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Nach Irans Schwächung rückt Erdogan vor: Israel und Türkei geraten auf immer mehr Fronten aneinander

Nach Irans Schwächung rückt Erdogan vor: Israel und Türkei geraten auf immer mehr Fronten aneinander


Syrien, Hamas, das östliche Mittelmeer und das Rote Meer: Überall treffen israelische Sicherheitsinteressen inzwischen auf türkischen Machtanspruch. Was jahrelang wie Erdogans aggressive Rhetorik wirkte, bekommt zunehmend militärische und strategische Substanz.

Nach Irans Schwächung rückt Erdogan vor: Israel und Türkei geraten auf immer mehr Fronten aneinander
Bildnachweis: Pixabay

IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen hat Iran militärisch schwer getroffen, das Assad-Regime ist gefallen und die von Teheran aufgebaute regionale Achse hat erheblich an Stärke verloren. Doch daraus entsteht für Israel nicht automatisch eine ruhigere Nachbarschaft. In mehrere der Räume, aus denen Iran zurückgedrängt wurde, drängt inzwischen ein anderer Regionalakteur: die Türkei unter Recep Tayyip Erdogan.

Eine aktuelle Analyse der JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen Post bündelt, wie weit diese Entwicklung inzwischen reicht. Syrien ist dabei der gefährlichste Schauplatz, aber längst nicht der einzige. Im östlichen Mittelmeer, bei der HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen, in Jerusalem und Judäa und SamariaJudäa und Samaria: Israels historisches Kernland im politischen StreitJudäa und Samaria bezeichnen historische Landschaften zwischen Jerusalem, dem Jordantal und den zentralen Höhenzügen des Landes Israel. In Israel ist der Begriff gebräuchlich. International wird das Gebiet oft anders bezeichnet und politisch als umstritten eingeordnet.Mehr lesen sowie am Horn von Afrika stehen israelische und türkische Interessen zunehmend gegeneinander. Selbst der jüngste juristische Schlagabtausch zwischen Ankara und Jerusalem ist nur noch ein weiteres Symptom dieser Entwicklung.

Die Türkei hatte versucht, über Interpol Druck auf Ministerpräsident Benjamin Netanyahu aufzubauen. Israelische Medien berichteten daraufhin, Netanyahu habe die Vorbereitung rechtlicher Schritte gegen Erdogan angeordnet. Im Mittelpunkt sollen der türkische Umgang mit den Kurden und die Unterstützung der Hamas stehen. Da weder Israel noch die Türkei das Römische Statut ratifiziert haben, dürfte der unmittelbare juristische Effekt begrenzt bleiben.

Politisch zeigt der Vorgang dennoch, wie tief der Konflikt inzwischen reicht.

Es geht nicht mehr nur darum, dass Erdogan IsraelTürkei und Hamas: Erdogans gefährliche Nähe zur TerrororganisationDie Türkei unter Präsident Recep Tayyip Erdogan pflegt seit Jahren politische Kontakte zur Hamas. Während USA, EU und Israel Hamas als Terrororganisation einstufen, bezeichnet Erdogan sie wiederholt als Widerstandsbewegung.Mehr lesen beschimpft und Netanyahu zurückschlägt.

Beide Staaten beginnen, gegeneinander Instrumente einzusetzen.

In Syrien ist aus Konkurrenz bereits eine militärische rote Linie geworden

Am deutlichsten zeigt sich das in Syrien. Ankara gehört zu den entscheidenden Unterstützern der neuen Führung in Damaskus und beteiligt sich am Aufbau der syrischen Streitkräfte. Für Erdogan bietet das Land die Möglichkeit, den türkischen Einfluss weit nach Süden auszudehnen.

Für Israel beginnt genau dort das Problem.

Jerusalem will verhindern, dass sich an seiner Nordgrenze erneut eine militärische Infrastruktur etabliert, die seine Handlungsfreiheit einschränkt. Das gilt besonders für Luftverteidigung, Radar und türkische Truppenstellungen. Israel benötigt freien Zugang zum syrischen Luftraum, um iranische Waffenwege und andere Bedrohungen angreifen zu können.

Im August wurde diese bislang theoretische Auseinandersetzung konkret.

Israel bombardierte den syrischen Luftwaffenstützpunkt Abu al-Duhur. Nach israelischer Darstellung sollte dort unmittelbar eine türkische Militärpräsenz aufgebaut werden. Ankara und Damaskus bestritten die Darstellung einer bevorstehenden dauerhaften Stationierung. Fest steht jedoch, dass Israel mit dem Angriff eine klare rote Linie zog: Eine türkische militärische Ausdehnung in für Israel sicherheitsrelevante Gebiete Syriens wird Jerusalem nicht einfach hinnehmen.

haOlam hat bereits damals darauf hingewiesen, dass genau hier die Gefahr einer direkten Konfrontation entsteht. Israel und die Türkei müssen keinen Krieg wollen, um irgendwann in einen hineinzugeraten. Es genügt, wenn türkische Soldaten, türkische Luftabwehr oder türkische Berater dort auftauchen, wo Israel einen Angriff für sicherheitsnotwendig hält.

Hinzu kommt die politische Richtung Ankaras.

Außenminister Hakan Fidan bezeichnete Israel zuletzt als größte potenzielle Bedrohung für Syriens Stabilität. Gleichzeitig baut die Türkei ihre Beziehungen zur neuen Führung in Damaskus aus. Aus israelischer Sicht geht es damit längst nicht mehr nur um Stabilisierung Syriens. Es geht um die Frage, welche Regionalmacht dort künftig die Regeln bestimmt.

Iran hat diesen Raum teilweise verloren.

Die Türkei versucht, ihn zu füllen.

Hamas, Mittelmeer und Rotes Meer ergeben dasselbe Muster

Auch bei der Hamas ist der Konflikt längst nicht nur rhetorisch. Erdogan weigert sich weiterhin, die Hamas als Terrororganisation zu behandeln. Ankara empfängt ihre Führung, während amerikanische Behörden seit Jahren Finanznetzwerke der Terrororganisation mit Verbindungen in die Türkei dokumentieren.

Das US-Finanzministerium bezeichnete den in der Türkei tätigen Zaher Jabarin bereits als Leiter des Hamas-Finanzapparates. Er habe ein Netzwerk aufgebaut, über das Geld beschafft, investiert, gewaschen und anschließend an die Hamas weitergeleitet wurde. Auch 2026 sanktionierte Washington erneut türkische Firmen und Strukturen, die Hamas finanziell unterstützt haben sollen.

Israelische Sicherheitsbehörden gehen noch weiter. Der Schin Bet hat wiederholt Netzwerke aufgedeckt, die nach seinen Ermittlungen aus der Türkei gesteuert oder finanziert wurden und TerrorstrukturenTerrorinfrastruktur: Wie Terrorgruppen Krieg in zivile Räume verlagernTerrorinfrastruktur bezeichnet Einrichtungen, Netzwerke und Strukturen, die Terrororganisationen für Angriffe, Waffenlagerung, Kommandoführung, Ausbildung, Raketenbeschuss, Tunnelbau oder Logistik nutzen. Besonders gefährlich wird sie, wenn sie in Wohngebieten, Schulen, Moscheen oder Krankenhäusern versteckt wird.Mehr lesen in Judäa und Samaria unterstützen sollten.

Damit verläuft zwischen Ankara und Jerusalem eine grundlegende Trennlinie: Für Israel ist Hamas eine Terrororganisation, die am 7. Oktober 20237. Oktober 2023: Das Hamas-Massaker, das Israel veränderteDer 7. Oktober 2023 war der Tag des Hamas-Massakers in Israel. Terroristen aus Gaza ermordeten etwa 1.200 Menschen, vor allem Zivilisten, und verschleppten mehr als 240 Geiseln in den Gazastreifen.Mehr lesen das schwerste Massaker an Juden seit der SchoahShoah: Der nationalsozialistische Mord an sechs Millionen JudenShoah ist der hebräische Begriff für die Katastrophe der Vernichtung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland und seine Helfer. Rund sechs Millionen Juden wurden ermordet.Mehr lesen verübte. Erdogan bezeichnet sie weiterhin als Widerstandsbewegung.

Auch im östlichen Mittelmeer geht es inzwischen um reale Macht.

Die Türkei beansprucht weitreichende maritime Rechte und stellt sich gegen Projekte Israels, Griechenlands und Zyperns. Dazu gehören Energieinfrastruktur und Stromkabel. Ankara erklärte erst im September erneut, Arbeiten in Seegebieten, die es seinem Kontinentalschelf zurechnet, müssten vorher mit der Türkei abgestimmt werden. Die israelisch-griechisch-zyprische Zusammenarbeit ist deshalb längst nicht mehr nur wirtschaftlich. Sie bildet zunehmend auch ein strategisches Gegengewicht zur türkischen Expansion im Mittelmeer.

Noch weiter südlich wiederholt sich das Muster am Roten Meer.

Israel erkannte Ende 2025 Somaliland als unabhängigen Staat an. Inzwischen unterstützt Israel dort nach Angaben des somaliländischen Verteidigungsministers die Ausbildung von Polizei und Militär. Berichte über eine geplante israelische Militärbasis wurden von Somaliland allerdings ausdrücklich dementiert.

Die Türkei steht auf der anderen Seite. Sie unterstützt Somalia, unterhält dort eine große Militärbasis und lehnt die Unabhängigkeit Somalilands ab.

Damit stehen sich Israel und Ankara selbst an einem der wichtigsten Seewege der Welt zunehmend gegenüber. Der Bab al-Mandab verbindet das Rote Meer mit dem Indischen Ozean und ist für Israel wegen der HuthiHuthi: Terrororganisation des Iran-Netzwerks im JemenDie Huthi, auch Ansar Allah genannt, sind eine schiitisch-islamistische Terrororganisation aus dem Jemen. Sie kontrollieren große Teile des Nordwestens, werden vom Iran unterstützt und bedrohen Israel sowie die internationale Schifffahrt im Roten Meer.Mehr lesen-Bedrohung von besonderer strategischer Bedeutung.

Syrien im Norden, das Mittelmeer im Westen, Hamas-Strukturen in Judäa und Samaria und Konkurrenz am Roten Meer im Süden.

Das sind nicht mehr nur zufällige Einzelkonflikte.

Sie ergeben ein Muster.

haOlam hat diese Entwicklung seit Monaten verfolgt. Erdogan nutzt das entstandene Machtvakuum, um die Türkei als dominierende sunnitische Regionalmacht zu positionieren. Das bedeutet nicht, dass Ankara Iran einfach ersetzt. Die Türkei ist kein iranischer Klon. Sie ist NATO-Mitglied, wirtschaftlich tief mit Europa verflochten und verfügt über völlig andere Instrumente.

Genau deshalb ist die Herausforderung für Israel eine andere.

Iran baute seinen Einfluss hauptsächlich über Terrororganisationen, Milizen und Raketen auf.

Die Türkei verfügt über eine reguläre Armee, eine bedeutende Rüstungsindustrie, diplomatischen Einfluss, wirtschaftliche Macht und die Rückendeckung eines NATO-Staates. Gleichzeitig verbindet Erdogan diesen Machtapparat mit einer Politik, die Hamas aufwertet und Israel immer aggressiver als Gegner darstellt.

Israel hat deshalb keinen Grund, einen Krieg mit der Türkei zu suchen.

Es hat aber ebenso wenig Grund, Erdogans Machtpolitik als bloße Rhetorik abzutun.

Der Konflikt ist längst auf der Landkarte angekommen.




Autor: Redaktion
Samstag, 03 Oktober 2026

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