„Israel wird die Unterstützung der USA verlieren, wenn es annektiert“ – Trump zieht rote Linie für Netanyahu

„Israel wird die Unterstützung der USA verlieren, wenn es annektiert“ – Trump zieht rote Linie für Netanyahu


In einem ausführlichen Interview mit dem US-Magazin „TIME“ macht Präsident Donald Trump klar, dass Israels Zukunft nicht in der Annexion liegt, sondern in regionaler Stabilität. Er sieht sich selbst als Architekt des Waffenstillstands in Gaza – und warnt Jerusalem: Wer die Grenzen überschreitet, riskiert die amerikanische Allianz.

„Israel wird die Unterstützung der USA verlieren, wenn es annektiert“ – Trump zieht rote Linie für Netanyahu
By Gage Skidmore from Peoria, AZ, United States of America - Donald Trump, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=66881486

Es war eine bemerkenswerte Aussage – und eine, die in JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen für Aufsehen sorgt. Donald Trump, der amtierende Präsident der Vereinigten Staaten, erklärte im Interview mit dem Magazin „TIME“, dass IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen „die gesamte Unterstützung der USA verlieren“ werde, sollte es die Gebiete von Judäa und SamariaJudäa und Samaria: Israels historisches Kernland im politischen StreitJudäa und Samaria bezeichnen historische Landschaften zwischen Jerusalem, dem Jordantal und den zentralen Höhenzügen des Landes Israel. In Israel ist der Begriff gebräuchlich. International wird das Gebiet oft anders bezeichnet und politisch als umstritten eingeordnet.Mehr lesen annektieren.

„Das wird nicht passieren. Israel wird jede Unterstützung Amerikas verlieren, wenn es das tut“, so Trump. Die Aussage ist nicht nur eine Warnung, sondern eine klare politische Grenzziehung – auch gegenüber Premierminister Benjamin Netanyahu, mit dem Trump zuletzt eine angespannte, fast konfrontative Beziehung pflegt.

Wie das Magazin berichtet, telefonierte Trump am 4. Oktober spätabends persönlich mit Netanyahu. Sein Ton sei ungewöhnlich hart gewesen. „Bibi, du kannst nicht gegen die ganze Welt kämpfen“, habe Trump gesagt. „Du kannst persönliche Kämpfe führen, aber die Welt ist gegen dich.“

Netanyahu habe gezögert, dem von den USA ausgehandelten Waffenstillstand mit der HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen zuzustimmen. Doch Trump habe keinen Widerspruch geduldet – und dem israelischen Premier eine unmissverständliche Botschaft übermittelt: Die Zeit des Krieges ist vorbei.

„Er hätte weitergemacht – das wäre Jahre so gegangen“, sagte Trump über Netanyahu. „Aber ich habe ihn gestoppt. Und als ich ihn gestoppt habe, haben sich alle vereint.“

Trump präsentierte sich im Gespräch mit „TIME“ als Hauptarchitekt des neuen Nahen Ostens. Er verwies auf seine frühere Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels, die US-Botschaftsverlegung, die Anerkennung der Golanhöhen und die Abraham-AbkommenAbraham-Abkommen: Israels Durchbruch in der arabischen WeltDie Abraham-Abkommen sind Normalisierungsvereinbarungen zwischen Israel und mehreren arabischen beziehungsweise muslimisch geprägten Staaten. Sie begannen 2020 mit den Vereinigten Arabischen Emiraten und Bahrain.Mehr lesen.

„Kein Präsident vor mir war bereit, die Macht der USA einzusetzen“, sagte er. „Ich war es. Das hat alles verändert.“

Er erklärte, seine Entscheidung, den Iran militärisch anzugreifen, habe den Weg für den Waffenstillstand und die späteren Friedensverhandlungen geebnet. „Das war notwendig, um Respekt zu schaffen. Ohne Stärke kein Frieden.“

Trump betonte, dass er ein umfassendes regionales Abkommen anstrebt – mit Saudi-Arabien als Schlüssel. Riad habe, so Trump, zwei Bedingungen gestellt: das Ende der Kämpfe in GazaPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen und einen glaubwürdigen Weg zu einer palästinensischen Selbstverwaltung.

„Ich glaube, Saudi-Arabien wird den Weg weisen“, so Trump. „Wir haben keinen iranischen Schatten mehr, keine großen Bedrohungen. Wir haben jetzt eine Chance auf Frieden im Nahen Osten.“

Er kündigte an, noch vor Jahresende ein Normalisierungsabkommen zwischen Israel und Saudi-Arabien zu erwarten – eine historische Erweiterung der Abraham-Abkommen.

Trotz der gemeinsamen Geschichte – und trotz Trumps beispielloser Popularität in Israel – war seine Warnung an Netanyahu deutlich:

„Ich habe den arabischen Staaten mein Wort gegeben“, sagte Trump. „Wenn Israel jetzt annektiert, brechen sie alles. Ich kann das nicht zulassen.“

Das sei, so Trump, nicht nur eine Frage der Diplomatie, sondern auch des Respekts: „Der Nahe Osten braucht einen Präsidenten, den er respektiert. Ich bin dieser Präsident.“

„TIME“ beschreibt außerdem den Moment, der den Kurs der Ereignisse veränderte: Israels Angriff auf ein geheimes Hamas-Treffen in Doha, Katar, angeblich ohne vorherige Rücksprache mit Washington.

„Das war ein taktischer Fehler“, kommentierte Trump. Doch er nutzte die Empörung der arabischen Staaten, um neue diplomatische Allianzen zu formen. „Das war so schockierend, dass es alle an einen Tisch brachte“, erklärte er.

Von diesem Moment an trieb das Weiße Haus unter Trumps Leitung eine „20-Punkte-Initiative“ voran, um einen dauerhaften Waffenstillstand und den Wiederaufbau Gazas mit arabischer Beteiligung zu erreichen.

Trump äußerte sich auch zur Zukunft des Gazastreifens – mit überraschender Offenheit.
Er lobte den greisen Präsidenten Mahmud AbbasPLO: Die Organisation zwischen Terrorgeschichte, Oslo und MachtverlustDie PLO ist die Palästinensische Befreiungsorganisation. Sie wurde 1964 gegründet, wurde später international als Vertreterin der Palästinenser anerkannt und spielte im Oslo-Prozess eine zentrale Rolle.Mehr lesen, bezweifelte jedoch, dass dieser noch die Kraft habe, Gaza zu führen. Stattdessen erwägt Trump die Freilassung von Marwan Barghouti, dem in Israel inhaftierten FatahFatah: Von Arafats Kampfbewegung zur erstarrten Machtpartei der PalästinenserFatah ist eine säkular-nationalistische palästinensische Bewegung, die Ende der 1950er Jahre um Jassir Arafat entstand. Sie wurde zur dominierenden Kraft in der PLO und prägt bis heute die Palästinensische Autonomiebehörde.Mehr lesen-Führer, als mögliche Führungsfigur.

„Ich habe darüber gerade erst gesprochen“, sagte Trump. „Ich denke darüber nach. Ich werde eine Entscheidung treffen.“

Für Israel ist das brisant: Barghouti gilt vielen als Symbolfigur des palästinensischen Widerstands – und seine Freilassung könnte die Machtverhältnisse dramatisch verändern.

Während Trump sich als „Friedensmacher durch Stärke“ inszeniert, steckt Netanyahu im innenpolitischen Dilemma. Seine rechten Koalitionspartner fordern den Souveränitätsakt über Judäa und Samaria – ein Schritt, der in Washington als „Provokation“ verstanden wird.

Doch Trumps Botschaft lässt keinen Raum für Missverständnisse:
„Ich habe Israel unterstützt wie kein Präsident vor mir“, sagte er. „Aber wer die Linie überschreitet, verliert meine Unterstützung. Punkt.“

Der Ton ist neu, aber strategisch klar: Trump bleibt Israels Verbündeter – aber nicht sein Automatismus.
Er erwartet politische Disziplin, Berechenbarkeit und strategische Weitsicht.

Zwischen den Zeilen war in seinem Interview zu hören, was Israels politische Elite längst weiß:
Die amerikanische Unterstützung bleibt gewaltig, aber sie ist nicht mehr bedingungslos.

Und während sich Trump selbst als „essentiellen Faktor“ des Friedens darstellt, gilt seine Botschaft Netanyahu als Mahnung:
Freundschaft mit Amerika ist kein Blankoscheck – sie ist ein Vertrag mit Verantwortung.




Autor: Redaktion
Donnerstag, 23 Oktober 2025

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