Irans Galgen-Regime: Fast 1.000 Hinrichtungen, Protestierende gezielt im Visier

Irans Galgen-Regime: Fast 1.000 Hinrichtungen, Protestierende gezielt im Visier


Während Teheran nach außen mit Israel und den USA konfrontiert ist, verschärft das Regime den Krieg gegen seine eigene Bevölkerung. Menschenrechtsorganisationen dokumentieren Hinrichtungen nach umstrittenen Verfahren, erzwungene Geständnisse und Todesurteile gegen junge Demonstranten.

Irans Galgen-Regime: Fast 1.000 Hinrichtungen, Protestierende gezielt im Visier
Bildnachweis: Symbolbild / KI

Die Islamische Republik führt ihren Kampf längst nicht nur gegen äußere Gegner. Im Inneren setzt das Regime die Todesstrafe in einem Ausmaß ein, das selbst für iranische Verhältnisse erschreckend ist. Besonders gefährdet sind Menschen, die während der landesweiten Proteste gegen die Führung in Teheran festgenommen wurden.

Wie dramatisch die Entwicklung inzwischen ist, zeigt der laufend aktualisierte Hinrichtungsmonitor des Abdorrahman Boroumand Center for Human Rights in Iran. Bis zum 29. August 2026 listete die Organisation bereits 976 gemeldete Hinrichtungen seit Jahresbeginn, davon 69 allein im August. Die Organisation weist selbst darauf hin, dass wegen mangelnder Transparenz eine exakte Erfassung schwierig ist. Die Zahl umfasst zudem sämtliche dokumentierten Hinrichtungen nach formalen Gerichtsverfahren, also nicht ausschließlich politische Gefangene oder Demonstranten.

Gerade diese Unterscheidung ist wichtig. Wer von fast 1.000 Hinrichtungen spricht, darf nicht den Eindruck erwecken, es handele sich dabei ausschließlich um Oppositionelle.

Doch innerhalb dieser gewaltigen Zahl zeichnet sich ein eigenes Muster politischer Hinrichtungen ab.

Amnesty International dokumentierte bereits Ende Juli mindestens 26 Menschen, die wegen angeblicher Straftaten im Zusammenhang mit den Protesten vom Januar 2026 hingerichtet worden waren. Mindestens 60 weitere Personen sah die Organisation damals nach Todesurteilen in unmittelbarer Gefahr. Unter ihnen befanden sich auch Menschen, die zum Zeitpunkt der ihnen vorgeworfenen Taten minderjährig waren. Amnesty spricht von einer gezielten Eskalation des Einsatzes der Todesstrafe zur Unterdrückung von Dissens.

Erst das Geständnis im Staatsfernsehen, dann der Prozess

Einer der jüngsten Fälle ist Shahram Sadeghi.

Das iranische Regime ließ ihn am 16. August hinrichten. Sadeghi war im Zusammenhang mit den Protesten vom 8. Januar in Karaj festgenommen worden. Die iranische Justiz warf ihm vor, mit einem Auto gezielt auf Sicherheitskräfte zugefahren und sieben Beamte verletzt zu haben. Einer von ihnen soll mehrere Monate im Koma gelegen haben. Das Regime verurteilte ihn schließlich wegen einer angeblichen „operativen Aktion zugunsten des zionistischen Regimes, der USA und feindlicher Gruppen“ zum Tode.

Diese Anschuldigungen dürfen in einer seriösen Berichterstattung nicht einfach unterschlagen werden.

Ebenso wenig darf jedoch ignoriert werden, unter welchen Bedingungen das Verfahren stattfand.

Iran Human Rights berichtet, dass Sadeghis angebliches Geständnis bereits im Staatsfernsehen ausgestrahlt wurde, bevor das eigentliche Gerichtsverfahren begonnen hatte. Die Organisation spricht von einem durch Zwang und Folter belasteten Geständnis und weist ausdrücklich darauf hin, dass unabhängige Informationen über den Fall fehlen. Mit seiner Hinrichtung war Sadeghi nach Zählung der Organisation bereits der 27. Mensch, der seit dem 19. März wegen eines Zusammenhangs mit den Protesten hingerichtet wurde.

Das ist ein wiederkehrendes Muster der Islamischen Republik: Angeklagte werden öffentlich als Agenten, Terroristen oder Helfer Israels präsentiert, noch bevor ein transparentes Verfahren stattgefunden hat.

Die Anschuldigung, für IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen oder die USA gearbeitet zu haben, besitzt dabei einen besonderen Nutzen für das Regime. Aus einem iranischen Bürger, der sich gegen seine Regierung stellt, wird in der staatlichen PropagandaDesinformation: Gezielte Täuschung der ÖffentlichkeitDesinformation bezeichnet bewusst verbreitete falsche oder irreführende Informationen. Ziel ist häufig, Menschen zu täuschen, Vertrauen zu zerstören, Konflikte zu verschärfen oder politische Entscheidungen zu beeinflussen.Mehr lesen ein Werkzeug des äußeren Feindes.

Damit muss Teheran die wesentlich unangenehmere Möglichkeit nicht anerkennen: dass der Widerstand gegen die Islamische Republik aus der iranischen Gesellschaft selbst kommt.

Öffentliche Hinrichtungen als Botschaft

Besonders deutlich wurde die Abschreckungsstrategie Ende Juli in Isfahan.

Am 28. Juli wurden Amir Hossein Safari und Abolfazl Sepahi öffentlich auf dem Alikhani-Platz gehängt. Beide waren während der Januar-Proteste festgenommen worden. Sie gehörten zu einem größeren Verfahren, in dem es unter anderem um den Tod von vier Angehörigen der Sicherheitskräfte sowie Vorwürfe wegen Waffenbesitzes, Brandstiftung und Sachbeschädigung ging.

Auch hier wäre es falsch, die staatlichen Vorwürfe einfach wegzulassen.

Amnesty International kommt nach Auswertung von Informationen aus dem Umfeld der Betroffenen, offiziellen Erklärungen und Berichten iranischer Medien allerdings zu einer vernichtenden Bewertung des Verfahrens. Die Organisation spricht von einem grob unfairen Massenprozess und berichtet über Foltervorwürfe, erzwungene Geständnisse, eingeschränkten Zugang zu Rechtsanwälten und geschlossene Verfahren.

Bereits am 19. Juli waren Erfan Esfandiari und Gol-Mohammad Mohammadi aus demselben Verfahren hingerichtet worden. Menschenrechtsaktivisten verbreiteten später weitergehende Darstellungen über ihre konkrete Rolle während der Proteste. Diese Einzelheiten sind allerdings nicht in allen Punkten unabhängig überprüfbar. Belastbar ist dagegen, dass auch Amnesty schwere Zweifel an der Fairness des Verfahrens und an der Verwendung der Geständnisse äußert.

Dass Safari und Sepahi anschließend öffentlich gehängt wurden, verleiht dem Vorgang eine zusätzliche Dimension.

Iran Human Rights bezeichnete die Exekutionen als die ersten dokumentierten öffentlichen Hinrichtungen des Jahres 2026 und berichtete, dass sich Menschen am Hinrichtungsort versammelt hätten, um gegen die Vollstreckung zu protestieren. Sicherheitskräfte seien gegen sie vorgegangen.

Eine öffentliche Hinrichtung ist nicht nur die Vollstreckung eines Urteils.

Sie ist eine Demonstration staatlicher Macht.

Und wenn sie ausgerechnet an einem Ort stattfindet, an dem wenige Monate zuvor gegen das Regime protestiert wurde, ist die Botschaft kaum zu übersehen.

Junge Iraner warten weiter auf den Tod

Andere müssen derzeit damit rechnen, die nächsten zu sein.

Zu ihnen gehört Shervin Bagherian. Er war erst 18 Jahre alt, als er im Zusammenhang mit den Januar-Protesten festgenommen wurde. Amnesty International berichtet, dass er 21 Tage lang gewaltsam verschwunden gewesen sei, geschlagen worden sei und während der Ermittlungen keinen Zugang zu einem Rechtsanwalt gehabt habe. Ein angebliches Geständnis wurde bereits am 25. Januar im iranischen Staatsfernsehen gezeigt, also vor seinem Prozess.

Bagherian gehört zu mehreren Angeklagten aus dem Isfahan-Verfahren, denen weiterhin die Hinrichtung droht.

Amnesty hat darüber hinaus dokumentiert, dass iranische Gerichte seit Jahresbeginn immer häufiger weit gefasste Vorwürfe wie „Feindschaft gegen Gott“, „Korruption auf Erden“, Spionage oder Zusammenarbeit mit „feindlichen Staaten“ einsetzen. Solche Tatbestände können mit dem Tod bestraft werden. Die Menschenrechtsorganisation berichtet von verschwundenen Gefangenen, Folter, fehlendem Zugang zu Verteidigern und erzwungenen Geständnissen.

All das geschieht vor dem Hintergrund eines Aufstands, den das Regime nur mit massiver Gewalt unter Kontrolle brachte.

Die Proteste hatten Ende Dezember 2025 begonnen und entwickelten sich im Januar zu einer landesweiten Bewegung gegen die Islamische Republik. Amnesty International dokumentierte den Einsatz von Schusswaffen gegen Demonstranten, massenhafte Festnahmen und ein lang anhaltendes Abschalten des Internets. Die iranische Regierung selbst räumte später mehr als 3.000 Tote während der Unruhen ein. Die UN-Sonderberichterstatterin Mai Sato sprach bereits im Januar von mindestens 5.000 Toten und verwies auf Hinweise, nach denen die tatsächliche Zahl deutlich höher liegen könnte.

Für das Regime ist Repression keine Nebensache

Eine aktuelle Analyse der iranischstämmigen Autorin Nina Khoshkish im „JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen Post“ beschreibt die Hinrichtungen deshalb als Teil einer fast fünf Jahrzehnte alten Herrschaftsmethode. Für Khoshkish besitzt diese Geschichte eine persönliche Dimension: Ihr Großvater Yousef Khoshkish, der letzte Zentralbankchef der Pahlavi-Zeit, wurde nach der Islamischen Revolution hingerichtet. Heute sieht sie dieselbe Logik bei der Verfolgung einer neuen Generation von Iranern.

Man muss ihre politische Bewertung nicht übernehmen, um das zugrunde liegende Problem zu erkennen.

Die Menschenrechtslage im Iran lässt sich nicht von Atomprogramm, TerrorfinanzierungPay for Slay: Wie Terror gegen Israelis weiter belohnt wird„Pay for Slay“ ist ein kritischer Begriff für palästinensische Zahlungen an in Israel inhaftierte Täter, freigelassene Gefangene und Familien getöteter Angreifer. Kritiker sehen darin eine Belohnung für Terror gegen Israelis.Mehr lesen, RevolutionsgardenIslamische Revolutionsgarden: Machtzentrum des iranischen RegimesDie Islamischen Revolutionsgarden sind eine mächtige militärische, politische und wirtschaftliche Organisation der Islamischen Republik Iran. Sie wurden nach der Revolution von 1979 gegründet, unterstehen dem Obersten Führer und steuern über die Quds-Einheit Irans regionales Terrornetzwerk.Mehr lesen oder dem Konflikt mit Israel abtrennen, als handele es sich um ein nebensächliches innenpolitisches Kapitel.

Die Führung in Teheran betrachtet all diese Bereiche unter einem zentralen Gesichtspunkt: dem Erhalt ihrer Macht.

Nach außen stützt sie Terrororganisationen und bedroht Israel. Nach innen bezeichnet sie Gegner als Agenten Israels oder der Vereinigten Staaten, lässt Geständnisse im Staatsfernsehen ausstrahlen und nutzt Todesurteile als Instrument der Abschreckung.

Gerade darin liegt die Schwäche des Regimes.

Eine Regierung, die überzeugt wäre, von ihrer Bevölkerung getragen zu werden, müsste keine jungen Iraner hängen, um den nächsten Protest zu verhindern.

Die Islamische Republik fürchtet nicht nur Israel oder die USA.

Sie fürchtet vor allem jene Iraner, die eines Tages wieder auf die Straße gehen könnten.

Und der Galgen soll ihnen schon heute zeigen, welchen Preis das Regime dafür verlangt.




Autor: Redaktion
Samstag, 29 August 2026

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