„Nur ein Opfer“: Greta Thunberg stellt sich hinter Macklemore und streicht Israels Tote aus dem Bild„Nur ein Opfer“: Greta Thunberg stellt sich hinter Macklemore und streicht Israels Tote aus dem Bild
Greta Thunberg verteidigt Macklemore nach dessen Rauswurf aus Ed Sheerans US-Tour und erklärt die Palästinenser zu den „einzigen Opfern“. Die israelischen Opfer des 7. Oktober, die Geiseln und die Antisemitismusvorwürfe gegen den Rapper kommen in ihrer Abrechnung nicht vor.

Greta Thunberg hat sich erneut demonstrativ an die Seite des antiisraelischen Rappers Macklemore gestellt. Nachdem dieser aus dem weiteren Vorprogramm von Ed Sheerans „Loop Tour“ gestrichen wurde, griff die schwedische Aktivistin Sheeran öffentlich an. Gemeinsam mit dem Humanti Project veröffentlichte sie auf Instagram einen Satz, der die Haltung hinter ihrem Beitrag kaum deutlicher machen könnte: „Ed, there is only one victim here: the Palestinian peoplePalästinenser: Herkunft, Begriffswandel und politische IdentitätPalästinenser bezeichnet heute meist palästinensische Araber mit eigener nationaler Identität. In der Mandatszeit konnte der Begriff jedoch allgemein Bewohner des britischen Mandatsgebiets Palästina meinen, auch Juden.Mehr lesen.“
„Ed, es gibt hier nur ein Opfer: das palästinensische Volk.“
Nur ein Opfer.
Damit verschwinden in einem einzigen Satz die israelischen Männer, Frauen und Kinder, die am 7. Oktober 20237. Oktober 2023: Das Hamas-Massaker, das Israel veränderteDer 7. Oktober 2023 war der Tag des Hamas-Massakers in Israel. Terroristen aus Gaza ermordeten etwa 1.200 Menschen, vor allem Zivilisten, und verschleppten mehr als 240 Geiseln in den Gazastreifen.Mehr lesen von HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen-Terroristen ermordet, vergewaltigt oder verschleppt wurden. Es verschwinden die Geiseln, die über Jahre in GazaPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen festgehalten wurden. Es verschwinden israelische Familien, die Angehörige verloren haben. Und es verschwinden die jüdischen Zuschauer, die sich seit Jahren mit einem Klima auseinandersetzen müssen, in dem aus angeblicher „Israelkritik“ immer wieder offene Feindseligkeit gegen Juden wird.
Thunberg belässt es nicht dabei. In dem von ihr verbreiteten Beitrag wird IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen als „Apartheidstaat“ bezeichnet und behauptet, dessen Handeln werde „normalisiert“ oder „reingewaschen“. Macklemores Ausschluss wird zum Beweis einer angeblichen Unterdrückung propalästinensischer Stimmen umgedeutet.
Dabei ist selbst die persönliche Attacke auf Ed Sheeran schief. Sheeran erklärte ausdrücklich, dass Macklemores Entfernung nicht seine Entscheidung gewesen sei. Nach seiner Darstellung teilten mehrere Veranstaltungsorte dem Tourveranstalter mit, sie würden Konzerte absagen, sollte Macklemore weiterhin im Programm stehen. Der Veranstalter zog daraufhin die Konsequenz.
Einer der entscheidenden Akteure war Robert Kraft, Eigentümer des Gillette Stadiums und Gründer der Foundation to Combat Antisemitism. Kraft erklärte öffentlich, Macklemores jüngste Auftritte und dessen „breitere Geschichte antisemitischer Rhetorik und Bildsprache“ hätten eine Grenze überschritten. Unterstützung für Palästinenser dürfe nicht auf Kosten der jüdischen Gemeinschaft gehen.
Das ist ein entscheidender Unterschied zu Thunbergs Darstellung. Hier wurde niemand daran gehindert, seine Meinung zu äußern. Macklemore kann weiterhin veröffentlichen, demonstrieren, eigene Konzerte veranstalten und Israel beschuldigen, was immer er für richtig hält. Veranstalter und Stadien sind umgekehrt nicht verpflichtet, ihm ihre Bühne zur Verfügung zu stellen.
Von „Free Palestine“ bis zum Genozid-Vorwurf
Macklemore hatte Anfang September im MetLife Stadium in New Jersey das Vorprogramm von Sheeran genutzt, um „Free Palestine“ zu rufen und Israel erneut mit den politisch und juristisch hoch umstrittenen Begriffen „Apartheid“ und „Genozid“ zu belegen. Während seines Auftritts wurden Bilder aus Gaza gezeigt. Anschließend widmete er seinen Song „Hind’s Hall“ den propalästinensischen Campusprotesten, die 2024 von der Columbia University ausgingen.
Der Israeli-American Council forderte danach seine Entfernung aus der Tour. Die Organisation argumentierte, Sheerans Konzert sei keine politische Kundgebung und keine Aktivistenveranstaltung. Macklemore habe eine fremde Stadionbühne benutzt, um vor Zehntausenden Menschen eine einseitige politische Botschaft zu verbreiten.
haOlam berichtete bereits über die Konsequenzen: Mehrere Stadien wollten Macklemore offenbar nicht mehr auftreten lassen. Der Veranstalter entschied sich schließlich gegen ihn.
Inzwischen haben Finneas, Lukas Graham, Aaron Rowe und die irische Band Beoga ihre weitere Teilnahme an Sheerans Tour abgesagt und sich mit Macklemore solidarisiert. Thunberg feiert diese Entwicklung als Zeichen eines weltweiten Bewusstseinswandels.
Doch ihre eigene Formulierung zeigt, wie selektiv dieses „Bewusstsein“ funktioniert.
Wenn es „nur ein Opfer“ gibt, können israelische Opfer nicht mehr vorkommen. Wer am 7. Oktober ermordet wurde, stört die Erzählung. Wer aus einem Kibbuz verschleppt wurde, stört die Erzählung. Wer als Jude AntisemitismusAntisemitismus: Judenhass in alten und neuen FormenAntisemitismus bezeichnet Judenhass und Feindschaft gegen Juden. Er reicht von Vorurteilen und Verschwörungserzählungen bis zu Ausgrenzung, Bedrohung und Gewalt.Mehr lesen erlebt, sobald Israel dämonisiert wird, stört ebenfalls.
Die Welt wird auf ein moralisches Schwarz-Weiß-Bild reduziert: hier das einzige Opfer, dort Israel.
Genau diese Vereinfachung ist seit Jahren ein Markenzeichen von Thunbergs Nahostaktivismus.
Thunberg und Macklemore kennen dieses Zusammenspiel bereits
Dass ausgerechnet Greta Thunberg nun für Macklemore Partei ergreift, ist kein überraschendes Zusammentreffen zweier Aktivisten.
Bereits im Juni 2025 stellte Macklemore Thunberg seinem Konzertpublikum als politische Botschafterin vor. Während die Aktivistin mit der „Madleen“ der sogenannten Freedom Flotilla Richtung Gaza unterwegs war, spielte er bei einem Konzert in Irland eine eigens aufgenommene Videobotschaft von ihr ab. Thunberg forderte darin das Publikum auf, gegen einen angeblichen „Genozid“ aufzustehen, und rief „Free Palestine“.
haOlam schrieb damals über eine „PropagandaDesinformation: Gezielte Täuschung der ÖffentlichkeitDesinformation bezeichnet bewusst verbreitete falsche oder irreführende Informationen. Ziel ist häufig, Menschen zu täuschen, Vertrauen zu zerstören, Konflikte zu verschärfen oder politische Entscheidungen zu beeinflussen.Mehr lesen auf Tour“. Heute schließt sich der Kreis: Damals lieferte Macklemore Thunberg die riesige Konzertbühne, heute liefert Thunberg Macklemore politische Rückendeckung.
Beide verwenden dabei dieselben Schlagworte. Beide zeichnen Israel fast ausschließlich als Täter. Beide lassen den Terror der Hamas in ihrer öffentlichen Dramaturgie regelmäßig weit hinter den Anklagen gegen Israel verschwinden.
Und beide verfügen über eine Reichweite, von der politische Organisationen nur träumen können.
Der alte Skandal gehört zur Geschichte dazu
Macklemores Verhältnis zu Antisemitismusvorwürfen reicht zudem weiter zurück als der aktuelle Gaza-Krieg.
2014 trat er bei einem Überraschungskonzert in Seattle mit schwarzer Perücke, dichtem Bart und auffällig großer künstlicher Nase auf. Kritiker sahen darin eine antisemitische Karikatur eines Juden. Macklemore bestritt ausdrücklich, einen Juden darstellen zu wollen, räumte später jedoch ein, dass das Kostüm im Zusammenhang mit antisemitischen Stereotypen so verstanden werden könne, und entschuldigte sich bei Menschen, die er damit verletzt hatte.
Das ist wichtig, weil daraus kein falscher Tatsachenvorwurf konstruiert werden muss: Macklemore sagte selbst, eine antisemitische Darstellung sei nicht seine Absicht gewesen. Ebenso real ist aber, dass die Bildsprache schon damals genau diese Reaktion auslöste und er sich dafür entschuldigte.
Heute geht es nicht mehr um ein Kostüm.
Heute geht es um eine jahrelange politische Kampagne, in der Israel immer wieder als moralischer Ausnahmeverbrecher präsentiert wird, während der KontextKontextualisierung: Fakten verständlich einordnenKontextualisierung bedeutet, Informationen in einen Zusammenhang zu stellen. Sie hilft, Ereignisse nicht isoliert zu betrachten, sondern mit Vorgeschichte, Ursachen, Folgen und beteiligten Akteuren zu verstehen.Mehr lesen des Krieges, Hamas-Terror und israelische Opfer zunehmend aus dem Bild verschwinden.
Und Greta Thunberg setzt nun noch einen Satz darüber:
Es gebe nur ein Opfer.
Dieser Satz ist vielleicht aufschlussreicher als jede lange Erklärung.
Denn Mitgefühl, das ausschließlich dann funktioniert, wenn die Opfer auf der politisch richtigen Seite stehen, ist kein universeller Humanismus.
Es ist Auswahl.
Die Palästinenser verdienen Mitgefühl für ziviles Leid. Das rechtfertigt jedoch nicht, die Opfer des 7. Oktober aus der Geschichte zu löschen, Israel pauschal zum Apartheidstaat zu erklären oder jüdische Sorgen über antisemitische Rhetorik als störenden Widerstand gegen eine angeblich moralisch eindeutige Bewegung abzutun.
Ed Sheeran wollte offenbar verhindern, dass seine Tour endgültig zur politischen Kampfbühne wird.
Macklemore machte sie dazu.
Und Greta Thunberg zeigt mit ihrer Reaktion einmal mehr, auf welcher Seite dieser Bühne sie stehen will.
Autor: Redaktion
Samstag, 19 September 2026