Berlin am 7. Oktober: Gedenken an Hamas-Opfer und Protest gegen Israel am selben TagBerlin am 7. Oktober: Gedenken an Hamas-Opfer und Protest gegen Israel am selben Tag
Drei Jahre nach dem Hamas-Massaker wird in Berlin an mehreren Orten an die Ermordeten, Verschleppten und Überlebenden erinnert. Auf dem Bebelplatz sprechen unter anderem Israels Botschafter Ron Prosor und Bundesinnenminister Alexander Dobrindt. Gleichzeitig ist in der Hauptstadt auch eine israelfeindliche Kundgebung angemeldet.

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Am 7. Oktober 2026 jährt sich der Terrorangriff der HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen und weiterer Terroristen auf IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen zum dritten Mal. Mehr als 1.200 Menschen wurden am 7. Oktober 20237. Oktober 2023: Das Hamas-Massaker, das Israel veränderteDer 7. Oktober 2023 war der Tag des Hamas-Massakers in Israel. Terroristen aus Gaza ermordeten etwa 1.200 Menschen, vor allem Zivilisten, und verschleppten mehr als 240 Geiseln in den Gazastreifen.Mehr lesen ermordet, 251 Menschen in den GazastreifenPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen verschleppt. In Berlin sind für Mittwoch mehrere Gedenkveranstaltungen angekündigt, die an die Opfer erinnern und ein Zeichen gegen AntisemitismusAntisemitismus: Judenhass in alten und neuen FormenAntisemitismus bezeichnet Judenhass und Feindschaft gegen Juden. Er reicht von Vorurteilen und Verschwörungserzählungen bis zu Ausgrenzung, Bedrohung und Gewalt.Mehr lesen setzen sollen. Dabei wird besonders der Bebelplatz in Berlin-Mitte zu einem zentralen Ort des Gedenkens.
Von 15 bis 16 Uhr findet dort unter dem Titel „7. Oktober. Nie vergessen. Niemals schweigen.“ eine Gedenkzeremonie statt. Angekündigt sind Bundesinnenminister Alexander Dobrindt, die Präsidentin des Berliner Abgeordnetenhauses Cornelia Seibeld und Israels Botschafter in Deutschland, Ron Prosor. Initiatorin der Veranstaltung ist Melody Sucharewicz.
Eine besonders persönliche Perspektive soll Noga Friedmann einbringen. Ihr Ehemann Ido Rosenthal wurde am 7. Oktober 2023 im Kampf gegen die Terroristen getötet. Auch musikalisch soll an die Opfer erinnert werden: Ben Salomo sowie die israelischen Künstler Daniel Solomon und Noga Friedmann sind angekündigt. Die Veranstaltung ist öffentlich, kostenfrei und nach Angaben der Veranstalter ohne Anmeldung zugänglich.
Vom Bebelplatz bis zum Sderotplatz
Am selben Abend wird der Bebelplatz erneut zum Schauplatz einer israelsolidarischen Versammlung. Für 18 bis 22 Uhr ist bei der Berliner Polizei eine Mahnwache gegen Antisemitismus angemeldet. In der offiziellen Beschreibung wird ausdrücklich an den dritten Jahrestag der antisemitischen Massaker vom 7. Oktober erinnert. Die Veranstalter wenden sich gegen Antisemitismus und Antizionismus unabhängig davon, ob er von rechts, links, aus jihadistischen Milieus oder aus der gesellschaftlichen Mitte kommt. Zugleich fordern sie Schutz für jüdisches Leben und ein entschlossenes Vorgehen gegen antisemitische Gewalt.
Auch außerhalb der Berliner Innenstadt wird erinnert. In Steglitz-Zehlendorf laden das Bezirksamt, die Deutsch-Israelische Gesellschaft Berlin und Brandenburg sowie der Städtepartnerschaftsverein zu einer Gedenkstunde auf dem Sderotplatz ein. Das Bezirksamt nennt 16 Uhr als Beginn.
Der Ort besitzt eine besondere Bedeutung. Sderot liegt unmittelbar am Gazastreifen und wurde am 7. Oktober 2023 schwer von dem Terrorangriff getroffen. Berlin-Steglitz-Zehlendorf unterhält eine Partnerschaft mit der israelischen Stadt. Bürgermeister Alon Davidi soll sich per Videobotschaft an die Teilnehmer wenden. Adi Kaslasy-Way, die aus Sderot stammt, will von ihren Erfahrungen und der aktuellen Lage berichten. Musikalisch begleitet wird die Veranstaltung von der israelischen Sängerin Moran Magal. Besucher sind eingeladen, Blumen am Schild des Sderotplatzes niederzulegen.
Um 17 Uhr veranstaltet das Bezirksamt Lichtenberg zudem ein stilles Gedenken am Gedenkstein für die frühere Synagoge in der Konrad-Wolf-Straße. Bezirksbürgermeister Martin Schaefer will dort gemeinsam mit Vertretern des Bezirks und Unterstützern der jüdischen Gemeinschaft an die Opfer erinnern. Der Bezirk ruft dazu auf, Blumen und Kerzen mitzubringen. Anschließend sind hebräische Lieder vorgesehen.
Eine weitere Gedenkkundgebung ist ab 17.30 Uhr an der Karl-Marx-Allee 33 angemeldet. Sie erinnert nach Angaben der Berliner Versammlungsbehörde an die Opfer des antisemitischen Massakers und erklärt sich solidarisch mit Juden sowie Menschen, die von Islamismus betroffen sind.
Damit entsteht am dritten Jahrestag ein berlinweites Netz des Erinnerns. Gerade in einer Stadt, in der jüdisches Leben seit dem 7. Oktober 2023 immer wieder von antisemitischen Demonstrationen, Bedrohungen und Angriffen überschattet wurde, besitzt diese öffentliche Präsenz besondere Bedeutung.
Während Berlin gedenkt, wird auch gegen Israel demonstriert
Wie tief der gesellschaftliche Konflikt inzwischen reicht, zeigt allerdings ein weiterer Eintrag in der offiziellen Versammlungsliste der Berliner Polizei. Für denselben 7. Oktober ist von 16 bis 18 Uhr an der Zimmerstraße 77 eine Kundgebung angemeldet, deren Titel mit „3 Jahre Völkermord“ beginnt und unter anderem ein Ende deutscher Waffenlieferungen an Israel sowie die strafrechtliche Verfolgung angeblicher Kriegsverbrecher fordert.
Die Bezeichnung „Völkermord“ ist dabei Teil des angemeldeten Veranstaltungstitels und keine unabhängig festgestellte Tatsache. Bemerkenswert bleibt jedoch die Wahl gerade dieses Datums: Während an zahlreichen Orten Berlins der Menschen gedacht wird, die am 7. Oktober 2023 von Hamas-Terroristen ermordet oder verschleppt wurden, soll wenige Straßen entfernt Israel zum Gegenstand schwerster Vorwürfe gemacht werden.
Genau darin zeigt sich eines der Probleme, das die Erinnerung an den 7. Oktober inzwischen begleitet. Der Ausgangspunkt des Krieges droht hinter den Debatten über seine Folgen zu verschwinden. Das Massaker war jedoch kein abstraktes Ereignis und kein Nebensatz einer späteren militärischen Auseinandersetzung. Terroristen drangen in israelische Ortschaften ein, ermordeten Familien in ihren Häusern, massakrierten Besucher des Nova-Festivals und verschleppten Kinder, Frauen, Männer und ältere Menschen in den Gazastreifen.
Auch das Land Berlin setzt rund um den Jahrestag weitere Zeichen. Bereits am 5. Oktober wird im Roten Rathaus die Ausstellung „Unbroken“ eröffnet, die Geschichten israelischer Sportler und ihrer Angehörigen nach dem Hamas-Angriff erzählt. Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner reist zudem vom 6. bis 8. Oktober nach Israel und will am Jahrestag selbst den Kibbuz Re’im besuchen und dort an einer Gedenkzeremonie teilnehmen.
Am 8. Oktober folgt im Rathaus Neukölln die Ausstellung „Be'eri 6:56“. Sie dokumentiert den Beginn des Massakers im Kibbuz Be'eri und erinnert daran, wie binnen weniger Stunden eine israelische Gemeinschaft zum Schauplatz eines der schwersten Terrorverbrechen der jüngeren Geschichte wurde.
Berlin wird am 7. Oktober deshalb nicht nur an ein Ereignis erinnern, das drei Jahre zurückliegt. Der Tag zeigt zugleich, wie umkämpft die Erinnerung an dieses Massaker inzwischen selbst geworden ist. Wer die Opfer des 7. Oktober ins Zentrum stellt, erinnert daran, womit dieser Krieg begann: mit einem gezielten Terrorangriff auf Israel und einem Massaker an jüdischen und anderen Zivilisten. Dass diese einfache Tatsache auch drei Jahre später öffentlich ausgesprochen werden muss, sagt viel über die Lage des Antisemitismus in Deutschland aus.
Autor: Redaktion
Montag, 05 Oktober 2026