Lukrezia Jochimsen ("Linke") und ihr Iran-Reisetagebuch: Parlamentarischer Regelvollzug

Lukrezia Jochimsen ("Linke") und ihr Iran-Reisetagebuch:

Parlamentarischer Regelvollzug




Alles dufte im Iran, wird sich Lukrezia, „Freunde-nennen-mich-Luc-aber-ich-habe-keine-Freunde“, Jochimsen von der „Links“-Partei gedacht haben: Die iranische jüdische Gemeinde schrumpft und man kann auf Augenhöhe mit ihrem Präsidenten plaudern. Vor allem, nachdem man in ihm die verwandte Seele eines bekennenden „Anti-Zionisten“ erkannt zu haben glaubt: Einer, der auf das „zionistische Gebilde“ schimpft wie ein Parteigenosse aus Pankow. Wenn man Lukrezia Jochimsen heißt, kann man das in einem an Peinlichkeit kaum noch zu überbietenden „Reisetagebuch“ später ausschmücken, um sich außer als „Antizionistin“ auch noch als der bessere Herzl zu positionieren:

„Es war Herzl, von dem ich gelernt habe, dass man mit Feinden des Friedens reden muss, wenn man Frieden will. Mit wem sonst kann man Frieden erreichen? Alle anderen Wege führen in Krieg.“

 

von Gerrit Liskow

 

Da haben wir sie, die aufrechte Deutschin in ihrer Funktion als Bewährungshelferin des jüdischen Staates: Haben denn „Die Juden“ ihre Lektion noch immer nicht gelernt? Muss denn immer erst ein Weltkrieg werden? Frau Jochimsen und Herr Ahmedinejad würden beide Fragen wohl mit Ja beantworten; es war indes nicht Herzl, der gesagt hat: „Nur ein toter Jude ist ein guter Jude.“

Jaja, Frau Jochimsen wird schon wissen, wie das mit dem „Weltgeist“ (Hegel) und dem „Sein zum Tode“ (Heidegger) geht, schließlich hat sie mal ein paar Semester lang etwas studiert, das dem Namen nach mit Philosophie zu tun hatte. Was, wenn nicht instrumentelle Vernunft, könnte das Wesen der Philosophie unter den gesellschaftlich gegebenen „Umständen“ aber sein?

Diese Frage scheint Frau Jochimsen sich nie gestellt zu haben, und wenn doch, dann nur im Interesse ihrer Affirmation. Denn sie weiß schon hier und heute, wer schuld an der eigenen Vernichtung sein wird: „Die Juden“, oder in Ermangelung derer eben Israel. Schließlich ist es ja der jüdische Staat, der Raketen und Granaten auf den Gaza-Streifen schießt, nicht wahr, Frau Jochimsen?

Der catalogue des opinion chics, „Der Freitag“, Fachblatt der gediegenen Meinungsidiotie, druckt den ganzen Jochimsen-Schmonzes nach, allerdings lässt man dort wenigstens den Versuch einer Rollenumkehr weg, die aus Herzl einen Gegner der israelischen Souveränität und einen Feind der jüdischen Autonomie gemacht haben wollte; dafür gibt es Frau Jochimsen und ihre Herzl Biografie.

Ihre Tätigkeitsnachweise, so auch ihre Dienstreisen nach Teheran, erbringt Frau Jochimsen um die „Links“-Schäfchen an der Heimatfront mit ideologisch schlichten Mitteln einzulullen und sich für die Wiederwahl auf einem sicheren Listenplatz der nationalen und sozialistischen Avantgarde Deutschlands, eben jener „Links“-Partei, zu qualifizieren: als Santa Lukrezia, Schutzpatronin der nationalen Arbeit?

Es steht ihr treffend zu Gesicht, wenn sie in ihrem „Reisetagebuch“ die Verfassung der Islamischen Republik Iran zitiert, als ob sie ein Vorbild jener Rechtsgüter wäre, die alle bald genießen sollen, wenn es nach Santa Lukrezia ginge: Minderheitenschutz und Meinungsfreiheit à la Mullah, denn Krieg bedeutet Frieden und Unwissenheit ist Stärke.

Das wusste indes schon George Orwell, und Frau Jochimsen scheint seine Gedanken aus 1984 direkt in ihr Vokalbelheft für angehende Volkstribune abgeschrieben zu haben, ohne anstrengenden Umweg durch die eigene Anschauung. Gesellschaft made by „Links“ bedeutet: Ist nicht alles schlecht in Diktaturen, und Volksgemeinschaft ist doch so gemütlich – nicht wahr, „Luc“?

Aber im Ernst: Hatte Frau Jochimsen vom Präsidenten der Jüdischen Gemeinde in Teheran etwas Anderes erwartet, als einen verbalen Amoklauf, als es um Israel ging? Anscheinend schon.

Es bedarf indes keines Übermaßes an Intelligenz um sich denken zu können, dass der Präsident der jüdischen Gemeinde im Iran streng und peinlich durch den Geheimdienst überwacht wird und beim geringsten Verdacht, ein „Agent des Zionismus“ zu sein, im nächsten Folterknast verschwindet, und das vermutlich auf Nimmerwiedersehen. Nein, es muss kein Zeichen mangelnder Intelligenz sein, wenn man sich das nicht denken kann. Es genügt vielmehr, Lukrezia Jochimsen zu heißen und Gesellschaftsform und Denkform für identisch zu halten.

Dann fühlt man sich von derlei gesellschaftlich notwendiger, wenngleich falscher, ebenso kratzfüßiger wie kratzbürstiger Rede nämlich im aufrechtesten deutschen, „antizionistischen“ „Links“-Sein bestätigt, nimmt das gesprochene Wort für bare Münze, zahlt die Episode auf ein „Reisetagebuch“ ein und versucht, bei der nächsten Bundestagswahl den Mehrwert für dies ideologische Kapital einzustreichen: auf dass der Eindruck entstehe, Israel wäre schon jetzt viel schlimmer, als die Islamische Republik Iran es jemals werden könnte.

 

Chic de Berlin bei der Wahl zur Mis Mullah 2010: Welches Kopftuch hätten’s denn gern?

Bronze bekam der folkloritische Tischläufer „Monika“ (CDU), ein Restposten von Quelle (runtergesetzt von 9,95 auf 5,95). Die Silbermedaille ging an die Babydecke „Claudia“; sie besteht zu hundert Prozent aus recycelten Joghurt-Bechern. Die Kreation „Lukrezia“ hingegen bietet Kopfschmuck und Putztuch in einem und dem „schaffenden Kapital“ somit alles, was es braucht: Das heißt Gold für die Patronin der nationalen Arbeit! Aber bei Fellinis Kirchlicher Modenschau war trotzdem mehr Lametta.

 

Es würde bei der ideologischen Verblendung sicherlich helfen, wenn man blöd wäre; besser noch wäre man saublöd. Dann wäre es bestimmt viel leichter, die subjektive Borniertheit mit Hilfe von wahnhaften Kategorien hermetisch gegen die Anfechtungen der Wirklichkeit abzudichten, bis man vom Closed-loop, dem geschlossenen Wahnsystem, nichts mehr mitbekäme und einem die Welt endlich als die Identität von „Wille und Vorstellung“ (Schopenhauer) erschiene: auf dass das „Vorurteil durch die Tat zur Tatsache wird“ (Reemtsma); Lukrezia Jochimsen kann womöglich ein Lied davon singen, wie die Selbstzurichtung zum verdinglichten Gedanken geschieht.

Aber weil sie doch so eine patente Parlamentarierin ist, die das Herz am rechten Fleck trägt (und nicht etwa in ihrer Handtasche, wie Frau Clinton) sagt Frau Jochmisen, wenn ihr was nicht passt: Phoebe Frost aus Billy Wilders‘ A Foreign Affair (in diesem Ausschnitt ab Minute 8:00) könnte ihr ein Vorbild sein; „Luc“ hat aber vermutlich nicht Jean Arthurs Talent zur ironischen Distanz mit sich und der Rolle und insofern entfällt der Vorschlag zur Güte.

Frau Jochimsen wäre als (selbst-)ironische Politkommissarin in Sachen „Freedom & Democracy“ nämlich die krasseste Fehlbesetzung. Ihre Rolle ist vielmehr die einer mit sich selbst völlig identischen Zugehfrau der ideologischen, traditionsmarxistischen deutschen „Linken“; um nicht zu sagen: die Charaktermaske des dem „Links“-Menschentum eigenen inneren Blockwarts. Was Frau Jochimsen an der Islamischen Republik Iran nicht passt, scheint’s, kann jedenfalls nicht die desaströse Lage bei den Menschenrechten gewesen zu sein.

Nein, denn es sind Menschenrechte in der „Links“-Partei vor allem dann ein Thema, wenn man die „Legitimität“ des jüdischen Staats in Abrede stellen möchte oder von Grauen Wölfen auf dem Frauendeck weggesperrt werden will, um im Auftrag der Wählerinnen und Wähler an der deutschen Heimatfront zum „Widerstand gegen die israelische Besatzung“ mobil zu machen – die in Judea und Samaria, vor allem aber die in Herne und Siegen. Honi soit qui mal y pense.

Selbst wenn man sich bei Tee und Keksen mit Ahmad Vahidi getroffen hätte, der von Interpol gesucht wird, zumal Grund zu der Annahme besteht, dass der heutige Verteidigungsminister der Islamischen Republik Iran hinter dem Attentat auf die AMIA, die argentinisch-israelitische Vereinigung, steckt und also für das brutalste antisemtisch motivierte Massaker zwischen 1945 und 2001 verantwortlich ist, wäre das Frau Jochimsen vermutlich nicht mal ein saures Aufstoßen ihres ach so sensiblen Herrenmenschinnen-Gewissens wert gewesen.

Was sie hingegen dazu bringt, Teheran in ihrem „Reisetagebuch“ einen „Moloch“ zu nennen, ist nichts weiter als tiefste, überzeugteste, wahr und wahrhaftig empfundene dumpfbackig-deutsche Mustopf-Ideologie, die anscheinend selbst die unter dem Furnier der Diktatur entfesselte staatlich-klerikale Barbarei noch zu zivilisiert, zu abstrakt und zu künstlich findet, und sich die Unterdrückung deshalb lieber noch etwas handfester, konkreter und authentischer wünscht.

Frau Jochimsens Irritationen entstehen im Rahmen eben dieser „linken“, symptomatisch verkürzten antikapitalistischen Pseudo-Kritik, die „Das Abstrakte“ (Postone) für jedes Unbill verantwortlich machen möchte, das der Menschheit gesellschaftlich widerfährt; diese Ideologie gibt es in ihrer chronischen Verlaufsform ohne, in ihren akuten Schüben aber auch mit gewalttätigen, mörderischen Handlungen gegen das Gattungswesen, insbesondere gegen das des jüdischen Glaubens.

Doch davon einmal abgesehen: Eine Stadt für etliche Millionen Menschen bringt es nun mal mit sich, dass dort viele Leute leben. Wer aber Hamburg oder Berlin im Ernst für Metropolen hält, dem mag diese Einsicht schwierig werden; Städte, die es in Brasilien, Japan oder Nigeria nicht einmal als Vorort von irgendwas auf eine Landkarte schaffen würden.

Was Frau Jochimsen in Teheran hingegen wirklich gestört zu haben scheint, war der Zustand der öffentlichen Einrichtungen. Das war ihr nun aber too much, de trop oder was einem im Zustand tief und aufrecht empfundenen „Links“-Seins an restlos verdinglichtem Bewusstsein eben durch den Hirnkasten geistert, wenn man „den ganzen Prunk“, „den ganzen Protz“ und immer wieder diese Verschwendung von Marmor, Gold und Edelstein bezeugen muss.

Der Luxus scheint für Frau Jochimsen das Schlimmste gewesen zu sein, das sie auf ihrer ganzen Reise durch den Iran zu sehen bekommen hat, und er war anscheinend einfach ekelerregend für sie – eine Matze Mitleid, bitte.

 

Dass Diktaturen aber auch immer so luxuriös sein müssen!

Unter widrigen Umständen kam diese historische Momentaufnahme vom heroischen Antrittsbesuch des deutschen parlamentarischen Regelvollzugs in Mullah-Town zustande: Luc Jochimsen prüft, wie viele Empfängerinnen und Empfänger von Transferleistungen sie in diesem Audienzsaal unterbringen könnte, wenn sie sich in ihrem Wahlbezirk befände und nicht in dem von Ahmedinejad. Claudia Roth hat soeben das EU-Bio-Siegel am islamisch-republikanischen Seidenperser entdeckt und sich befriedigt wieder hingesetzt – sind doch auch nur Mullahs, diese Menschen! Die CDU-Moni hingegen kam gar erst nicht erst dazu, sich zu überlegen, wie und unter welchen Bedingungen das Sofa, auf dem sie Platz genommen hatte, entstanden war, weil dieser blöde folkloristische Tischläufer, den sie sich um den Kopf gebunden hatte, schon wieder so juckte; die anwesenden Gulaschbarone hatten die Verdauung im Hirn. Das ist „Freedom & Democracy“ inszeniert als krautiger Triumph des Willens (täterä-tätä, tsching-derassabumms, etc., etc.).

 

Maximale Unterdrückung bei maximaler Prachtentfaltung kennt man allgemein nicht anders von Diktaturen; man müsste eine solche aber auch erst mal als solche erkennen können, um nicht etwa deren Verfassung als leuchtendes Vorbild für Freiheit und Menschenrechte hinzustellen im Versuch, das Sauerkraut im Kopf vor der bösen Wirklichkeit zu schützen.

Folgerichtig ist Frau Jochimsens Schmonzes aus dem Land der gefühlten Gegensätze bei „Der Freitag“ als „Savoir Vivre – Im Namen Gottes“ betitelt; inklusive vermeintlich spannungsreicher Interpunktion, die die Verdinglichung des Denkens auf den Gedankenstrich und somit zu sich selber bringt.

Wenn es in Teheran hingegen alles ein bisschen krautiger ausgesehen hätte, mehr so wie in Wandlitz oder Pankow, oder meinethalben im Palast der Republik, hätte Frau Jochimsen vermutlich überhaupt nichts auszusetzen gehabt an der Islamischen Republik Iran; insofern wäre dem iranischen Protokoll zu empfehlen, beim nächsten Besuch aus Berlin noch tiefer zu stapeln und sich an der dem Flughafen nächstgelegenen Autobahnraststätte zu begegnen.

 

Leider ist es so, dass Spaßbremsen und Bescheidenheitsapostel wie Luc Jochimsen nicht in Teheran gebraucht werden um die Daumenschrauben anzuziehen: Die Daumenschrauben haben sich dort schon ganz andere Leute unter den Nagel gerissen und Spaß gibt es dort schon lange nicht mehr; somit bleibt Frau Jochimsens Einsatzgebiet auf den Geltungsbereich des Grundgesetzes beschränkt.

Nur weiß man schon jetzt, wozu man im Fall der „Links“-Partei Ja sagen würde: Steckrübenwinter, ganzjährig, zur Herstellung gleicher Lebensbedingungen. Denn wenn es allen gleich schlecht geht, dann geht es endlich allen gleich – einfach genial, Frau Jochimsen!


Autor: haolam.de
Bild Quelle:


Montag, 22 November 2010






Ich bin stolz darauf, dass es couragierte PolitikerInnen wie Luc Jochimsen gibt, die die plumpe Iran-Verteufelung nicht mitmachen.



So so Braunman, Sie finden also die Begeisterung der ollen SED-Fregatte für ein faschistischen Massenmörderregime toll? Mehr muss man über Sie und ihresgleichen ja nicht mehr wissen. Warum wandern Sie nicht aus in den Iran, wenn es da so toll ist?



ja..ist wirklich seltsam hinterher.

Die ernste Frage der folgenden Generation:

"IHR WUSSTET ALLES, WIESO HABT IHR NIX GEMACHT?"

Die couragierten Politiker und Kirchenleute damals, welche die plumpe HITLERVERTEUFELUNG nicht mitgemacht haben! Die couragierten Politiker und Kirchenleute damals, welche die plumpe KOMMUNISTEN & STALIN-VERTEUFELUNG nicht mitgemacht haben! Die couragierten Politiker und Kirchenleute damals welche die plumpe MAOVERTEUFELUNG nicht mitgemacht haben! Die couragierten Politiker und Kirchenleute heute, welche die plumpe ISLAM, HAMASS, HISB ALLAH UND ACHMEDINEJHAD nicht mitmachen!

WENNS NICHT SO TODERNST WÄRE....wärs zum LACHEN