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Israel vor Verfassungskonflikt: Oberster Gerichtshof stoppt Netanjahus Anwalt als Staatskontrolleur

Israel vor Verfassungskonflikt: Oberster Gerichtshof stoppt Netanjahus Anwalt als Staatskontrolleur


Der Oberste Gerichtshof verlangt eine neue Wahl zum Amt des Staatskontrolleurs. In der Koalition wird offener Widerstand gefordert, doch Michael Rabilo dürfte eine Wiederholung kaum verhindern wollen.

Israel vor Verfassungskonflikt: Oberster Gerichtshof stoppt Netanjahus Anwalt als Staatskontrolleur
Bildnachweis: Almog / Quelle

In IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen spitzt sich ein institutioneller Konflikt zu, der weit über eine Personalfrage hinausgeht. Der Oberste Gerichtshof in JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen hat die Ernennung von Rechtsanwalt Michael Rabilo zum Staatskontrolleur zunächst gestoppt und verlangt eine neue Abstimmung in der Knesset. Rabilo ist nicht irgendein Kandidat. Er war der private Anwalt von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und wurde Anfang Juni in einer umstrittenen Knesset Abstimmung gewählt. Genau diese Wahl steht nun unter dem Verdacht, den gesetzlich geschützten Grundsatz der geheimen Abstimmung beschädigt zu haben.

Nach Angaben israelischer Medien gehen Beobachter davon aus, dass Rabilo trotz wütender Stimmen in der Koalition eher zur Befolgung der gerichtlichen Anordnung raten dürfte. Der Grund ist naheliegend: Wer Staatskontrolleur werden will, kann sein Amt kaum mit einer offenen Verfassungskrise beginnen. Rabilo gilt als konservativ, aber nicht als politischer Scharfmacher. Er hat die Regierung und Netanjahu in zahlreichen Verfahren vertreten, zugleich genießt er nach Berichten auch bei Richtern Respekt. Gerade deshalb wäre es für ihn gefährlich, als Mann in das Amt einzuziehen, um den sich Sicherheitskräfte, Parlamentsjuristen und Gerichtsbeschlüsse streiten.

Der Hintergrund ist eine Abstimmung, die von Anfang an belastet war. Rabilo gewann in der Knesset gegen den früheren Richter des Obersten Gerichtshofs Yosef Elron. Während der Wahl sollen Abgeordnete der Koalition ihre Stimmzettel fotografiert haben. Genau das berührt den Kern des Problems. Der Staatskontrolleur wird nach dem Gesetz in geheimer Wahl gewählt. Diese Geheimhaltung soll Abgeordnete gerade vor Druck aus der eigenen Fraktion, von Parteiführungen oder aus dem Regierungsumfeld schützen. Wenn Abgeordnete beweisen sollen oder wollen, wie sie abgestimmt haben, verliert die geheime Wahl ihren Sinn.

Der Staatskontrolleur ist in Israel keine Nebenfigur. Er prüft Regierung, Verwaltung, staatliche Einrichtungen und öffentliche Körperschaften. Er soll Verschwendung, Fehlverhalten, Machtmissbrauch und strukturelle Fehler aufdecken. In Kriegszeiten, bei milliardenschweren Haushalten, Sicherheitsentscheidungen und öffentlichem Vertrauensverlust ist dieses Amt besonders sensibel. Wer es besetzt, muss unabhängig wirken. Genau daran entzündet sich der Streit um Rabilo.

Knessetpräsident Amir Ohana reagierte scharf auf die gerichtliche Linie. Er erklärte sinngemäß, die Knesset werde ihre Herabsetzung nicht hinnehmen. In Teilen der Koalition wird offen darüber gesprochen, der Entscheidung des Obersten Gerichtshofs nicht zu folgen und Rabilo rasch in das Amt zu bringen. Das wäre ein gefährlicher Schritt. Denn dann ginge es nicht mehr nur um die Frage, ob eine Abstimmung wiederholt werden muss. Dann stünden Parlament und Gericht in direktem Machtkampf, während das Land ohnehin durch Krieg, Sicherheitsdruck und politische Erschöpfung belastet ist.

Netanjahu hätte offenbar ein Interesse daran, die Wahl möglichst noch in der derzeitigen Knesset zu wiederholen. Die Koalition verfügt aktuell über eine rechnerisch komfortablere Lage als jede denkbare künftige Zusammensetzung nach den nächsten Wahlen. Für den Ministerpräsidenten wäre eine erneute Abstimmung jetzt daher politisch günstiger als später. Doch genau diese Logik zeigt, warum die Debatte so heikel ist: Es geht um ein Kontrollamt, das gerade nicht wie eine gewöhnliche Koalitionsbeute wirken darf.

Die Richter stellten nach israelischen Berichten auf den klaren Gesetzeswortlaut ab: Der Staatskontrolleur wird in geheimer Abstimmung gewählt. Wenn dieser Grundsatz sichtbar verletzt oder entwertet wurde, kann das Parlament nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Das ist keine Kleinigkeit des Verfahrens. In einer Demokratie sind Verfahren oft der Schutz vor Macht. Wer Verfahren verächtlich macht, schwächt jene Grenzen, die Mehrheiten auch dann binden sollen, wenn sie unbequem sind.

Rabilo steht damit vor einer Entscheidung, die seine mögliche Amtszeit prägen würde, bevor sie überhaupt begonnen hat. Drängt er auf Eintritt ins Amt gegen die Entscheidung des Gerichts, wird er als Symbol eines Machtkampfes wahrgenommen. Akzeptiert er eine neue Wahl, bleibt ihm zumindest die Möglichkeit, seine Legitimität in einem ordentlichen Verfahren zu erneuern. Für einen Staatskontrolleur ist das nicht nur juristisch klüger, sondern politisch überlebenswichtig.

Israel kann sich in dieser Lage keine zusätzliche institutionelle Erschütterung leisten. Das Land steht unter äußerem Druck durch Iran, HisbollahHisbollah: Irans Terrorarmee im LibanonDie Hisbollah ist eine schiitisch islamistische Organisation im Libanon. Sie wurde in den frühen 1980er Jahren mit Unterstützung des Iran aufgebaut, verfügt über eine politische und militärische Struktur und wird von den USA, Israel und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen, HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen und die instabile Lage im Norden und Süden. Gerade deshalb müssen die inneren Kontrollmechanismen funktionieren. Ein Staat, der von seinen Bürgern Vertrauen, Opferbereitschaft und Zusammenhalt verlangt, darf öffentliche Ämter nicht mit dem Eindruck belasteter Verfahren besetzen.

Die Knesset hat das Recht, den Staatskontrolleur zu wählen. Der Oberste Gerichtshof hat die Aufgabe, die Einhaltung des Gesetzes zu prüfen. Beides gehört zur israelischen Demokratie. Wer daraus einen Kampf macht, bei dem eine Seite die andere demütigen will, beschädigt am Ende nicht den Gegner, sondern den Staat selbst.

Die sauberste Lösung liegt deshalb auf der Hand: neue Abstimmung, strikte Geheimhaltung, klare Regeln, keine fotografierten Stimmzettel, kein Fraktionsdruck hinter dem Vorhang. Wenn Rabilo dafür eine Mehrheit bekommt, trägt er das Amt mit stärkerer Legitimation. Wenn nicht, hat die Knesset gesprochen. Genau so sollte Demokratie funktionieren, besonders bei einem Amt, das die Macht kontrollieren soll.




Autor: Redaktion
Freitag, 03 Juli 2026

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