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Der Galgen auf dem Marktplatz: Iran richtet zwei Januar-Demonstranten öffentlich hin

Der Galgen auf dem Marktplatz: Iran richtet zwei Januar-Demonstranten öffentlich hin


Iran hat Amirhossein Safari und Abolfazl Sepahi öffentlich auf einem Protestplatz in Isfahan gehängt. UN-Experten sprechen von einem unfairen Sammelprozess. Weitere Gefangene sind akut bedroht.

Der Galgen auf dem Marktplatz: Iran richtet zwei Januar-Demonstranten öffentlich hin
Bildnachweis: Symbolbild / KI

Das iranische Regime hat seine Repression auf die Straße getragen. Amirhossein Safari und Abolfazl Sepahi wurden am Dienstagmorgen auf dem Alikhani-Platz in Isfahan öffentlich gehängt. Bereits in der Nacht war dort ein eisernes Gerüst errichtet worden. Sicherheitskräfte riegelten den Platz weiträumig ab, während sich Menschen in der Umgebung versammelten und Berichte über kurze Zusammenstöße mit den Einsatzkräften verbreitet wurden. Die iranische Justiz bestätigte die Vollstreckung der Todesurteile. Aufnahmen aus oppositionellen Kreisen sollen die öffentliche Hinrichtung zeigen.

Die Exekution war nicht nur die Tötung zweier Gefangener. Sie war eine bewusst inszenierte Botschaft an eine Bevölkerung, die sich im vergangenen Winter gegen das Regime erhoben hatte. Der Galgen wurde nicht hinter Gefängnismauern verborgen. Er stand dort, wo am 8. Januar Demonstranten gegen die Islamische Republik protestiert hatten. An jenem Ort wollte das Regime nun öffentlich vorführen, welchen Preis es für Widerstand verlangt.

Safari und Sepahi waren im Zusammenhang mit den Protesten auf dem Alikhani-Platz verurteilt worden. Die regimenahe Justizagentur Mizan behauptet, sie seien an einem äußerst brutalen Angriff auf Angehörige der Sicherheitskräfte beteiligt gewesen. Ihnen wurde unter anderem vorgeworfen, Polizisten mit Messern und Macheten angegriffen, an Verkehrsschilder gebunden, über den Boden gezogen, mit Benzin übergossen und angezündet zu haben. Außerdem sollen eine Polizeiwache in Brand gesetzt und öffentliches Eigentum zerstört worden sein. Vier Mitglieder der Basij-Miliz und anderer Sicherheitskräfte sollen während der Zusammenstöße ums Leben gekommen sein. Eine unabhängige Überprüfung dieser konkreten Vorwürfe ist unter den Bedingungen iranischer Zensur und abgeschotteter Verfahren bislang nicht möglich.

Gerade deshalb kommt es auf ein rechtsstaatliches Verfahren an. Doch nach Einschätzung von UN-Experten fehlte genau dieses. Zwölf junge Männer wurden wegen der Ereignisse von Isfahan in einer einzigen Verhandlung zum Tode verurteilt. Die Sitzung fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, ohne nachvollziehbare Feststellung der individuellen Verantwortung jedes einzelnen Angeklagten. Die schriftlichen Urteile wurden nicht veröffentlicht. Geständnisse, auf die sich die Anklage wesentlich stützte, waren zuvor im Staatsfernsehen ausgestrahlt worden. Die Vereinten Nationen warnten ausdrücklich, dass unter Zwang erlangte Aussagen niemals als Beweise verwendet werden dürften und ihre Veröffentlichung vor Prozessbeginn die Unschuldsvermutung verletze.

Die Männer wurden wegen „Moharebeh“, des angeblichen „Krieges gegen Gott“, und wegen „Verderbtheit auf Erden“ verurteilt. Diese religiös aufgeladenen Straftatbestände geben der Islamischen Republik ein nahezu grenzenloses Instrument gegen politische Gegner. Nicht der nachweisbare individuelle Tatbeitrag steht im Mittelpunkt, sondern die Behauptung, der Angeklagte habe die göttliche und staatliche Ordnung angegriffen. Aus Protest gegen eine Regierung wird so ein Verbrechen gegen Gott. Aus Widerstand wird eine Sünde, auf die der Staat mit dem Galgen antwortet.

Safari und Sepahi waren nicht die ersten Opfer dieses Verfahrens. Bereits am 19. Juli wurden Erfan Esfandiari und Gol Mohammad Mohammadi im selben Fall hingerichtet. Damit hat das Regime innerhalb weniger Tage vier der zwölf zum Tode Verurteilten getötet. Acht weitere Männer befinden sich weiterhin in unmittelbarer Gefahr. Unter ihnen ist Shervin Bagherian Jebeli, der erst wenige Tage vor seiner Festnahme 18 Jahre alt geworden war. Das iranische Staatsfernsehen zeigte ihn bereits innerhalb einer Woche nach seiner Festnahme bei einem angeblichen Geständnis. Nach Angaben der UN wirkte er dabei nicht einmal so, als habe er verstanden, dass der gegen ihn erhobene Vorwurf „Moharebeh“ die Todesstrafe bedeuten konnte.

Iran Human Rights berichtet von mehr als 70 Gefangenen allein im Zentralgefängnis von Isfahan, denen im Zusammenhang mit den Januarprotesten die Hinrichtung droht. Mindestens 26 von ihnen sollen zeitweise in Isolationsbereichen oder Zellen für unmittelbar bevorstehende Exekutionen festgehalten worden sein. Unter den identifizierten Gefangenen befindet sich mindestens eine Person, die zur Zeit der vorgeworfenen Tat minderjährig war. Bei drei weiteren wird dies noch geprüft. Die Organisation berichtet außerdem von verschwundenen Gefangenen, Folter, fehlenden Wahlverteidigern und Prozessen, die teilweise nur wenige Minuten gedauert hätten. Diese Angaben stammen aus oppositionellen und menschenrechtlichen Quellen und sind im Iran nicht unabhängig vor Ort überprüfbar. Sie zeichnen jedoch gemeinsam mit der UN-Kritik das Bild eines Systems, in dem Todesurteile nicht das Ergebnis transparenter Rechtsprechung, sondern Teil politischer Unterdrückung sind.

Die öffentliche Hinrichtung verschärft diese Botschaft noch einmal. Das Regime hätte die Urteile wie viele andere Exekutionen heimlich im Gefängnis vollstrecken können. Stattdessen errichtete es einen Galgen auf einem Platz, der mit dem Aufstand verbunden ist. Das war eine Machtdemonstration. Der Staat wollte nicht nur zwei Männer töten. Er wollte, dass andere davon erfahren, die Bilder sehen und verstehen, dass der Protestplatz jederzeit in einen Hinrichtungsplatz verwandelt werden kann.

Diese Brutalität fällt in eine Phase, in der die Führung in Teheran sich erneut unangreifbar gibt. Nach der Unterbrechung amerikanischer Angriffe feiern regimenahe Medien einen angeblichen Sieg über die Vereinigten Staaten. Gleichzeitig behauptet die Führung, die Protestbewegung im Inneren endgültig zerschlagen zu haben. Der iranische Experte Beni Sabti deutete die öffentliche Hinrichtung als Ausdruck dieses neu gewonnenen Selbstvertrauens: Das Regime glaube, IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen und die USA widerstanden und zugleich seine eigenen Bürger unterworfen zu haben. Diese Einschätzung ist eine Analyse, keine feststellbare Tatsache. Die Entscheidung für die öffentliche Inszenierung passt jedoch zu einer Staatsführung, die derzeit kaum noch versucht, ihre Menschenrechtsverbrechen vor der Welt zu verbergen.

Während der Proteste im Dezember und Januar hatte Teheran das Internet weitgehend abgeschaltet. Dadurch wurde die Weitergabe von Bildern, Opferzahlen und Zeugenaussagen massiv erschwert. Human Rights Watch sprach schon im Januar von landesweiten Massentötungen durch Sicherheitskräfte. Amnesty International bezeichnete den Januar als die tödlichste Phase staatlicher Repression in Jahrzehnten seiner Iran-Recherchen. Die genaue Zahl der Toten bleibt umstritten. Das Regime nennt etwas mehr als 3.000 Opfer und gibt „ausländisch unterstützten Randalierern“ die Schuld. Andere Menschenrechtsorganisationen dokumentierten mehr als 7.000 Tote, während medizinische und oppositionelle Netzwerke von möglicherweise mehr als 30.000 Getöteten berichteten. Wegen der Zensur, verschwundener Leichen und fehlender unabhängiger Untersuchungen lässt sich keine dieser höheren Schätzungen abschließend bestätigen.

Gerade diese Unsicherheit nutzt das Regime. Es kontrolliert Ermittlungen, Gerichte, Staatsmedien, Gefängnisse und die Herausgabe der Leichen. Es entscheidet, welche Bilder gezeigt werden, welche Geständnisse ausgestrahlt werden und welche Version des Geschehens Angehörige öffentlich wiederholen dürfen. Wer der offiziellen Darstellung widerspricht, riskiert selbst Verfolgung. Unter solchen Bedingungen ist ein Todesurteil nicht nur eine juristische Entscheidung. Es ist die letzte Stufe eines Systems, das zugleich Ankläger, Richter, Propagandist und Henker ist.

Auch schwere Vorwürfe gegen Demonstranten rechtfertigen keine geheimen Sammelverfahren, erzwungenen Fernsehgeständnisse oder Todesurteile ohne klar festgestellte Einzelschuld. Sollten Angehörige der Sicherheitskräfte gefoltert und getötet worden sein, müssen die Verantwortlichen in einem rechtsstaatlichen Verfahren zur Rechenschaft gezogen werden. Doch genau ein solches Verfahren verweigert die Islamische Republik. Sie verlangt von der Welt, ihre Anschuldigungen zu glauben, während sie jede unabhängige Überprüfung verhindert.

Die Hinrichtung von Safari und Sepahi zeigt deshalb nicht die Stärke eines funktionierenden Staates. Sie zeigt die Angst eines Regimes, das seinen Bürgern selbst Monate nach den Protesten noch mit dem Galgen antwortet. Eine Regierung, die sich ihrer gesellschaftlichen Unterstützung sicher wäre, müsste keine 18-Jährigen mit dem „Krieg gegen Gott“ bedrohen. Sie müsste keine erzwungenen Aussagen im Fernsehen senden und keine Gerüste auf öffentlichen Plätzen errichten.

Das Ziel ist Abschreckung durch Schrecken. Jeder Iraner soll wissen, dass eine Demonstration nicht mit der Auflösung einer Menschenmenge endet. Eine Festnahme kann Monate später in einer verschlossenen Gerichtsverhandlung und schließlich auf einem öffentlichen Galgen enden. Familien sollen schweigen, Gefangene gestehen und die Bevölkerung soll lernen, dass selbst internationale Proteste das Regime nicht aufhalten.

Die Vereinten Nationen hatten Teheran noch unmittelbar vor der Vollstreckung aufgefordert, die Todesurteile aufzuheben und sämtliche Hinrichtungen im Zusammenhang mit den Protesten zu stoppen. Das Regime reagierte nicht mit einer Prüfung des Verfahrens, sondern mit dem Galgen.

Acht Männer aus demselben Verfahren leben noch. Mehr als 70 weitere Gefangene allein in Isfahan könnten ebenfalls zum Tode verurteilt worden sein. Die öffentliche Hinrichtung vom Dienstag darf deshalb nicht als abgeschlossener Vorgang betrachtet werden. Sie kann der Beginn einer neuen Welle sein.

Das Regime will, dass die Welt auf Kriege, Ölpreise und diplomatische Verhandlungen blickt, während es seine Gegner tötet. Genau deshalb darf der Blick nicht abgewendet werden.

Am Alikhani-Platz stand am Dienstag kein Symbol der Gerechtigkeit.

Dort stand der Galgen einer Diktatur.




Autor: Redaktion
Dienstag, 28 Juli 2026

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