Terrorverherrlichung im KZ: Schüler tragen Bild von Dalal MughrabiTerrorverherrlichung im KZ: Schüler tragen Bild von Dalal Mughrabi
Schüler liefen durch die KZ-Gedenkstätte Mauthausen mit dem Bild von Dalal Mughrabi auf der Kleidung. Ihre Terrorgruppe ermordete 1978 38 Zivilisten, darunter 13 Kinder. Der Begleiter der Gruppe griff offenbar nicht ein.

Bildnachweis: Harlekess /
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Es gibt Orte, an denen politische Provokation eine Grenze überschreitet. Die KZ-Gedenkstätte Mauthausen in Österreich gehört zweifellos dazu. Dort erinnern Mauern, Baracken, Gaskammer und Steinbruch an ein System, in dem Menschen wegen ihrer Herkunft, ihres Glaubens, ihrer politischen Überzeugung oder schlicht aufgrund nationalsozialistischer Menschenverachtung verfolgt, ausgebeutet und ermordet wurden. Rund 190.000 Menschen waren im Lagerkomplex Mauthausen und seinen Außenlagern inhaftiert, mindestens 90.000 überlebten die nationalsozialistische Terrorherrschaft dort nicht.
Ausgerechnet an diesem Ort erschien nun nach einem Bericht von N12 eine Gruppe von Schülern mit T-Shirts, auf denen neben einer palästinensischen Flagge das Porträt von Dalal Mughrabi zu sehen war.
Mughrabi war keine palästinensische Schriftstellerin, Menschenrechtlerin oder friedliche Widerstandskämpferin. Sie gehörte zur FatahFatah: Von Arafats Kampfbewegung zur erstarrten Machtpartei der PalästinenserFatah ist eine säkular-nationalistische palästinensische Bewegung, die Ende der 1950er Jahre um Jassir Arafat entstand. Sie wurde zur dominierenden Kraft in der PLO und prägt bis heute die Palästinensische Autonomiebehörde.Mehr lesen und führte die Terrorgruppe an, die am 11. März 1978 vom Libanon aus an der israelischen Küste landete. Die Terroristen ermordeten zunächst Menschen auf ihrem Weg, kaperten anschließend Fahrzeuge und brachten schließlich einen mit Zivilisten besetzten Bus auf der Küstenstraße in ihre Gewalt. Nach Angaben des israelischen Verteidigungsministeriums wurden bei dem als Küstenstraßenmassaker bekannten Anschlag 38 israelische Zivilisten ermordet, darunter 13 Kinder. 71 weitere Menschen wurden verletzt.
Und genau das Bild einer der Verantwortlichen für dieses Massaker wurde nun durch Mauthausen getragen.
Das kann man nicht glaubwürdig mit einer gewöhnlichen Solidaritätsbekundung für PalästinenserPalästinenser: Herkunft, Begriffswandel und politische IdentitätPalästinenser bezeichnet heute meist palästinensische Araber mit eigener nationaler Identität. In der Mandatszeit konnte der Begriff jedoch allgemein Bewohner des britischen Mandatsgebiets Palästina meinen, auch Juden.Mehr lesen verwechseln.
Ein Terroranschlag wird zum politischen Symbol
Auf den verbreiteten Aufnahmen sind nach Angaben von N12 mehrere Teilnehmer mit den entsprechenden Shirts innerhalb der Gedenkstätte zu sehen. Der Begleiter der Gruppe bemerkte die Kleidung offenbar, verhinderte den Rundgang jedoch nicht. Andere Teilnehmer erklärten, es handele sich ihrer Auffassung nach um einen Protest gegen den angeblichen „Völkermord in GazaPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen“.
Damit wird die Sache noch problematischer.
Wer gegen die israelische Regierung demonstrieren möchte, kann dies tun. Wer einen palästinensischen Staat fordert, kann dies tun. Wer das militärische Vorgehen Israels in Gaza scharf kritisiert, kann dies ebenfalls tun.
Dafür benötigt niemand das Porträt einer Frau, die an einem Terroranschlag beteiligt war, bei dem Familien und Kinder in einem gekaperten Bus ermordet wurden.
Das Bild Mughrabis ist gerade deshalb kein zufälliges palästinensisches Symbol. Die Terroristin wurde über Jahrzehnte in Teilen der palästinensischen Öffentlichkeit zur Heldin verklärt. Schulen, Veranstaltungen, Sportturniere und Jugendlager wurden nach ihr benannt. In palästinensischen Lehrmaterialien wurde sie als Vorbild und Märtyrerin dargestellt. Eine Untersuchung palästinensischer Schulbücher dokumentierte beispielsweise Texte, in denen Mughrabi ausdrücklich als heroische Figur des nationalen Kampfes dargestellt wurde.
Wer ihr Gesicht auf ein T-Shirt druckt, weiß deshalb normalerweise sehr genau, welche Botschaft damit verbunden ist.
Dass diese Botschaft nun ausgerechnet in Mauthausen gezeigt wird, macht den Vorgang so abstoßend.
Die Gedenkstätte beschreibt ihre eigene Aufgabe als Erinnerung an die Menschen, die Opfer einer staatlichen Maschinerie aus Ausgrenzung, Verfolgung und Mord wurden. Unter den Toten des Lagerkomplexes waren Menschen aus mehr als 40 Ländern, politische Gegner des NationalsozialismusShoah: Der nationalsozialistische Mord an sechs Millionen JudenShoah ist der hebräische Begriff für die Katastrophe der Vernichtung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland und seine Helfer. Rund sechs Millionen Juden wurden ermordet.Mehr lesen, Kriegsgefangene und Tausende Juden. Die SS ließ Gefangene durch Zwangsarbeit zugrunde gehen, erschießen, erschlagen und in der Gaskammer ermorden.
Einen solchen Ort für die Verehrung einer Terroristin zu benutzen, die Jahrzehnte später an der Ermordung jüdischer und israelischer Zivilisten beteiligt war, ist keine besonders mutige Form politischen Protests. Es ist eine groteske Verkehrung dessen, wofür eine Gedenkstätte stehen sollte.
Besonders verstörend ist das Alter der Beteiligten. Es waren Schüler.
Damit stellt sich zwangsläufig die Frage, wer ihnen diese Shirts gab, wer die Reise organisierte, ob die begleitenden Erwachsenen das Motiv kannten und weshalb niemand vor dem Betreten des Geländes erklärte, dass das Porträt einer Terroristin an einer Gedenkstätte für Opfer nationalsozialistischer Verbrechen nichts verloren hat.
Der bislang vorliegende N12-Bericht beantwortet diese Fragen nicht. Auch ist derzeit nicht belegt, dass Mitarbeiter der Gedenkstätte selbst die Gruppe bewusst mit diesen Shirts passieren ließen. Auf den Aufnahmen soll der Begleiter der Gruppe zu sehen sein, der nicht einschritt. Ob er zur Gedenkstätte, zur Schule oder zu einem externen Reiseveranstalter gehörte, geht aus den bisher bekannten Angaben nicht eindeutig hervor.
Diese Unterscheidung ist wichtig. Kritik darf nicht den falschen Verantwortlichen treffen.
Doch irgendjemand hat diese Schüler begleitet. Und Erwachsene tragen Verantwortung dafür, was jungen Menschen an einem solchen Ort vermittelt wird.
Holocaust-Gedenkstätten werden zur Bühne für den Gaza-Kampf
Mauthausen ist zudem kein isolierter Fall mehr.
Schon in Buchenwald entwickelte sich ein heftiger Streit um pro-palästinensische politische Demonstrationen an der KZ-Gedenkstätte. Dabei muss ein häufig verbreiteter Eindruck korrigiert werden: Ein allgemeines Verbot von Kufiyas besteht in Buchenwald ausdrücklich nicht. Die Stiftung erklärte selbst, dass es auf den jeweiligen Zusammenhang ankomme.
Bei einem konkreten Fall während der Gedenkveranstaltungen zum 80. Jahrestag der Befreiung wurde einer Aktivistin jedoch der Zutritt mit Kufiya verweigert, nachdem sie ausdrücklich erklärt hatte, diese dort als politische Botschaft tragen zu wollen. Das Thüringer Oberverwaltungsgericht bestätigte die Entscheidung im Eilverfahren. Die Gedenkstätte begründete ihre Haltung mit dem besonderen Charakter des Ortes und dem Schutz eines würdigen Erinnerns.
Danach mobilisierten pro-palästinensische Gruppen gegen die Gedenkstätte und warfen ihr unter anderem eine israelfreundliche politische Haltung vor.
Auch in Mauthausen selbst gab es bereits im Mai eine pro-palästinensische Inszenierung während der internationalen Befreiungsfeier. Aktivisten trugen palästinensische Symbole und verbanden die Erinnerung an die nationalsozialistischen Verbrechen ausdrücklich mit ihren Vorwürfen gegen IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen.
Nun folgt das Bild Dalal Mughrabis.
Hier muss eine Grenze gezogen werden.
Eine Holocaust-Gedenkstätte ist kein neutraler öffentlicher Platz, auf dem jede politische Kampagne denselben Anspruch auf Sichtbarkeit besitzt. Menschen fahren nach Mauthausen, Auschwitz, Buchenwald oder Dachau, um zu verstehen, was geschieht, wenn Menschen entrechtet, entmenschlicht und schließlich ermordet werden. Diese Orte besitzen eine historische Würde, die nicht beliebig für tagespolitische Botschaften benutzt werden darf.
Noch weniger dürfen sie zur Bühne für die Verherrlichung von Menschen werden, die selbst an der Ermordung von Zivilisten beteiligt waren.
Das Porträt Dalal Mughrabis verändert die Bewertung des Vorfalls entscheidend. Eine palästinensische Flagge allein wäre eine politische Aussage. Das Bild einer Terroristin, deren Gruppe Kinder ermordete, ist etwas anderes.
Es erinnert auch daran, wie tief die Verklärung von Terror gegen Israelis inzwischen reicht. Mughrabis Beteiligung am Küstenstraßenmassaker ist kein Geheimnis. Die Tat liegt fast fünf Jahrzehnte zurück und ist umfangreich dokumentiert. Dass sie trotzdem bis heute als Heldin dargestellt wird, zeigt, dass die Frage nicht allein HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen betrifft. Die Verherrlichung tödlicher Gewalt gegen Israelis reicht weit in die Geschichte der Fatah und der palästinensischen Nationalbewegung zurück.
Umso erschreckender ist es, wenn Schüler dieses Symbol nach Europa tragen und damit ausgerechnet durch ein ehemaliges Konzentrationslager laufen.
Wer jungen Menschen historische Verantwortung vermitteln will, muss ihnen auch erklären, dass Opfer nicht danach ausgewählt werden dürfen, ob sie in das eigene politische Weltbild passen. Jüdische Kinder, die 1978 in einem Bus ermordet wurden, werden nicht weniger zu Opfern, weil ihre Mörder sich auf Palästina beriefen.
Mauthausen sollte ein Ort sein, an dem genau diese elementare Erkenntnis keiner Erklärung bedarf.
Dass sie offenbar doch notwendig geworden ist, sagt erschreckend viel über den Zustand unserer Erinnerungskultur aus.
Autor: Redaktion
Freitag, 07 August 2026