Unter dem weißen Kittel: Hamas und Islamischer Dschihad führten 18 Gesundheitsmitarbeiter als TerroristenUnter dem weißen Kittel: Hamas und Islamischer Dschihad führten 18 Gesundheitsmitarbeiter als Terroristen
Sie galten als Krankenpfleger, Sanitäter, Labortechniker oder Physiotherapeuten. Erst die eigenen Nachrufe der Terrororganisationen machten sichtbar, dass mindestens 18 von ihnen zugleich Kämpfer, Kommandeure oder Mitglieder militärischer Einheiten waren.

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Jahrelang wurden sie ausschließlich als zivile Opfer des Krieges dargestellt. Berufsverbände, Krankenhäuser und internationale Hilfsorganisationen erinnerten an sie als Krankenpfleger, medizinische Funktionäre, Sanitäter oder Labormitarbeiter.
Dann veröffentlichten HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen und Palästinensischer Islamischer DschihadIslamischer Dschihad: Irans Terrorpartner gegen IsraelDer Islamische Dschihad ist eine palästinensische Terrororganisation, die Anfang der 1980er Jahre entstand. Sie lehnt Israel ab, wird stark vom Iran unterstützt und verfügt mit den Al Quds Brigaden über einen bewaffneten Arm.Mehr lesen ihre eigenen Nachrufe.
Plötzlich tauchten dieselben Männer in Uniform auf. Mit Sturmgewehren. Als Kämpfer, Kommandeure, Ausbilder oder Angehörige von Einheiten für Waffenproduktion und militärische Operationen.
Mindestens 18 solcher Fälle hat der unabhängige Forscher Salo Aizenberg zusammengetragen. Die „Times of IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen“ überprüfte die Namen anhand palästinensischer Veröffentlichungen, medizinischer Verzeichnisse und der inzwischen erschienenen Todesanzeigen der Terrororganisationen.
Die Enthüllungen zeigen ein System, das in der internationalen Berichterstattung lange kaum vorkam: Im Gazastreifen konnten medizinische Tätigkeit und Mitgliedschaft in einer Terrororganisation nebeneinander bestehen.
Als Pflegefunktionär geehrt, von Hamas als Kämpfer beansprucht
Der Fall Mohammed Akram al-Kafarnas zeigt besonders deutlich, wie unterschiedlich dieselbe Biografie erzählt wurde.
Al-Kafarna leitete den palästinensischen Pflegeverband im Gazastreifen. Nach seinem Tod im September 2025 würdigte ihn der International Council of Nurses als bedeutenden Vertreter des Pflegeberufs. Sein Tod wurde als Verlust für die medizinische Gemeinschaft dargestellt.
Was in dieser Würdigung fehlte, veröffentlichte später die Hamas selbst.
In ihrem Nachruf bezeichnete sie al-Kafarna als Kämpfer des Nidal-Nasser-Bataillons der Nord-Gaza-Brigade. Auf Bildern war er nicht nur als Pflegefunktionär, sondern auch in Militäruniform mit einem Sturmgewehr zu sehen.
Diese Information stammt nicht aus einer anonymen israelischen Geheimdienstakte. Sie stammt von der Hamas.
Die Terrororganisation beanspruchte den international als medizinischen Funktionär betrauerten Mann nach seinem Tod als eines ihrer eigenen Mitglieder.
Im Krankenhaus beschäftigt, in Terrorverbänden Kommandeure
Auch bei Ahmad Adel Abu al-Hilal klaffen zivile und militärische Darstellung weit auseinander.
Palästinensische Quellen führten ihn als Krankenpfleger des Europäischen Krankenhauses in Khan Yunis. Der Islamische Dschihad bezeichnete ihn später als Kommandeur einer Einheit seiner Rafah-Brigade.
Ayman Suleiman Abu Tir arbeitete als Krankenpfleger und soll die klinische Ernährungsabteilung des Nasser-Krankenhauses geleitet haben. In den Veröffentlichungen des Islamischen Dschihad erschien er dagegen als Kommandeur einer operativen Einheit.
Jaber Abd al-Hamid Mohammadin war als Intensivpfleger des Rantisi-Kinderkrankenhauses bekannt. Nach seinem Tod wurde er zugleich als Kommandeur einer Einheit für militärische Produktion bezeichnet.
Ibrahim Abd al-Raouf al-Farra war in medizinischen Datenbanken als Krankenpfleger, Ausbilder und Mitarbeiter des Nasser-Krankenhauses registriert. Die Hamas führte ihn als Angehörigen ihrer Khan-Yunis-Brigade.
Ahmad Faiz al-Dalu arbeitete als Labortechniker. Der Islamische Dschihad würdigte ihn später als Kommandeur in einer Ausbildungsabteilung.
Es handelt sich nicht um einen einzelnen Ausreißer. Die Fälle wiederholen sich.
Medizinische Berufsbezeichnung auf der einen Seite.
Militärische Funktion auf der anderen.
Der Fall des MSF-Mitarbeiters Fadi al-Wadiya
Besonders unangenehm ist der Fall Fadi Jihad al-Wadiyas für Ärzte ohne Grenzen.
Der Physiotherapeut arbeitete seit 2018 für die Organisation. Nach seinem Tod im Juni 2024 erklärte Ärzte ohne Grenzen, al-Wadiya sei auf dem Weg zur Arbeit gewesen, um Patienten zu behandeln. Als Israel ihm eine militärische Tätigkeit für den Islamischen Dschihad vorwarf, erklärte die Organisation zunächst, dafür keine Belege zu besitzen.
Monate später veröffentlichte der Islamische Dschihad selbst einen Nachruf.
Darin wurde al-Wadiya als Mitglied einer militärischen Produktionseinheit bezeichnet.
Ärzte ohne Grenzen ergänzte daraufhin seine Gedenkseite und erklärte, man habe von einer solchen Tätigkeit nichts gewusst. Die Organisation betonte, niemals wissentlich Personen zu beschäftigen, die an militärischen Aktivitäten beteiligt seien.
Das mag stimmen. Gerade darin liegt jedoch das Problem.
Eine internationale Hilfsorganisation beschäftigte jahrelang einen Mann, der nach Angaben seiner eigenen Terrororganisation zugleich einer militärischen Einheit angehörte. Sein Arbeitgeber wusste offenbar nichts davon.
Wie viele internationale Organisationen können im von Hamas beherrschten Gazastreifen tatsächlich überprüfen, welche Funktionen ihre Mitarbeiter außerhalb des Dienstes ausüben?
Wie zuverlässig sind Personalprüfungen, wenn Terrororganisationen tief in Behörden, Krankenhäusern, Gewerkschaften und Versorgungssystemen verankert sind?
Und wie schnell wurden israelische Hinweise zurückgewiesen, während Angaben aus dem Hamas-kontrollierten Umfeld nahezu ungeprüft übernommen wurden?
Die Terrororganisationen lieferten die fehlenden Belege selbst
Hamas und Islamischer Dschihad hatten während des Krieges lange nur wenige ihrer getöteten Mitglieder namentlich genannt. Dadurch konnten zahlreiche Männer in internationalen Berichten ausschließlich über ihren zivilen Beruf erscheinen.
Ein Krankenpfleger wurde als Krankenpfleger gezählt.
Ein Labormitarbeiter als Labormitarbeiter.
Ein Physiotherapeut als Physiotherapeut.
Dass dieselbe Person zugleich einer bewaffneten Einheit angehörte, blieb unsichtbar.
Erst als die Terrororganisationen begannen, hunderte Nachrufe auf ihre Kämpfer und Funktionäre zu veröffentlichen, konnten Namen und Biografien miteinander verglichen werden.
Diese Nachrufe verändern nicht nachträglich das Leben der Männer. Sie machen nur sichtbar, was zuvor verschwiegen worden war.
Israel hatte seit Jahren davor gewarnt, dass Hamas medizinische Einrichtungen und zivile Strukturen für militärische Zwecke missbraucht. Krankenhäuser dienten nach israelischen Angaben als Verstecke, Kommandozentralen, WaffenlagerTerrorinfrastruktur: Wie Terrorgruppen Krieg in zivile Räume verlagernTerrorinfrastruktur bezeichnet Einrichtungen, Netzwerke und Strukturen, die Terrororganisationen für Angriffe, Waffenlagerung, Kommandoführung, Ausbildung, Raketenbeschuss, Tunnelbau oder Logistik nutzen. Besonders gefährlich wird sie, wenn sie in Wohngebieten, Schulen, Moscheen oder Krankenhäusern versteckt wird.Mehr lesen und Zugänge zu Tunneln.
Diese Vorwürfe wurden international häufig pauschal als PropagandaDesinformation: Gezielte Täuschung der ÖffentlichkeitDesinformation bezeichnet bewusst verbreitete falsche oder irreführende Informationen. Ziel ist häufig, Menschen zu täuschen, Vertrauen zu zerstören, Konflikte zu verschärfen oder politische Entscheidungen zu beeinflussen.Mehr lesen behandelt.
Die 18 aufgedeckten Doppelleben beweisen nicht automatisch jeden israelischen Vorwurf gegen jedes Krankenhaus. Sie belegen aber etwas, das lange bestritten oder kleingeredet wurde: Mitarbeiter des Gesundheitswesens konnten gleichzeitig aktive Mitglieder terroristischer Organisationen sein.
Ein medizinischer Beruf macht keinen Terroristen zum Zivilisten
Medizinisches Personal steht im Krieg unter besonderem Schutz. Dieser Schutz ist unverzichtbar. Ohne ihn könnten Ärzte, Krankenpfleger und Sanitäter ihre Arbeit nicht ausüben.
Aber ein medizinischer Beruf ist kein Freibrief für militärische Aktivitäten.
Ein Mensch kann Patienten behandeln und dennoch einer Terrorbrigade angehören.
Er kann im Krankenhaus arbeiten und zugleich Kämpfer ausbilden.
Er kann als Physiotherapeut beschäftigt sein und gleichzeitig einer Einheit für militärische Produktion dienen.
Die zivile Tätigkeit löscht die militärische Funktion nicht aus.
Entscheidend bleibt immer, welche konkrete Rolle eine Person innehatte und ob sie an Kampfhandlungen oder militärischen Strukturen beteiligt war. Nicht jeder Beschäftigte eines Krankenhauses ist deshalb ein legitimes militärisches Ziel. Aber ebenso wenig ist jeder Mensch automatisch unbeteiligter Zivilist, nur weil in einer Datenbank „Krankenpfleger“ oder „Labortechniker“ neben seinem Namen steht.
Genau diese Differenzierung fehlte in vielen internationalen Darstellungen.
Die Berufsbezeichnung wurde als abschließender Beweis behandelt. Die Möglichkeit eines Doppellebens wurde ignoriert. Israelische Angaben galten als verdächtig, während Veröffentlichungen palästinensischer Behörden und Verbände als neutral betrachtet wurden.
Nun widersprechen Hamas und Islamischer Dschihad dieser Erzählung selbst.
Internationale Organisationen müssen ihre Angaben korrigieren
Berufsverbände, Hilfsorganisationen und Medien können nicht einfach so tun, als hätten die neuen Nachrufe keine Bedeutung.
Wo ein Mann ausschließlich als ziviler medizinischer Mitarbeiter gewürdigt wurde, obwohl seine eigene Organisation ihn später als Kämpfer oder Kommandeur bezeichnete, muss die Darstellung ergänzt werden.
Das bedeutet nicht, seine medizinische Arbeit zu leugnen.
Es bedeutet, die ganze Biografie zu nennen.
Mohammed Akram al-Kafarna war Pflegefunktionär und nach Angaben der Hamas Kämpfer.
Fadi al-Wadiya war Physiotherapeut bei Ärzte ohne Grenzen und nach Angaben des Islamischen Dschihad Mitglied einer militärischen Produktionseinheit.
Andere arbeiteten als Krankenpfleger, Sanitäter oder Labortechniker und wurden zugleich als Kommandeure bewaffneter Verbände geführt.
Wer weiterhin nur den weißen Kittel zeigt und die Uniform verschweigt, informiert nicht. Er hilft dabei, das Doppelleben zu verbergen.
Die Enthüllungen beweisen nicht, dass das gesamte Gesundheitswesen im Gazastreifen aus Terroristen besteht. Eine solche Behauptung wäre falsch.
Sie beweisen aber, dass Terrororganisationen das Gesundheitswesen nicht nur von außen missbrauchten. Ihre Mitglieder arbeiteten offenbar mitten darin.
Und sie zeigen, weshalb Angaben aus dem Gazastreifen niemals allein aufgrund einer medizinischen Berufsbezeichnung als vollständig und neutral behandelt werden dürfen.
Autor: Redaktion
Mittwoch, 29 Juli 2026