Londons Sanktionen gegen Israel: Der Maßstab, den Großbritannien selbst kaum bestehen würde

Londons Sanktionen gegen Israel: Der Maßstab, den Großbritannien selbst kaum bestehen würde


Großbritannien will nicht nur Waren aus Judäa und Samaria verbieten, sondern auch Unternehmen wegen Finanzierung und Dienstleistungen treffen. Israels Wirtschaft warnt vor einem Dominoeffekt. Gleichzeitig finanziert London weiter die Palästinensische Autonomiebehörde und kämpft zu Hause mit einer eskalierenden islamistischen Terrorbedrohung.

Londons Sanktionen gegen Israel: Der Maßstab, den Großbritannien selbst kaum bestehen würde
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Großbritanniens neue Sanktionen gegen IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen wirken auf den ersten Blick begrenzt. Waren aus israelischen Gemeinden in Judäa und SamariaJudäa und Samaria: Israels historisches Kernland im politischen StreitJudäa und Samaria bezeichnen historische Landschaften zwischen Jerusalem, dem Jordantal und den zentralen Höhenzügen des Landes Israel. In Israel ist der Begriff gebräuchlich. International wird das Gebiet oft anders bezeichnet und politisch als umstritten eingeordnet.Mehr lesen sollen künftig nicht mehr eingeführt werden. Der unmittelbare wirtschaftliche Schaden dürfte überschaubar bleiben. Doch hinter der britischen Entscheidung steckt ein Prinzip, das für Israel weit gefährlicher werden kann als der Verlust einiger Exportaufträge.

London will künftig auch Unternehmen und Einzelpersonen sanktionieren, die nach britischer Auffassung durch Bauleistungen, Infrastruktur, Finanzierung oder Immobiliengeschäfte israelische Gemeinden unterstützen. Außenminister Ed Miliband kündigte ausdrücklich an, gegen jene vorzugehen, die solche Aktivitäten finanzieren oder ermöglichen. Die entsprechende Gesetzgebung soll innerhalb von sechs bis neun Monaten in Kraft treten.

Damit wird aus einem Warenboykott ein System wirtschaftlicher Mitverantwortung.

Genau davor warnt Israels Wirtschaft.

Ein Hersteller in Tel Aviv kann Bauteile aus Judäa und Samaria beziehen. Eine große israelische Bank finanziert Unternehmen im ganzen Land. Versicherer, Logistiker, Baukonzerne und Forschungspartner lassen sich nicht entlang einer politischen Linie in zwei voneinander getrennte Volkswirtschaften zerlegen.

Der Präsident des israelischen Herstellerverbandes, Abraham Novogrotzki, erklärte gegenüber N12 deshalb, eine klare Trennung zwischen der Wirtschaft Judäas und Samarias und dem übrigen Israel sei praktisch kaum möglich.

Heute Millionen, morgen Banken

Schon die Angaben über den direkten Schaden gehen weit auseinander. Das israelische Wirtschaftsministerium beziffert die betreffenden Exporte in einer Schätzung auf rund 28 Millionen Euro jährlich. Der Herstellerverband nennt etwa 48 Millionen Euro. Andere Experten kommen auf ungefähr 71 bis 99 Millionen Euro.

Ein Vertreter des Wirtschaftsministeriums bezifferte die Exporte aus Judäa und Samaria nach Europa dagegen auf rund 215 Millionen Euro im Jahr. Die Differenzen zeigen, wie schwierig bereits die statistische Abgrenzung ist.

2025 exportierte Israel Waren im Wert von rund 7,04 Milliarden Euro in die zwölf Staaten, die sich der aktuellen Initiative angeschlossen haben. Auf Großbritannien entfielen davon ungefähr 1,45 Milliarden Euro.

Der direkte Boykott ist deshalb nicht das größte Risiko.

Gefährlich wird es, wenn internationale Banken und Konzerne beginnen, israelische Geschäftspartner vorsorglich auszusortieren, weil irgendwo in deren Lieferkette eine Verbindung nach Judäa und Samaria bestehen könnte.

Großbritannien erklärt zwar, der Handel mit Israel innerhalb der Grünen Linie solle ausdrücklich geschützt werden und die Regierung lehne BDSBDS: Boykottkampagne gegen IsraelBDS ist eine gegen Israel gerichtete Boykottkampagne. Der Deutsche Bundestag verurteilte die Bewegung 2019 als antisemitisch.Mehr lesen gegen Israel ab. Gleichzeitig schafft London aber ein Sanktionsinstrument, das ausdrücklich Finanzierung, Infrastruktur und Dienstleistungen erfassen soll.

Das ist die Stelle, an der Londons Maßstab interessant wird.

Denn wirtschaftliche und politische Mitverantwortung wird gegenüber Israel sehr weit ausgelegt.

Gegenüber Ramallah sieht die Sache anders aus.

Millionen für Ramallah trotz offener Pay for Slay Fragen

Die Palästinensische AutonomiebehördePLO: Die Organisation zwischen Terrorgeschichte, Oslo und MachtverlustDie PLO ist die Palästinensische Befreiungsorganisation. Sie wurde 1964 gegründet, wurde später international als Vertreterin der Palästinenser anerkannt und spielte im Oslo-Prozess eine zentrale Rolle.Mehr lesen erklärte 2025, ihr jahrzehntelang kritisiertes System von Zahlungen an palästinensische Gefangene und Familien getöteter Angreifer abgeschafft zu haben. Künftig sollten Sozialleistungen ausschließlich nach Bedürftigkeit vergeben werden.

Doch selbst die britische Regierung betrachtet die Sache nicht als endgültig erledigt. Im Januar erklärte London im Parlament, eine unabhängige Prüfung müsse erst bestätigen, dass die Reform tatsächlich vollständig umgesetzt worden sei. Noch im Juli verwies die Regierung auf eine laufende unabhängige Prüfung.

Die britische Regierung versichert gleichzeitig, britische Entwicklungshilfe werde nicht für das sogenannte Pay for SlayPay for Slay: Wie Terror gegen Israelis weiter belohnt wird„Pay for Slay“ ist ein kritischer Begriff für palästinensische Zahlungen an in Israel inhaftierte Täter, freigelassene Gefangene und Familien getöteter Angreifer. Kritiker sehen darin eine Belohnung für Terror gegen Israelis.Mehr lesen System verwendet.

Trotz der noch nicht abschließend überprüften Reformen fließt weiteres Geld.

Miliband kündigte im Juni mindestens 11,6 Millionen Euro zusätzlich für die Palästinensische Autonomiebehörde im Jahr 2026 an. Das Geld soll unter anderem Gehälter im Gesundheitswesen sichern. London spricht zugleich von notwendiger Reform bei Bildung, Sozialzahlungen und Regierungsführung.

Der Kontrast könnte kaum deutlicher sein.

Bei israelischen Unternehmen reicht künftig bereits die Finanzierung oder Ermöglichung einer von London abgelehnten Tätigkeit für Sanktionen.

Bei der Palästinensischen Autonomiebehörde reichen jahrelange Kontroversen über Zahlungen an Gefangene und Familien getöteter Angreifer nicht einmal für einen Finanzierungsstopp. Dort setzt London auf Audits, Reformversprechen und weitere Millionen.

Und der Maßstab wird noch auffälliger, wenn man nach Großbritannien selbst schaut.

Während London Israel sanktioniert, wächst zu Hause die Terrorgefahr

Seit dem antisemitischen Terrorangriff in Golders Green Ende April gilt in Großbritannien die Terrorwarnstufe „severe“. Ein Anschlag wird damit offiziell als sehr wahrscheinlich eingestuft. MI5 erklärt islamistischen Terror weiterhin zur wichtigsten terroristischen Bedrohung des Vereinigten Königreichs. Gleichzeitig warnt der Geheimdienst ausdrücklich vor einer erhöhten Gefahr für jüdische und israelische Personen und Einrichtungen.

Premierminister Keir Starmer erinnerte nach Golders Green selbst an eine ganze Serie von Angriffen: Brandanschläge, den Angriff auf Fahrzeuge des jüdischen Rettungsdienstes Hatzola und den islamistischen Terroranschlag auf die Synagoge in Manchester im Oktober 2025, bei dem zwei jüdische Männer getötet wurden.

Hinzu kommen vom Iran gesteuerte Netzwerke.

Die britische Regierung erklärte im Juli, die Islamic Movement of Companions of the Right habe sich zu sieben Angriffen auf jüdische und israelische Ziele sowie persischsprachige Medien in Großbritannien bekannt. Nach Einschätzung Londons standen dahinter Mitglieder der Quds ForceQuds-Einheit: Irans geheime Kommandozentrale gegen IsraelDie Quds-Einheit ist die für Auslandseinsätze zuständige Eliteeinheit der Islamischen Revolutionsgarden des Iran. Sie unterstützt Terrororganisationen und Milizen in der Region, darunter Hisbollah, Hamas, Islamischer Dschihad, Huthi und schiitische Milizen.Mehr lesen der iranischen RevolutionsgardenIslamische Revolutionsgarden: Machtzentrum des iranischen RegimesDie Islamischen Revolutionsgarden sind eine mächtige militärische, politische und wirtschaftliche Organisation der Islamischen Republik Iran. Sie wurden nach der Revolution von 1979 gegründet, unterstehen dem Obersten Führer und steuern über die Quds-Einheit Irans regionales Terrornetzwerk.Mehr lesen. Großbritannien verhängte Sanktionen gegen die Gruppe.

Genau hier beginnt der politische Doppelstandard sichtbar zu werden.

London verlangt von Israel eine immer weiter reichende wirtschaftliche Distanzierung von Judäa und Samaria. Banken, Zulieferer und Dienstleister sollen prüfen, ob ihre Geschäfte mittelbar Aktivitäten ermöglichen, die die britische Regierung ablehnt.

Doch Großbritannien selbst erwartet selbstverständlich nicht, dass andere europäische Staaten wegen islamistischer Gewalt, iranischer Terrornetzwerke oder eigener politischer Versäumnisse britische Banken, Unternehmen oder Waren unter Generalverdacht stellen.

Bei Großbritannien wird sauber zwischen Terroristen, staatlichen Institutionen, Unternehmen und Bürgern unterschieden.

Bei Israel beginnt London gerade damit, diese Trennlinien wirtschaftlich immer weiter zu verwischen.

haOlam berichtete bereits, wie unterschiedlich europäische Regierungen Israel und die Palästinensische Autonomiebehörde behandeln. Die neuen britischen Maßnahmen verschärfen diesen Widerspruch.

Noch betrifft das Handelsverbot vergleichsweise geringe Summen.

Noch sagt London, Israel selbst solle wirtschaftlich verschont bleiben.

Doch Großbritanniens neues Instrument reicht bereits über Produkte hinaus. Es umfasst Unternehmen, Finanzierung und Dienstleistungen.

Israels Wirtschaft sieht deshalb nicht auf die ersten 28, 48 oder 99 Millionen Euro.

Sie schaut auf die nächste Stufe.

Denn sobald politische Mitverantwortung über Lieferketten und Bankbeziehungen definiert wird, lässt sich der Kreis der Betroffenen nahezu beliebig erweitern.

Heute Judäa und Samaria.

Morgen israelische Banken.

Danach Forschung, Industrie und internationale Partnerschaften.

London nennt es gezielte Sanktionen.

Für Israels Wirtschaft sieht es zunehmend wie ein Loch im Damm aus.




Autor: Samuel Benning
Donnerstag, 10 September 2026

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