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Iran bestätigt 3000 Tote bei Protesten, UN spricht von entsetzlicher Gewalt des Regimes

Iran bestätigt 3000 Tote bei Protesten, UN spricht von entsetzlicher Gewalt des Regimes


Während das Regime erstmals selbst von Tausenden Toten spricht, zeichnen Augenzeugen, Menschenrechtsorganisationen und interne Quellen ein weitaus düsteres Bild. Der Iran versinkt in Gewalt, Abschottung und Angst und offenbart dabei die ganze Brutalität eines Systems, das um sein Überleben kämpft.

Iran bestätigt 3000 Tote bei Protesten, UN spricht von entsetzlicher Gewalt des Regimes

Zum ersten Mal seit Beginn der landesweiten Proteste hat ein Vertreter des iranischen Regimes eine konkrete Zahl genannt. Rund 2000 Menschen seien in den vergangenen Wochen getötet worden, erklärte ein iranischer Offizieller gegenüber internationalen Medien. Die Verantwortung schob er wie gewohnt auf sogenannte Terroristen. Zivilisten und Sicherheitskräfte seien gleichermaßen Opfer externer Gewalt geworden. Doch diese Darstellung kollidiert frontal mit dem, was sich seit Wochen auf Irans Straßen abspielt.

Die Proteste, die Ende Dezember begannen, haben längst eine Dimension erreicht, die das Regime nicht mehr kontrollieren kann, sondern nur noch unterdrücken. In zahlreichen Städten feuern Sicherheitskräfte scharf auf Demonstrierende. Videos zeigen gezielte Schüsse aus nächster Nähe. Augenzeugen berichten von nächtlichen Razzien, von willkürlichen Festnahmen, von Leichen, die rasch abtransportiert werden. Dass Teheran nun überhaupt eine Zahl nennt, ist weniger ein Zeichen von Transparenz als ein Eingeständnis des Ausmaßes.

Internationale Reaktionen fallen ungewöhnlich deutlich aus. Der UN Hochkommissar für Menschenrechte Volker Türk erklärte, er sei entsetzt über die eskalierende Gewalt der iranischen Sicherheitskräfte gegen friedliche Demonstrierende. Dieser Kreislauf aus brutaler Gewalt könne nicht weitergehen, sagte er. Die Forderungen der iranischen Bevölkerung nach Gerechtigkeit, Gleichheit und Würde müssten gehört werden. Es ist eine klare Sprache, doch sie steht in scharfem Kontrast zur politischen Ohnmacht der internationalen Gemeinschaft.

Während in New York Stellungnahmen verlesen werden, baut das Regime im Westen des Landes faktisch eine militärische Sperrzone auf. In den Provinzen West-Aserbaidschan, Kurdistan, Kermanschah und Ilam haben Einheiten der Revolutionsgarden ganze Städte abgeriegelt. Zufahrten werden blockiert, Kontrollpunkte errichtet, Fahrzeuge durchsucht. Bürger werden gezwungen, ihre Mobiltelefone zu entsperren. Wer Inhalte teilt oder Kontakte hat, gerät sofort in Verdacht.

Besonders in Grenzregionen wie Sardasht, Baneh oder Marivan ist schweres Militärgerät aufgefahren worden. Spezialeinheiten patrouillieren Dörfer, das zivile Leben ist nahezu zum Erliegen gekommen. Märkte bleiben geschlossen, Bewegungsfreiheit existiert kaum noch. Diese Maßnahmen richten sich nicht gegen Terroristen, sondern gegen die eigene Bevölkerung.

Parallel dazu setzt das Regime auf totale Informationskontrolle. Internet und Telefonverbindungen sind in weiten Teilen des Landes vollständig abgeschaltet. Satellitenfernsehen ist für viele Iraner die einzige Informationsquelle, doch auch diese Signale werden massiv gestört. In Städten wie Teheran durchkämmen Sicherheitskräfte Wohnhäuser und konfiszieren Satellitenschüsseln. Wer Bilder sehen könnte, soll sie nicht sehen.

Die Diskrepanz zwischen offiziellen und unabhängigen Zahlen bleibt enorm. Menschenrechtsorganisationen wie HRANA haben bislang über 600 Todesfälle verifiziert, betonen jedoch selbst, dass dies nur die Untergrenze darstellt. Weitere Hunderte Fälle werden noch geprüft. Andere Quellen, darunter oppositionelle Medien, sprechen von über 12.000 Toten, vor allem nach zwei besonders blutigen Nächten. Die Wahrheit liegt im Dunkeln, bewusst erzeugt durch Abschottung und Angst.

Hinzu kommen mehr als 10.000 Festnahmen. Zahlreiche Zwangsgeständnisse wurden bereits im Staatsfernsehen ausgestrahlt. Gesichter geschwollen, Stimmen gebrochen, Aussagen offensichtlich erpresst. Diese Inszenierungen sollen abschrecken, doch sie wirken zunehmend wie Beweise der Verzweiflung eines Systems, das seine Kontrolle verliert.

Ein besonders eindrückliches Symbol des Widerstands wurde der Behesht-e Zahra Friedhof in Teheran. Dort, wo die Toten beerdigt werden, versammelten sich Angehörige und Demonstrierende. Sie riefen offen zum Sturz des obersten Führers auf. Der Name „Seyyed Ali“ hallte über Gräber hinweg. Gemeint ist Ali Khamenei. Dass solche Parolen an einem Ort der Trauer gerufen werden, zeigt, wie tief der Bruch zwischen Staat und Gesellschaft ist.

Die Revolutionsgarden, die sich als Schutzmacht der Islamischen Republik verstehen, agieren längst als Besatzungstruppe im eigenen Land. Die Islamische Revolutionsgarden kontrollieren Straßen, Medien, Grenzen und Narrative. Doch jede weitere Gewaltmaßnahme vertieft den Hass. Jede Kugel schafft neue Gegner. Jede Leugnung untergräbt die letzte Restlegitimität.

Für Israel und die gesamte Region ist diese Entwicklung hochrelevant. Ein Regime, das bereit ist, Tausende seiner eigenen Bürger zu töten, ist auch außenpolitisch unberechenbar. Historisch hat Teheran innere Krisen stets durch aggressive Rhetorik und Stellvertretergewalt nach außen kompensiert. Die Warnsignale mehren sich.

Der Iran befindet sich in einem Zustand, der sich nicht mehr beschönigen lässt. Selbst das Regime spricht nun von 3000 Toten. Die reale Zahl dürfte deutlich höher liegen. Doch unabhängig von Statistiken steht fest: Dies ist keine Ordnungspolitik mehr. Es ist ein Krieg gegen die eigene Gesellschaft.

Die Frage ist nicht mehr, ob das System Gewalt einsetzt. Die Frage ist, wie lange es glaubt, dies tun zu können, ohne daran selbst zu zerbrechen.


Autor: Redaktion
Bild Quelle: Symbolbild KI generiert


Dienstag, 13 Januar 2026

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