Das Verschwinden des amerikanischen Willens

Das Verschwinden des amerikanischen Willens




von Caroline Glick

Der furchterregendste Aspekt des Zusammenbruchs der US-Macht weltweit ist
die gleichgültige Reaktion der USA darauf.

In Europa, in Asien, im Nahen Osten und darüber hinaus engagieren sich Amerikas gefährlichste Feinde in Aggression und waghalsiger Politik, die seit Jahrzehnten nicht beobachtet wurde.

Wie Gordon Chang auf einem Symposium in Los Angeles im vergangenen Monat feststellte, das vom David Horowitz Freedom Center veranstaltet wurde, seit Präsident Barack Obama sein Amt im Jahr 2009 antrat, haben die Chinesen auf seine Annäherungsversuche von Goodwill und Appeasement mit verstärkten Aggressionen gegen die asiatischen Verbündeten der USA und gegen US-Kriegsschiffe reagiert.

Im Jahr 2012 besetzte China die Scarborough Shoal von den Philippinen. Washington zuckte mit den Schultern trotz ihres gegenseitigen Verteidigungsabkommens mit den Philippinen. Und so schlägt Peking wieder zu und bedroht die Zweite Thomas Shoal, ein weiterer philippinischer Besitz.

In ähnlicher Weise fordert Peking Japans Kontrolle über die Senkaku-Inseln im Ostchinesischen Meer heraus und stellt sogar territoriale Ansprüche auf Okinawa.

Wie Chang erklärte, ist Chinas jüngste Anmeldung seiner Flugüberwachungszone, die japanischen und südkoreanischen Luftraum einbezieht, ein feindlicher Akt nicht nur gegen jene Länder, sondern auch gegen den Grundsatz der Freiheit der Seeschifffahrt, welche, wie Chang feststellte: "die Amerikaner mehr als zwei Jahrhunderte lang verteidigt haben."

Die USA haben auf die chinesischen Aggressionen mit ständig eskalierenden Versuchen reagiert, Peking zu besänftigen.

Und China hat auf diese Ouvertüren der USA reagiert, indem es Verachtung für die Macht der USA demonstrierte.

Letzte Woche (Anmerkung des Übersetzers: Das englische Original stammt vom 18. April 2014.) haben die Chinesen Verteidigungsminister Chuck Hagel bei seinem Besuch in der chinesischen National Defense University gedemütigt. Auf ihn wurde von einem studentischen Fragesteller eine Tirade loslassen wegen der Unterstützung der USA für die Philippinen und Japan und wegen des Widerstands gegen die einseitige chinesische Beschlagnahme von Inselketten und die Geltendmachung von Rechten auf den Luftraum anderer Staaten und auf internationale Wasserstraßen.

Als er neben Hagel bei einer gemeinsamen Pressekonferenz stand, forderte der chinesische Verteidigungsminister Chang Wanquan, dass die USA Japan und die Philippinen bändigen.

Zusätzlich zu ihren schlaffen Antworten auf chinesische Aggressionen gegen ihre Verbündeten und ihre eigenen Marineschiffe behaupteten die Vereinigten Staaten im Jahr 2012, China öffentlich für den Verkauf von mobilen Raketenwerfern an Nordkorea kritisiert zu haben, die in der Lage sind, für Pjöngjangs KN-08 Interkontinentalraketen als Abschussbasis zu dienen. Mit diesen leicht zu verbergenden Raketenwerfern verbesserte Nordkorea deutlich seine Fähigkeit, die USA mit Atomwaffen anzugreifen.

Was Europa angeht, die Reaktionen der Obama-Regierung nach Russlands Annexion der Krim und seine Aggressionen gegen die Ukraine zeugen von einem Mangel an Ernsthaftigkeit und eine gefährliche Gleichgültigkeit gegenüber dem Schicksal der US-Allianzstruktur in Osteuropa.

Statt NATO-Truppen in die baltischen NATO-Mitgliedsstaaten zu schicken und die Ukraine mit Verteidigungswaffen zu bewaffnen, als die russischen Streitkräfte begannen, die Ukraine zu durchdringen, sandten die USA Nahrungsmittel an die Ukraine und ein unbewaffnetes Kriegsschiff ins Schwarze Meer.

Offenbar von den Aktionen der USA nicht beeindruckt, überflogen und beschatteten die Russen das US-Marineschiff. Wie Charles Krauthammer auf Fox News am Montag bemerkte, war die russische Aktion keine Provokation. Es war "eine Show der Verachtung".

Wie Krauthammer erklärte, es könnte nur als Provokation angesehen werden, wenn Russland geglaubt hätte, das die USA voraussichtlich auf seine Beschattung des Kriegsschiffes reagieren würden. Da Moskau richtig eingeschätzt hatte, dass die USA nicht auf seine Aggressionen reagieren, das Kriegsschiff zu umschwirren und zu verfolgen, zeigten die Russen der Ukraine und anderen US-Verbündeten, dass sie den USA nicht vertrauen können, das sie sie vor Russland schützen.

Im Nahen Osten ist es nicht nur der obsessive Ansatz der USA für den palästinensischen Konflikt mit Israel, der in Trümmern liegt. Das gesamte US-Bündnissystem und andere Signatur-Initiativen der Obama-Regierung sind auch kollabiert.

Nach seinem Amtsantritt implementierte Obama eine aggressive Politik in Pakistan, im Jemen und anderswo, Al-Qaida-Funktionäre mit unbemannten Drohnen zu töten. Die Strategie basierte auf der Idee, dass eine solche Kampagne, die keine amerikanischen Stiefel auf dem Boden beinhaltet, eine Niederlage der Macht der Terroristen bei minimalen menschlichen Kosten für die USA und minimalen politischen Kosten für Präsident Barack Obama bringen kann.

Die Strategie hat das Ableben einer erheblichen Anzahl von Al-Qaida-Terroristen über die Jahre hinweg bewirkt. Und dank der Unterstützung, die Obama von den US-Medien genießt, zahlte die Regierung Obama in Bezug auf politisches Kapital sehr wenig für ihre Durchführung.

Aber trotz relativen Erfolgs des Programms, laut The Washington Post, setzte die Regierung die Drohnen-Angriffe im Dezember 2013 aus, nachdem es bescheidene Kritik erduldet hatte, als man im Jemen versehentlich eine Hochzeitsgesellschaft getroffen hatte.

Ohne Zweifel bemerkte Al-Qaida die Aussetzung des Programms. Und jetzt stellt die Terrorgruppe ihre Immunität vor amerikanischen Angriffen zur Schau.

In dieser Woche zeigten Dschihad-Websites ein Al-Qaida-Video, das hunderte von Al-Qaida-Terroristen im Jemen bei einer offenen Sitzung mit dem zweiten Kommandanten der Gruppe Nasir al-Wuhayshi zeigt.

In dem Video bedrohte Wuhayshi die USA direkt, indem er sagte: "Wir müssen das Kreuz beseitigen." und erklärte, dass "der Träger des Kreuzes Amerika ist".

Dann ist da noch der Iran.

Die Regierung hat ihre Reputation auf ihre radikale Politik der Einbeziehung des Irans in Bezug auf sein Atomwaffenprogramm gesetzt. Die Regierung behauptet, dass wenn man dem Iran erlaubt, einige Nuklearaktivitäten durchzuführen, sie die Mullahs davon überzeugen kann, ihren Plan, Atomwaffen zu entwickeln, auf Eis zu legen.

Diese Woche brachte weitere Beweise für das komplette Versagen der Politik. Sie brachte auch weitere Beweise dafür, dass die Regierung durch den Nachweis des Scheiterns unbeeindruckt bleibt.

In einem Fernsehinterview am Sonntag bestand Irans Atomchef Ali Akhbar Salehi darauf, dass der Iran das Recht hat, Uran auf 90 Prozent anzureichern. Mit anderen Worten, er sagte, dass der Iran Atombomben baut.

Und dank den USA und ihrem Interimsatomabkommen mit dem Iran ist die iranische Wirtschaft auf dem Weg der Besserung.

Das Interimsatomabkommen der Obama-Regierung mit dem Iran, das im November letzten Jahres unterzeichnet worden war, sollte die Ölexporte auf eine Million Barrel pro Tag begrenzen. Aber laut der Internationalen Energieagentur stiegen im Februar die täglichen iranischen Ölexporte auf 1,65 Millionen Barrel pro Tag, den höchsten Stand seit Juni 2012.

Anstatt zu akzeptieren, dass ihre Bemühungen gescheitert sind, definiert die Obama-Regierung neu, was Erfolg bedeutet.

Wie der Minister für strategische Angelegenheiten Yuval Steinitz erwähnte, in den vergangenen Monaten behaupteten US-Beamte, dass es das Ziel der Atomgespräche war, sicherzustellen, dass der Iran Jahre davon entfernt bleibt, Atomwaffen zu besitzen. In seinen jüngsten Äußerungen sagte Außenminister John Kerry, dass für die USA eine Situation ausreichend wäre, in welcher der Iran sechs Monate vom Erwerb von Atomwaffen entfernt ist.

Mit anderen Worten, die USA haben jetzt Scheitern als Erfolg definiert.

Dann ist da noch Syrien.

Im vergangenen September behaupteten die USA, Geschichte geschrieben zu haben, als sie gemeinsam mit Russland Diktator Baschar al-Assad davon überzeugt hatten, sein chemisches Waffenarsenal aufzugeben. Sechs Monate später ist Syrien nicht nur hinter dem Zeitplan für die Einhaltung der Vereinbarung, es verwendet Berichten zufolge weiterhin chemische Waffen gegen die Opposition und die Zivilbevölkerung. Der jüngste Angriff ereignete sich Berichten zufolge am 12. April, als Bewohner von Kafr Zita mit Chlorgas angegriffen wurden.

Die weltweit wachsende Verachtung für die US-Macht und Autorität wäre an und für sich schlimm genug. Das neu gewonnene Vertrauen der Aggressoren gefährdet die internationale Sicherheit und bedroht das Leben von Hunderten von Millionen von Menschen.

Was die Situation noch schlimmer macht, ist die US-Reaktion auf das, was geschieht. Die Obama-Regierung reagiert auf die sich ständig multiplizierenden Krisen, indem sie vorgibt, dass es nichts gibt, worüber man sich Sorgen machen müsste, und darauf besteht, dass Fehlschläge Erfolge sind.

Und das Problem ist nicht auf Obama und seine Berater oder gar auf die politische Linke beschränkt. Die wahnhafte Ansicht, dass die USA keine Konsequenzen für ihren konsequenten Rekord an Versagen und Niederlagen erleiden wird, wird von einem wachsenden Chor der Konservativen geteilt.

Einige, wie der antisemitische konservative Kommentator Patrick Buchanan loben Putin als Kulturheld. Andere, wie Senator Rand Paul, der sich zunehmend als der Mann präsentiert, den es in den Präsidentschafts-Vorwahlen der Republikaner 2016 zu schlagen gilt, geben zu verstehen, dass die USA kein Recht dazu haben, sich in die russischen Aggressionen gegen die Ukraine einzumischen.

Nach Pauls Meinung ist der Iran auch ein Land, wegen dem die USA weniger besorgt sein sollten.

Politiker wie Senator Ted Cruz, der eine US-Außenpolitik auf der Grundlage von Beistand für Verbündete und Entgegentreten gegen Feinde fordert, um die Führungrolle der USA und die nationale Sicherheit der USA zu gewährleisten, ertrinken in einem Chor von "Wen interessiert das?".

Nach sechs Jahren Präsidentschaft von Obama ist die US-Öffentlichkeit als Ganzes weitgehend gegen die Einleitung von Maßnahmen zugunsten der Ukraine oder der baltischen Staaten, unabhängig davon, was die Untätigkeit, oder noch schlimmer, nutzlosen Aktionen für die US-amerikanische Fähigkeit bedeuten, ihre Interessen und die nationale Sicherheit zu schützen.

Und die Generation, die gerade die Volljährigkeit erreicht, ist heute in ähnlicher Weise desinteressiert an der globalen Führungsrolle der USA.

Während des Kalten Krieges und in der Zeit unmittelbar nach den Anschlägen vom 11. September war die vorherrschende Meinung unter den amerikanischen Studenten, welche internationale Beziehungen studierten, dass die US-Führungsrolle in der Welt wichtig ist, um die globale Stabilität und die nationalen Interessen der USA und ihre Werte zu gewährleisten.

Heute ist dies nicht länger der Fall.

Viel von der Shuttle-Diplomatie der Obama-Regierung in den letzten Jahren beinhaltete das Senden hochrangiger Beamter, einschließlich Obama, auf Auslandsreisen mit dem Ziel, nervöse Verbündete zu beruhigen, dass sie den US-Sicherheitsgarantien weiterhin vertrauen können.

Diese Beteuerungen überzeugen heute immer weniger Menschen.

Dies ist der Grund, warum die US-Verbündeten wie Japan, Südkorea und Saudi-Arabien, die nicht über Kernwaffen verfügen, ihre Optionen an der Atomfront in Betracht ziehen.

Dies ist der Grund, warum israelische Beamte zum ersten Mal offen erklären, dass man sich auf die USA nicht verlassen kann, entweder Israels Ostgrenze in dem Fall zu sichern, dass ein Abkommen mit den Palästinensern erreicht wird, oder den Iran am Erwerb von Atomwaffen zu hindern.

Dies ist der Grund, warum die Welt mit höherer Wahrscheinlichkeit einen Weltkrieg von katastrophalen Ausmaßen erleben wird, als es seit 1939 der Fall war.

Es besteht eine direkte Korrelation zwischen der Hauptbeschäftigung der US-Elite mit sozialen Fragen, der auf dem schmalen und solipsistischen Bogen von der Homoehe über Transgender-Badezimmer bis zu einem falschen Krieg gegen Frauen läuft, und Amerikas Unfähigkeit, die wachsenden Bedrohungen für die globale Ordnung zu erkennen oder zu verstehen, warum die Amerikaner sich überhaupt um die Welt scheren sollten.

Und es gibt eine ähnlich direkte Korrelation zwischen der wachsenden Aggressivität des US-Feinde und Obamas Entscheidung, die Verteidigungsausgaben zu senken und gleichzeitig zu erlauben, dass die Atomwaffen der USA beinahe veraltern.

Amerikas verschmähte Verbündete werden die Maßnahmen ergreifen, die sie ergreifen müssen, um sich zu schützen. Einige werden durchhalten, andere werden wahrscheinlich überrannt werden.

Aber mit Amerikanern über das ganze ideologische Spektrum verteilt, die vorgeben, dass ein Scheitern Erfolg ist und Niederlage Sieg ist, während sie dem wachsenden Sturm den Rücken zudrehen, wie wird Amerika sich selbst schützen?

 

Übersetzung: Robert Rickler, Pressesprecher des "Freundeskreis Israel in Regensburg und Oberbayern e.V." - Foto: von Arz1969 at en.wikipedia [Public domain], vom Wikimedia Commons

 

Lesen Sie hierzu auch:

 

Caroline Glick bei haOlam.de (Auswahl):

 

haOlam.de - Interaktiv und zum mitgestalten

haOlam.de - die `Gefällt mir´-Seite bei Facebook - immer ich Echtzeit informiert werden, wenn neue Artikel und Meldungen bei haOlam.de online erscheinen

haOlam.de - Dein Magazin - die Facebook-Gruppe zum diskutieren der Artikel und zum vorschlagen von Themen und Artikeln für haOlam.de - und zum diskutieren rund um haOlam.de und die Themengebiete des Magazins.

 


Autor: fischerde
Bild Quelle:


Donnerstag, 24 April 2014






... mit ständig eskalierenden Versuchen reagiert, Peking zu besänftigen.
:D



Wie werden die nächsten Sanktionen von EU und USA gegen Russland aussehen? Wird es ein Verbot geben, Wodka nach Russland zu liefern?



@2 Gerti: Das "Wässerchen" ("Wer hats erfunden?") können sich die Russen, gottseidank, immer noch selber brennen. :-). Ansonsten sind Sanktionen jeglicher Art immer nur Eigentore.



Solange ohne Ende russische LKW durch Deutschland rollen kann das mit dem Embargo nicht so schlimm sein. Solange die USA und Russland zusammen weiterhin an der Weltraumstation arbeiten kann das mit den Drohungen nicht so ernst sein. Solange wie am Ende der Eskalationsspirale die Atombombe steht sollte uns das Recht sein.

Es wäre für die Amerikaner sicherlich kein Problem einen Flugzeugträger ins Schwarze Meer zu schicken, dann sollten wir aber wirklich schauen wo wir stehen wenn es wirklich ernst wird. Wir haben schon 2 Weltkriege wegen idiotischer Reaktionen gehabt und im Moment erinnert mich unser guter Außenminister an Herrn Chamberlain, das ist nicht gut.



@2 Gerti: Oder wird es möglicherweise ein Verbot geben, Erdgas nach Russland zu liefern?