Israels Iran-Dilemma: Der nächste Krieg könnte wieder nur Zeit kaufenIsraels Iran-Dilemma: Der nächste Krieg könnte wieder nur Zeit kaufen
Israel und die USA verfügen über eine enorme militärische Überlegenheit gegenüber Teheran. Doch nach zwei Kriegsrunden bleibt das iranische Regime an der Macht. Nun wächst die Sorge, dass auch eine dritte Offensive keine dauerhafte Lösung bringt.

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IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen steht vor einer sicherheitspolitischen Entscheidung, deren Folgen das Land über Jahre beschäftigen könnten. Während sich die Vereinigten Staaten und Israel auf eine mögliche dritte große militärische Auseinandersetzung mit dem Iran vorbereiten, stellt sich innerhalb des israelischen Sicherheitsapparats eine entscheidende Frage: Wie lässt sich verhindern, dass aus dem Konflikt mit der Islamischen Republik eine endlose Folge neuer Kriege wird?
DieJerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen Postbeschäftigt sich in einer Analyse vom 2. November mit genau diesem Problem. Ihr Verteidigungskorrespondent Yonah Jeremy Bob beschreibt die Sorge, dass sich im Verhältnis zum Iran ein Muster wiederholen könnte, das Israel aus dem Kampf gegen die Terrororganisation HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen kennt: militärische Erfolge, eine vorübergehende Schwächung des Gegners und anschließend dessen erneute Aufrüstung.
Die israelischen Erfahrungen im GazastreifenPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen reichen weit zurück. Bereits 2008 und 2009, 2012, 2014 und 2021 kam es zu größeren militärischen Auseinandersetzungen mit der Hamas. Wiederholt zerstörten die israelischen Streitkräfte WaffenlagerTerrorinfrastruktur: Wie Terrorgruppen Krieg in zivile Räume verlagernTerrorinfrastruktur bezeichnet Einrichtungen, Netzwerke und Strukturen, die Terrororganisationen für Angriffe, Waffenlagerung, Kommandoführung, Ausbildung, Raketenbeschuss, Tunnelbau oder Logistik nutzen. Besonders gefährlich wird sie, wenn sie in Wohngebieten, Schulen, Moscheen oder Krankenhäusern versteckt wird.Mehr lesen, Tunnel und militärische Einrichtungen. Dennoch gelang es der Terrororganisation, ihre Fähigkeiten erneut aufzubauen.
Das verheerende Ergebnis zeigte sich am 7. Oktober 20237. Oktober 2023: Das Hamas-Massaker, das Israel veränderteDer 7. Oktober 2023 war der Tag des Hamas-Massakers in Israel. Terroristen aus Gaza ermordeten etwa 1.200 Menschen, vor allem Zivilisten, und verschleppten mehr als 240 Geiseln in den Gazastreifen.Mehr lesen. Hamas-Terroristen überfielen israelische Ortschaften, ermordeten rund 1.200 Menschen und verschleppten mehr als 250 Geiseln in den Gazastreifen.
Die Erfahrung zeigt, dass die Zerstörung militärischer Infrastruktur allein nicht zwangsläufig verhindert, dass eine Terrororganisation später erneut angreift.
Beim Iran könnte sich ein vergleichbares strategisches Problem in wesentlich größerem Maßstab stellen. Anders als die Hamas verfügt die Islamische Republik über einen Staatsapparat, eigene Streitkräfte, umfangreiche industrielle Möglichkeiten und ein Arsenal ballistischer Raketen. Ein erneuter Krieg könnte deshalb nicht nur die israelische Grenzregion, sondern das gesamte Land sowie weitere Staaten des Nahen Ostens bedrohen.
Militärische Überlegenheit allein garantiert keinen dauerhaften Erfolg
Seit Februar 2026 haben die Vereinigten Staaten und Israel bereits eine umfangreiche gemeinsame Luftoffensive gegen den Iran durchgeführt. Die Angriffe richteten sich gegen militärische Einrichtungen, Raketenstellungen, Kommandozentralen und Anlagen des iranischen Atomprogramms.
Nach Angaben derJerusalem Postwurden während einer etwa 40 Tage dauernden Kriegsphase mehr als 30.000 Bomben auf iranische Ziele abgeworfen. Eine unabhängige strategische Untersuchung des französischen Forschungsinstituts IFRI beschreibt rund 19.000 Einsätze gegen etwa 24.000 Ziele.
Trotz dieser gewaltigen militärischen Anstrengungen besteht die Islamische Republik weiterhin. Die iranische Führung hat weder endgültig auf ihr Atomprogramm verzichtet noch ihre grundsätzliche Politik gegenüber Israel geändert.
Genau darin liegt das Problem für die israelische Sicherheitsplanung. Militärische Angriffe können gefährliche Fähigkeiten zerstören, Raketenbestände verringern und den Wiederaufbau wichtiger Anlagen verzögern. Sie können aber nicht automatisch gewährleisten, dass ein Regime seine politischen Ziele aufgibt.
Hinzu kommt die Möglichkeit iranischer Gegenangriffe. Während Israel und die Vereinigten Staaten über eine erhebliche Luftüberlegenheit verfügen, kann das iranische Regime weiterhin versuchen, ballistische Raketen gegen israelische Städte und regionale Ziele einzusetzen.
Selbst eine militärisch begrenzte iranische Antwort könnte erhebliche wirtschaftliche Folgen verursachen. Wiederholte Raketenalarme führen zur Unterbrechung des öffentlichen Lebens, beeinträchtigen den Flugverkehr und erfordern den Einsatz kostspieliger Luftabwehrsysteme.
Auch der internationale Handel wäre betroffen. Schon jetzt bedroht das iranische Regime durch seine Maßnahmen in der Straße von HormusStraße von Hormus: Die gefährlichste Engstelle der WeltwirtschaftDie Straße von Hormus ist eine Meerenge zwischen Iran und Oman. Sie verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und ist eine der wichtigsten Routen für Öl und Flüssigerdgas weltweit.Mehr lesen die Energieversorgung und die zivile Schifffahrt.
Israel müsste deshalb bei einem neuen Krieg nicht allein bewerten, wie viele iranische Einrichtungen zerstört werden können. Ebenso wichtig wäre die Frage, welche politischen und sicherheitspolitischen Ergebnisse nach dem Ende der Angriffe tatsächlich bestehen bleiben.
Die aktuellen Einschätzungen israelischer Sicherheitskreise enthalten dabei auch einen wichtigen Unterschied zum Gazastreifen.
Während die Hamas ihre Herrschaft über Gaza über Jahre weitgehend ohne wirksame innenpolitische Opposition absichern konnte, sieht sich die Islamische Republik einer erheblichen Unzufriedenheit innerhalb der iranischen Bevölkerung gegenüber.
Bei den Protesten zum Jahreswechsel 2025/2026 gingen zahlreiche Menschen gegen die politische Führung auf die Straße. Die Sicherheitskräfte reagierten mit massiver Gewalt. Nach Einschätzungen von Menschenrechtsorganisationen wurden mehrere Tausend Menschen getötet.
Die Proteste zeigten, dass das Regime auf gesellschaftlichen Widerstand stößt. Sie zeigten aber auch, wie entschlossen seine Sicherheitsorgane bereit sind, die eigene Bevölkerung zu unterdrücken.
Einige israelische Sicherheitsverantwortliche hoffen deshalb, dass weiterer militärischer und wirtschaftlicher Druck die iranische Führung zu grundlegenden Zugeständnissen zwingen könnte. Andere halten auch einen langfristigen politischen Machtwechsel für denkbar.
Solche Entwicklungen sind jedoch nicht vorhersehbar. Die Unzufriedenheit einer Bevölkerung bedeutet nicht automatisch, dass sie ihre Regierung stürzen kann. Ebenso wenig lässt sich aus weiteren Luftangriffen ableiten, dass die politische Herrschaft in Teheran zusammenbrechen würde.
Der entscheidende Unterschied zu Gaza ist Amerika
Ein zweiter Faktor könnte die strategische Ausgangslage verändern: Israel kämpft gegen den Iran nicht allein.
Die Vereinigten Staaten beteiligten sich 2026 mit erheblichen militärischen Kräften an den Angriffen. Ihre Luftwaffe, Marine und strategischen Fähigkeiten ermöglichen Operationen, die Israel allein nur eingeschränkt durchführen könnte.
Auch der wirtschaftliche Druck auf Teheran wird wesentlich von Washington getragen. Amerikanische Sanktionen und die Seeblockade iranischer Häfen belasten die ohnehin geschwächte Wirtschaft der Islamischen Republik.
Eine langfristige amerikanisch-israelische Strategie könnte deshalb über einzelne Angriffswellen hinausgehen. Militärischer Druck, wirtschaftliche Maßnahmen und diplomatische Forderungen könnten darauf ausgerichtet werden, das Regime dauerhaft an der Wiederherstellung besonders gefährlicher Fähigkeiten zu hindern.
Allerdings zeigt der bisherige Verlauf des Krieges, wie schwierig dieses Ziel ist.
Das iranische Atomprogramm bleibt Gegenstand der Verhandlungen. Nach Berichten vom 2. November wurden die jüngsten Gespräche über katarische Vermittler ohne entscheidenden Durchbruch beendet. Teheran fordert unter anderem ein Ende der amerikanischen Blockade und Erleichterungen bei den Sanktionen. Die Vereinigten Staaten wollen dagegen die nuklearen Fähigkeiten des Regimes zum Gegenstand einer verbindlichen Vereinbarung machen.
Iran lehnt bislang die Auslagerung seiner Bestände an hoch angereichertem Uran ab.
Damit bleibt eine zentrale Sicherheitsfrage ungelöst. Solange Teheran die Möglichkeit besitzt, sein Atomprogramm wiederherzustellen und weiterzuentwickeln, können militärische Erfolge allein keine dauerhafte Entwarnung schaffen.
Hinzu kommt das Raketenprogramm. Auch wenn die derzeitigen iranischen Fähigkeiten durch die bisherigen Angriffe erheblich geschwächt wurden, verfügt das Regime weiterhin über technisches Wissen, industrielle Strukturen und Möglichkeiten zur erneuten Produktion.
Eine weitere militärische Offensive könnte diese Fähigkeiten erneut beschädigen. Ob damit zugleich die Voraussetzungen für eine langfristige Beendigung der Bedrohung geschaffen würden, ist offen.
Gerade diese Ungewissheit unterscheidet einen militärischen Erfolg von einer dauerhaften strategischen Lösung.
Für Israel stellt sich deshalb nicht allein die Frage, ob ein erneuter Angriff möglich und militärisch durchführbar wäre. Die entscheidende Frage lautet, welcher Zustand danach erreicht werden soll.
DieJerusalem Postverweist auf die Hoffnung einiger israelischer Verantwortlicher, dass die erheblichen inneren Spannungen im Iran und die gemeinsame militärische Stärke mit den USA eine andere Entwicklung ermöglichen könnten als die jahrzehntelangen Auseinandersetzungen mit der Hamas.
Doch diese Hoffnung ist keine Erfolgsgarantie.
Ein erneuter Krieg würde Risiken für Millionen Menschen mit sich bringen. Auch die iranische Zivilbevölkerung, die selbst unter der repressiven Herrschaft des Regimes leidet, wäre von einer weiteren militärischen Eskalation betroffen.
Gleichzeitig darf die Bedrohung Israels durch das iranische Atom- und Raketenprogramm nicht unterschätzt werden. Die Islamische Republik hat ihre Feindschaft gegenüber dem jüdischen Staat wiederholt deutlich gemacht, unterstützt bewaffnete Organisationen in der Region und setzt weiterhin militärische Gewalt als Mittel ihrer Außenpolitik ein.
Die bisherigen Kriegsrunden haben gezeigt, dass Israel und die Vereinigten Staaten dem iranischen Militär erhebliche Schäden zufügen können. Sie haben jedoch noch keine verlässliche Antwort darauf geliefert, wie verhindert werden soll, dass Teheran seine gefährlichsten Fähigkeiten erneut aufbaut.
Diese Frage reicht weit über die Planung einer weiteren Luftoffensive hinaus. Sie betrifft die Zukunft des iranischen Atomprogramms, die Kontrolle ballistischer Raketen, die Stabilität der Golfregion und die Frage, ob eine diplomatische Vereinbarung tatsächlich überprüfbar und dauerhaft tragfähig wäre.
Israel braucht nicht nur die Fähigkeit, den Iran erneut militärisch zu schwächen. Es braucht eine Sicherheitsordnung, in der das iranische Regime seine Bedrohungen nicht nach jeder Waffenruhe wiederherstellen kann.
Darin liegt die eigentliche Herausforderung einer möglichen dritten Kriegsrunde. Ohne eine langfristige Lösung könnte auch der nächste militärische Erfolg lediglich den Beginn einer weiteren Pause vor dem nächsten Konflikt markieren.
Autor: Redaktion
Dienstag, 03 November 2026