlichen Vertreter der ´Weltkirche aller Christen´ äußerten derweil ihr Bedauern über den ´Vorfall´. Einige beteuerten, dass dieser Anschlag nichts mit dem ´wahren Christentum´ zu tun habe und verwahrten sich gegen jede Form der ´Christophobie´. In den Staaten des Halbmondes wurden indes im Zuge friedlicher Schweigemärsche Lichterketten entzündet. Die Initiatoren forderten einen Dialog der Kulturen und mahnten ihre Gläubigen zu mehr Toleranz. Auf spontanen Kundgebungen forderten geistliche Würdenträger sämtlicher muslimischer Konfessionen ein Ende der Gewalt. Das Forum ´Frieden für die Welt – Umma für alle´ betonte die Gleichheit sämtlicher Glaubensbekenntnisse auf der Welt. Die Menschenrechte seien universell und unveräußerlich. -

Genug. Wer Buni Yadi für einen neuen Ethno Trend hält und das Wörtchen Yobe mit einer asiatischen Yoga-Variante assoziiert, wer hier also auf Anhieb keinen konkreten, harten Bezug herstellen kann, der darf sich schämen oder die Klappe halten; eines von beiden oder keines von beiden. Jetzt ist es sowieso egal. Babi Yar? Maidanek? Ground Zero? Klar, kennen wir. Muss man kennen. Orte des Schreckens. Und des stillen Gedenkens. Den Flecken Buni Yadi im nordöstlichen Bundesstaat Yobe kannte und kennt keine Sau. So wird´s auch bleiben. Das sich dort in der Nacht auf den 25 Februar eine unfassliche, jedes Vorstellungsvermögen sprengende Monstrosität ereignet hat (und auch gar nicht die erste dieser Art war), ist am selben Tage immerhin ganz kurz (an vierter, fünfter Stelle) in den Nachrichten erwähnt worden, von ein paar harmlosen Bildern begleitet, wirklich nur ein paar Sekunden lang. Und fertig. Mehr war nicht; musste nicht. Die neusten Visagen im ukrainischen Parlament waren viel wichtiger, eine Oligarchie löste dort gerade die letzte ab, das wollten die Leute sehen – das ´zog´. Gleich hintendran der Fall Edathy, von dem die bundesdeutsche Öffentlichkeit gar nicht genug kriegen kann, und einen Tag später redete man hierzulande nur noch über den Freispruch des Herrn Wulff, der jetzt wieder ganz entspannt lächeln kann. Diesen einen Tag später schwiegen sich sämtliche Medien bereits restlos aus über das Kolossalverbrechen einer muslimischen Sekte namens Boko Haram, die seit Jahren durch feigen, heimtückischen Meuchelmord ihrer Agenda Nachdruck verleiht und in Buni Yadi kein Problem damit hatte, an die 50 Schulkinder auf unfassbar grausame Art und Weise zu massakrieren. Dumm nur, das die Medien-Hype so ganz und gar ausblieb. Von der feigen Tat hat man der Öffentlichkeit eben nur flüchtige Fetzen feilgeboten. Und die rissen keinen vom Hocker oder aus dem Schlaf. Ob das die Henker von der Muslim-Front zusätzlich erzürnt hat? Wenn sich die Boko´s anstrengen, dann klappt´s vielleicht beim nächsten Mal, nur sollte dann der Einsatz ungleich höher ausfallen: so, das die Tat an Niedrigkeit kaum noch überboten werden kann. Es müssten dann schon einige hundert Opfer mehr sein, am besten, indem man irgendein Krankenhaus ´ausräuchert´, mit schwangeren Frauen und neugeborenen Kindern, dann kommt der müde Westen endlich mal in Gang, dann zieht´s vielleicht.

Dieses Mal zog´s überhaupt nicht. Der dekadente Mitteleuropäer zog nicht mal ein Gesicht. Zog einfach nicht mit. Seine hochalimentierten Würdenträger zogen weder Bilanz noch irgendwelche Konsequenzen, wie sie´s im Falle der Ukraine seit Tagen tun, sie zogen keine Botschafter ein, die üblichen Protestnoten blieben aus und unsere routinierten Betroffenheitsrhetoriker schwiegen um die Wette. Da wurde kein ´Tag des Volkszorns´ ausgerufen, da fand auch keine Straßenrandale mit abgefackelten Halbmond-Flaggen statt: der dritte Weltkrieg, den sich das feige Mörder-Pack mit jedem Anschlag inbrünstig herbeisehnt, wollte nicht in Gang kommen. Ob´s die Ober-Rechtgläubigen mal mit ein paar harmlosen ´Jesus-Karikaturen´ probieren sollten? Geschenkt. Keiner, aber auch wirklich kein einziger, dem das bei uns als Vorwand je ausreichte. Womöglich hassen sie uns dafür noch am meisten: das wir so grenzenlos gleichgültig und selbstgefällig geworden sind und aus Feigheit nur mehr mit den Leitwölfen heulen. Der Auschwitz-Massenmörder Josef Klehr beteuerte in einem Interview, kurz vor seinem Tod, das ihn eine Sache ein Leben lang fast verrückt gemacht hätte: die ließen sich einfach so von ihm tot spritzen, ohne einen Pieps, ohne jede Regung – keiner muckte: zu Tausenden schritten sie so vor ihren Henker, den Sanitöter Klehr. Boko Haram meint uns, jeden einzelnen von uns – aber keinen kratzt´s. Schon irre, das. -

Nochmals: wer reagierte überhaupt auf das Verbrechen vom 25. Februar? Von den politisch oder sakral exponierten Vertretern der islamischen Staatenwelt ließ sich natürlich kein einziger auch nur irgendwie vernehmen, die haben schon genug mit sich selbst zu tun, das muss man sicher verstehen. Wie stand´s mit unseren ´Ethno-Freaks´ und ´Eine-Welt´ Aktivisten? Und mit den Gralshütern der global gültigen, unverhandelbaren Humanitas, den Aufpassern von Amnesty oder der Gesellschaft für bedrohte Völker? Um nur die zu nennen. Wo blieb deren Vereinsüblicher, immer pünktlich und vernehmlich entäußerter Aufschrei aus Empörung? Ich hörte sie neulich noch sehr deutlich blöken, als der Staat Israel das letzte Mal auf Gaza zurück schoss, weil von dort aus wieder im Vierteltakt Raketen Richtung ´zionistisches Gebilde´ abgefeuert wurden. Auch der sonst so redselige, irre Prinzipienfeste Papst, unser seliger Franz, hielt still, desgleichen die Kirchen der andern christlichen Konfessionen; überhaupt keiner derer, die als ´Stimmen des Gewissens´ unverbindlich ihren Chor anstimmen, horchte auf. Auch nicht der Pfarrer Gauck, der Deutschen redseliges, frommes Staatsoberhaupt, meldete sich zu Wort. Ob der die Sache überhaupt mitgekriegt hat? Schon komisch für einen, der ganz selbstverständlich auf Veranstaltungen einer diskret vernetzten Waffenlobby für ´mehr Engagement in Afrika´ warb und wirbt. Er und alle andern aber schwiegen an diesem Tag. Einem Tag der Schande. Für den sich keiner je schämen wird. Das ist das Schlimmste an dieser insgesamt so schlimmen, fürchterlichen Begebenheit. Eine Schule in Nordosten Nigerias besitzt eben nicht denselben Stellenwert wie ihr Pendant in Erfurt oder Columbine. Letzter korrespondierender Gedanke: wie wäre wohl die Reaktion ausgefallen, wenn ein Mob glatzköpfiger Idioten ein hauptsächlich von dunkelhäutigen, ethnischen Afrikanern bewohntes Asylbewerberheim angegriffen und in Brand gesetzt hätte?

Ich hatte gewisse Bedenken, mich zu diesem ´Vorfall´, der mit den Worten ´grauenhaft´ oder ´entsetzlich´ nur unzureichend bezeichnet ist, überhaupt zu äußern. Aber ist das Schweigen aus Betroffenheit, die das unfasslich scheinende Geschehen unserem moralischen Empfinden schon aus purem Anstand abfordert, zu verwechseln mit der eisigen Totenstille derer, die ihrer Entrüstung ansonsten mit der üblichen Portion Heuchelei Ausdruck verleihen, je nach Maßgabe eines ´aussortierenden´ Medienkartells, dessen Integrität voll hinter den Interessen seiner Auftraggeber zurück steht? Ich meine: nein. – -

Ich gedenke der Kinder und Jugendlichen, die in besagter Nacht auf so grausame Weise vom Leben in den Tod befördert wurden. Ihr einziges Verbrechen bestand darin, zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein. Sühnen kann man eine solche Tat nicht. Kein Recht der Welt vermag das.

RIP.

Shanto Trdic

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Numeri 24 : 9 - Foto: von DALIBRI (Eigenes Werk) [CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

 

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Autor: fischerde
Bild Quelle:


Sonntag, 02 Mrz 2014






"Einige beteuerten, dass dieser Anschlag nichts mit dem ´wahren Christentum´ zu tun habe..." und natürlich ein Einzelfall war, inszeniert von reifeverzögerten Hitzköpfen.;-) Man kann diese ganze Scheisse nur noch mit Sarkasmus ertragen. tschuldi für die Wortwahl. is aber so..



Die Gewichtung von Anteilnahme

wird hier deutlich

wirtschaftlichem Interesse

unterordnet. Man denke die IDF

hätte bei Kämpfen mit Terroristen

Kinder verletzt

-die als Schutz missbraucht wurden-

Fazit: der Westen steht einseitig zu

"Palästinensern/Islam" wegen dem

finanziellen Interesse.

Da spielt Wahrheit keine Rolle?

Da werden Mörder zu Helden?

DAS WIRD NICHT GUT ENDEN.......



@2 arndt:"der Westen steht einseitig zu "Palästinensern/Islam" wegen dem finanziellen Interesse." Finanzielles Interesse an den Palästi.......? Wohl kaum. Das ist eh ein Zuschusterbetrieb. Es geht nur um ihre "Verwandtenschaft", zu den Ölscheichs.