Frankreich will Hamas entwaffnen – doch stützt damit indirekt genau jene Kräfte, die den Terror salonfähig machenFrankreich will Hamas entwaffnen – doch stützt damit indirekt genau jene Kräfte, die den Terror salonfähig machen
Der französische Botschafter in Israel präsentiert sein Land als ehrlichen Makler für Frieden – mit harten Worten gegen Hamas. Doch hinter der diplomatischen Kulisse bleibt ein fatales Paradox: Paris ignoriert, dass die Fatah der PA dieselbe Ideologie teilt wie die Terroristen in Gaza.

By David Tversky, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=149075754
Die Aussagen sind unmissverständlich – und in dieser Klarheit selten aus Europa zu hören: „Wir wollen HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen entwaffnet, entmachtet und aus jeder zukünftigen palästinensischen Regierung ausgeschlossen sehen.“ So äußerte sich der französische Botschafter in IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen, Frédéric Journès, gegenüber der JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen Post – nur wenige Tage, nachdem Präsident Emmanuel Macron völlig einseitig einen palästinensischen Staat anerkannt hatte.
Doch so deutlich der Botschafter gegen den islamistischen Terror Stellung bezog, so widersprüchlich bleibt das französische Handeln in der Region. Denn die zentralen Forderungen Frankreichs – ein friedlicher, demokratischer, entmilitarisierter Palästinenserstaat ohne Hasspropaganda, ohne „Märtyrer-Gehälter“, ohne Beteiligung von Hamas – stehen in eklatantem Widerspruch zur real existierenden Palästinensischen Autonomiebehörde in Ramallah und zur FatahFatah: Von Arafats Kampfbewegung zur erstarrten Machtpartei der PalästinenserFatah ist eine säkular-nationalistische palästinensische Bewegung, die Ende der 1950er Jahre um Jassir Arafat entstand. Sie wurde zur dominierenden Kraft in der PLO und prägt bis heute die Palästinensische Autonomiebehörde.Mehr lesen, der führenden Bewegung unter Mahmoud Abbas.
Forderungen an Hamas – aber Wegbereitung für die Fatah?
Frankreich stellt sich vor, dass die Zukunft Palästinas von gemäßigten, verantwortungsvollen Kräften gestaltet wird. Man fordert Reformen, Demokratie, die Abschaffung der TerrorfinanzierungPay for Slay: Wie Terror gegen Israelis weiter belohnt wird„Pay for Slay“ ist ein kritischer Begriff für palästinensische Zahlungen an in Israel inhaftierte Täter, freigelassene Gefangene und Familien getöteter Angreifer. Kritiker sehen darin eine Belohnung für Terror gegen Israelis.Mehr lesen und die Anerkennung IsraelsExistenzrecht Israels: Das Recht des jüdischen Staates auf SicherheitDas Existenzrecht Israels bezeichnet das Recht des jüdischen Staates, als souveräner Staat sicher und anerkannt zu bestehen. Wer Israel dieses Recht abspricht, kritisiert nicht nur eine Regierung, sondern stellt jüdische Selbstbestimmung grundsätzlich infrage.Mehr lesen als jüdischer Staat. Doch die Frage, die Journès nicht beantwortet, lautet: Mit wem?
Denn auch wenn Hamas international als Terrororganisation gilt, so praktiziert die PA unter Abbas eine stille Form der Gewaltverherrlichung – systematisch, institutionell und staatlich gefördert:
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Die PA zahlt weiterhin „Märtyrergehälter“ an verurteilte Terroristen und deren Familien.
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Antisemitische HetzeVolksverhetzung: Wenn Hass strafbar wirdVolksverhetzung ist eine Straftat nach § 130 StGB. Gemeint sind unter anderem Hassaufrufe, Gewaltforderungen oder menschenwürdeverletzende Hetze gegen nationale, religiöse, ethnische oder andere geschützte Gruppen.Mehr lesen ist fester Bestandteil palästinensischer Schulbücher und offizieller Medien.
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Die Anerkennung Israels als jüdischer Staat wird explizit verweigert – bis heute.
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Wahlen werden seit 2005 blockiert, weil das Ergebnis ungewiss ist – und die Fatah ihre Macht nicht riskieren will.
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Hamas-nahe Gruppierungen dürfen in PA-Gebieten agieren – solange sie sich taktisch anpassen.
Wer also Hamas ausschließen will, darf nicht gleichzeitig blind vertrauen in eine Führung, die strukturell dieselbe Agenda verfolgt – nur mit Krawatte statt Kalaschnikow.
Frankreich will das eine – und fördert unbeabsichtigt das andere. Das ist nicht diplomatisch – das ist gefährlich.
Eine Vision mit gebrochenem Fundament
Journès beschreibt ein Modell für „den Tag danach“ in GazaPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen: ein entmilitarisiertes Palästina, internationale Sicherheitsmechanismen, Rückzug israelischer Truppen, Freilassung aller Geiseln. Alles edel gemeint – aber es fehlt der zentrale Baustein: eine vertrauenswürdige palästinensische Führung.
Denn sowohl in Gaza als auch in Ramallah regieren derzeit Akteure, die an einem friedlichen Nebeneinander mit Israel kein Interesse haben – weder ideologisch noch politisch. Und es ist kein Geheimnis, dass Hamas und Fatah trotz ihrer Rivalität in einem Punkt einig sind: im Wunsch, Israel langfristig zu schwächen, zu delegitimieren und international zu isolieren.
Wenn Frankreich also glaubt, durch Anerkennung und humanitäre Angebote den moderaten Kräften Aufwind zu verschaffen, dann ignoriert es die innere Logik der palästinensischen Politik: Dort gilt jede Konzession an den Westen – ob Geld, Legitimität oder Staatlichkeit – als taktischer Gewinn im Kampf gegen Israel.
„Für Gottessake – bringt die Geiseln zurück“
Trotz aller Widersprüche bleibt der französische Botschafter in seiner Tonlage menschlich, bewegt, glaubwürdig. Er hat das Trauma Israels nicht nur beobachtet, sondern erlebt. 119 Mal musste er in den Schutzraum. Er war bei Beerdigungen. Er kennt Eltern, deren Kinder im Krieg sind. Besonders nahe ging ihm der Tod von Elia Toledano, einem der Geiseln vom 7. Oktober. „Für Gottessake – bringt die Geiseln zurück“, sagte Journès sichtlich emotional. „Damit ihre Familien Kaddisch sagen können.“
Es sind diese Sätze, die ihn von anderen westlichen Diplomaten unterscheiden. Hier spricht jemand, der den Preis des Krieges kennt. Und der Israel nicht belehren will, sondern mahnt – mit Respekt.
Doch genau deshalb wiegt der politische Widerspruch schwerer: Wie kann man Israel ein Ende des Krieges anbieten, wenn man gleichzeitig politische Strukturen legitimiert, die den Nährboden für den nächsten Krieg schaffen?
Frieden braucht mehr als Worte
Es ist leicht, sich auf Resolutionen zu berufen, auf „die internationale Gemeinschaft“ oder den nächsten Gipfel mit Saudi-Arabien. Doch ohne glaubwürdige Partner auf palästinensischer Seite bleibt jede Vision ein leeres Versprechen.
Frankreich mag es gut meinen – aber wenn es Frieden fördern will, muss es endlich ehrlich hinschauen: Wer heute Fatah stärkt, um Hamas zu schwächen, ersetzt den einen Terror lediglich durch einen institutionalisierten. Und wer heute einen Staat anerkennt, bevor es eine Friedensbereitschaft gibt, riskiert, dass dieser Staat zu einem weiteren Frontabschnitt wird – nicht zu einem Nachbarn.
Autor:
Freitag, 08 August 2025